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... auf die Namensgebung in der Botanik zeigt sich wunderbar am Beispiel des Liebstöckel. Die Ähnlichkeit des Geruchs des Liebstöckelkrautes mit dem Produkt Maggi, einer Suppenwürze die so gut wie jeder kennt, hat das Liebstöckel zum Maggikraut werden lassen. Diesen markanten Geruch bewirken ätherische Öle und Alkylphatalide in den Blättern.
Levisticum officinale, so der lateinische Name dieser Pflanze stammt ursprünglich von einer Wildpflanze aus den persischen Bergländern ab. Über die frühere Geschichte dieses Krautes ist so gut wie Nichts bekannt. In der antiken Literatur ist zwar des öfteren von einer Pflanze Namens leviticum die Rede, welche als die wichtigste Pflanze unter den Gewürzkräutern des Apicius-Kochbuch genannt wird, es ist jedoch sehr unwahrscheinlich, dass damit tatsächlich das Liebstöckel gemeint ist. Dort wird diese Pflanze nämlich als zart bezeichnet ... was das Liebstöckel nun mal überhaupt nicht ist.
Ganz im Gegenteil handelt es sich bei dieser Pflanze um ein bis zu einem Meter hohes Gewächs, mit kräftigen, hohlen Stengeln und bis zu 70 cm lange und breite Blätter. Auch die Blüten, gelbe Dolden erreichen ein Ausmaß von mehr als 30 cm im Durchmesser.
Im frühen Mittelalter schließlich war unter dem Namen levisticum zweifelsfrei das Liebstöckel gemeint. Zu dieser Zeit wurde auch der Name ... Liebstöckel ... geprägt. Der Ursprung ist dabei wahrscheinlich eine Verballhornung von levisticum. Die Pflanze, die heute beinahe überall bekannt ist und auch in den meisten Gärten einen besonderen Platz hat, wird auch je nach Gegend verschieden genannt. So wird Levisticum officinalis zum Beispiel im Oberharz Lebensstock, in Kärnten Luststock, in der Schweiz Laubstock und im Süden von Niedersachsen Leberstock genannt.
Eigenartig ist, dass diese starke Verbreitung des Liebstöckels im deutschsprachigen Raum vor allem aufgrund des Namens dieser Pflanze geschehen ist. Besonders zur Zeit Karls des Großen wurde diese Pflanze vor allem auch als Zierpflanze in den Gärten und in großer Anzahl gezüchtet. Das klassische Beispiel für diese namensmäßige Verbreitung ist das fast vollkommene Fehlen dieses Krautes in der französischen Küche ... denn im französischen heißt Liebe ... aimer ... das Liebstöckel jedoch Livèche ... hat somit gar nichts mit Liebe zu tun ... und ist aus diesem Grund bei den Franzosen nie populär geworden.
Der Name ... war natürlich auch Anlass dafür, dass diesem Kraut aphrodisierende Wirkung zugesprochen wurde. Ein Bad mit den Blättern des Liebstöckels, genommen von jungen Mädchen sollte helfen die Liebe eines Mannes zu gewinnen. Die Wirkung ist nie bestätigt worden ... vielleicht nicht verwunderlich ... eine nach Maggi riechende Frau ... ist vielleicht nicht jeden Mannes Sache ... *grins
Dennoch wird Liebstöckel auch im medizinischen Bereich eingesetzt. Heiße Milch, getrunken durch den hohlen Stängel dieses Krautes heilt Erkältungen. Wirksam werden dabei die gelösten ätherischen Öle aus der Pflanze. In manchen Gegenden wurde der Stängel ... ähnlich einer Zigarre ... geraucht.
Nach der Meinung von Kräuterkundigen soll Liebstöckel unter anderem bei Magenkrankheiten, Gelbsucht, Frauenleiden, Melancholie und Schlangenbisse helfen. (Großteils ist hier jedoch wohl der Placeboeffekt die eigentliche heilende Kraft).
Diese Heilungserfolge wurden auch im 19. Jahrhundert großteils wiederlegt ... die Medizin konnte lediglich eine leicht harntreibende Wirkung bei der Aufnahme von Liebstöckel feststellen. Aus diesem Grund ist diese Pflanze auch vom medizinischen her unbedeutend.
Unbestritten hat dieses Kraut jedoch einen fixen Platz in der mitteleuropäischen Küche, dabei vor allem im Alpenraum. Man nimmt möglichst frische, junge Blätter für die Bereitung von Fleisch, Fisch, Gemüse und Suppe, Kräuterbutter und Salate.
24.07.2001 19:26
Klasse und ausführlich geschrieben, wie alle deine Berichte. Gruß zettikonfetti
24.06.2001 22:47
Das mit dem Maggikraut finde ich ja genial, stimmt das? Anja
23.06.2001 23:29
soweit ich weiss, wird maggi aus eben dieser pflanze hergestellt. ich liebe dieses kraut, vorallem frisch in kräuterquark....hmmm, lecker! grüsse