Leitungswasser in Mannheim

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Leitungswasser in Mannheim

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Wasserspiele mit Ulman

3  10.06.2007

Pro:
man kann es trinken

Kontra:
is oft zu warm

Empfehlenswert: Ja 

Ulman

Über sich: Für lesen ist ja auch irgendwie schön....

Mitglied seit:25.08.2000

Erfahrungsberichte:166

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Wenn man ein paar Tage keinen Bericht mehr bei Ciao geschrieben hat bedarf es für ein gepflegtes Comeback natürlich eines Themas, das von allgemeinem Interesse ist.
Was würde sich da besser anbieten, als diese spektakuläre Kategorie? Wer hat sich denn noch nicht gefragt, was es mit dem Leitungswasser in Mannheim auf sich hat?

Nach einer kurzen Einleitung macht sich eine knackige Gliederung immer noch ganz gut.
Der nachfolgende Text unterteilt sich wie folgt:

1. Geschichte
2. Harte Fakten
3. Allgemeine persönliche Erfahrungen
4. Ein Selbstversuch
5. Eine kleine Umfrage
6. Bewertung und Fazit


1. Geschichte

Für die Beurteilung des Mannheimer Leitungswassers ist es sicher nicht entscheidend, wann es geboren wurde oder wer es erfunden hat. Dennoch lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit, um zu sehen, wie kontrovers das Thema "Wasserqualität" schon vor einigen Jahrhunderten diskutiert wurde.

Recht begeistert berichtet ein Zeitzeuge aus dem 18. Jahrhundert vom hervorragenden Wasser in Mannheim:

"Das Wasser, dem man so vieles zur Last legen will, ist vortrefflich, selbst die Natur hat die Sorge übernommen, es zu reinigen. Die Stadt stehet auf einem Sand, überall wo man gräbet, hat man Brunnenwasser, das aus einem reinem Sand hervorkommt, und dorten schon filtrirt ist. Das was in Paris die so viele 1000. Künstliche mit Sand gefüllte Maschinen bey dem Wasser der Seyne bewürken müssen, dies thut hier der Boden der Stadt, und man darf nur seine Brunnen tief genug graben, und fleißig brauchen, so wird man das vortrefflichste Wasser
erhalten. Mannheim ist als ein überaus gesunder Ort."

Unbekannter Autor - Von dem Bevölkerungs-Stand in Chur-Pfalz, vorzüglich in Mannheim, 1769
aus Mannheimer Impressionen, E. Janda und H.G. Klein, Hermann g. Klein Verlag, 2004, S.15


Natürlich gab es in dieser Epoche auch anders lautende Stimmen:

"In Mannheim ist das Wasser so schlecht und hart, dass man im Tee lauter Widerhaken zu trinken meint".

Dieses Zitat stammt von einem Herrn Heinse, der obigen Satz 1780 notierte:

Quelle: http://www.lothar-mark.de/kulturgaenge_detail.php?id=19


Entweder hatte sich die Güte des Wassers in Mannheim innerhalb von 11 Jahren dramatisch verschlechtert oder Herr Heinse und der unbekannte Autor hatten einfach einen völlig unterschiedlichen Wassergeschmack.

Aber halten wir uns nicht allzu lange mit den alten Geschichten auf, wir wollen ja das heutige Leitungswasser in Mannheim beurteilen.


2. Harte Fakten

a) Kosten
Besonders interessant sind ja immer die Kosten. Diese setzen sich aus einem Mengenpreis und einem Grundpreis zusammen.

Mengenpreis:
2,19 € pro m³

Grundpreise:

bis 5 m³/h 39,59 Euro/Jahr 37,00 Euro/Jahr
bis 10 m³/h 51,36 Euro/Jahr 48,00 Euro/Jahr
bis 20 m³/h 64,20 Euro/Jahr 60,00 Euro/Jahr
bis 30 m³/h 96,30 Euro/Jahr 90,00 Euro/Jahr
bis 100 m³/h 206,51 Euro/Jahr 193,00 Euro/Jahr
bis 150 m³/h 321,00 Euro/Jahr 300,00 Euro/Jahr
bis 300 m³/h 666,61 Euro/Jahr 623,00 Euro/Jahr


b) Güte

Auf folgender Seite lassen sich relativ aktuelle Analysen des Mannheimer Wassers einsehen:

http://www.mvv-life.de/de/pub/wasser/wasserqualitaet.cfm#

D a ich selbst keine Ahnung habe, welche Angaben wirklich wichtig sein könnten, belasse ich es bezüglich der Inhaltsstoffe bei meinem Verweis auf die obige Seite. Beruhigend fand ich vor allem die Information, dass die Werte für Arsen recht niedrig schienen.
Der PH-Wert könnte vielleicht noch interessant sein: 7,43 (bei der letzten Analyse des Wasserwerks in MA-Käfertal)

Und richtig wichtig als Gütekriterium ist natürlich der Härtegrad des Wassers, schon allein wegen der Waschmitteldosierung.
Der Härtegrad liegt zwischen 3 und 4. Für alle, die von Härtegraden keine Ahnung haben, sei gesagt, dass 1 ganz weich bedeutet und 4 ganz hart.
Update: Härtegrade hatte ich verwechselt und sind nun korrigiert. Update Ende

Auf der Homepage der MVV wird die Mannheimer Wasserqualität natürlich angepriesen, und man behauptet, dass es auch für Babys geeignet sei.


3. Allgemeine persönliche Erfahrungen

Ich bin vor über einem Jahr aus Mannheim weggezogen. Mein Wohnungswechsel hatte aber nichts mit dem Mannheimer Leitungswasser zu tun. Ich bin aber auch nicht so weit (Ludwigshafen) weggezogen, als dass ich nicht weiter meine Erfahrungen mit dem Mannheimer Wasser machen würde.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich finde das Mannheimer Leitungswasser weder besonders toll noch besonders schlecht. Langweilig, ich weiß.
Verrisse oder Lobeshymnen sind einfacher zu schreiben.

Jedenfalls ist mir bei dem Wasser nie was aufgefallen. Ich schrecke nicht davor zurück, es direkt aus dem Hahn zu trinken. Gibt es attraktive Alternativen, ziehe ich diese immer vor.

Was ich nicht so mag ist, dass es mir recht warm vorkommt. Ich habe nie in den Außenbezirken Mannheims gewohnt, vielleicht ist es dort kälter. In der Innenstadt ist es auf alle Fälle sehr warm.

Ansonsten kann man mit dem Mannheimer Wasser alles anstellen, was einem im Zusammenhang mit Wasser einfällt.
Vom einfachen Trinken übers Wäsche Waschen bis hin zum Tischtennisbelag Reinigen ist alles möglich.

Was mir grade einfällt: Meine Waschmaschine, die ich mittlerweile meiner Exfreundin Samin vermacht habe, hat in ihrem ca. 13-jährigen Dasein nicht einmal Calgonit oder andere Wasserenthärter am eigenen Leb erfahren dürfen und ist immernoch nicht an Lochfraß erkrankt. Dies erstaunt dann fast schon ein wenig angesichts der offiziellen Härte des Mannheimer Wassers.

Wo wir schon mal beim Thema sind: Bis auf eine Begebenheit ist mir auch nie ein Unterschied zum Mannheimer Wasser aufgefallen, wenn ich mal wo anders in Berührung mit H2O kam. Wasser ist für mich Wasser.
Außer in Hude! Hude liegt bei Bremen. Wenn das Mannheimer Wasser einen Härtegrad von 3/4 hat, dann müsste Hude einen Weichheitsgrad (Härtegrad trifft es hier nicht ganz) von 1 haben.. Vielleicht speisen sie ja Haarspülung ins örtliche Wassernetz ein. Wer weiß...?


4. Ein Selbstversuch

Als ich mich für dieses Thema entschieden hatte, wurde mir sofort klar, dass ich bisher viel zu unbewusst mit dieser Thematik umgegangen war, um wirklich Spannendes berichten zu können. Daher wagte ich vor ein paar Tagen einen meiner Selbstversuche.

Ort: Café Vienna Mannheim, an der Theke
Zeit: ca. 22 Uhr
Beteiligte Personen:
Ich (Testperson)
Samson (Barkeeper)
Ivy (Bedienung)

Samson kennt mich natürlich sehr gut. Schon bei meiner ersten Bestellung (Ein Glas Leitungswasser) zog er eine Augenbraue hoch. Aber er ist kein Mann der großen Worte, und er folgte meinen Anweisungen, als ich ihn bat, das Wasser erst eine Weile laufen zu lassen, damit es nicht zu warm für mich würde.

Ergebnis:
Wie das Wasser anderswo auch ist die Mannheimer Brühe geschmacksneutral, also langweilig.


Als nächstes bestellte ich ein Glas warmes Leitungswasser. Dies fand dann sogar Samson mehr als befremdlich, aber nach kurzer Erkundigung bezüglich meines Wohlbefindens folgte er auch hier meinen Instruktionen.

Ergebnis:
Warmes Wasser schmeckt ganz schön Scheiße! Am ehesten erinnerte es mich (von der Temperatur her) ans Ausspülen beim Zahnarzt. Ich glaube mich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen, dass ich mit warmem Wasser in anderen Städten einen ähnlichen Effekt erzielt hätte.


Nun brauchte ich etwas Kühles. Ich schlug zwei Fliegen mit einer Klappe, indem ich mir ein Glas Wasser mit Eis bestellte.

Ergebnis:
Ich muss sagen, diese Variante sagt mir am meisten zu.
Die Mannheimleitungswassereiswürfel wiesen keine besonderen Auffälligkeiten auf, das durch die Würfel gekühlte Wasser schmeckte zwar immer noch nach nichts, aber es erfrischte immerhin.


Zum Abschluss meiner kleinen Testreihe verschonte ich Samson und bestellte mir bei einer anderen Bedienung eine Tasse heißen Wassers. Ivy ist wohl etwas schmerzfreier als Samson, denn sie stellte mir die Tasse hin, als hätte ich grade ein Cola oder ein Bier bestellt.

Ergebnis:
Unglaublich, aber wahr: Heißes Wasser schmeckt nicht so schlimm wie warmes!
Irgendwie schmeckte es nach Tee, auch wenn ich nicht definieren konnte, nach was für einer Sorte.

Kleines Ereignis am Rande: Das anschließende Bier schmeckte sowas von fantastisch!!

Wasserdampf inhalieren hab ich angesichts der derzeitigen Außentemperaturen übrigens einfach mal weggelassen.

5, Eine kleine Umfrage

Weil ich mich nicht nur auf mein eigenes Urteil verlassen wollte, habe ich mich wenigstens bei ein paar anderen Leuten umgehört.

Die Standardfrage lautete:"Was hältst du vom Mannheimer Leitungswasser?"

Samson:"Is halt Wasser"

Ivy:" Pfffff....." Zusatzfrage, weil sie in einem Vorort wohnt:"Wie kalt ist das Wasser bei euch aus der Leitung?"
Ivy: "Wenn der Boiler kaputt ist, duscht man schon saukalt!"

Dirk:"Wenn man ein Glas Wasser stehen lässt, hat sich bis zum nächsten Tag am Boden des Glases was Ekliges abgesetzt. Und auch sonst finde ich das Mannheimer Wasser nur gruselig."

Horst:"Ich trink sowas nicht."

Insgesamt brachte mich meine kleine Umfrage nicht wirklich weiter, weil auch alle anderen Befragten ähnlich reagierten.

6. Bewertung und Fazit

Mir bleibt leider nichts anderes übrig, als das mittelmäßige Mannheimer Leitungswasser als mittelmäßig einzustufen.

Vor Jahrhunderten stritten sich schon die Geister ob der Güte des Mannheimer Wassers.
Die Analysedaten weisen keine Auffälligkeiten auf.
Man kann alles damit anstellen wie mit anderen Wassern auch.
Der Selbstversuch lässt sich vermutlich auch auf Leitungswasser in andern Städten übertragen.
Meine Umfrage brachte auch keine sensationellen Erklenntnisse.

Großer Pluspunkt bleibt einzig und allein, dass es nicht sonderlich auffällt, dass es sich um recht hartes Wasser handelt.
Dies reicht aber nicht aus, um es mit "gut" zu bewerten.


Gruß

Wasserman

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
nintendoplayer2

nintendoplayer2

07.01.2010 17:30

In Berlin ist das Leitungswasser wohl auch sehr gut, allerdings ist das Wasser hier wohl sehr hart und das führt zur schnellen Kalkbildung.

Molf

Molf

20.11.2008 15:05

Aufgrund des wirklich langweiligen Geschmacks und der allgemeinen Farblosigkeit von Wasser halte ich es mit dem altbekannten Leitspruch: Ich trinke nichts, in dem Fische ficken.

lillystern

lillystern

02.11.2008 13:56

Sehr aufschlußreich.....nun weiß ich Bescheid....Danke!...lach..Gruß LillyS.

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