Ein virtuelles Klassenzimmer? – Jepp. Visionen sind wahrgeworden: Communities für Schüler und Lehrer gibt es ja schon ewig, doch ein virtuelles Klassenzimmer? Seit geraumer Zeit bin ich in den Genuss einer solchen Einrichtung gekommen. Oder ist es vielleicht doch nur Horror, wenn die Schüler jetzt auch in ihrer Freizeit von den Lehrern terrorisiert werden? Erfahrungen erfahrt sogleich…
Ende Januar richtete unser Physiklehrer ein virtuelles Klassenzimmer ein. Geplant war es schon vor Weihnachten. Keiner von uns wusste so wirklich, was auf uns zukommen würde und ich hatte schon so meine negativen Erwartungen, was das werden würde. Und eines Tages war es dann soweit – alles bereit zur Einweihung und Einführung. Dazu trafen wir uns extra im schulischen Computerraum…
Die Schüler loggen sich unter http://pupil.lo-net.de ein [Bild 1 im Anhang]. Eingegeben werden muss der Benutzername des Lehrers, der eigene Benutzername und sein Passwort. Schwupps sind die Daten korrekt eingegeben und dann hat man auch schon seine Seite aufgerufen: links ist eine Spalte zu erkennen, in der Navigation verpackt sind, rechts ist das Feld für jeglichen Inhalt. Gehalten ist das Ganze hauptsächlich in Grün und Weiß – sehr neutral und doch positiv ansprechend!
Derzeit arbeiten in über 23.600 virtuellen Klassenräumen LehrerInnen mit über 320.300 Schülerinnen und Schülern zusammen – einige doch recht erstaunlich Fakten, wie ich finde. Man sieht also: das Interesse ist groß!
Jeder Schüler kann hier mindestens seinen Namen – eher schlecht, da natürlich somit Verwirrungen und Verwechslungen beim Lehrer eine Folge sein können und sein Passwort ändern. Weitere Funktionen sind vom Lehrer oder der Lehrerin einstellbar für jeden einzelnen Schüler – für diese Informationen habe ich auch extra nochmals das Handbuch für Lehrer angesehen! Diese einzelnen Funktionen werde ich nahezu alle im Folgenden ansprechen.
◊ Funktionen
• Chat [Bild 2 im Anhang]
Jeder sollte in seinen Aufenthalten im Internet schon einmal von Chatrooms gehört haben. Das sind kurz gesagt Einrichtungen in denen man untereinander interaktiv kommunizieren kann. Der lo-net-Chat ist kurz und knapp gehalten – idiotensicher eben: man hat 3 Felder vor sich. Zum einen das, bei welchem der Dialog erscheint, zum zweiten das, in das man seinen Text eingibt und ihn mit der Returntaste oder einen Klick auf „absenden“ abschickt und zum letzten noch eine Liste der aktuell im Raum anwesenden Personen. Der Chat öffnet sich als neues Fenster und so kann man natürlich parallel weiter in der Community herumschauen! Ich habe hier allerdings ein kleines Sicherheitsloch entdeckt: man kann in seinem Browser eine alte Adresse zum Chat eingeben, ohne eingeloggt zu sein, kann man jetzt mitlesen und anonym schreiben – recht ärgerlich!
• Forum [Bild 3 im Anhang]
Oft ist es auch sinnvoll, für Schüler ein Forum freizuschalten, denn nicht selten ist vielleicht eine Diskussion oder Informationssammlung über einen größeren Zeitraum angebracht und besonders für Projekte am geeignetesten. Auch hier wurde auf jeden möglichen Schnickschnack verzichtet und der Fokus liegt wieder auf den Grundfunktionen: Lesen, Schreiben und Suchen. Der Aufbau gleicht einem klassischen Forum – das heißt einer Art Ordnerstruktur, wie man sie von Windows kennt: jemand erstellt ein Thema und Antworten darauf, werden eingerückt dargestellt! Also nicht wie ein modernes Board mit Kategorien, in denen man Themen eröffnet. Angezeigt werden zudem Verfasser des Textes sowie Datum der Veröffentlichung. Es ist auch ein Icon zu sehen – das kann man auswählen, wenn man einen Beitrag schreibt. Zur Auswahl stehen Symbole für „Frage“, „Kommentar“, „News“, „Humor“ und „Technik“ wobei sich über deren Aussehen meiner Meinung nach auch streiten lässt. Sie haben jedoch einen kleinen Sinnwert, der wohl in der Übersichtlichkeit besteht! Des Weiteren lässt sich als einzige Textformatierung Fettdruck möglich. Dies ist durch das Umschließen von Sternchen (*) möglich.
• Mitgliederliste (Kurznachrichten)
Ein wirklich sinnvolles und nötiges Feature ist die Mitgliederliste. Hier kann man sehen, wer von den Klassenkameraden oder aber auch den LehrerInnen online und wer offline ist. User, die online sind, werden durch einen grinsenden Smilie, auf rotem Hintergrund symbolisiert und die, die offline sind mit einem Smilie mit flachem Mund auf grünem Hintergrund. Diese Farbgebung irritiert meiner Meinung nach schon sehr, da sie beispielsweise genau umgekehrt ist wie in ICQ und man sich umgewöhnen muss. Es lässt sich entweder die komplette Liste ausgeben, oder nur die Liste der Leute, die online sind. Den Usern, die nun online sind, können private Kurznachrichten geschickt werden – etwas wirklich sinnvolles. So können schnelle Entscheidungen getroffen werden – bei Ankunft einer solchen Meldung öffnet sich auch schon ein PopUp mit der Nachricht als Inhalt, was sehr nützlich ist. Ist der User allerdings schon offline gegangen, erhält man nur dies als Nachricht und die Nachricht verfällt. Mit einer Nachricht kann auch eine Einladung zum privaten Chat mit einer Person versandt werden.
• Mailservice
Jeder Schüler erhält beim Aktivieren dieser Option eine eigene Emailadresse in Form von lehrer-loginname.schüler-loginname@lo-net.de – also beispielsweise fmeier-aeinstein@lo-net.de. Es können Mails verschickt wie Empfangen werden. Kopien, Blindkopien, Anhänge (im begrenzten Maße) sowie mehrere Empfänger sind möglich! Leider bekommt man bei neuen Nachrichten keine Benachrichtigung via PopUp, weshalb ich leider auch mal mehrere Mails erst gar nicht bemerkt habe! Man kann die Mails immer wieder ansehen, oder aber auch löschen! Eigentlich recht nützlich, um längere Texte zwischen verschiedenen Personen hin- und herzutransferieren!
• Aufgaben [Bild 4 im Anhang]
Noch nicht so lange vom Lehrer freigegeben ist bei uns der Aufgabenbereich. Der Lehrer kann hier Aufgaben an die Schüler stellen – mit selbst formuliertem Text versteht sich. Diese können dann von den Schülern als getätigt markiert werden. Man sieht, wann die Aufgaben gestellt wurden und wann sie als gemacht bestätigt wurden. Die absolvierten Aufgaben kommen in einen extra Bereich – so hat man mehr Überblick, da man sieht, welche Aufgaben noch gemacht werden müssen und welche es schon sind. Relativ nützlich – wir brauchen es eigentlich nicht wirklich!
• Terminkalender [Bild 5 im Anhang]
Hier kann der Lehrer oder die Lehrerin Termine eintragen – bei uns steht beispielsweise die nächste Physikschulaufgabe drin. Man sieht einen Monatskalender des Vormonats, der kommenden Monats und des aktuellen Monats mit dem gegenwärtigen Tag durch weißen Hintergrund hervorgehoben. Angeblich können Schüler auch selber Termine hinzufügen – steht zumindest im Text, doch hat wohl unser Lehrer nur die Option „Terminkalender lesen“ und nicht zusätzlich „Termine in den Kalender eintragen“ bei uns aktiviert. An sich interessant, doch wer schaut schon täglich in einen virtuellen Kalender?
• Dateiaustausch
Der Dateiaustausch ist meiner Meinung nach doch einer der Hauptbestandteile des virtuellen Klassenraumes. Auch hier ist es – wie eigentlich in allen Bereichen – so, dass wieder diese Optionen vom Klassenverwalter (LehrerIn) aktiviert/zugeschalten werden müssen. So könnten manche Schüler zum Beispiel gar nichts davon sehen, andere nur Zugriff haben, um Dateien zu öffnen und andere wiederum auch Dateien ablegen! Die Leute, die Schreibrechte haben können sogenannte Ablagen eröffnen. Diese sind eigentlich mit den Ordnern unter Windows zu vergleichen. Diesen Ablagen können optional Beschreibungen zugewiesen werden. [Bild 6 im Anhang] In diese Ablagen kommen dann die Dateien – sie werden hochgeladen und können auch hier optional beschrieben werden. In der Übersicht über die Ablagen kann man immer das Datum und die Uhrzeit des letzten Updates sehen. In diesen Ablagen sieht man nun alle Dateien aufgelistet: Dateiname, Beschreibung, Ersteller, Uploaddatum und Dateigröße (in KB). Wirklich sehr sinnvoll! Hier können auch größere Dateien über einen größeren Zeitraum ausgetauscht werden [Bild 7 im Anhang]. Ich weiß leider nicht, wie groß eine mögliche Begrenzung ist, falls eine vorhanden sein sollte. Bei uns liegt allerdings schon eine einzige Datei mit über 7 MB. Das sollte eigentlich für einzelne Dateien auch locker ausrechnen – hier sind zum Beispiel mehrere Bilder gezippt gewesen.
◊ Kritik
Kurz vorm Schluß noch kleine Kritikpunkte: in der Zeit zwischen 13 Uhr und 14 Uhr – also für gewöhnlich dann, wenn die meisten Schüler Schule aushaben und heimfahren und dann online gehen, verläuft das surfen meist ganz schön zäh und Warten ist angesagt. Des Weiteren ärgert es mich ein wenig, dass man, wenn man in den Chat geht schon einen Großteil der Diskussion sehen kann, die vor längerer Zeit war – so ist es ganz schön gefährlich über etwas zu reden und plötzlich „steht“ der Lehrer im Raume. Ich habe mich auch vor dem Start unseres virtuellen Klassenzimmers und am Anfang informiert und hab auch mal gelesen, dass der Lehrer Log-Dateien vorgelegt bekommt – d.h. er sieht, wer sich wann einloggt und was macht. Damit kann eine Aktivität überprüft werden – ist etwas unfair.
◊ Fazit
Bis jetzt hat das Klassenzimmer eigentlich schon etwas gebracht: man hat miteinander kommuniziert und somit Infos ausgetauscht. Vor allem das Chatten gefällt vielen – nur da kommt es dann meistens eher zu außerschulischen Diskussionen, anstatt zu irgendwelchen Hausaufgabenbesprechungen oder Erfüllung von gestellten Aufgaben oder Ähnlichem. Der Dateiaustausch ist wohl die beste Funktion am virtuellen Klassenzimmer, wenn sie freigeschalten ist. Mängel und Anregungen habe ich ja schon oben genannt. Im Großen und Ganzen ist es schon etwas Nützliches, jedoch auf alle Fälle noch ausbaufähig! Ich vergebe 4 Sterne und meine Empfehlung… einen Versuch ist es Wert!
Gruß, Matthias
25.04.2004 16:29
So ein virtuelles Klassenzimmer ist schon klasse. Wir haben die für alle Fächer. Liegt aber auch daran, dass ich mein Abi online mache.
23.03.2004 18:57
Find ich ja 'ne klasse Idee. Hatte mal im Studium Learning Space, da verlief die ganze Veranstaltung über's Netz. Gruß, KleineRatte
22.03.2004 16:53
Heute müßte man zur Schule gehen.