Kistenbericht I: Genial, Genial
13.09.2004
Pro:
Einmalige Story, Schreibstil, Figuren und Aufbau der Geschichte
Kontra:
Warum ist mir Martin Suter nicht schon eher in die Finger gefallen?
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
mehr
 Ciao_Steini
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:111
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 93 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
+++ACHTUNG+++ +++Ausgehungertes Steini wurde letztens mit bunter Kiste in der Bibliothek gesichtet+++ Ich war letztens in der Bibliothek. Gleich mit kleiner Ikea-Pappkiste, damit ich auch alles fortkriege! Ich werd mich also in den kommenden Wochen langsam durch mein bunt gepunktetes Kistchen arbeiten und euch mit Berichten bombardieren! Hier Ausbeute Nummer eins ; ) Und die Erkenntnis, die Schweiz hat also mehr zu bieten als lecker Schoggi : ) ♥Der Autor Der 1948 in Zürich geborene Martin Suter arbeitete erfolgreich als Werbetexter und Creative Director. Nebenbei schrieb er immer wieder GEO-Reportagen und zahlreiche Drehbücher für Film und Fernsehen. Seit 1991 schreibt er hauptberuflich und als freier Autor. Seite Bücher sind auch auf internationaler Ebene sehr erfolgreich. Neben seinen Büchern verfasst er auch die wöchentlich erscheinende Kolumne „Business Class“ in der „Weltwoche“ sowie die Geschichten um Geri Weibel im NZZ-Folio. Er lebt mit seiner Frau Margrith Nay Suter in Spanien und Guatemala.♥Bibliographie Business Class. Manager in der Westentasche [Weltwoche-ABC-Verlag 1994] Business Class. Mehr Manager in der Westentasche [Weltwoche-ABC-Verlag 1995] Small World [Diogenes 1997] Business Class. Noch mehr Manager in der Westentasche [Weltwoche-ABC-Verlag 1998] Die dunkle Seite des Mondes [Diogenes 2000] Business Class. Geschichten aus der Welt des Managements [Diogenes 2000] Richtig leben mit Geri Weibel [Diogenes 2001] Ein perfekter Freund [Diogenes 2002] Richtig leben mit Geri Weibel. Neue Folge [Diogenes 2002] Business Class. Neue Geschichten aus der Welt des Managements [Diogenes 2002] Beziehungsstress. Geschichten aus der Businesswelt [Diogenes 2003] Lila, Lila [Diogenes 2004] ♥Die Story David Kern ist 23 und wohnt in einer dusteren kleinen Wohnung, mit Möbeln vom Trödler spärlich eingerichtet. Genauso spärlich scheint auch sein Leben. Kaum Freunde, von der Familie ist auch nie die Rede und sein Alltag besteht lediglich aus Aufstehen am späten Nachmittag, seiner Arbeit in der Szenekneipe Esquina und dem Ins-Bett-Fallen spät in der Nacht. Marie Berger ist 24 und wohnt nach ihrer Ausbildung zur Schaufensterdekorateurin doch wieder bei ihrer Mutter, um doch noch das Abitur nachholen zu können. Ihre Eltern sind getrennt und ihre Mutter wird dem Leser als schrullige Übervierzigerin dargestellt, die zwischen zahllosen Männergeschichten und Phasen endloser Depression schwankt. Eine wirkliche Mutter-Tochter-Beziehung scheint es nicht zu geben. Diese beiden Hauptfiguren des Romans treffen zum ersten Mal im Esquina aufeinander. Das Lokal ist voll und sie will schon wieder gehen, als David sie auf den „JackenUndMäntelSessel“ seiner Bekannten platziert. David verliebt sich auf der Stelle in Marie – sie sieht in ihm nur den Kellner und beachtet ihn kaum. Unbeholfen und schüchtern traut er sich auch nicht, sie wirklich direkt anzusprechen. Ganz im Gegenteil zu Ralph Grand, dem Großmaul und Schwätzer der Gruppe… Das alte Nachtschränkchen mit dem Sprung in der Marmorplatte soll alles ändern. Das Schränkchen stammt von einer Haushaltsauflösung und die oberste Schublade klemmt. David bricht sie gewaltsam auf und findet ein fertiges Manuskript mit dem Titel Sophie, Sophie. Die Hauptfigur Peter ist verliebt in Sophie, doch ihre Eltern sind dagegen und unterbinden ihre heimlichen Treffen, indem sie sie auf ein Internat schicken. Bei ihrer Rückkehr, die er sehnlich erwartet, ist sie völlig verändert. Um ihn „loszuwerden“, umarmt sie auffällig andere Jungs und tut alles, um ihn so zu verletzen. Peter schildert diese Geschichte und bringt sich am Ende selbst um, indem er mit dem Motorrad gegen die Felswand eines Tunnels rast. Der Autor, der die tragische Liebesgeschichte von Peter Landwei aufschrieb, hieß Peter Weiland und kam bei einem Motorradunfall ums Leben… „Das ist die Geschichte von Peter und Sophie. Lieber Gott, laß sie nicht traurig enden.“ Mehr aus Langeweile scannt David die Geschichte in seinen PC ein und verbessert hier und da Fehler der Texterkennung. Am Ende tauscht er das Pseudonym Alfred Duster gegen seinen eigenen Namen aus. Um die Literaturbegeisterte Marie endlich auf sich aufmerksam zu machen, kommt er auf die Schnapsidee und gibt ihr das Manuskript zum Lesen. Sie ist begeistert und sendet Sophie, Sophie an einen Verlag. Die Ereignisse überstürzen sich: der Roman erscheint mit geänderten Namen und unter dem Titel Lila, Lila und David und Marie werden ein Paar. Alles scheint perfekt. Doch gegen Davids Hoffnungen findet das Buch enorme Beachtung, steigt in den Bestellerlisten und wird in von den Kritikern in den Himmel gelobt. Bei den vielen Lesungen, die er nun abhalten muss, jagt ihn immer wieder die Angst, dass plötzlich jemand aufspringt und ruft: das ist nicht ihr Buch! Eines Tages bei einer Signierstunde erscheint ein alter Mann, der sich sein Exemplar für Alfred Duster unterzeichnen lässt… Um Marie nicht zu verlieren – ihr die Wahrheit zu sagen, schafft David schon lange nicht – spielt er Jackys Spiel mit, beteiligt ihn an seinen Einnahmen und macht ihn gezwungenermaßen am Ende sogar noch zu seinem Agenten. Bis sich Marie langsam von ihm distanziert. Er sieht nur noch eine Möglichkeit: Jacky aus dem Weg schaffen. Aber wie? Und kann er seine Beziehung damit retten? „Das ist die Geschichte von David und Marie. Lieber Gott, laß sie nicht traurig enden.“♥Mein Fazit Ich gestehe! Ich kannte Martin Suter bis zu diesem Buch gar nicht. Und auch bei der Leipziger Buchmesse im März hab ich mich immer wieder gefragt, wer das ist, weil Martin Suter-Lesungen fast täglich und überall stattfanden. Tja am Ende haben wie doch keine der Lesungen geschafft. Aber Lila, Lila tauchte ständig in der Presse auf – also musste ich mir das Buch ja doch mal vorknöpfen! Und ich bin begeistert. Der Schreibstil von Suter ist wie ich finde schnörkellos, die Kapitel lassen sich flüssig lesen und man sitzt von der ersten bis zur letzten Seiten mittendrin im Geschehen. Die Figuren sind klar umrissen. In diesem Fall wollte ich den beiden Hauptakteuren zwar ständig ins Gesicht schreien, sie sollen endlich aus ihrer Lethargie erwachen und den Arsch hochkriegen. Und warum sagt er ihr nicht einfach, dass er sie mit dem Manuskript nur beeindrucken wollte? Aber Suter schafft es, dass man das Handeln der Figuren sogar teilweise verstehen kann. Wenn auch ab und an mit Kopfschütteln. Für mich der erste Suter – für Suter der erste Liebesroman – insgesamt ein klasse Buch! Ich denke also, ich werde die anderen auch mal unter die Lupe nehmen müssen : ) Die Story wurde mittlerweile auch für alle Hörbuchfans in Zusammenarbeit mit Daniel Brühl vertont!Und für alle, die den Silvesterrummel und die Euphorie des Neubeginns und der guten Vorsätze genauso wenig ab können, wie ich: „Der Januar war der Monat, der nicht vorbeigehen wollte. Die Euphorie, mit der man das neue Jahr begrüßt hatte, war der Ernüchterung darüber gewichen, daß man keinen Schritt weitergekommen, sondern wieder an den Anfang zurückgeworfen war.“ [Seite 84] HARDCOVER Februar 2004 ISBN 3 257 06386 5 Diogenes Verlag (Zürich) Preis: 21.90 EuroHÖRBUCH 5 CDs Juli 2004 ISBN 3 899 03138 5 Hörbuch Hamburg Preis: 23.95 Euro
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2004, 1, 345 Seiten, Maße: 12,3 x 18,9 cm, Leinen, DeutschSo rein wie die ...
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17.01.2011 18:23
Ich bin genauso angetan ;-) LG Chrissy
16.09.2004 15:15
Ich hab mal von Suter "Der perfekte Freund" gelesen - es war spannend, nicht umschweifend und einfach super geschrieben. Hab auch darüber berichtet... wäre auf jeden Fall auch den Kauf wert ;)
13.09.2004 23:21
BH nicht nur weil der Suter ein Schweizer ist, nein nein der wäre Stolz auf deinen äusserst gelungenen Bericht, prima!