Liebstöckel

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Liebstöckel

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Der Luststock ist ein Fruststock

4  08.07.2003

Pro:
traditionell, unempfindlich, aromatischer Duft

Kontra:
dominanter Geschmack, riesiger Wuchs

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Pflegeaufwand:

Schnellwüchsigkeit:

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Thisbe

Über sich: Ciao-Ende!

Mitglied seit:16.04.2000

Erfahrungsberichte:94

Vertrauende:35

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 69 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Der oder auch das Liebstöckel (beides ist möglich) ist eine Heil- und Gewürzpflanze mit einem intensiven hefeähnlichen Aroma.

Die Verschwendung eines so netten Namens an ein so unsinnliches Kraut ist wirklich eine Schande aber der Name der Pflanze ist einfach nicht ihr Programm. Vielmehr leitet er sich angeblich aus dem Namen ihres Herkunftlandes Ligurien zwischen Genua und Rhonetal ab, von wo es seit dem 14. Jahrhundert auch nach Deutschland kam. Der ursprüngliche Wuchsort war allerdings Persien.
In Deutschland hieß das Liebstöckel früher Badekraut, Bärmutter oder Gebärmutterstock, da es dem Badewasser zugesetzt wurde, um die Menstruation anzuregen oder den Geburtsvorgang einzuleiten.

Warum aber hieß es auch Luststock ?
Gibt es da doch Hoffung für einen interessanteren Bezug?
Das Liebstöckl regte nicht nur die Menstruation an, sondern auch die allgemeinen Funktionen, wie Darmausscheidung, Urinausscheidung und wohl auch Hormonausscheidung. Es hieß, ein Bad – aber der FRAU - mit diesem Kräuterzusatz könne auf Männer einen Liebeszauber ausüben.
Naja.

Der starke Geruch der ätherischen Öle wird heute mit der Flüssigwürze Maggi verglichen. Wegen des ähnlichen Geruches spricht man heute unlogischerweise auch vom Maggikraut. In Maggi ist aber keine Spur von Liebstöckl, wohl aber tierische Eiweiße und eine geheime Geschmackstoffmischung.
Wenn ich jedoch in Maggi baden würde, käme ich mir nicht appetitanregend duftend vor, höchstens für Menschenfresser.
Man muß sich also wohl damit abfinden, dass der Luststock nur ein Stockfisch ist. Sozusagen.

Die Pflanze gehört zur Familie der Doldenblütler. (Das bedeutet, dass sie wie 400 andere Gattungen auch Blüten besitzt und sich durch Samen fortpflanzt) Boshafte Verwandte sind z.B. Kampfer, Schierling und Herkulesstaude.

Sie kann bis zu 2 Meter hoch werden und ist mehrjährig.

Sie wehrt Schädlinge ab, dies geschieht durch verschiedene Aromen und Inhaltsstoffe, die als Fraßschutz fungieren und sie behindert auch das Wachstum ihrer angrenzenden Nachbarn, also sollte sie alleine gepflanzt werden und zwar in sonniger oder halbschattiger Lage. Schatten ist aber auch möglich.

Kompostgabe und regelmäßiges Wässern ist sinnvoll.
Ich habe allerdings in der Zeit des Besitzes nie irgendwas an dieser Pflanze verrichtet und sie ist trotzdem unverdrossen gediehen.

Die unscheinbaren hellgelben Blüten sollte man rechtzeitig ausbrechen, die äußeren Blätter schneiden und die inneren jungen stehen lassen. Nach dem ersten Frost sterben alle Blätter ab und treiben dann im Frühjahr von alleine neu aus.

Wer Liebstöckl pflanzen möchte, macht dies im Herbst oder im Frühjahr. Das Selberziehen mittels Samen ist möglich, dauert aber endlos. Man kauft besser eine kleine Pflanze im Gartencenter (Preis weiß ich nicht) oder läßt sich eine Hälfte eines Wurzelstockes von einem netten Nachbarn schenken. (so einen Nachbarn kenn ich nicht)

Inhaltsstoffe:
Ätherisches Öl, Angelikasäure, Apfelsäure, Gerbstoffe, Fette, Gummi, Harze, Invertzucker

Sowohl vom Aussehen als auch vom Geschmack her hat Liebstöckel ganz leichte Ähnlichkeit mit seinen Verwandten Engelwurz, Meisterwurz, Petersilie und Sellerie. Bei den Blättern vor allem mit der glatten Petersilie, im Geschmack und Aussehen der 4 cm dicken Stängel vor allem mit dem Sellerie.

Die stimmulierende Wirkung der Pflanze wird heute vor allem alllem in Diuretika (Mittel zur Urinausscheidung) eingesetzt, früher eher bei Frauenleiden.
Bei den Grunderkrankungen Herzschwäche und Nierenerkrankung sollte Liebstöckel überhaupt nicht genossen werden! Ausserdem sowieso nie über längere Zeit.

Man kann die Blätter entweder einfrieren oder trocknen, um auch im Winter davon zu profitieren.
Übrigens lösen die Blätter bei manchen Menschen eine Allergie aus, besonders in Verbindung mit Sonnenbestrahlung.

Auch die Stängel und Wurzeln sind verwendbar. Die hohlen Stängel als Trinkröhrchen oder Gemüse - ich selber habe es nie gegessen - und die Wurzeln als Sud bei Gicht und Rheuma, bei der industriellen Likörzubereitung und siehe da, auch bei Nikotin - und Alkoholvergiftung.

Das nachfolgende Teerezept habe ich nicht ausprobiert .
Ich möchte auch ausdrücklich nochmals darauf hinweisen, dass der Tee für Schwangere, Herz-und Nierenkranke und fiebernde Personen NICHT geeignet ist.

Liebstöckel Tee
+++++++++++++
(bei Blasenleiden, Migräne, Bronchialbeschwerden und Halsschmerzen)

Kochendes Wasser in eine Tasse mit 2 TL Liebstöckel giessen und 10 Min ziehen lassen.
Durchsieben und schluckweise trinken und zwar zweimal täglich.
2 Teelöffel Liebstöckel auf 1 Tasse Tee. Wasser zum Kochen bringen, vom Herd nehmen, über das Kraut gießen. Auf Trinktemperatur abkühlen lassen (zugedeckt ca. 10 Minuten). Abseihen. Langsam und schluckweise trinken.

Liebstöckel Schnaps
++++++++++++++++

4 El Kandis
1 Flasche 40% Korn
1 Zweig Liebstöckel
Das Ganze 12 Tage in der Sonne ziehen lassen, durch ein Sieb geben und dunkel aufbewahren.
Also ich kann mir nicht vorstellen, dass das schmeckt...........

Ich finde den Geschmack von Liebstöckel recht penetrant und verwende nur wenig davon vor allem in Suppen, Eintöpfen und manchmal bei Braten. Dabei nehme ich die Blätter nach dem Kochen wieder heraus. In Italien wird es wohl mehr verwandt, oft in Kombination mit Oregano.
Man kann es auch in Kräuterquark schneiden, da isst man dann die Blätter mit.
Der würzige Geruch ist im Kräutergarten sehr angenehm, sein einnehmendes Wachstum allerdings kann nicht immer hingenommen werden. Wenn man aber Platz hat, sollte diese traditionelle Gewürzpflanze einen Platz in jedem Kräutergarten finden. Mit einer Pflanze kann man die ganze Nachbarschaft versorgen, wenn sie es denn verdient hat........


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Dr.Claudia

Dr.Claudia

23.05.2004 16:30

Hätte ich den Trick mit dem Bad nur früher gewußt ...! LG, Claudia

woley

woley

27.07.2003 19:19

Ich habe in der Kur mal kochen dürfen und durfte zum Würzen u.a. nur Liebstöckel verwenden. Das Kraut ist gar nicht so schlecht. Toller, ausführlicher Bericht. Mach weiter so. Gruß woley

drucker03

drucker03

14.07.2003 14:05

Stimmt, wenn Liebstöckl sich erst einmal im Beet wohlfühlt, dann wächst er, was das Zeug hält. Da wäre der Likör eigentlich eine gute Möglichkeit, die reiche Ernte zu verwerten. Ich glaube allerdings auch nicht, daß ich mich mit dem Geschmack anfreunden könnte ... :-)

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