D E N K M A L!
21.04.2004
Pro:
unterhaltsam, Darsteller, einfach schön und kurzweilig anzusehen, Musik . .
Kontra:
kein sonderlich großer Tiefgang, kein detailliertes Porträt der Zeit
Empfehlenswert:
Ja
 BillMaplewood
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„Hol den Vorschlaghammer Sie haben uns ein Denkmal gebaut Und jeder Vollidiot weiß, dass das die Liebe versaut Ich werd die schlechtesten Sprayer dieser Stadt engagieren Die sollen nachts noch die Trümmer mit Parolen beschmieren“ [1] „Ich möchte wirklich mal wissen, wie du so ein gefühlsgehemmter, bindungsunfähiger und feiger Penner geworden bist.“ Mit diesen Worten bekommt der über dreißigjährige Helmut (Fabian Busch) von seiner Freundin Tina (Birgit Minichmayer) den Laufpass. Dabei war Tina seit unzähligen Jahren endlich mal wieder eine Frau, mit der er nicht nur ins Bett ging, sondern die er auch geliebt hat. Doch wie ist er so ein gefühlsgehemmter, bindungsunfähiger und feiger Penner geworden? Das überlegt Helmut nun selbst und seine Überlegungen führen ihn zurück bis zum Anfang der Achtziger, als er mit achtzehn Jahren sich in die Schulsprecherin Britta (Susanne Bormann) verliebte. Es wurde seine erste Liebe, seine erste Beziehung, mit ihr erlebte er das erste Mal. Eine glückliche Zeit bis Britta ihm eröffnete, dass sie für ein Jahr in die USA gehen werde. Am Anfang wollte Helmut die Beziehung weiter aufrecht erhalten, schrieb fünf Briefe pro Woche, doch schnell flaute das ganze ab, schließlich kam sogar die niederschmetternden Botschaft, dass Britta einen neuen Freund hat. Unzählige kurzzeitige und auch längerfristige Beziehungen folgten in den Jahren danach, doch in seinem Hinterkopf war immer Britta und die Hoffnung wieder mit ihr zusammen zu kommen. Während der Rückbetrachtung seines Lebens in den Achtziger und Neunziger Jahren wird Helmut langsam eins klar: Er muss erst ein Denkmal einreißen um eine Liebe zu retten!
Hendrik Handloegten („Paul is dead“) Verfilmung des Romans von Frank Goosen liefert einen schönen Streifzug durch zwei Jahrzehnte. Der Film liefert dabei einen kleinen Einblick in verschiedene typische Erlebnisse der damaligen Zeit. Die Klassenexkursion in das geteilte Berlin mit Besuch im Osten, das biedere Leben in einer westdeutschen Kleinstadt, das Unileben und dürfte deswegen den heute auf die vierzig zusteuernden Mitmenschen, die vielleicht ähnliches erlebt haben, besonders gefallen. Aber auch der Rest muss seine Finger nicht von dem Film lassen, denn Regisseur Handloegten ist ein unterhaltsamer Film gelungen. Größeren Anspruch sucht man vergebens, braucht man auch nicht, der Film will einfach nur unterhalten und das gelingt ihm die meiste Zeit. Im Mittelteil hängt der Film zwar ein paar Mal durch, driftet etwas zu stark in nur noch wehleidiges Klagen des Protagonisten ab, aber diese Schwächephasen sind immer recht schnell überwunden und werden vor allem durch den spritzigen Beginn und das gelungene Ende wettgemacht.
Handloegten erzählt seinen Film dabei in fast einer einzigen großen Rückblende. Nachdem Helmut bei seiner Freundin rausgeflogen ist, sinniert er über sein Leben nach und der Zuschauer bekommt das, hin und wieder von Helmut kommentiere, Geschehen zu sehen. Das ganze ist, abgesehen von Einzelszenen zwar eigentlich nie richtig witzig, aber trotzdem die meiste Zeit so unterhaltsam, dass man mit einem fast dauerhaften Schmunzeln den Film verfolgt und am Ende sich mit Helmut freut, dass er nun die wirkliche Liebe seines Lebens gefunden hat. Bei der Inszenierung des Film hat man auf weitestgehend unverbrauchte junge Gesichter gesetzt, die zwar alle schon einiges an Schauspielerfahrung vorweisen können und in sehenswerten Filmen mitgespielt haben (Fabian Busch zum Beispiel in „23“), aber trotzdem nicht zu den ganz bekannten Gesichtern gehören, was nicht unerheblich dazu beiträgt, dass der Film authentischer wirkt. Man hat nicht den Schauspieler Fabian Busch vor sich, sondern Helmut. Dabei schadet es auch nicht, dass im Falle von Helmut und Britta die gleichen Schauspieler die Rollen mit Achtzehn und mit Anfang Dreißig spielen. Die leicht wechselnden Frisuren und die Kleidung der jeweiligen Zeit tragen dazu bei, dass die Leute sich entwickeln und leicht älter bzw. jünger wirken. Handloegten vermeidet dabei eine zu starke Charakterisierung der Personen, was dem Film aber nicht zum Nachteil wird, sondern Dank des Unterhaltungswertes und dieser eindeutigen Zielrichtung einfach unnötig gewesen wäre. Dazu kommt ein unerklärlich sympathischer Protagonist. Helmut ist ein absoluter Normalo, lässt sich perspektivlos durch das Leben von Frau zu Frau treiben, hat rein gar nichts besonderes an sich, ist weder witzig noch schlagfertig (Ausnahmen bestätigen die Regel) und wächst dem Zuschauer trotzdem einfach ans Herz.
Talent hat man auch mit der Auswahl der Musik bewiesen. Passend zu den einzelnen Zeitepochen wird die Musik aus dieser Zeit gespielt. Sei es nun „Berlin“ von „Fischer Z“ oder Songs von R.E.M., alles passt immer hervorragend. Dazu kommt der einzige Song der zwar nicht aus einer der Zeiten im Film, sondern aus der heutigen stammt, aber dafür der perfekte Titelsong für den Film ist. Der Titelsong „Denkmal“ von „Wir sind Helden“ drückt durch seinen Refrain (siehe Einleitung dieser Kritik) genau das aus, was Helmut schließlich erkennt. F A Z I T °°°°°°°°°° Man sollte von “Liegen lernen” nur einfach nicht zu viel erwarten. Man sollte nicht mit der Erwartung an den Film gehen, dass es sich dabei um ein Porträt der Achtziger und Neunziger und Lebens in dieser Zeit handelt. Diesen Aspekt deckt der Film zwar auch teilweise ab, aber halt nur am Rande, soweit es für die Geschichte nützlich ist. Genauso wenig sollte man eine Komödie erwarten, bei der man sich vor Lachen laufend auf die Schenkel klopft oder eine anspruchsvolle Charakterisierung des Protagonisten. Man sollte sich nur zurücklehnen, den Film genießen und sich unterhalten lassen. Denn das funktioniert bei „Liegen lernen“ prächtig und darauf und auf Helmut kann man beim nächsten Berlin-Besuch schon einmal acht Bier in der Kneipe „Die letzte Instanz“ trinken.
[1]Textzeilen aus Wir sind Helden - „Denkmal“
D A T E N °°°°°°°°°° Originaltitel: Liegen lernen Genre: ... Deutschland 2003, FSK 12, Laufzeit: 94 Minuten Darsteller: Fabian Busch (Helmut), Susanne Bormann (Britta), Birgit Minichmayr (Tina), Fritzi Haberlandt (Gisela), Florian Lukas (Mücke), Sophie Rois (Barbara), Anka Lea Sarstedt (Gloria), Beate Abraham (Helmuts Mutter), Wilfried Dziallas (Helmuts Vater)
Regie: Hendrik Handloegten Produktion: Maria Köpf Drehbuch: Hendrik Handloegten nach dem gleichnamigen Roman von Frank Goosen Kamera: Florian Hoffmeister Musik: Dieter Schleip Schnitt: Elena Bromund W E I T E R F Ü H R E N D E * I N F O R M A T I O N E N °°°°°°°°°°°° Internet Movie Database: http://german.imdb.com/title/tt0325734/
Online Filmdatenbank: http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=32978 © Björn Becher 2004
Bilder von Liegen Lernen (2003)
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23.04.2004 21:30
Mann oh Mann, den hatte ich schon gar nicht mehr auf der Liste, wollte ich nämlich noch sehen. Und wenn ich mich dabei tatsächlich so gut amüsieren kann um so besser. lg, Sandra
22.04.2004 17:32
... habe ihn noch nich gesehen, aber das buch gelesen und das gefiel mir recht gut ... liebe grüße, dominik [scheiß standartcomments ... ]
22.04.2004 16:42
Schöner Bericht, gibt genau meine Meinung wieder! Gestern gekauft - viel erwartet - heute geguckt - und für gut befunden. Aber eben nichts besonderes. Leichte Kost könnte man es nennen ;) Schöne Grüße, Mel