Erfahrungsbericht über

Lolita - Rowohlts Rotations Romane / Vladimir Nabokov

Gesamtbewertung (15): Gesamtbewertung Lolita - Rowohlts Rotations Romane / Vladimir Nabokov

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Von Pädophilie und verzweifelter Liebe.

5  16.10.2001 (17.10.2001)

Pro:
interesantes Buch in jeder Hinsicht

Kontra:
teilweise schwer zu Lesen

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau

Unterhaltungswert

Spannung

Wie ergreifend ist die Story?

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jekaterina

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:259

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 56 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Ich möchte Euch heute gerne ein Buch vorstellen, dessen Titel zumindest den meisten ein Begriff sein wird. Ein Buch das Weltruhm erlangte, zweimal verfilmt wurde und bis heute noch höchst umstritten ist.
"Lolita" von Vladimir Nabokov erschien erstmals 1955 und sorgte damals für großes Aufsehen, da die Thematik dieses Buches ein sehr schwieriges Thema berührt: die Pädophilie.

Zum Inhalt des Buches:
******************
Die Hauptperson dieses Buches ist Humbert Humbert.
Humbert Humbert ist fasziniert von kleinen Mädchen, von Nympchen wie er sie zärtlich nennt. Die erste Zeit, als er noch in Europa lebte, begnügte er sich damit diese wunderbaren Geschöpfe nur zu beobachten. Alleine das Beobachten der lieblichen, zarten Geschöpfe weckten Gefühle ihn ihm, von denen er wußte, daß er irgendwann die Kontrolle darüber verlieren würde.
Trotzdem war Humbert Humbert verheiratet. Für seine dicke Valeria jedoch hatte er nie wirkliche Gefühle. Sie stieß ihn emotional sogar ab, er ekelte sich sogar in einem gewissem Masse vor ihr. Auch Valeria bliebe die ablehnende Haltung ihres Mannes nicht verborgen. Sie suchte sich einem Geliebten, einen richtigen Mann eben, denn ihr Mann....der war kein richtiger Mann. Weshalb sich Humbert so abweisend verhielt sollte sie nie erfahren.
Als Humbert dann vom Verhältnis seiner Frau erfuhr, benutzte er dies als Scheidungsgrund. So lange hätte er sie schon loswerden wollen. Er war es müde, mit dieser Frau unter einem Dach zu leben.
Als dann auch noch sein Onkel aus den USA verstarb und er eine Menge Geld erben sollte, gekuppelt an die Bedingung selbst nach Amerika zu ziehen, war für Humbert der Tag gekommen.
Ein neues Leben in einem neuem Land, ohne Ehefrau. Ein Neubeginn!

In den USA angekommen begann er nach einer Bleibe zu suchen. Durch einen Zufall kam er auf Unwegen zu Mrs. Haze, die sich bereit erklärte ihn bei sich auzunehmen. Mrs. Haze war etwa Mitte Dreißig und äußerst gut aussehend. Bei Humbert konnte sie aber nie wirkliches Interesse erwecken. Seine ganze Leidenschaft galt ihrer dreizehnjährigen Tochter, Dolores, genannt Lo. Allein der Gedanke an das Mädchen stahl Humbert fast den Verstand. Stundenlang träumte er von sich und seiner kindlichen Geliebten. Für ihn gab es nur ein erstrebenswertes Ziel...Dolores nahe zu sein.
Er begann Tagebuch zuschreiben....er schrieb alle seine Gedanke, seine Gefühle für Dolores auf. Abartig, pervers und vollkommen krank würde man ihn nennen und womöglich würde man ihn einsperren, falls diese Zeilen je irgend jemand zu lesen bekam. Deshalb hob er sie in seinem Nachtkästchen auf, da er der Meinung war, daß es dort von niemanden gefunden werden könnte.

Die fatale Liebe zu Dolores trieb in zu einem weiterem einschneidendem Schritt in seinem Leben. Um immer in ihrer Nähe sein zu können, begann er ihre Mutter zu umwerben. Diese erlag dem Charme des Humbert und schließlich wurde geheiratet. Von nun an konnte Humbert alles mögliche mit seiner Lolita unternehmen...er war ja nun ihr Stiefvater. Jedoch hielt sich seine Annäherung vorerst in Grenzen.

Mrs. Haze seine frischgebackene Ehefrau war zuerst sehr glücklich mit ihrem neuem Ehemann. Und Humbert gab sich alle Mühe um das Bild eines liebenden Ehemannes zu erzeugen und seine wahre und einzige Leidenschaft zu verbergen: seine Lolita. Für Humbert wurde die Ehe und die damit verbundenen Pflichten immer mehr zur Qual.
Das blieb auch Mrs. Haze nicht verborgen. Anfänglich glaubte sie, das immer mehr erkältende Verhältnis zu ihrem Ehemann wäre auf sie zurückzuführen. Dann kam aber immer mehr die Befürchtung auf, daß mit dem Bilderbuchehemann etwas nicht stimmen konnte. Also wurde die Tochter auf ein Ferienlager geschickt, damit sie und ihr Mann etwas mehr Zeit für sich hatten. Selbst das verfehlte die erwünschte Wirkung. Humbert war jetzt noch öfter außer Haus als früher und schien die Möglichkeit ungestört mit seiner Frau zu sein erst gar nicht nutzen zu wollen.

Als Humbert eines Tages wieder unterwegs war, wagte sich Mrs. Haze in sein Zimmer. Ihr war nicht entgangen, daß er irgend etwas immer sorgfältig in seinem Nachtkästchen verschloß. Obwohl er es ihr verboten hatte, in seinen persönlichen zu Schnüffeln, konnte sie nicht wiederstehen...und fand schließlich seine Aufzeichnungen, die für sie unmißverständlich waren. Ihr Mann liebte ihre Tochter die noch ein Kind war. Somit war auch verständlich, weshalb er mehr Zeit mit Dolores verbrachte, als mit seiner Frau. Mrs. Haze war wie versteinert, konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen...

Als Humbert schließlich nach Hause kam, stellte ihn seine Frau zur Rede. Er versuchte ihr zu erklären, daß dies nur Aufzeichnungen wären...er würde ein Buch schreiben und die Namen waren nur zufällig gewählt...natürlich schenkte Mrs. Haze dem keinerlei Beachtung. Für sie war der Fall klar. Sie wollte die Scheidung und im nächstem Moment rannte sie aus dem Haus....nur raus wollte sie...weg von diesem Monster.
In ihrer nur zu verständlichen Verstörtheit übersah Mrs. Haze das herankommende Auto und wurde überfahren. Mrs. Haze war tot....also würde es auch keine Scheidung geben...und Humbert war der einzige Mensch, den Dolores noch hatte...ihr Stiefvater.

Nach der Beerdigung machte sich Humbert auf ins Ferienlager, wo Dolores sich befand. Man hatte ihr den Tod ihrer Mutter verschwiegen und Humbert erklärte den Menschen, die seiner Frau nahe standen, er würde mit Dolores eine Reise durch die Staaten unternehmen um ihr sanft vom Tod der Mutter zu berichten.

Nachdem er Dolores bei sich im Auto hatte, begann die Irrfahrt durch die USA. Man stieg in Motels ab, manchmal in etwas besseren Hotel....Humbert, der liebevolle Vater mit seiner bezaubernden Tochter.
Nach langem hin und her kommt es auch dazu, was der Leser schon lange vermutet hatte. Humbert und Dolores schlafen miteinander.
Das eine solche Verbindung natürlich nicht gut gehen kann, wird jeder verstehen.
Langsam aber unmißverständlich nimmt das Schicksal seinen Lauf....und das Schicksal meint es hart mit beiden, mit Humbert und seiner mädchenhaften Dolores.........

******************************************************

Dieses Buch wurde 1955 veröffentlicht.
Jeder wird nachvollziehen können, welchen Zündstoff für die Kritiker dieses Buch gewesen sein muß und wahrscheinlich immer noch ist.
Vladimir Nabokov überläßt das Erzählen ganz Humbert Humbert...und Humbert schildert die Handlung aus seiner Sicht, aus der Sichwarte eines kranken Menschen, eines Pädophilen. Man erhält auf diese Weise Einsicht in das Gedankengut dieses Mannes. Seine Vorliebe für junge Mädchen wird vom Leser wahrscheinlich als abstoßend empfunden. Jedoch bemerkte ich bei mir selbst immer wieder aufkeimendes Mitleid für den gequälten, kranken Humbert, der niemals wirklich zur Ruhe kam und unter seiner Krankheit zu leiden hatte. Dann war aber auczh das Mitleid für die kleine Dolores, die um ihre Kindheit gebracht wurde, obwohl sie selbst nie etwas gegen die Annäherungen von Hubert hatte. Sie genoß sogar jemanden zu haben, der für sie alles tun würde, was sie verlangte.
Und wahrscheinlich ist es auch diese Grenzerfahrung die der Leser hier erfährt, die das Buch zu Weltruhm gelangen ließen.

Mir kam auch während des Lesens immer wieder ein Randgedanke an Nabokov....wie kann ein Schriftsteller so genau die psychische Verfassung eines Pädophilen beschreiben. War er etwa selber...?
Ich kam aber dann letztendlich weg von diesem Gedanken...da es ja auch andere Schriftsteller gibt die in ihren Roman grausame Morde begehen. Auf jeden Fall ist Nabokov hier ein gelungenes Portrait eines Kranken gelungen.

Das Buch selbst ist sehr spannend, wenn auch etwas schwierig zu lesen. Nabokovs Schreibstil ist sehr ausführlich, manchmal sogar extrem langatmig. Manche Passage müssen zweimal gelesen werden um den sinn herauszufiltern. Das Talent die richtigen Worte zu finden ist etwas das Nabokovs Werken, auch diesem hier einen unvergleichlichen Stil verleiht. In punkto Wortwahl ist Nabokov ein Künstler, oder auch ein Jongleur, der mit Worten zaubert und verzaubert. Gehobene, feine Sprache ist ein weiteres Merkmal Nabokovs.

Vladimir Vladimirovich Nabokov:
*************************
kam am 23. April 1899 in St. Petersburg zur Welt. In eine äußerst wohlhabende Familie wurde er geboren. Nach der Oktoberrevolution muß er mit seiner Familie nach Großbritannien fliehen. Von 1919 bis 1922 studiert er in der renommierten Cambridge Universität (russische und französische Literatur). Von 1922 bis 1937 blebt er in Berlin und beginnt unter einem Pseudonym, V. Sirin erste Werke zu veröffentlichen. 1937 flüchtet er aus dem Nazideutschland...und lebt von nun an in Südfrankreich und Paris. 1940 verläßt er Europa und zieht in die USA, wo er an der Cornell Universität ein Lehramt bekleidet. Von 1961 bis 1977 lebt Nabokov in einer Suite im Palace Hotel in Montreaux. Mit der Veröffentlichung von Lolita 1955 war er finanziell unabhängig.
Nabokob stirbt am 2. Juli 1977 in Lausanne.

Fazit:
****
Ein Buch das bewegt, erschüttert, zuweilen auch empört, aber auch anspruchsvolle Literatur, die stark zum Nachdenken anregt. Ich selbst befinde das Buch als hervorragend psychologisch durchdachtes Werk, daß in solcher Intensität selten von einem Schriftsteller wieder gegeben werden kann. Wen die Thematik nicht abschreckt, sollte den Kauf wagen. Es lohnt sich auf jedem Fall.
Das Buch umfaßt 527 Seiten und kosten als Taschenbuch ATS 123.-, oder DM 16.90.-.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Finetta12

Finetta12

14.03.2007 12:31

sh

Rumyana

Rumyana

27.11.2005 13:38

Ich werde es unbedingt lesen, habe es mir geliehen. Sehr guter Bericht. LG

Kenoshakid

Kenoshakid

10.03.2005 13:01

Kleine Kritik an Deinem Bericht: Du solltest bei der Beschreibung des Inhaltes eines Romanes den Präsens benutzen.

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