Live - Spock's Beard

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Live - Spock's Beard

Rock - 2 - CD - Label: Insideoutm - Vertrieb: Universal - Veröffentlicht am: 29. Januar 2010 - EAN: 5052205030028

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Erfahrungsbericht über "Live - Spock's Beard"

veröffentlicht 08.11.2010 | Pengoblin
Mitglied seit : 05.09.2005
Erfahrungsberichte : 126
Vertrauende : 9
Über sich :
"Dies sind meine Überzeugungen und Grundsätze. Wenn Sie Ihnen nicht gefallen - ich hab' auch noch andere." (Groucho Marx)
Sehr gut
Pro Guter, solider ansatzverfrickelter Rock; geringe Überschneidungen mit Vorgängerlivealbum
Kontra Für manche wird damit das Studioalbum "S.B." wohl überflüssig
sehr hilfreich
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:

"Der Bart geht ab!"


INTRO

Die Lebensphasen einer Rockband werden völlig zu Recht oftmals am Weggang eines für Kompositionen oder Sounds wichtigen Mitglieds gemessen: Da gibt es Genesis der Gabriel- und der Nach-Gabriel-Ära, Marillion der Fish- und der Post-Fish-Ära, Waters-Pink Floyd und Nicht-mehr-Waters-Pink Floyd, Hodgson-Davies-Supertramp und Nur-noch-Davies-Supertramp und so fort. Nicht oft überleben Bands den Weggang eines prägenden Mitglieds lange auf erwähnenswerte Weise (obgleich zuweilen ziemlich lange auf nichterwähnenswerte Weise). Und nicht immer können sich die gestandenen Fans der einen Schaffensphase der Band mit der Produktion der folgenden Phase der Band anfreunden. Denn je prägender der Anteil dieser einen Person war, desto größer natürlich die Notwendigkeit, die entstandene Lücke würdig zu füllen und sich erfolgreich neu zu definieren.

Im Falle der u.s.amerikanischen Formation Spock's Beard, die zwischen 1995 und 2002 praktisch aus dem Nichts eine souveräne Bilderbuchselbstetablierung als eine der – nach Meinung vieler Genrefans – schlicht bestdenkbaren Bands im Bereich Progressive Rock hingelegt hatte, schien nach dem Ausstieg von Neal Morse das Weiterexistieren fast unmöglich. Denn Neal Morse hatte die Band gegründet, war der Leadsänger gewesen und hatte zudem auch den Löwenanteil der Songs verfasst. Als er sich nach dem überaus üppigen 114-minütigen Konzept-Doppelalbum Snow von der Band trennte, um seinen Ambitionen als christlicher Rocker nachzugehen, schien das nahezu zwangsläufig das Aus für die Rest-Bärte zu sein.

Jedoch haben mittlerweile bereits vier Studioproduktionen und ein Livealbum unter Beweis gestellt, dass diese Befürchtungen umsonst waren. Die Selbstneuaufstellung der neuen Spock's Beard darf als rundum gelungen bezeichnet werden, wenngleich gesagt werden muss, dass die neue Generation der Bärte den progressiven Anteil ihres Erbes nur bedingt weiterverfolgt. Wie auch seinerzeit bei Genesis wurde kein neues Mitglied hinzugenommen, sondern der Schlagzeuger und Co-Sänger mutierte zum Leadsänger; das Songwriting wird vor allem von den verbleibenden Mitgliedern bestritten.

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BAND (2010)

Alan Morse – guitars, vocals
Dave Meros – bass, vocals
Ryo Okumoto – keyboards, vocals
Nick D'Virgilio – lead vocals, drums, guitar
tour guest:
Jimmy Keegan – drums, percussion

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DISCOGRAPHIE

a) S.B. (mit Neal Morse):
THE LIGHT (1995)
BEWARE OF DARKNESS (1996)
THE KINDNESS OF STRANGERS (1997)
DAY FOR NIGHT (1999)
V (2000)
SNOW (2002)
+ live: THE BEARD IS OUT THERE (1996) und DON'T TRY THIS AT HOME (2000) - offiziell "gewordene" Archivaufnahmen
b) S.B. (ohne Neal Morse)
FEEL EUPHORIA (2003)
OCTANE (2005)
SPOCK'S BEARD (2006)
X. (2010)
+ live: GLUTTONS FOR PUNISHMENT (2005)
und natürlich das hier besprochene Album LIVE (2008)
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DAS ALBUM
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Disc 1
01. Intro (1:32)
02. On A Perfect Day (8:01)
03. In The Mouth Of Madness (4:59)

04. Crack The Big Sky (10:36)

05. The Slow Crash Landing Man (7:05)

06. Return To Whatever (6:37)

07. Surfing Down The Avalanche (4:26)

08. Thoughts - Part 2 (4:59)
09. Drum Duel (4:49)
10. Skeletons At The Feast (7:15)
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Disc 2
01. Walking On The Wind (10:04)
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02. Hereafter - Ryo Solo (3:36)
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As Far As The Mind Can See:
03. Part One: Dreaming In The Age Of Answers (5:07)
04. Part Two: Here's A Man (3:36)
05. Part Three: They Know We Know (3:15)
06. Part Four: Stream Of Unconsciousness (5:49)
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07. Rearranged (6:57)
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Medley:
08. The Water (6:13)
09. Go The Way You Go (7:49)
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INTRO
Das rd. zweiminütige flotte Intro für Schlagzeug, dass einen kleinen Ausschnitt aus dem Stück "With Your Kiss" vom Studioalbum "Spock's Beard" darstellt, ist ein schöner, gutgelaunter Konzertbeginn, zu dem man wenig sagen kann/muss. Ziemlich nahtlos geht das Ganze über in den kraftvollen Achtminüter

ON A PERFECT DAY
[Lost in the light of our golden ages
Found in a book hidden on the pages
Words for a time we'll wake on a perfect day…]
Der ist auch der Opener des dritten Studioalbums der 'neuen' Spock's Beard und von diesem Album nicht einer der schlechtesten Titel. Schmissig und melodiös, dabei trotzdem mit einigen interessanten Brüchen und Sprüngen angereichert, wäre "On A Perfect Day" z.B. auf dem Album "Day For Night" der alten S.B. nicht negativ aufgefallen. Nick d'Virgilio findet sich in seiner Rolle als Leadsänger für mein Gefühl mittlerweile entspannter zurecht als noch auf "Gluttons For Punishment". Die gelegentliche kompositorische Hilfestellung durch die 'versteckten' Mit-Beards Stan Ausmus und John Boegehold bewährt sich offenbar auch gut, und mit Ausnahme der stilistisch zuweilen etwas queren Beiträge Ryo Okumotos (keyb) haben sich die Beards ein überraschend homogenes und trotzdem spannungsvolles Oeuvre zusammengespielt.

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Es folgen mit
IN THE MOUTH OF MADNESS und
CRACK THE BIG SKY
zwei Ausflüge zu den Tagen, in denen Neal Morse noch kompositorisch den Ton angab.
[Hey there, would you like to ride
On the best event since suicide…]
IN THE MOUTH OF MADNESS ist ein gut durchdachter, kraftvoller und eingängiger Fünfminüter, der mir immer schon gefallen hat und seinerzeit durchaus Radio- und Singlepotential gehabt hätte. Er ist schon seit Jahren ein Konzertfavorit und insofern ein sicherer Gewinner. Ein bisschen wie Bon Jovi mit Hochschulabschluss.

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[Rain came and soon became
A crack in the big sky…]
CRACK THE BIG SKY hat mir 1999 auf dem Studioalbum "Day For Night" erstmal nur bedingt gefallen, was aber evtl. vor allem an den Bläsern lag, die dort am Schluss hinzukommen, und ich bin einfach nur sehr bedingt ein Freund von Bläsern. Live gewinnt er für mich hier enorm, denn er hat eine interessante Grundstruktur und trotz der etwas blassen Gesangsparts genug Substanz, um seine zehn Minuten würdig zu füllen.

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[He rose up from the wreckage, walked away alive -
All cried out in wonder he survives!]
THE SLOW CRASH LANDING MAN ist vor allem dem stillen Bassisten Dave Meros zu danken, der mich nach Neal Morses Weggang ob der hohen Qualität seiner Beiträge am positivsten überrascht hat – man denke z.B. an das brillante "Ghosts of Autumn". Das gute Stück hier kommt recht gemessenen Schrittes daher, entfaltet sich kraftvoll und gemächlich und hat mit seiner einprägsamen wiegenden Melodie ein bißchen was von einer Hymne. Sowohl auf diesem Livealbum als auch auf der Studioscheibe ist es ein schöner Anspieltip.

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Bei
RETURN TO WHATEVER
handelt es sich um kein Stück der Beards, sondern um einen Auszug aus dem Instrumentalalbum "4 O'Clock & Hysteria" des Beard-Gitarristen Alan Morse. Die häufig gegenüber früheren Zeiten weniger epischen Formate der Beards lassen oft nur wenig Raum für ausladende Instrumentaleinlagen (wobei auch das sich mit dem aktuellen Album "X." zu ändern scheint); da ist es schön, dass man, um diesen Aspekt nicht völlig zu verlieren, hier und da auch mal rein Instrumentales einstreut. Hier lassen die Beards mal das Mikro pausieren und stellen unter Beweis, welch routiniert-virtuose Band sie sind – allen voran erwartungsgemäß Alan Morse selber, der ja eine ausgesprochen gekonnte Saite zupft und dabei gelegentlich auch mal Schlenker zu anderen Genres (insbes. Jazz) macht. Davon hört man hier endlich mal ein wenig mehr. Ich assoziiere stilistisch die U.S.-Instrumentalrockklassiker Dixie Dregs, evtl. auch noch die ganz frühen Level 42. Kein spezieller Favorit von mir, aber definitiv gelungen.

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[I had a mother chasing planets
Shopping doctors for her Vicodin
A weekend father absent
Searching dungeons for some discipline
School was like a prison
The zombies ruled and the masses just gave in]
SURFING DOWN THE AVALANCHE
ist die einzige Überschneidung mit der Tracklist des Vorgänger-Livealbums "Gluttons for Punishment". Es ist ein Ausschnitt der halbstündigen Suite "A Flash Before My Eyes" vom Album "Octane", die auf "Gluttons" komplett vertreten ist. "Surfing" ist eine der dramatischsten und krachigsten Stellen der Suite, was nicht wundert, denn der Erzähler erinnert sich gerade an sein Erwachsenwerden. Ich finde das Stück ganz gut und auch separat recht gelungen, wenngleich natürlich der textliche Zusammenhang völlig verlorengeht. Insbesondere der Gesang kann hier brillieren, und man merkt im Vergleich schon, welche Stücke von vornherein auf d'Virgilio zugeschnitten sind und wo er mit Morse'schen Steilvorlagen kämpft (gegen die er zuweilen auch mal verliert).

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[I thought I'd come to you and say
Everything within my heart
I just can't look the other way
And wait for us to grow apart
Then I think ... WHAT'S THE POINT?]
THOUGHTS PT. 2
stammt vom Spock's Beard Album "V" und ist wohl nicht so sehr ernst zu nehmen. Es wirkt ein wenig wie ein typischer B-Seiten-Titel, ganz spaßig, aber nicht wirklich bemerkenswert, wie ein etwas abgegriffener Scherz unter Freunden. Ich finde es ein wenig schade, dass man das Stück nicht stärker umgestaltet hat, dann würde es womöglich frischer und origineller wirken. Aber natürlich ist es auch so ganz nett, z.B. lohnt sich ein besonderes Hinhören auf das, was Herr Meros da mit seinem Bass veranstaltet.

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Es folgt ein
DRUM DUEL
zwischen Tourdrummer Jimmy Keegan und Nick d'Virgilio, wobei man auf der CD eigentlich nichts davon mitbekommt, dass sich die zwei hier abwechselnd hochpushen würden. Im Gegenteil: vor allem stellt das Stück unter Beweis, dass Keegan und d'Virgilio extrem gut aufeinander eingespielt sind und wunderbare leichte Rhythmusteppiche zu zaubern vermögen. Ich bin selbst nicht Musiker genug, um wirklich zu beurteilen, wie technisch virtuos das Ganze letzten Endes ist (ich meine, Phil Collins oder Chester Thompson in ihren besseren Stunden würden das jeweils auch ganz gut alleine hinkriegen, aber vielleicht vertue ich mich da auch). So oder so macht das Ganze durchaus Hörfreude und ist mit seinen etwas über 4min auch nicht zu ausgedehnt. Halbwegs nahtlos setzt sich die Instrumentaleinlage fort mit

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SKELETONS AT THE FEAST
von "Spock's Beard", das weitgehend in Übereinstimmung mit der Studioversion geboten wird, allerdings im Konzert natürlich an Frische gewinnt. Große Soloeinlagen sind nicht enthalten, das Stück lebt eher von der Atmosphäre, die vor allem durch Ryo Okumotos wabernde Hammond- und Moog-Klänge erzeugt wird. Dazu noch ein bißchen Trockeneis, und es wäre der ideale Soundtrack für eine kurzweilige Wanderung durch Dave Meros' Skelettekollektion – aber der hat das Stück ja auch mitgeschrieben, kein Wunder also, vielleicht wurde es sogar genau davon inspiriert.

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Disc 2 beginnt mit dem schönen S.B.-Klassiker
WALKING ON THE WIND
von "Beware Of Darkness" -
[Out there where we're living on the dark side of the day
Something's in our way
What is hard to say
Rushing in and out like players in a phantom band
Life is out of hand
As night falls on the land]
- sofern man bei einem Stück von 1996 schon von Klassiker sprechen kann, aber ein S.B.-Konzertliebling ist es allemal. Es mag mal interessant sein vergleichzuhören, denn Ur-Beard Neal Morse hat seine Version des Stückes auch auf seine aktuelle Live-Kollektion "So Many Roads" gepackt. Wegen des Gesangs ziehe ich die Morse-Version vor, aber das mag mir nur so gehen, weil ich die von ihm gesungene Studioversion schon so lange kenne. Qualitativ fällt die Version hier keineswegs ab, und so stark umarrangiert wurde das gute Stück auch nicht. "Walking On The Wind" entpuppt sich nach einem etwas ruppigen Einstieg, der fast eine Hommage an "Heart Of The Sunrise" von Yes sein könnte, als ein recht leichtes, fast schwebendes, aber durch den Bass gut geerdetes Melodiestückchen der elegantesten Sorte. Ich wundere mich immer, wie schnell diese 10 Minuten vorbei sind, obwohl eigentlich weniger passiert als in so manchen verfrickelten Vierminütern der Beards. "Walking" ist sicherlich ein Anspieltip nicht nur für diese Live-CD, sondern für die ganze Band, weil es viele der besten Eigenschaften von S.B. vereinigt.

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HEREAFTER
ist größtenteils von Ryo Okumoto geprägt und in der Studioversion ein ganz leises lyrisches Stück für wenig mehr als Piano, schwebenden Synthesizer und Gesang. Auf "Live" macht Okumoto ein instrumentales, sehr ruhiges Solo daraus (besonders wenn man es mit seinen früheren Tastenorgien vergleicht). Es ist auch etwas kürzer als die Studioversion und wäre andernfalls auch zumindest schonmal auf dem Hinweg zur Langeweile. So jedoch reduziert es sich selbst zum angenehmen Prolog des folgenden Longtracks

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AS FAR AS THE MIND CAN SEE
[We're dreaming in the age of answers
We're breathing in eternity
While the future flows and dances
As far as the mind can see]
Das aus vier elegant ineinander verwobenen Teilen bestehende Stück wurde vom bewährten Team Boegehold/Meros komponiert. Das Ergebnis ist souverän und melodiös, wenngleich zugleich zu unverfrickelt, um als ProgRock durchzugehen. Sofort mitsummfähig kommt der erste Teil 'Dreaming In The Age Of Answers' daher, wird im zweiten Teil 'Here's A Man' etwas dramatischer, kommt mit 'They Know We Know' bei einem ganz schlichten Ohrwurmrhythmus mit vielen Wiederholungen an, um dann zuletzt genau zum richtigen Zeitpunkt flotter und leichter zu werden und ein fastinstrumentales und federleichtes Finale 'Stream Of Unconsciousness' hinzulegen. Ich würde es z.B. Freunden von Mike & The Mechanics vorspielen und läge damit ziemlich sicher goldrichtig. Länger als 16 Minuten dürfte das Ganze jedoch auch nicht mehr sein.

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REARRANGED
von d'Virgilio ist auch auf "Spock's Beard" der Track, der auf "As Far As The Mind Can See" folgt.
[Sometime a dream gets wasted
Sometimes it all just falls and fades away
And you may feel you've made it
Then in a flash it all gets rearranged]
Sehr ruhig und getragen beginnend, erhebt sich mit den obigen Zeilen das Ganze zu einem flotteren und etwas gehaltvolleren Teil empor. Es ist einfach perfekter Schlusssong, der einem noch einmal mit ein wenig Schmiss einen hängenbleibenwollenden Melodiefetzen mit auf den Weg gibt. Ein bisschen zu undreckig zum Headbangen, ganz sicher, aber doch schön kraftvoll.

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[Go the way you go
(and trust what you choose)
You can't know what you don't know
(there ain't no way to lose now)
Go the way you go
(no matter what you do)
You can't know what you don't know
Go the way you go]

Bei den Beards bietet sich praktisch von selbst an, als Zugabenstück ein Medley älterer Titel zu spielen; in diesem Fall 6 Minuten aus dem Longtrack

THE WATER
und direkt darauf 7 Minuten aus
GO THE WAY YOU GO
- beide vom Debutalbum "The Light" von 1995. Ich bin kein großer Freund solcher Versatzschnippelungen und ziehe jederzeit gute 'Vollversionen' vor. Aber als Zugabe bei einem Konzert hat es natürlich seinen Sinn, insbesondere für jüngere S.B.-Fans, die womöglich die frühen Produktionen der Beards gar nicht kennen und so neugierig werden. Die Umsetzung der komplexen Stücke ist natürlich technisch makellos, auch Nick d'Virgilio leidet offenbar hier nicht mehr ganz so unter Stimmermüdung wie auf "Gluttons", bei dessen Zugabe er doch schon gehörig nachließ. Diese Verbeugung vor den eigenen Anfängen schließt irgendwo ein bisschen einen Kreis und lässt "Live" angenehm rund wirken, was die Tracklist betrifft.

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FAZIT
PLUS: Besonders lobe ich mir erstmal, dass "Live" und "Gluttons For Punishment" sich nur ganz wenig überschneiden. Die Beards haben genug auf Halde, um sich nicht bereits beim (offiziell) zweiten Livemitschnitt zu wiederholen. Soundqualität und mein Hauptbewertungsfaktor "Spürbare Spielfreude" liegen beide im tiefgrünen Bereich, ganz zweifellos. Dass hier Könner am Werk sind, wird man kaum bezweifeln können, auch wenn Spock's Beard das nur selten in solistischen Exzessen zeigen, sondern sich jederzeit einem abgestimmten und runden Gesamtsound unterordnen. Genaueres Hinhören lohnt sich bei jedem einzelnen der Musiker, denn da wird im Hintergrund manchmal überraschend Komplexes entfaltet, während es vorne vielleicht gerade völlig eingängig klingt. Aber auch das – und zuweilen gerade das – macht eine wirklich gute Band aus.

PLUSMINUS: Wer nicht wie ich zum Vollständigkeitswahn neigt, für den mag sich mit dem Kauf von "Live" der Erwerb des Studioalbums "Spock's Beard" womöglich erübrigen, denn "Live" enthält dessen bessere zwei Drittel in nicht so sehr unterschiedlichen Versionen. Überhaupt ist die Tracklist zwar ohne Aussetzer, aber auch – mit der einzigen Ausnahme "Return To Whatever" - ein wenig unoriginell. Ich persönlich habe eine schöne krachige Liveversion von "Onomatopoeia" vermisst (das Stück SCHREIT danach), und eine Version von "Follow Me To Sleep" (einer der Tracks von der "Octane"-Bonusbeigabe, der m.E. die Hälfte des regulären Albums locker abhängt) wäre für mich ganz persönlich ein Sahnestückchen gewesen. Aber das sieht natürlich logischerweise jeder anders.

MINUS: Nicht viel, wenn man eh Beards-Fan ist. Aber womöglich viel, wenn man speziell Neal Morse-Fan ist, da kann es schon sein, dass einen die neuen Beards nicht ansprechen. Aber ist das dann ein Qualitätsproblem dieses Albums? Wohl kaum. Mit der epischen Wucht der 3er-Live-CD "So Many Roads" von Neal Morse kann "Live" denn auch nicht mithalten, aber auch das ist eine Frage der Hörvorliebe. Derzeit lege ich "Live" lieber ein, denn es ist eine Scheibe, die auf das Angenehmste an der Schwelle zwischen "Bewusst mithören" und "Im Hintergrund laufen lassen" steht. Ich genieße meine aktuellen Lieblingspassagen, kriege dann wieder ein paar Minuten nicht mit, weil ich im Bad bin, komme wieder und mag sofort, was gerade läuft. Das gelingt mir nicht immer bei Neal Morse-Alben, denn die sind mir in ihrer hymnischen Intensität dann auch schnell mal zuviel.

Zuletzt: Ob man zuletzt "Gluttons For Punishment" oder "Live" vorzieht, ist Geschmackssache. "Gluttons" hat teilweise das ambitionierte Songmaterial (von "A Flash Before My Eyes" bis zu "Harms' Way"), aber auch deutliche Absacker (die dortige Version von "The Light" gefällt mir absolut nicht). "Live" erscheint mir etwas runder und im neuen Beards-Sound angekommener. Ich denke sie mir einfach als ein einziges wunderbar langes Konzert, wenn ich sie unterwegs höre. Und nachdem ich mir gerade die neue Studioscheibe "X." gegönnt habe, bin ich gespannt wie ein Flitzebogen, wann die Beards mal wieder nach Deutschland kommen – denn mit DEM Songmaterial und DER Band kann das dann nur ein richtig geiler Abend werden.

Zuallerletzt: Der Sound ist gut und rund abgemischt, das Cover ist schlicht völlig unspektakulär, ohne deswegen hässlich zu sein. Und wer die Texte nachlesen will, findet diese komplett auf der Homepage der Band www.spocksbeard.com .

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • Anacrusis veröffentlicht 08.02.2011
    Ich zähle wohl zu denen, denen ohne Neal die Unbeschwertheit im Spocks-Sound verloren gegangen ist. Gerade live. Das ist immer ncoh ganz toll, aber die Spritzigkeit einer "The Light" oder gerade "Beware Of Darkness" (mein Fave) ist verloren. Und Neal solo ist mir ... hm .. zu christlich. Und Transatlantic habe leider auf "Whirlwind" leider ebenfalls etwas Esprit verloren. Du mit deinen Berichten aber nicht. Toll.
  • Sydneysider47 veröffentlicht 18.11.2010
    Ich kenne ziemlich viel - was Musik anbelangt. Von dieser Spocks Band habe ich bisher noch nie gehört. Nach diesem Bericht muss ich doch da auch mal reinhören. Viele Grüße und bh!
  • Joe69 veröffentlicht 14.11.2010
    Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich von Spocks Beard noch nie irgend etwas gehört habe....ein bh für Deine hervorragende Vorstellung. GLG von Joachim:-)
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Produktdaten : Live - Spock's Beard

Produktbeschreibung des Herstellers

Rock - 2 - CD - Label: Insideoutm - Vertrieb: Universal - Veröffentlicht am: 29. Januar 2010 - EAN: 5052205030028

Haupteigenschaften

Titel: Live

Künstler: Spock's Beard

Komponist: .

Genre: Rock

Schlagworte: Progressive Rock; Classic Rock & Pop; Hard 'n' Heavy; Alternative

Medium: CD

Set-Inhalt: 2

Veröffentlichungsdatum: 29. Januar 2010

Label: Insideoutm

Vertrieb: Universal

EAN: 5052205030028

Titel auf CD 1

1.: Intro [from "Live"]

2.: On a Perfect Day

3.: In the Mouth of Madness

4.: Crack the Big Sky

5.: The Slow Crash Landing Man

6.: Return to Whatever

7.: Surfing Down the Avalanche

8.: Thoughts [Part 2]

9.: Drum Duel

10.: Skeletons at the Feast

Titel auf CD 2

1.: Walking on the Wind

2.: Hereafter (Ryo Solo)

3.: Dreaming in the Age of Answers...

4.: Here's a Man

5.: They Know We Know

6.: Stream of Unconsciousness

7.: Rearranged

8.: The Water

9.: Go the Way You Go

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Auf Ciao gelistet seit: 30/01/2010