Kellner wird Literaturstar - geht das wohl gut?
20.05.2004
Pro:
gute und spannende Unterhaltung
Kontra:
etwas vorhersehbar und manchmal klischeehaft
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
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 Die_Buchhaendlerin
Über sich:
"Der Umgang mit Büchern führt zum Wahnsinn" Zitat von Erasmus von Rotterdam...
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noch ein kleiner Beitrag zum verlängerten Bücherfrühling: Der Schweizer Autor Martin Suter ist mir seit „Small World“, einem wunderbaren Roman, der eine gelungene Mischung zwischen spannendem Krimi und einer sensiblen aber unsentimentalen Annäherung an das Thema Alzheimer darstellt, in bester Erinnerung. Seither sind noch einige andere Bücher von ihm - ziemlich erfolgreich die meisten – auf den Markt gebracht worden. Mit „Lila, Lila“ ist ihm meiner Meinung nach wieder ein kleines „Meisterwerk“ (wenn man ein Buch, das ganz eindeutig in der Sparte Unterhaltungslektüre überhaupt so nennen kann) gelungen.Zum Autor: Martin Suter wurde 1948 in Zürich geboren, heute lebt er gemeinsam mit seiner Frau abwechselnd in Guatemala und Spanien. Früher war er Werbetexter, fiel aber auch durch Reportagen in der Zeitschrift „Geo“ positiv auf und veröffentlichte zahlreiche Drehbücher für Film und Fernsehen. Seit 1991 ist er freier Schriftsteller, neben seinen Romanen ist er ebenfalls als Kolumnenschreiber der „Weltwoche“ beliebt und bekannt. Diese Kolumnen namens „Business Class“ gibt es übrigens auch in Buchform zu kaufen. Ein Rezensent der „Zeit“ Wolfgang Herles, äußert sich voll des Lobes folgendermaßen über ihn: „Ich halte Martin Suter im Moment für einen der besten deutschsprachigen Autoren“ Ein großes Lob, dem ich mich zwar nur bedingt anschließen kann, aber sehr gut ist er allemal, was genau „einer der besten“ bedeutet, wer weiß das schon so genau…Zum Buch: David, ein etwas schüchterner unbeholfener Kellner, verliebt sich quasi auf den ersten Blick und Hals über Kopf in Marie, einen Gast in seiner In-Kneipe. Doch wie soll er ihr Interesse erwecken? Seine zaghaften Versuche, mit ihr ins Gespräch zu kommen, scheinen wenig erfolgreich zu verlaufen. David entdeckt in der Schublade eines alten, beim Trödler erstandenen Schreibtisches ein Manuskript mit dem Titel „Sophie, Sophie“. Er ist absolut fasziniert von der traurigen und anrührenden Liebesgeschichte, dessen Urheber offensichtlich Selbstmord begangen hat. Um Maries Interesse zu erwecken - sie studiert Literatur - zeigt er ihr das Manuskript, ohne genau zu sagen, wo er es her hat. Marie ist ebenfalls völlig begeistert von der Geschichte (sie ist auch wirklich sehr schön), lobt David über alle Maßen und versucht, einen Verlag für ihn zu finden. David traut sich nicht, das Missverständnis aufzuklären aus lauter Angst, Marie könne das Interesse an ihm wieder verlieren, wenn sich herausstellt, dass er gar nicht der sensible und begabte Schriftsteller ist, für den sie ihn hält. David und Marie werden ein Liebespaar, Marie findet einen Verlag für ihn, der Roman wird der absolute Renner, der Erfolg übermannt David. Eigentlich weiß er, dass alles nur Betrug ist und die Sache irgendwann auffliegen muss, ja er hofft sogar manchmal insgeheim auf ein Ende, wenn da nicht Marie wäre, die ihm immer wichtiger wird, ein Leben ohne sie kann er sich nicht mehr vorstellen, aber er wagt es nicht, ihr reinen Wein einzuschenken. Als eines Tages bei einer Lesung ein alter Mann – Jackie –auftaucht, der sich David als der wirkliche Schriftsteller zu erkennen gibt, spitzt sich die Situation zu: David gerät zunehmend unter Druck, schafft es nicht mehr, klare Entscheidungen zu treffen und fühlt sich aufgerieben zwischen Maries Ansprüchen an ihre Beziehung einerseits und den – steigenden – Ansprüchen des echten Autors von „Sophie, Sophie“ andererseits. Wie einfach doch alles sein könnte, wenn es Jackie nicht mehr gäbe… Zum Stil: Suters Prosa liest sich „wie von selbst“, man beginnt das Buch und möchte es nicht mehr aus der Hand legen. Es gelingt ihm, dass man von Anfang an mitten in der Handlung ist, ich habe sowohl mitgezittert und mitgefühlt bei der Geschichte in der Geschichte, als auch bei der Rahmenhandlung. Die handelnden Personen sind plastisch dargestellt, mit Kanten und Ecken, keiner ist nur gut oder nur böse, die Charaktere werden gut herausgearbeitet. Auch wenn vieles doch etwas platt klingt, wie z.B. das Manuskript in der Schublade (das kennt man ja eigentlich von vielen anderen Romanen) und auch einiges sehr vorhersehbar ist (dass irgendwann jemand auftauchen muss, der Davids Schwindel aufdeckt), schafft Suter es dennoch, immer wieder Überraschendes einzubauen. Gerade wenn ich dachte, ach ja, jetzt geht es so und so weiter, dann baut er eine neue unvorhersehbare Wendung ein. Kein Zweifel, Suter beherrscht viele schriftstellerische Tricks. Darin erinnert er mich ein wenig an John Irving: ebenso wie er ist er jemand, der sein Handwerk beherrscht, der weiß wie man die Leser bei der Stange hält, der ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Spannung, Gefühl und Story herstellen kann. Was fehlt, ist allerdings der Eindruck, es handle sich um „richtige“ Literatur, da mangelt es dann doch an Tiefe und an der Unverwechselbarkeit des Stils. Suter ist eher ein – allerdings sehr guter – Handwerker als ein Dichter. Aber was schadet das schon…Meine Meinung: Ein schönes Buch, das ich richtig gerne gelesen habe und mit bestem Gewissen weiterempfehlen kann: eine richtig gute Unterhaltungslektüre!
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2004, 1, 345 Seiten, Maße: 12,3 x 18,9 cm, Leinen, DeutschSo rein wie die ...
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30.12.2010 17:55
Meines Jahreswechsellektüre, nachdem ich schon Small World verschlungen habe, der Anfang von Lila,Lila ist ein wenig lahm, aber dann.... zum Jahresende ein Raketenscharfes BH verbunden mit den besten Grüßen und einem guten (unfallfreien Rutsch), LG Chrissy
09.07.2004 17:34
Hm, ich hatte das Buch mit im Urlaub und war ehrlich gesagt reichlich enttäuscht. Gerade deshalb, weil ich recht hohe Ansprüche an Suter hatte, weil ich "Small World" und auch die "Dunkle Seite des Mondes" ziemlich toll fand. Sonst stimmt's schon: Es ist nette Unterhaltung. Gruß Sabine
30.06.2004 15:11
Ich habs auch gelesen und es hat mir sehr gut gefallen..... Noch ein gutes Quentchen besser ist allerdings das Buch "Die dunkle Seite des Mondes"... Meiner Meinung nach Suters Meisterwerk schlechthin! Viele Grüße, Daniela