Lipica

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Erfahrungsbericht über "Lipica"

veröffentlicht 26.09.2004 | Ronja77
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Gut
Pro Fast alles ein bisschen
Kontra Unterricht und Pferdhaltung
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"Urlaub unter Pferden - Lipica 2002"

Hallo liebe Ciao-Leser,

irgendwie bin ich noch voll in Urlaubslaune und deshalb möchte ich Euch von meinem Urlaub im Jahre 2002 in


* * * * Lipica * * * *

erzählen.

Gebucht habe ich diese Reise als Reiturlaub. Lipica ist bekannt für seine Pferdezucht und besteht eigentlich nur aus Gestüt. Hier werden die edlen Lipizzaner gezüchtet, die auch in der Spanischen Hofreitschule in Wien zu bewundern sind. "Spanisch", weil sich der Stamm der Lippizanerzuch auf spanische Pferd begründete. Lipica besteht eigentlich nur aus Gestüt, das Dorf geht dabei völlig unter (sind nur wenige Häuser) . Aber ich fange mal von vorn an.


1. Warum Lipica?
2. Wie wird gebucht?
3. Die Anreise
4. Slowenien
5. Der Lippizaner
6. Die Gestütsanlage
7. Was man (pferdemässig) dort sehen und machen kann
8. Die Unterbringung
9. Sportmöglichkeiten
10. Ausflugsmöglichkeiten
11. Der Preis
12. Mein Fazit

1. Warum Lipica?
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Mir ging es in erster Linie um Urlaub und Reiten. Aufgrund von Berichten aus der Spanischen Hofreitschule war mir bekannt, dass die Lipizzaner dressurmässig weit gefördert werden, oftmals bis zur Hohen Schule. Als mir dann bekannt wurde, dass man dort Reiturlaub machen kann, wollte ich es unbedingt mal probieren. Welcher Reiter möchte nicht mal auf weit ausgebildeten Pferden Reiturlaub bekommen?

2. Wie wird gebucht?
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Für Reiterreisen gibt es zumindest einen "grossen" Anbieter in Deutschland:

Pferd + Reiter
Rader Weg 30 A
22889 Tangstedt
Tel. 040/6076690

Pferd + Reiter gehört zur creActiv Tours GmbH, Tangstedt.

Zu erreichen ist dieser Anbieter u. a. im Internet unter www.pferdreiter.de . Über diese Website bin ich auf das Lipica-Angebot gestossen. Besonders interessant fand ich das Programm "Einzelstunden", welches ich dann auch direkt über das Internet bei Pferd + Reiter gebucht habe.
Die Buchung erfolgt schnell und ohne Komplikationen. Notwendige Daten werden beim Buchen abgefragt und man erhält zeitnah eine Bestätigung per email.

Es ist auch möglich, direkt in Lipica zu buchen. Die Homepage findet Ihr unter www.lipica.org auf der folgende Kontaktdaten zu finden sind:

KOBILARNA LIPICA
LIPICA 5, 6210 SEŽANA, N.C. (05) 7391580
SECRETARY OFFICE, MANAGER (05) 7391706

HOTEL MAESTOSO (05) 7391580
HOTEL KLUB (05) 7391580
TELEFAX: (05) 7341409

In Lipica wird deutsch und englisch gesprochen, so dass eine direkte Buchung sehr wahrscheinlich keine Probleme machen würde.


3. Anreise
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Ich habe mich für eine Anreise mit dem Flugzeug entschieden. Die Anreise mit dem Auto oder mit der Bahn ist zwar auch möglich, für mich allein war sie aber ein bisschen zu lang. -ca. 1300 km (ab Norddeutschland). Der Flieger ging ab Hamburg und dann über München nach Triest (Italien). Von dort aus war ein Abholservice von Pferd + Reiter organisiert. Dies alles klappte mühelos, die Fahrt von Italien nach Slowenien dauerte noch etwa eine Stunde. Der Grenzübertritt ging schnell, nach Vorzeigen des Reisepasses.

4. Slowenien
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Wenigstens eine kurze Info möchte ich auch über Slowenien geben. Das Land liegt eingebettet zwischen Österreich, Italien, Kroatien und Ungarn und ist ca. 20000 qkm gross. Die Hauptstadt ist Ljubeljana (auf Deutsch Laibach). Von den etwa zwei Millionen Einwohner wird slowenisch gesprochen, wobei in den Ferienorten auch deutsch und englisch gesprochen wird. Die Landschaft ist abwechslungsreich. Grüne Ebenen, Küstenland, bergige Abschnitte - alles ist dabei. Währung ist der Slowenische Tolar.

5. Der Lippizaner
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Das Gestüt Lipica wurde 1580 von Erzherzog Karl (Österreich) gegründet. Damals gehörte Lipica noch zu Österreich. Der Erzherzog brachte zur Gründung der Zucht neun Hengste und 24 spanische Stuten nach Lipica. Eine wechselhafte Geschichte begann wo die edlen Pferde immer wieder vor Kriegen in Sicherheit gebracht werden mussten. Im zweiten Weltkrieg wanderte die Lipizzanerzucht für die Spanische Hofreitschule aber nach Piber (Österreich). Auch in anderen Ländern wie Ungarn, Rumänien oder Kroatien gibt es Lipizzanergestäte.
Gewünscht wird sich ein Pferd mit einer Grösse von 150 - 158 cm, gemessen am Widderist (Übergang zwischen Hals und Rücken). Hauptsächlich sind es Schimmel, aber auch Braune und Rappen werden gezogen (sehr selten). Haupteinsatzweck für die Lippizaner ist Dressur, Fahren und Freizeit.
Die heutige Zucht in Lipica ist auf sechs alte Hengststämme zurückzuführen. Die Namen der Hengste: Maestoso, Pluto, Neapolitano, Conversano, Siglavy (ein Araber) und Favory. Die Nachzucht aus Lipica trägt auf der linken Wange das Brandzeichen "L". Auf der linken Sattellage werden die Buchstaben der Vater- und Mutterlinie eingebrand (z.b. M=Maestoso) und auf der rechten Sattellage die Zuchtnummer.

6. Die Gestütsanlage

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Ich kann leider gar nicht sagen, wie gross das Gestüt ist - es ist aber rieeeeeeeesig!!! Von der Hauptstrasse abgefahren fährt man zuerst zwischen grossen Weiden auf die erste Hotelanlage (Hotel Maestoso) zu. Auf der rechten Seite befindet sich ein Golfplatz. Weiter in Lipica reingefahren, finden sich noch einige Dorfgebäude und weiter hinten noch das zweite Hotel (Hotel Klub). Neben dem Hotel Maestose befindet sich dann auch der Haupteingang zum Gestüt selbst, welches mit grossen Mauern/Zäunen eingefriedet ist. Besucher des Gestüts müssen Eintritt für die Besichtigung zahlen. Hotelgäste haben fast jederzeit freien Zutritt zur Anlage. Zum Gestüt gehören mehrere Reithallen (eine Showhalle mit Tribüne, 20x60m gross) und mehrere weitere und mehrere Aussenvierecke. Ausserdem gibt es mehrere Ställe. Neben der grossen Reithalle ist ein Stall mit Pferden für die Reitschüler. Für den Dressurunterricht werden nur Wallache bzw. Hengste (kastrieren "vergessen") verwendet. Für die Ausritte nur Stuten, die leider noch in Ständern stehen/standen(?). Die Stallanlage an sich ist sehr gepflegt, die Pferde in einem guten Zustand. In unzähligen weiteren Ställen stehen die Ausbildungshengste und schliesslich gibt es noch einen weiteren Stall mit den wertvollen Zuchthengsten. Die Mutterstuten und Fohlen sind in einem riesigen Laufstall mit vorgelagertem Auslauf untergebracht.

7. Was man (pferdemässig) dort sehen und machen kann
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* Der Reitunterricht
Das war ja der Grund der Reise. Im Reisepreis inbegriffen waren sechs Einzelstunden a 50 Minuten. Ich bekam für den gesamten Urlaub einen kleinen Lipizzanerhengst zugewiesen. Dieses Pferd war bis zur mittelschweren Klasse ausgebildet und war auch sehr leichtrittig. Lektionen wie fliegende Galoppwechsel und Traversalen konnte ich so mal reiten, was hierzulande auf Schulpferden nicht oft mögich ist. Der Reitunterricht entsprach aber nicht ganz so meinen Vorstellungen. Der Reitlehrer wirkte lustlos, telefonierte und rauchte zwischendurch. Für so eine Reitstunde bezahlt man in Lipica 38,00 EUR - da kann man eigentlich schon einen engagierten Reitlehrer erwarten. Und, für die Reiter unter Euch: Die Reitweise in Lipica entspricht eigentlich nicht den klassischen Grundsätzen. Die Pferde kommen jung von der Weide und werden dann (fast) nur noch in den Boxen gehalten. In der Ausbildung werden Grundsätze wie vorwärts/abwärts eigentlich völlig vernachlässigt und so sieht man oft Spannungsbündel mit kurzen Tritten. Im Reitunterricht konnte man auch oft Kommentare wie "rechts-linksParaden" und "drück mal die Hände rüber" hören.... Also so ganz richtig ist das nicht :-(

Die Qualität des Gruppenunterrichts (hab ich mir nur angesehen), war sehr wechselhaft, abhängig vom Reitlehrer. Es waren Schüler unterschiedlicher Stärke in einer Gruppe und fast immer musste mehrsprachig unterrichtet werden (Deutsch, Englisch, Italienisch).

* Ausritte:
Auf den Stuten werden regemässig Ausritte angeboten. Ich habe mir das aber erst einmal aus der Ferne angesehen - und damit auch Glück gehabt. Nach tagelanger Stehpause wg. Regentagen in Ständern (!, ist in Deutschland verboten!) wurden da die Urlauber draufgesetzt, wovon dann auch gleich welche schnell wieder im Sand lagen. Ziemlich gefährlich. Ausserdem muss gesagt werden, dass in die Ausbildung der Stuten nicht viel Energie reingesteckt wird.

* Gestütsbesichtigungen
Diese Touren beginnen am Eingang des Gestüts. Vor Tafeln mit den Ländernamen sammels sich die passenden Touristen, so dass man eine Führung in der richtigen Sprache bekommen kann. Hier erfährt man einiges über das Gestüt und die Pferde. Oft gibt es im Anschluss eine Vorführung

* Vorführungen
In Lipica werden regelmässig Vorführungen für die Besucher angeboten. Diese reichen von Vorführungen der Hohen Schule, Kutschdarstellungen bis hin zur Handarbeit. Für Urlauber des Gestütes ist der Eintritt inklusive, alle anderen müssen dafür 6,00 EUR Aufschlag zur Gestütsbesichtigung zahlen (=12,00 EUR/Person)

* Training
Eigentlich kann man den ganzen Tag beim Training der Hengste zuschauen. Man muss es nur finden :) Ich hatte den Eindruck, dass die Bereiter vor den Touristen flüchteten. Wenn man aber länger dort war, wurde es auch toleriert, wenn man sich still in eine Ecke zum Zusehen setzte. Regelmässig gibt es in der grossen Halle die Möglichkeit, auch ganz offiziell beim Training zuzuschauen. Dies kosten zur Gestütsbesichtigung 2,00 EUR Aufschlag

* Die Stutenherde
Das war ein ganz besonderes Bild. Morgens und Abends wurde die grosse Herde auf die Weide getrieben. Da liefen mal eben bestimmt einhundert Pferde zur Koppel. Ein wirklich schönes Bild!!!

* Die Junghengstweide
Die Herde mit den jungen Herde musste man manchmal stundenlang auf dem grossen Gelände suchen. Es ist aber ein schöner Ausflug und ein noch schöneres Bild, wenn man sie gefunden hat.

8. Die Unterbringung
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Wie bereits oben erwähnt, gibt es zwei Hotels in Lipica. Ich war im Hotel Klub untergebracht, zu dem eigentlich nicht viel zu sagen ist. Das Zimmer war einfach ausgestatte, aber sehr sauber. Halbpension beinhaltete ein Frühstückbuffet (ausreichend, ohne Schnickschnack) und abends ein warmes Essen (zwei oder drei Gerichte zur Auswahl). Nichts überragendes, aber auch nicht schlecht. Das andere Hotel (Maestoso) soll vom Standard her ähnlich sein, ich habe es aber nicht kennengelernt. Zu erwähnen ist noch, dass es abends ein Begrüssungsgetränk gab und einen Gutschein über eine Schinkenprobe in der Bar des Klub-Hotels. Diese Schinkenprobe erwies sich als vollständige Mahlzeit mit leckerem Wein! Sehr lecker!

9. Sportmöglichkeiten
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Neben Reiten wird hier noch viel Golf gespielt (nicht probiert). Ausserdem gibt es beim Hotel Maestoso ein Hallenbad (Badekappenplficht) mit schöner Sonnenterasse. Eine Sauna gibt es in beiden Hotels.

10. Ausflugmöglichkeiten:
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Organisierte Ausflüge habe ich nicht gefunden und ohne Auto kommt man nicht weit. Lipica liegt abseits. Ausflugsziel sind unzählige Tropfsteinhöhlen (Adelsberger Grotten, sehr schön - die habe ich gesehen) oder auch Ausfüge an die Strände der Adria.

11. Der Preis:
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Die Woche im Einzelzimmer mit Halbpension, inkl. Flug und Reistunden kostete mich ca. 1000 EUR. Bei Direktbuchung in Lipica würde es zu vergleichbarer Saisonzeit ein wenig teurer werden.

12. Mein Fazit:
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Lipica ist sehenswert und deshalb gebe ich schon ein Empfehlung dafür. Abzüge gibt es auf jeden Fall für den Reitunterricht, der nicht dem entspricht was er verspricht. Den zweiten Stern ziehe ich für die Ständerhaltung ab. Das die Hotels nicht ganz so der Hit sind, ist wohl voll zu verzeihen.

Danke fürs Lesen - viel Spass beim Kommentieren und Bewerten
Eure
Ronja

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • susi.sunkist veröffentlicht 31.08.2005
    freue mich, mal wieder eine gute autorin entdeckt zu haben:-)
  • Renoir64 veröffentlicht 17.11.2004
    Auch ich war vor ca. 7 Jahren in Lipica und wie ich sehe hat sich nicht viel geändert. Allerdings hatten wir sehr gute Reitlehrer.
  • JackL0ND0N1800 veröffentlicht 17.10.2004
    Vor ca. 25 jahren gab es mal eine fernsehserie die spielte in dem gestüt. Mit Gruß
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Produktbeschreibung des Herstellers

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