Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Fabelhaft gezeichnet . . . |
| Kontra: |
. . . doch schwach erzählt . |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Kurzkritik für Ungeduldige:
In einem idyllischen Sanatorium im Grünen werden neurotische, des Sprechens fähige Tiere behandelt. Ihre menschlichen Betreuer sind ebenfalls nur bedingt als "normal" einzuschätzen, was den Alltag in diesem Haus recht turbulent gestaltet ... - Berühmter Zeitungsstrip von Frank Cho, der seinen Witz aus der scheinbar selbstverständlichen Konfrontation vernunftbegaber und sprechender Tiere mit liebenswert fehlerhaften Menschen ziehen möchte. Dabei werden aktuelle Ereignisse aus der Politik, vor allem aber aus Kunst und (Trivial-)Kultur leicht verfremdet durch den Kakao gezogen. Die unerhörte Zeichenkunst Chos kontrastiert mit der Humorarmut seiner Geschichten. Ein Funke will nicht recht überspringen, was auch an der merkwürdigen Ambivalenz liegt, mit der Cho seine weibliche Hauptperson behandelt: Sie ist ihm eher Pin-Up als unterstützende Figur des Comics und bleibt ein deutlicher Fremdkörper. Inhaltlich daher definitiv enttäuschend.
Inhalt:
Liberty Meadows ist ein Tierasyl der besonderen Art: Seine vierbeinigen Bewohner sind des Sprechens mächtig, und das zeigen sie gern und oft. Was sie sagen möchten, bleibt oft unklar, denn sie haben alle einen mächtigen Dachschaden sowie die Tendenz zur Realitätsflucht; das sind schließlich die Gründe, wieso sie an diesem Ort gelandet sind.
Zur Zeit haben wir als "Gäste" Truman, den Enterich, einziger Überlebender eines Tankerunglücks, dessen Traumata nur durch seine Naivitäten übertroffen werden; Ralf, einen abgetakelten Zirkusbären, dessen Tricks stets misslingen; seinen besten Freund Leslie, ein Breitmaulfrosch voller Sarkasmen und eingebildeter Wehwehchen; Dean, das Schwein, ehemaliges Maskottchen einer Studentenverbindung, seither Säufer, Kettenraucher und Supermacho, in Liberty Meadows auf Entzug, den er ständig trickreich zu vereiteln sucht. Außerdem gibt es noch eine BSE-verdächtige Kuh, den hinterlistigen Katzenwels Khan, eine Riesenzecke und andere seltsame Zeitgenossen.
Betreut wird diese Gruppe vom begabten, aber chronisch schüchternen und auch sonst alltagsuntauglichen Tierarzt Frank. Glücklicherweise gibt es für die richtige Arbeit die wunderschöne Psychologin Brandy. Im Hintergrund wirken Julius und Hausmeister Tony. Frank ist selbstverständlich schwer und unglücklich in Brandy verliebt, die von seinen unbeholfenen Avancen nie etwas zu bemerken scheint oder mit ihrer unheilvollen Liebe zur Eiscreme ringt.
Das ist die Ausgangssituation, aus der sich in den hier versammelten Tages- und Wochenendstrips quasi von selbst entwickeln. Die Tiere leben in ihren jeweiligen Traumwelten und treiben verrückte Sachen, während die Menschen entweder die daraus resultierenden Katastrophen ausbügeln oder das Chaos durch eigene Kommunikationsschwächen erheblich vermehren.
Zeichnungen
Eindeutig d a s große Plus von "Liberty Meadows": Frank Cho kann zeichnen. Puristen bemängeln womöglich die farbenfrohe Süßlichkeit seiner Bilder, aber wer sauber und klar gezeichnete Zeichnungen schätzt, wird auf seine Kosten kommen. Schließlich ist "Liberty Meadows" keine große Kunst, sondern soll "nur" gut unterhalten.
Dies ist ein Comic-Strip für die Zeitung. Unter der Woche erscheint (bzw. erschien, denn Cho hat "LM" - s. u. - 2002 eingestellt) er schwarzweiß, am Sonntag farbig. Der Wochenstrip erzählt oft mehrteilige Geschichten, während am Wochenende eine abgeschlossene Episode präsentiert wird.
Cho legt seine Figuren leicht karikierend an, d. h. er verzerrt sie humoristisch. Die Gestalt seiner Tiere verändert er unauffällig so, dass sie anatomisch zu ihrem quasimenschlichen Tun in der Lage sind. Schließlich sind sie Spiegelbilder ihrer Leser mit allen ihren liebenswerten Marotten. Diese drücken sich in ihren Minen und in ihrer Körperhaltung angemessen deutlich, aber nicht aufdringlich wider.
Auch Chos Menschen wurden zeichnerisch mehr oder weniger "funnytauglich" gemacht. Frank drückt schon auf den ersten Blick den ängstlichen, verklemmten "Eierkopf" aus, Tony ist der einfache Malocher aus dem Bilderbuch.
Eine Ausnahme gibt es: Mit Brandy gibt sich Cho sichtlich große Mühe. Sie ist ist zwar konzeptionell eine Karikatur - die der klugen, sich ihrer Vorzüge nicht bewussten, "unschuldigen", quasi asexuellen Schönheit -, aber äußerlich hat Cho sie hyperrealistisch gestaltet; sie könnte einem Herrenmagazin entsprungen sein. Brandy trägt stets Kleidung, aber sie geht, liegt, streckt sich wie ein Model. Selten integriert sie sich in die "LM"-Stories, sondern steht für sich bzw. für Chos unerfüllte Vorstellung von seiner Traumfrau. Mit der behelligt er seine (männlichen) Leser, was sich diese in den berufspubertierenden USA offenbar gern gefallen lassen.
Ähnlich präzise arbeitet Cho, wenn er seine Protagonisten in ihren Träumen z. B. auf Tarzan, King Kong oder Prinz Eisenherz treffen lässt. Hier trifft er die Vorbilder perfekt, indem er sie gleichzeitig ein wenig karikiert. (Ähnlich wie übrigens bei "Calvin & Hobbes" von Bill Watterson.) Auch die Natur um Libery Meadows fängt Cho mit wenigen Federstrichen kongenial ein.
Text (d. h. eigentlich Story)
Hier nun scheiden sich die Geister der "LM"-Kritiker und Ihres Rezenten. Erstere jubeln über "umwerfende Gags" und "skurrile Einfälle", schwärmen vom "hohen Niveau" und der "hintergründigen Handlung", erinnern bedeutungsschwanger an Chos eingeheimsten Preise.
Letzterer steht staunend da wie der sprichwörtliche Ochse vor dem Berg: "Liberty Meadows" findet er einen erstaunlich witzlosen Comic. Humor ist natürlich stets eine Definitionsfrage. Doch wie "harmlos" darf er werden, um noch komisch zu sein? "LM" ist eine Gemenge langbärtiger, geradezu würdevoll antiker Scherzchen, die einfach nicht zünden wollen. Angesichts der prachtvollen Zeichnungen wartet man gespannt auf den alles auflösenden Finalgag, der jedoch niemals kommen will. Liegt's an der Übersetzung? Doch da sind sehr viele Strips, die rein optisch funktionieren - funktionieren sollen, denn witzig sind auch sie nicht. Nett sind höchstens Chos ständige Anspielungen auf Filme und Fernsehserien, Literatur und Kunst.
Walt Kellys "Pogo" war witzig, Berke Breatheds "Bloom County" ebenfalls, Jeff Smiths "Bone" ist es glücklicherweise noch. Hier finden wir wirklich hintergründigen, trockenen, manchmal anarchistischen Humor. "LM" soll vielleicht, kann da aber nicht annähernd mithalten - wie denn eigentlich auch, ist dies doch eine auf den absoluten Comic-Mainstream ausgerichtete Serie: auf die Leser einer Tageszeitung, die bei ihrer gemütlichen Lektüre ganz sicher nicht aufgeregt oder gar verärgert werden sollen.
Erneut macht sich Chos eigentümliche Vernarrheit in seine Traumfrau negativ bemerkbar. Da gibt es ganze Strips, deren Programm ausschließlich Brandy heißt, wie sie "niedlich" ihr Gesicht verzieht, während sie einen Kirschenstiel mit der Zunge verknotet oder vom Niesreiz geplagt wird. Aber das ist keineswegs komisch, Brandy ist nicht komisch. Ist sie ins Geschehen involviert, sticht ihre statuenhafte Untätigkeit um so deutlicher ins Auge. Was denkt sich Cho dabei? Oder ist es in den Vereinigten Staaten tatsächlich genug der Unterhaltung, eine möglichst schöne Frau - und sei sie nur gezeichnet - ganz alltägliche Dinge tun zu lassen?
Autor
Frank Cho wurde als Duk Hyun Cho 1971 in Seoul (Südkorea) geboren. Als er sechs Jahre alt war, wanderten seine Eltern in die USA aus. Hier machte sich schon früh Franks zeichnerische Begabung bemerkbar. Im College schuf er mehrere Strips für Schülerzeitungen, während seines Medizinstudiums dann 1994 die Serie "University", die Vorläuferin für "Liberty Meadows", in die sie 1997 überführt wurde.
"University" bietet im Grunde das, was "Libery Meadows" vermissen lässt. Das lässt sich gut vergleichen, da wir viele Figuren (Leslie, Ralf, Dean; Frank ist noch eine Ente) in beiden Comics finden. Der Witz ist - dem Ambiente angemessen - rauer und wilder (für amerikanische Verhältnisse jedenfalls).
Aber "Liberty Meadows", die "politisch korrekte" Version, wurde ungleich erfolgreicher. Im Auftrag von Creators Syndicate glättete Cho bereitwillig Ecken und Kanten und wurde mainstreamtauglich. Der Lohn: ein Ignatz Award als bester Zeichner und für den besten Comic des Jahres 1999. (Freilich hatte Cho mit im Komitee gesessen und sich folglich quasi selbst für den Preis vorgeschlagen ...)
Seit 1999 lebt Frank Cho mit seiner Gattin in Baltimore. Anfang 2002 hat er die Publikation des "Libery Meadows"-Tagesstrips eingestellt. In Heftform setzt er die Abenteuer seiner Helden fort. Über den aktuellen Stand kann man sich stets auf Chos fabelhafter Website informieren, welche er mit dem ihm eigenen Selbstwertgefühl "Liberty Meadows Internet Sanctuary" nennt (http://www.libertymeadows.com/chonews.htm). Hier lernen wir auch viele weitere Belege für Chos Besessenheit für schöne Frauenkörper kennen, die er drall und kunstvoll erotisch verrenkt für viele weitere Comics in Szene setzt.
Impressum
Übersetzung: Eckart Schott
Deutsche Erstausgabe (geb.): 2000 (Salleck Publications/Eckart Schott Verlag)
96 S.
EUR 15,00
ISBN 3-8990-8024-6
(Copyright 18.03.2004/Dr. Michael Drewniok)
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Eine Klasse für sich
Bewertung für Liberty Meadows - Album 1 / Frank Cho von
fippsy
Pro: sehr gute Gags, gelungene Übersetzung
Kontra: schwarz-weiß
Liberty Meadows ist, gleich vorneweg gesagt, ein kleines Meisterwerk. Es ist unglaublich, wie es Frank Cho schafft, die einzelnen Strips in einen Zusammenhang zu bringen, aber trotzdem jeden Strip auch für sich stehen zu lassen. Er schafft das Kunstwerk, ...
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Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als hilfreich |
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06.07.2000
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