Lieschen Kartenspiel

Lieschen Kartenspiel

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Ich möchte diese Gelegenheit ergreifen, um Euch ein lustiges Kartenspiel näher zu bringen, welches sich in meiner Heimat am bayerischen Untermain bereits seit längerer Zeit großer Beliebtheit erfreut: LIESCHEN! Lieschen ist ein Spiel, welches sich aus verschiedenen anderen Kartenspielen ... Bericht lesen





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Lieschen - ein fröhlicher Kartenspaß für 4 Spieler
Erfahrungsbericht von Guybrush112 über Lieschen Kartenspiel
15.11.2007


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Hoher Spaßfaktor, sehr kurzweilig, kurze Spieldauer
Kontra: der noch fehlende überregionale Bekanntheitsgrad

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Ich möchte diese Gelegenheit ergreifen, um Euch ein lustiges Kartenspiel näher zu bringen, welches sich in meiner Heimat am bayerischen Untermain bereits seit längerer Zeit großer Beliebtheit erfreut: LIESCHEN!

Lieschen ist ein Spiel, welches sich aus verschiedenen anderen Kartenspielen diverse Facetten entliehen hat und zu einem neuen Spiel kombiniert hat. Dazu später mehr.

Gespielt wird das Spiel mit einem handelsüblichen Satz Spielkarten, es sind die gleichen 32 Karten wie sie in Süddeutschland auch für das noch weitaus bekanntere Spiel Schafkopf verwendet werden. Im Allgemeinen wird mit dem sogenannten "Deutschen Blatt" (Spielfarben: Eichel, Grün, Herz, Schelle) gespielt, jedoch ist auch die Verwendung des "Französischen Blattes" (Farben: Kreuz, Pik, Herz, Karo) möglich.
Zusätzlich benötigt man einen Einsatz, unter Erwachsenen wird um Geld gespielt, unter Jugendlichen um wenige Cent, bei Kindern empfiehlt sich eine Form von Spielwährung (aus der Monopoly-Schachtel oder was sonst greifbar ist).
Lieschen ist übrigens genau wie Schafkopf oder Skat nicht als Glücksspiel eingestuft wie beispielsweise Poker oder Black Jack. Dies rührt daher, dass auch beim Lieschen in jeder Partie alle 32 Karten im Spiel sind.

Grundlegende Regeln:
Es gibt die vier Grundfarben, die in ihrer Wertigkeit allesamt gleich sind. Die Reihenfolge der Kartenwertigkeit jeder Farbe sieht wie folgt aus (Reihenfolge absteigend): As, König, Ober (Dame), Unter (Bube), 10, 9, 8, 7.
Trümpfe, wie man sie vom Schafkopf oder Skat kennt, gibt es beim Lieschen nicht.

Der Spielablauf:
Eine Spielrunde dauert exakt 5 Spiele, wobei jedes Spiel andere Regularien hat. Die ersten 4 Spiele dienen dazu, Geld in die Sammelkasse zu füllen. Im fünften Spiel wird das gesammelte Geld wieder ausgespielt.
Bei jedem Spiel werden die Karten im Uhrzeigersinn ausgeteilt, zunächst erhält jeder Spieler 4 Karten, sobald jeder 4 Karten hat erhält jeder nochmals 4 Karten. Die Austeilweise wurde vom Schafkopf übernommen.

Spiel 1 - keine Sticke machen
Der Spieler links vom Geber eröffnet das Spiel und legt die erste Karte. Die übrigen drei Spieler müssen nun ihrerseits der Reihe nach auch eine Karte legen. Hierbei muss die angespielte Farbe bekannt werden, d.h. spielt der erste Spieler Herz an, müssen alle Anderen auch eine Karte der Farbe Herz legen, sofern sie mindestens eine Karte dieser Farbe auf der Hand halten. Kann ein Spieler die angespielte Farbe nicht bekennen, so muss er eine Karte einer anderen Farbe abwerfen, hierbei empfiehlt es sich natürlich, eine möglichst hochwertige Karte abzuwerfen. Derjenige, der die höchstwertige Karte der angespielten Farbe gelegt hatte macht den Stich.
Ein Beispiel: Spieler 1 eröffnet mit der Herz 7, Spieler 2 legt die Herz 10, Spieler 3 die Herz 9 und Spieler 4 hat kein Herz und legt das Grün Ass. Der Stich geht an Spieler 2 mit der Herz 10.
Der Spieler, der den Stich gemacht hat, darf nun seinerseits die nächste (erste) Karte legen.
Das Spiel endet, wenn alle 4 Spieler ihre 8 Karten gelegt haben.
Die Abrechnung: Für jeden Stich, den ein Spieler gemacht hat, muss er einen vorher festgelegten Betrag in die Gemeinschaftskasse bezahlen. Der meistgespielte Tarif beträgt 5 Cent pro Stich. Es sind also nach diesem Spiel 40 Cent in der Kasse. Für den weiteren Bericht werde ich diesen Tarif als Berechnungsgrundlage beibehalten.

Spiel 2 - keine Herz einfangen
Der Geber wandert einen Platz weiter, d.h. der Spieler der Spiel 1 eröffnet hat, muss nun die Karten mischen und austeilen. Der Spielablauf ist identisch mit Spiel 1, nur geht es nun nicht mehr um die Anzahl der Stiche. Man darf theoretisch so viele Stiche machen wie man möchte, jedoch sollten möglichst in den gemachten Stichen keine Karten der Farbe Herz enthalten sein. Die Parallelen zum Spiel "Hearts", wie jeder Windows-Nutzer es kennen dürfte, sind hier klar zu erkennen. Der Unterschied zu Hearts ist der, dass man bei Lieschen von Anfang an Herz ausspielen darf und nicht erst, sobald ein Spieler ein Herz untergejubelt bekommen hat.
Auch hier gilt wieder, dass derjenige die erste Karte legen darf, der den vorherigen Stich gemacht hat.
Die Abrechnung: Für jedes Herz, was man am Ende des Spiels kassiert hat, muss man wieder 5 Cent in die Kasse bezahlen, so dass auch hier wieder insgesamt 40 Cent in den Topf wandern.

Spiel 3 - keine Ober einfangen
Der Geber wandert wieder einen Platz weiter. Nun darf man auch wieder theoretisch so viele Stiche machen wie man will, allerdings darf man nun keine Ober (oder Damen beim Französischen Blatt) in den gemachten Stichen haben.
Die Schwierigkeit besteht in der Tatsache, dass es in jeder Farbe noch zwei Karten gibt, die höher sind als der Ober, nämlich Ass und König. Wer viele hohe Karten auf der Hand hält, dem können diese hier leicht zum Verhängnis werden.
Die Abrechnung: Auch für dieses Spiel sind wieder 40 Cent in die Kasse einzuzahlen, da es aber nur vier Ober gibt, ist hier jeder Ober nicht 5 sondern 10 Cent wert.

Spiel 4 - die "Alte" nicht einfangen
Der Geber wandert wiederum weiter. In diesem letzten Spiel, in dem Geld in die Kasse einbezahlt wird, gibt es nur eine kritische Karte, den Eichel Ober (Kreuz Dame), in Schafkopfspielerkreisen der oder die "Alte" genannt. Es ist auch hier erlaubt, sofort als erste Karte Eichel anzuspielen.
Wer in einem Stich den Eichel Ober abbekommt, hat dieses Spiel verloren.
Die Abrechnung: Da es wieder 40 Cent für die Kasse geben soll, es aber nur eine Karte gibt, für die man bezahlen muss, kostet die "Alte" die vollen 40 Cent.

Insgesamt befinden sich nun 1,60 Euro in der Kasse, die nun in Spiel 5 wieder verteilt werden.

Spiel 5 - Unter raus / Auflegen
Dieses Spiel ist eine Adaption des Kartenspiels "11er raus".
Jeder Spieler erhält wieder wie bisher auch 8 Karten. Der erste Spieler legt einen Unter (Bube) aus, sofern er mindestens einen Unter auf der Hand hält. Der nächste Spieler legt nun entweder auch einen Unter, oder zu dem bereits ausliegenden Unter die nächste anliegende Karte: den Ober oder den 10er. Und so läuft das Spiel immer reihum. Wenn ein Spieler an der Reihe ist und eine Karte legen kann, so MUSS er auch eine Karte legen. Könnte er mehrere Karten legen, so darf er aber nur eine Karte davon legen. Kann ein Spieler keine Karte legen, so muss er dies ansagen, wenn er am Zug ist und der nächste Spieler ist an der Reihe.
Ein Beispiel:
Der Spieler links vom Geber darf die Runde eröffnen, hat aber keinen Unter, kann also keine Karte legen.
Spieler 2 hat zwei Unter und legt den Herz Unter aus.
Spieler 3 hätte die beiden anderen Unter, hat aber auch die Herz 10 und entscheidet sich für diese Karte.
Spieler 4 hat die Herz 9 und legt diese.
Spieler 1 hat den Herz Ober und legt diesen an den Unter an.
Spieler 2 hätte zwar auch die Herz 8, legt aber seinen zweiten Unter, Farbe Grün.
Spieler 3 hat weder Herz König, noch Herz 8, noch Grün Ober, noch Grün 10 und muss folglich einen seiner beiden Unter auslegen.
So läuft das Spiel immer weiter reihum, Ziel ist es logischerweise, als erster alle 8 Karten von seiner Hand ausgelegt zu haben.
Die Abrechnung: Geht man von einem Kassenstand von 1,60 Euro aus, so erhält der Spieler, der als Erster alls Karten gelegt hat, 80 Cent. Der Zweite bekommt 60 Cent, der Dritte noch 20, der Letzte geht leer aus.

Nachdem das Geld verteilt wurde, kann die Lieschenrunde von Neuem beginnen.

Die Hardcore-Version: Blitz-Lieschen
Diese Variation unterscheidet sich zum normalen Lieschen darin, dass die ersten vier Spiele, in denen das Geld in die Kasse eingezahlt wird, in einem einzigen Spiel zusammengefasst sind. So kostet beispielsweise ein Stich immer noch 5 Cent, sollten in dem Stich jedoch vier Karten der Farbe Herz enthalten sein und eine davon ist der Herz Ober, so kostet dieser Stich nicht 5 Cent, sondern 35 (Stich = 5, vier Herz = 20, ein Ober = 10). Die Verteilung erfolgt unverändert durch eine Partie "Unter raus".

Bewertung des Spiels:
In der Gegend, in der ich wohne, ist Schafkopf nach wie vor das Kartenspiel Nummer Eins in dörflichen Kneipen und Vereinsheimen, Lieschen hat sich aber durch seine Kurzweiligkeit zu einer willkommenen Alternative entwickelt.
Der Reiz des Spiels liegt in den taktischen Feinheiten, die hier zum Tragen kommen. Ähnlich wie bei "Hearts" ist beim Lieschen auch der Überlegungsansatz jedes Spielers, wie er seine Karten optimal ausspielt, um möglichst wenig Geld in die Kasse zahlen zu müssen und gleichzeitig den Mitspielern möglichst hohe Kosten zu verursachen.
Gerade in einer geselligen Runde kommt auch der Humor hier nicht zu kurz, da bekanntlich Schadenfreude die schönste Freude ist, und gerade wenn ein Spieler sich mit seinen Karten eigentlich sicher gefühlt hat und dann kalt erwischt wird ist für reichlich Gaudi am Tisch gesorgt.
Aus finanzieller Sicht wird es im Regelfall keine Spieler geben, die dauerhaft gewinnen und solche, die nur bezahlen müssen. Auch erfahrene Lieschen-Spieler können mit schlechten Karten nichts reißen, während Neulinge sich schnell in das relativ leicht zu erlernende Spiel einfinden können, ohne zuerst lange Lehrgeld bezahlen zu müssen.

Mein Fazit:
Lieschen ist ein Spiel für Jung und Alt und für die ganze Familie, zumal es um echtes Geld gespielt werden kann, aber nicht muss. Eine komplette Runde dauert in der Regel 10-15 Minuten, ist also nicht allzu zeitaufwendig.
Man könnte Lieschen theoretisch auch um größere Geldbeträge spielen, allerdings hat sich Lieschen als ein Spiel etabliert, bei dem der Stellenwert eindeutig auf dem Faktor Spaß beruht und nicht auf dem Faktor Geld. Es gibt in unseren Breiten Schafkopfrunden, bei denen an manchen Abenden über 100 Euro den Besitzer wechseln, beim Lieschen habe ich bisher von keiner Runde gehört, bei der der Tarif über 10 Cent (pro Stich) gelegen hätte, was einen Gesamt-Preisgeldtopf von 3,20 Euro bedeutet, von dem der Sieger maximal 1,60 Euro gewinnen kann, von denen er im statistischen Durchschnitt 80 Cent selbst eingezahlt hat. Der mögliche Verdienst hält sich also in einem absolut erträglichen Rahmen.
Ein weiterer Vorteil sind die absolut minimalen Anschaffungskosten. Einen Satz Schafkopfkarten erhält man im Spielwarenladen für etwa 1,50 Euro, als Kasse für das Geld eignet sich beispielsweise eine Untertasse, ein Aschenbecher oder ein kleines Tupperware-Schälchen.

Das hat sich jetzt alles recht kompliziert gelesen, ich gebe es ja zu. Aber ich hoffe, trotzdem bei einigen Lesern ein Interesse für dieses lustige und kurzweilige Kartenspiel geweckt zu haben.

Frohes Spielen!   

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