Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
andere Kultur kennenlernen, kleine Klassen, gute Atmosphäre |
| Kontra: |
vieles nicht so wie auf einer normalen Schule, leicht chaotisch |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Heute, an dem Tag an dem ich die Halbzeit meiner Abiturs erreicht habe, wird endlich mein Produktvorschlag von Ciao angenommen und ich darf als erste einen Bericht über meine Schule schreiben, das Litauische Gymnasium in Hüttenfeld.
Historisches:
Die Schule wurde 1951 in Diepholz gegründet und siedelte 1954 nach Hüttenfeld über. Hier erwarb die Litauische Volksgemeinschaft das Schloß Rennhof für die Schule, so daß dieser Stadtteil von Lampertheim zum Zentrum der Litauer in Deutschland wurde. Schulträger ist das Kuratorium des Litauischen Gymnasiums e.V.
Die Schule:
Das Litauisches Gymnasium ist eine staatlich anerkannte Schule auf der man ein ganz normales hessisches Abitur ablegen kann, so, wie ich das gerade tue.
Das Besondere ist die private Atmosphäre der Schule die mit einer sehr kleinen Schülerschaft (ca. 200 Schüler) und einem überschaubaren Kollegium möglich. Durch eine geringe Klassenstärke von meist unter 20 Kindern ist ein viel intensiverer Unterricht möglich.
In der Oberstufe sind Leistungskurse mit einem Schüler keinen Seltenheit, was der Schülerschaft einen enormen Wissensvorteil verschafft.
Das Litauische Gymnasium ist eine neusprachliche Schule, jeder Schüler hat, soweit es sein Stundenplan zulässt, die Möglichkeit Englisch, Französisch, Litauisch und Russisch zu lernen.
Allgemeine Fakten: Meine Schule
ist eingebettet in ein fünf Hektar großes Parkgelände, das den Schülern zahlreiche Spiel-und Sportmöglichkeiten eröffnet. 1965 wurde auf diesem Gelände ein neues Schulgebäude errichtet. Das renovierte Schloß Rennhof mit seinem Ortsbild prägenden Turm beherbergt heute wichtige Funktionsräume der Schule: die Bibliothek, die Kapelle, einige Musikzimmer und die Aula. Im umgebenden Park befinden sich Plätze, auf welchen die Schüler Fußball, Volleyball und natürlich nicht zu vergessen Basketball spielen können.
Das Internat:
An die Schule angeschlossen ist ein Internat. Das Mädcheninternat wurde 1972 errichtet und 1989 mit der Fertigstellung des Jungeninternates modernisiert. In der Regel wohnen die Schüler in Zweibettzimmern. Die meisten Zimmer sind mit eigenem Waschraum, Dusche und WC ausgestattet, die restlichen Zimmer haben fließend warmes und kaltes Wasser, und es gibt Etagenduschen. Das Internat beherbergt außerdem zwei Fernsehräume, ein Lesezimmer, einen Fitnessraum und mehrere gemütliche Teeküchen sowie einen Saal für Veranstaltungen. Im Internat werden die Schülerinnen und Schüler ganztägig betreut.
Nachmittags fertigen die jüngeren Schüler ihre Hausaufgaben unter Aufsicht von Lehrern und Erziehern in der Schule an. Diese Betreuung kann auch von Tagesschülern in Anspruch genommen werden. Ferner sind im Schulgebäude auch der Küchentrakt und der Speisesaal integriert.
Externe, wie ich es bin, haben auch die Möglichkeit, in der Schule für einen geringen Beitrag zu essen. Das Essen schmeckt meist sehr gut und ist vorwiegend deutsche Küche.
Sicher geht es dort nicht so locker zu, wie zuhause bei Muttern, es wird gebetet und der Direktor hält eine Ansprache, aber das Miteinander ist sehr schön dort.
Was ist besonders an dieser Schule?
Durch die Tatsache, das litauische und Deutsche Schüler gemeinsam lernen im Klassenverbund, wird sehr früh ein Integrationsprozeß bei Kindern gefördert der sie ein anderes Sichtfeld für fremde Kulturen entwickeln lässt. Für die Kinder ist es dann normal, dass Menschen neben ihnen eine Sprache sprechen, die sie kaum oder gar nicht verstehen und dass sie in vielen Dingen andere Vorstellungen haben. Ich habe diese Tatsache immer genossen, es hat mich sehr weltoffen gemacht und auch neugierig auf dieses kleine baltische Land, sodass ich es letztes Jahr im Sommer besucht habe (siehe mein Bericht über Litauen). Nichtsdetotrotz gibt es auch Schattenseiten. Bei der täglichen Kommunikation im Unterricht bleibt viel auf der Strecke, wenn ein litauischer Lehrer unterrichtet, da muss man sich als Deutscher einfach durchsetzten. Zumal der Anteil der Deutschen nicht mal 40 % betrifft und somit die Litauer bei Abistimmung meist einstimmig gegen Deutsche Vorschläge stimmen, so meine Erfahrung. Aber das muss nicht immer so sein und ist stark klassenabhängig.
Litauisch ist kein Pflichtfach, kann aber belegt werden, entweder als AG oder als Fach.
Pflichtfach ist Religion und es gibt kein Ethik, da sich die Schule als konfesionelle Schule betrachtet. Viele Verantstaltungen laufen nach litauischer Tradition ab, das ist wirklich sehr schön, kann aber für deutsche Gemüter etwas unorganisiert wirken, die lassen einfach alles etwas relaxter angehen. Besonders gefeiert wird der Unabhängigkeitstag am 16. Februar, nachdem unsere Schule auch benannt ist (Vasario 16), desweiteren das Johannisfest und Weihnachten. Die Litauer sind ein sehr stolzes patriotisches Volk mit einer interessanten Kultur an der sie uns an den Festn durch Liedgut und Volkstänzen immer teilhaben lassen.
Bei externen wird ein monatliches Schulgeld von ca 85 € verlangt, das zweite Kind, das die Schule besucht, zahlt bis dato nichts.
Auch wichtig zu erwähnen ist es, dass die Schule nicht in allen Bereichen über so supermoderne Mittel verfügt, wie das auf staatlichen Schulen der Fall ist. Es ist alles verfügbar, aber halt nicht so massig und übertrieben, die Wertevermittlung hat eine höhere Priorität.
Standort
Der Standort des Internates liegt zwischen Rhein und Odenwald, einem bekannten Naherholungsgebiet, das den Schülern neben den zahlreiche Ausflugszielen auch ein hervorragendes Klima bietet. Nur 30 km entfernt liegen die Universitätsstädte Heidelberg und Mannheim, sowie die Industrieregion Mannheim/Ludwigshafen. Im Osten und Westen wird Hüttenfeld verkehrsgünstig von den Autobahnen A5 und A6 tangiert. Die größeren Orte Weinheim, Worms, Viernheim und Lampertheim sind bequem mit dem Bus erreichbar.
Lehrer/Lernen
Über Lehrer kann man viel schreiben, ich weiß. Sie sind nicht anders als auf anderen Schulen, die meisten zumindest. Sie haben aber hier bessere Möglichkeiten, auf die Schüler einzugehen. Viele Lehrer haben einen netten Kontakt zu ihren Schülern, ich gehe mit meiner Relilehrerin, die total cool ist, regelmäßig abends in die Disco oder wir treffen uns bei ihr, in anderen Schulen undenkbar so etwas.
Das Lernniveau ist nicht so hoch angesiedelt wie auf einer staatlichen Schule, meiner Meinung nach. Trotzdem bekommt man alles wichtig vermittelt, hat hier aber die Chance, ein besseres Abi zu schreiben. Trotzdem sind noch niemanden die Noten hinterhergeschmissen worden und es ist stark fächerabhängig.
Abitur
Das Abi läuft im Grunde genommen genauso ab wie in staatlichen Schulen. Unser Jahrgang ist mit 22 Schülern rekordverdächtig und sehr stark. Im barroken Schloss wird geschrieben, genau nach den Vorschriften, aber es wird vorhernicht so viel Angst gemacht, wie ich das von meiner alten Schule kannte, auf der ich bis zur 11. Klasse war. Die Schüler bekommen als nette Geste auch ein reichhaltiges Büffet aufgebaut um kulinarisch versorgt zu sein. Abi wird nach hessischen Vorschriften abgelegt.
Fazit:
Wer die Nase voll hat von unpersönlichen Schulen in denen es wichtig ist, welchen Pullover man trägt, der soll zu uns kommen.
Eine offene, tolerante Lernumgebung mit optischen Genüssen (Schloß, Schloßgarten) steht einem zur Verfügnung. Aber auch hier macht der Schulalltag nicht stop, das ist ganz klar.
Kontaktdaten:
Adresse: Litauisches Gymnasium
Lorscher Strasse 1
68623 Lampertheim-Hüttenfeld
Telefon: 06256-322
Telefax: 06256-1641
Danke für's Lesen, sollte ich Informationen vergessen haben, die euch interessieren, lasst es mich wissen, ich werde sie dann ergänzen.
Eure Embraceable