Lüge und Liebe
20.05.2005
Pro:
wunderbare Story, Anschaulichkeit, Ironie und Melancholie
Kontra:
-
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
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 rundejenta
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:58
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 43 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Was, wenn eine Liebe auf eine Lüge basiert? Wenn ein Mann sich als Dichter ausgibt, wenn er nicht einmal einen Satz geschrieben hat? Martin Suters Roman "Lila, Lila" hat sich diesen Fragen zum Thema gemacht und begeistert durch eine vorzüglich durchkomponierte Geschichte, wunderbarer Ironie und eine einfach, aber faszinierende Sprache, die fesselt. INHALT David ist Kellner in einer Bar. Dort lernt er Marie kennen und lieben. Doch sie interessiert sich nicht für David. Eines Tages findet er in einem Nachttisch ein Manuskript, einen romantischen und melancholischen Liebesroman, bei dem ein Mann sich nach einer zerbrochenen Liebe Selbstmord begeht. David gibt dieses Manuskript Marie zum Lesen. Völlig begeistert, schickt sie dieses an einen Verlag, der das Buch veröffentlicht. David und Marie werden ein Paar. In der Literaturszene wird David zum Shootingsstar gefeiert, sein Buch mit dem Titel "Lila, Lila" wird zu einem Erfolg. Er reist mit seinen Lesungen durchs Land und verdient sehr viel Geld, allerdings immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, was passieren würde, wenn die Lüge aufliegt. Dabei machte er sich weniger Gedanken um seinen Ruf, als Sorgen um die Liebe zu Marie. Bei einer Lesung stellt sich plötzlich der angebliche Autor des Manuskriptes vor. Jacky, ehemaliger Bewohner eines Männerheimes für sozial Schwache, erpresst schließlich David, verfolgt ihn wie ein Schatten und wird zu seinem Literaturagenten. Bis ein Unglück geschieht, und die Beziehung von David und Marie zerbröselt. SPRACHE UND AUFBAU Großes Merkmal des Romans ist die inhaltliche Verbindung zwischen der Rahmenhandlung, also die Beziehung zwischen David und Marie, und die Geschichte des Manuskriptes, die über den gesamten Roman hinweg zitiert wird. Eine große Liebe kühlt sich ab und zerbricht. Der Autor erzählt mit seinem Buch eigentlich zwei Geschichten. Und obwohl das Ende von Davids gefundenen Roman bereits relativ am Anfang des Buches bekannt wird und diese Beziehung zwischen beiden Geschichten klar wird, schafft es Suter, die Spannung zu halten, ohne dass der Leser ahnen kann, wie der Roman zu Ende geht. Denn vielleicht will der Autor auch ein anderes Beispiel für eine Beziehung aufzeigen. Suters Sprache und die Story schafften es, mich zu fesseln. Ich las das Buch in einen Rutsch, konnte es kaum zur Seite legen. Die Sprache ist geprägt durch kurze Sätze, der Liebe für das Detail, so dass die Szenen eine präzise Anschaulichkeit erhalten. Zum einen ist der Roman sehr ironisch geschrieben, zum anderen erhält er einen melancholischen Touch. Der Leser kann sich mit den Charakteren durchweg identifizieren. David erscheint zuerst als ein wenig ungeschickt. Dann zum Schluss wächst sein Selbstbewusstsein, seine innere Kraft. Er kämpft für die Liebe, während Marie sich mehr und mehr von David entfernt. Doch David beginnt mit dieser Kraft auch düstere Gedanken zu verfolgen: Jacky, seinen ständig verfolgenden Schatten und Erpresser, bei einem als Unfall fingierten Mord aus dem Weg zu schaffen. Diese Nähe zu den handelnden Personen entsteht für den Leser durch die anschaulich beschriebenen Gedanken und Handlungen der Charaktere. Obwohl es eine schon verrückte Geschichte ist, zeigt Suter durchaus reelle Handlungen auf. Das Buch hat rund 340 Seiten und ist in 52 Kapiteln unterteilt. EIN KLEINER AUSZUG "Die mäßige Resonanz auf das Erscheinen von Lila, Lila hatte ihn ermutigt. Außer dem kleinen Bericht in der Gratiszeitung war im Lokalteil einer der großen Tageszeitungen der Stadt eine kurze Meldung mit einer Besprechung erschienen, die fast wörtlich den Klappentext wiedergab. Einzig den Satz mit dem "vielleicht vielsprechenden Nachwuchsschriftsteller des Landes" hatte man gnädig weggelassen. Vielleicht lief alles glimpflich ab. Lila, Lila würde in den vielen Neuerscheinungen untergehen und nach ein paar Wochen wieder so vergessen sein wie in den letzten fünfzig Jahren. Nur Marie und er würden noch ab und zu an die Geschichte denken, weil sie ihr ihre Liebe zu verdanken hatten. Und irgendwann, in ferner, gemeinsamer Zukunft würde er ihr die Wahrheit über Lila, Lila gestehen. Und sie würden beide herzlich darüber lachen. Eine Lesereise unter Ausschluss der Öffentlichkeit schien ihm ein kalkulierbares Risiko. Denn so wenig er Lust hatte, auf Lesereise zu gehen, so sehr würde es ihm gefallen, wenn es im Esquina hieß, David Kern bediene dieser Tage nicht, er sei auf Lesereise." FAZIT Martin Suter gehört laut den Literaturkritikern und zahlreichen Klappentexten zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellern der Gegenwart. Seinen weiteren Roman "Small World" habe ich nach einigen Seiten weggelegt, vielleicht auch aus dem Grund, dass ich für die Geschichte noch nicht ganz "reif" bin, von "Lila, Lila" war ich allerdings von Anfang begeistert und kann es mit ruhigem Gewissen empfehlen, für all jene, die Freude haben an einem anspruchsvollen Liebesroman, es spannend finden, einen Einblick in die Welt von Verlagen und der Literaturszene zu erhalten und die Romane lieben, die vielschichtig - mal ironisch, mal melancholisch - sind. DER AUTOR Martin Suter ist Jahrgang 1948. Geboren wurde er in Zürich. Bis Anfang der Neunziger war er Werbetexter, bis er sich schließlich für ein Leben als freier Autor entschied. Weitere bekannte, erfolgreiche Romane sind "Small World", "Ein perfekter Freund" oder "Die dunkle Seite des Mondes". Er lebt mit seiner Frau in Guatemala und in Spanien und ist außerdem Kolumnist für bekannte Zeitungen unter anderem die "Weltwoche". DAS BUCH "Lila, lila" erschien im letzten Jahr im Diogenes Verlag. Es ist bisher nur in der gebundenen Ausgabe erhältlich. ISBN: 3-257-06386-5, Preis: 21 Euro
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24.05.2005 22:52
Gelesen habe ich es wohl, aber so richtig toll fand ich es nicht. "Small World" und "Die dunkle Seite des Mondes" dagegen schon. Versuch es doch noch mal damit, es lohnt sich. Gruß Sabine
24.05.2005 18:21
ja, das Buch hat mir auch ganz gut gefallen, aber ganz so begeistert wie dich hat es mich doch nicht (etwas zu vorhersehbar), besonders weil ich Suter immer an seinem wudnerbaren "Small world" messen muss.
20.05.2005 23:12
Schöner Bericht, ist aber bestimmt kein Buch für mich. Gruß Doro