Eine klassische vollmechanische manuelle Kamera
01.05.2006 (02.05.2006)
Pro:
Zuverlässigkeit, Robustheit, Werterhalt, keine Batterie, anschließbare Objektive
Kontra:
Kein eingebauter Belichtungsmesser
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Bildqualität
Ausstattung
Bedienung
Verarbeitung
Akkulaufzeit
Zuverlässigkeit
Service
mehr
 NewMan364
Über sich:
Mitglied seit:19.04.2006
Erfahrungsberichte:9
Vertrauende:1
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 15 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Erst einmal möchte ich auf die Fehler in den Produktdaten hinweisen: Die Kamera verfügt weder über einen Autofokus, noch über eine Blendenautomatik, ist keine Spiegelreflex, sondern eine Meßsucherkamera, hat keine Panoramafunktion und auch keine Ladeautomatik. Ist aber sehr wohl für Wechselobjektive gemacht! ________________________________________________ Zur Leica M4 an sich, Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Modelle, Unterschieder zu M6:
Grundsätzlich ist diese Kamera , die Leica M4-2 eine typische Leica M, sie ist praktisch baugleich mit den Modellen M4 und M4-P, das Gehäuse ist auch fast identisch mit der M6 und verwendet auch den identischen Objektivanschluß, das gleiche Bajonett. Also eine äußerst robuste, solide Kamera gebaut für die Ewigkeit. Die M6 ist fast 20 Jahre im Programm gewesen und damit das verbreiteste Modell, zum dem es hier bei ciao auch gute Erfahrungsberichte gibt. Technischer Unterschied zu dieser ist nur der noch nicht vorhandene eingebaute elektronische Belichtungsmesser und der fehlende Sucherrahmen für 75mm Objektive, der erst mit dem Nachfolger, der Leica M4-P, die ich selbst neben der M6 besitze, eingeführt wurde. Grundsätzlich sind praktisch alle Aussagen, die ich hier treffe, auch auf Leica M4 und die M4-P, die hier bei ciao nicht gelistet sind, übertragbar. Technischer Unterschied zum Modell Leica M4 ist, die Möglichkeit als Zubehör einen Motor Winder anzubauen. Allerdings verfügte die M4 als letzte Leica noch über einen (mechanischen) Selbstauslöser. Aber bei der Leica M hat sich der motorische Filmtransport nie durchgesetzt, ein klobiger ratternder Motor paßt einfach nicht zu diesen äußerst leisen, diskreten Kameras.
Mögliche Verwendung: Die Leica M4-2 bzw. M4 und M4-P sind meiner Ansicht nach interessant als Zweitgehäuse für Leica M-Fotografen, zum Fotografieren mit dem Schwarzweißfilm Kodak BW400CN (Da ist der Belichtungsspielraum so groß, daß man schätzen kann) oder als Blitzleica, wo dann nur die Blende wie am Blitzgerät angegeben und die Zeit auf 1/45s gestellt wird, bzw den Gebrauch im Studio an einer professionellen Blitzanlage. Als relativ preiswerten Einstieg in die Leica-Fotografie empfehle ich sie nicht unbedingt, da das meiste Geld sowieso die Objektive kosten, und sie nicht so deutlich unter der M6 gehandelt wird, die praxisgerechter ist weil sie einen eingebauten Beli hat, dennoch ist sie neben der Leica M2 oder M3 die preiswerteste Möglichkeit mit einer Leica M zu fotografieren.
Belichtungsmessung? Es gab allerdings, als Zubehör, einen aufsteckbaren Belichtungsmesser, das Leicameter MR, allerdings funktionierte dieser mit Quecksilberbatterien, die heutzutage verboten sind, es gibt zwar passende Batterien, die aber eine falsche Spannung haben, so daß es damit zu Fehlmessungen kommt. Sollte jemand einen solchen ergattern (manchmal werden z.b. Leicas bei eBay mit einem Leicameter verkauft) gibt es funktionierende Batterien, sogenannte Zink-Luft-Batterien, die allerdings nicht ganz einfach zu beschaffen sind, im Fotofachhandel sind die praktisch gar nicht erhältlich, aber wer im Internet danach sucht, wird bei Versendern fündig. Dieses Leicameter bietet aber keine TTL-Messung und der Umgang damit ist relativ umständlich. Man stellt dann die Belichtungszeit an einem Drehrad des Belichtungsmessers, der mit dem Verschlußzeitenrad der Kamera verbunden ist die Belichtungszeit ein, visiert das Motiv an, drückt dann eine Taste am Belichtungsmesser, nimmt die Kamera vom Auge stellt die am Leicameter ablesbare Blende am Objektiv ein, visiert dann wieder das Motiv an und löst aus. Was das bei wechselnden Lichtverhältnissen bedeutet, kann sich wohl jeder vorstellen. Kameragehäuse: Wer übrigens an der Kamera ein Batteriefach sucht, wird nicht fündig, die Kamera arbeitet voll mechanisch und da sie keinen Belichtungsmesser hat, braucht sie auch kein Batteriefach. Einsatzbereit ist sie also auch unter widrigsten Bedingungen, vielleicht ein Grund dafür, warum etwa 500 in Kanada gefertigte Modelle unter der Typbezeichnung KE-7E an die amerikanische Armee geliefert worden sind. Aber sie ist ein Liebhaberstück, sehr schön anzuschauen und äüßerst robust und solide gefertigt, sie hat noch ein Zeiteneinstellrad aus Metall im Gegensatz zur M6 und noch nicht den "roten Leica Punkt" oben in der Mitte, nur einige haben auf der Vorderseite einen abhängig von der Ser.nr., sondern oben auf der Deckplatte steht noch in schöner Schreibschrift Leitz, ähnlich auch bei der M4-P in etwas gröberer Schrift und standardmäßig mit dem roten Punkt auf dem aber auch noch Leitz und noch nicht Leica steht. Vielleicht eher was für die Vitrine, in denen seit Jahrzehnten tausende von Leicas verstauben....
Tips zum Kauf: Aber nein, für die Vitrine ist sie wirklich zu schade und sollte sie zu lange dort gestanden haben, kann es sogar passieren, daß der Verschlußvorhang klemmt, was man bei einem Kauf unbedingt kontrollieren sollte, bei Verschlußzeiten von 1s-1/8s ist das mit dem bloßen Auge sichtbar. Ist die Kamera benutzt worden, funktioniert sie auch nach 30 Jahren und wahrscheinlich auch die nächsten 30 zuverlässig. Wie bei jeder Leica ist es ein Vergnügen, dem leisen Surren der Mechanik bei längeren Verschlußzeiten zuzuhören. Tips zum ergänzenden Zubehörkauf:
Objektive: Wer also z.B. Abenteurer (Himalaya, Antarktis, Sahara etc.) ist und diese Kamera haben möchte, dem empfehle ich dazu das Summicron 35mm (vor der höllisch guten, aber noch sehr teuren ASPH-Ausführung), das auch gebraucht relativ preiswert zu bekommen ist und über eine ordentliche Abbildungsqualität verfügt. Achtung nicht zu dem älteren Summilux greifen, das ist zwar nicht teurer und lockt mit der Offenblende 1.4 gilt aber in Fachkreisen als Flaschenboden und hat eine deutlich schlechtere Abbildungsleistung vor allem bei kritischen Lichtverhältnissen. Wenn man Schnäppchen macht, bekommt man beides zusammen in brauchbarem Zustand bei eBay für <1.000€. Als sinnvolle Ergänzung könnte man noch das Elmarit 2.8/90mm (zu dem ich nichts sagen kann, außer daß es einen guten Ruf hat) oder das Summicron 90mm nehmen, daß zwar nicht die allerbeste Abbildungsqualität hat, wie man sie eigentlich von einer Leica-Optik erwartet, etwas weich zeichnet, aber vielleicht gerade dadurch sehr schöne stimmungsvolle Portaitaufnahmen ermöglicht und bei eBay für ca. 500€ zu bekommen ist. Es gibt natürlich noch ganz andere Schmankerln im Leica Objektivprogramm z.B. das Noctilux 1:1.0./50mm, eines der lichtstärksten Objektive aller Zeiten, aber ich denke, wer bereit ist dafür alleine mindestens 1.500€ bei eBay zu bezahlen, neu noch wesentlich mehr, schätze mal mindestens das doppelte, wird sowieso zur M6, M6TTL oder M7 greifen. Belichtungsmesser: Dann sollte man sich aber ein Leicameter (s.o.) oder einen Handbelichtungsmesser dazu kaufen oder beim fotografieren eine andere Kamera, kann ja u.U. auch eine Digi sein, an der sich gemessene Belichtungswerte (Blende/Zeit) ablesen lassen. Fotografieren mit Diafilm ist dann wg. dessen geringen Belichtungsspielraum aber eher nicht empfehlenswert, mit Negativfilm lassen sich aber sehr gute Ergebnisse erzielen.
Fazit: Mit dieser Kamera fotografiert man (obwohl aus den 70ern) wie in den 60ern, erzielt aber durch die hohe Qualität der meisten Optiken eine Bildqualität bei guten Abzügen, die sich mit den besten heutigen Kameras messen kann und das auch dann noch, wenn eine Digi längst eingefroren wäre. Wer eine klassische Automatikuhr einem Quarzchronographen vorzieht, findet an der Mechanik dieser Kamera bestimmt auch Gefallen.
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31.01.2009 12:27
Ziemlich hoher Neidfaktor
27.12.2007 12:45
Ich weiß nicht wie er vorher war, aber nach der Überarbeitung bekommt dein bericht ein klares "sehr hilfreich" von mir. Ist er nämlich auch ;-) LG, Jana
09.05.2006 09:39
Ein wirklcih schönes Teil über das Du hier berichtest. Das schöne an Ciao ist doch immer wieder, dass man auch über die sog. vergessenen Dinge etwas lesen kann. LG, Martina