Liebstöckel

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Liebstöckel

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Das Kraut für seltene Fälle

3  18.09.2001 (14.10.2002)

Pro:
Deftige Würze für Eintöpfe etc .

Kontra:
kann gesundheitlichen Schaden anrichten, der Liebeszauber wirkt auch nicht .  .  .

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Pflegeaufwand:

Schnellwüchsigkeit:

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melody

Über sich: Tadele nicht den Fluß, wenn du ins Wasser fällst......

Mitglied seit:17.01.2000

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 203 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Als ich heute die Terassentür öffnete, begrüsste mich ein kleines Fröschchen. Es hatte sich bestimmt verhüpft, denn ich habe doch gar keinen Teich in meinem Garten. Früher war mal einer da, er wurde zugeschüttet und ich überlege, ob ich ihn im nächsten Jahr aktivieren soll. Ich liebe diesen halbverwilderten Garten und so wird er bleiben. Ich habe inzwischen alles inspiziert und viele schöne und nützliche Stauden und Pflanzen entdeckt.

Gegenüber Kitty‘s Grab, welches wir ja leider als erste Aktion hier schaufeln mussten, steht eine circa 2 Meter hohe, mächtige Pflanze. Es ist Levisticum officinale, besser bekannt als Liebstöckel, noch besser bekannt als „Maggikraut“. Mein Kräuterhexenherz registriert es und denkt: „Na ja, wenn‘s nun mal da ist...“

Liebstöckel soll ursprünglich aus dem alten Persien stammen und im 14. Jahrhundert in den Mittelmeerraum gelangt sein. Die Benediktiner führten die Pflanze bei uns ein und setzten sie in ihre Klostergärten. Man findet Liebstöckel so gut wie gar nicht wildwachsend.

Pflanzen mit starkem Duft durch ätherische Öle wurden in der Vergangenheit gerne Zauberkräfte nachgesagt. Ausgerechnet bei diesem Maggikraut soll es Liebeszauber sein. Wenn eine Frau Liebstöckelblätter in ihr Badewasser gibt, soll ihr kein Mann mehr widerstehen können. Nee, das habe ich noch nicht ausprobiert und glaube es auch nicht. Wenn ich von Kopf bis Fuß nach Maggi rieche, wird doch wohl eher jeder Mann die Flucht ergreifen, oder?

Der Name der Pflanze hat mit Liebe nichts zu tun. Er hat sich entwickelt aus den früheren Namen Ligustrum, Levisticum, lat. libusticum, ligusticum und bedeutet einfach: Kraut aus Ligurien. In Südeuropa ist Liebstöckel ein traditionelles Gewürz. Es wird besonders in den Bergen von Ligurien (zwischen Genua und Rhonetal) kultiviert. In unserer Gegend ist das Kraut nicht unbedingt der Renner. Es wird häufig Maggikraut genannt, weil es im Geruch und Aroma der bekannten Suppenwürze ähnelt. In der Flüssigwürze der Firma Maggi ist allerdings keinerlei Liebstöckel vorhanden.

Die Pflanze ist der Familie der Doldenblütengewächse (Apiaceae) zuzuordnen. Sie ist mehrjährig und absolut winterhart. Liebstöckel wird circa 2 Meter hoch und wächst sehr buschig. Wenn man so‘n Gewächs im Garten haben möchte, muss man ungefähr einen viertel Quadratmeter Platz einkalkulieren. Die Staude hat glänzende Laubblätter mit kleinen Zacken und hohle Stengel. Im Sommer entwickeln sich gelbe Blüten. Dann riecht es in der Gegend des Busches heftig nach Maggi. Liebstöckel wuchert in der Sonne und auch im Schatten. Angeblich braucht das Kraut nährstoffreichen, kalkhaltigen Boden und Düngungen mit Kompost oder Torf , es verträgt nicht zu viel Nässe und nicht zu viel Trockenheit. Das kann ich alles nicht bestätigen. Ich versorge schon seit einigen Jahren den Garten meiner Mutter und versuche genau so lange, dort einen solchen Busch zu entfernen. Ich habe in jedem Herbst gedacht, ich hätte ihn ausgerottet und in jedem Frühjahr ist er wieder da. Er steht an einer Stelle, wo sonst kaum etwas gedeiht und wird weder gedüngt noch bei Trockenheit gegossen.

Wer gerne ein solches Kraut im Garten haben möchte, kann es im Frühjahr oder im August aussäen. Eine Pflanze genügt, so viel Maggiblätter kann man gar nicht gebrauchen, darum lohnt sich auch keine Vermehrung durch Wurzelteilung. Man erntet die jungen Blätter bei Bedarf und durch Rückschnitt gibt es immer wieder frischen Nachwuchs. Liebstöckel kann eingefroren oder getrocknet werden. Es verliert bei der Trockenkonservierung nicht sein starkes Aroma.

In der Küche kommt Liebstöckel bei mir manchmal zum Einsatz. Es eignet sich hauptsächlich für Hausmannskost, also Eintöpfe oder Gemüsesuppe. Auch Fleisch, Sosse und Kartoffelgerichte kann man damit deftig würzen. Aber ich möchte zur Vorsicht raten, Vorsicht bei der Dosierung. Das Aroma ist sehr intensiv, und eine Überdosierung verdirbt die ganze Speise. Ein bis zwei Blättchen reichen völlig aus – na, kommt natürlich darauf an, welche Menge man zubereitet. Bei einem Eintopf oder einer Suppe koche ich die Blättchen mit und entferne sie vor dem Servieren.
Ein kleines Blättchen finde auch schon mal Platz in meinem selbstgemachten Kräuteressig. Wirklich gerne mag ich es in einer Tomatensoße in Verbindung mit Oregano und Basilikum. Sehr gut zu Liebstöckel passen Majoran, Zwiebeln, Sellerie und Knoblauch.

Nicht nur die Blätter, auch die Wurzeln und der Samen können in der Küche verwendet werden. Der Samen soll Pilzgerichte schmackhaft machen oder auch das selbstgebackene Brot. Ich habe es mir bisher verkniffen, also keine Ahnung. Mit den Wurzeln hab‘ ich‘s mal versucht. Also: ausgraben, waschen, kochen und in Scheiben schneiden. Mit einer Salz-Zucker-Essig und Öl Mischung übergiessen und 2 Stunden stehen lassen. Nix für melody!

Hat nun jemand zu heftig deftig gegessen und leidet unter Völlegefühl oder gar Blähungen, kann Liebstöckel Abhilfe schaffen. Den Schnaps zur Verdauung, den ich „Medizin“ - nicht etwa Alkohol – nenne, habe ich vorsorglich zubereitet. Es geht ganz einfach: man gibt 4 Esslöffel Kandis in eine Flasche 40%igen Korn und einen Zweig Liebstöckel hinzu. Diese Mischung läßt man 14 Tage an einem sonnigen Platz stehen. Danach wird abgeseiht und der Schnaps dunkel gelagert. Er schmeckt nicht lecker aber sehr hilfreich.
Wer nun schon die Wurzeln ausgegraben hat und dieses Gemüse nicht mag, so wie ich, kann sie mit einem leichten Weißwein kochen, einen Teelöffel Kümmel hinzugeben, auch das ist hilfreich. (Aber ehrlich gesagt, auch nicht lecker!)


Begrenzt kann die Pflanze auch als Heilkraut eingesetzt werden. Ich persönlich verzichte darauf, denn sie kann viel Schaden anrichten. Kräuterhexen meiner Art bevorzugen lieber die ungefährlichen Blättchen. Liebstöckel ist appetitanregend, verdauungsfördernd und harntreibend. Als Tee aufgebrüht kann das Kraut die Menstruation regulieren und Migräne lindern. Die Wurzeln sollen eine Heilwirkung bei Rheuma und Gicht haben und können auch bei Koliken und Bronchitis eingesetzt werden. Meiner Meinung nach sollte der Laie trotzdem die Finger davon lassen!

Gefährlich wird es nämlich bei Herzschwächen oder Nierenentzündungen. Menschen mit solchen Problemen sollten Liebstöckel wegen der Reizwirkung nicht mal als Gewürz verwenden. (Schon gar nicht als Schnaps!) Außerdem sind allergische Reaktionen nicht selten. Während der Schwangerschaft ist Liebstöckel regelrecht verboten! Das Kraut hat uterusstimulierende Eigenschaften und kann zur Fehlgeburt führen! Im Mittelalter wurde Liebstöckel zur Geburtseinleitung verwendet.

Zu meinen Lieblingskräutern gehört Liebstöckel nicht. Für meinen Bedarf würde auch ein kleines Töpfchen reichen, aber nun ist der Busch da und verdeckt schön die Sicht auf den Kompostkasten. Soll er bleiben.

Sollte doch jemand an den Liebeszauber glauben, möchte ich darauf hinweisen, dass Liebstöckel photosensibilisierende Wirkung hat. Der „Duft“ muss dann reichen, um einen Mann zu becircen. Mit vornehmer Blässe eben, denn Sonnenbäder oder Sonnenbank sollten auf jeden Fall vermieden werden.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
jbjd

jbjd

20.10.2004 22:27

Benutze Maggikraut schon seit Jahren. Eine Kartoffelsuppe ohne etwas Maggikraut ? Undenkbar! Aber mit dem "Duft" Männer anlocken? Ne, ne. Das kann ich mir auch nicht vorstellen :) Bei dem Geruch ist nichts mit Liebe und Etrotik. Da denken sie höchstens wieder mal ans Essen!

MSBBonn

MSBBonn

04.11.2003 12:11

Trotz meiner nun wirklich ausgeprägten Kochleidenschaft hab ich es noch nie verwendet... würzige Grüße von Martin

sirjethro

sirjethro

22.01.2003 20:00

Jaja, die Mönche ... ;)

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