Meine Sünde, meine Seele - Lolita
03.04.2003
Pro:
sehr hoher Anspruch
Kontra:
durch und durch traurige Stimmung
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
mehr
 Cannibal-X
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:5
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Lang umstritten und dennoch heiss umworben ist und bleibt Vladimir Nabokovs Lolita eines der literarisch wertvollsten Werke des zwanzigsten Jahrhunderts. Zweimal wurde Lolita bisher verfilmt, aber die hemmungslose Erleuterung des Tabuthemas Pedophilität bleibt nur im Buch erhalten. ..:: Um was geht es in Lolita? :: Das Buch Lolita handelt von dem Lehrer und Schriftsteller Humbert Humbert, der nach dem Tod seiner einstigen Liebe Annabel nur schwer ins Leben gefunden hat und pedophile Neigungen annahm. Sein ganzes Leben war mit Trauer und Schmerz verbunden und seine gescheiterte Ehe machte das alles auch nicht leichter. Als Humbert Humbert sich dazu entschloss, in die vereinigten Staaten auszuwandern, bekam er die Zusage auf eine Unterkunft bei einem Bekannten, doch als er dort ankam, musste er feststellen, dass von dem Haus in dem er wohnen sollte durch einen Brand ausser Rauch und Asche nichts mehr übrig war. Aus diesem Grund musste er sich um eine andere Bleibe umsehen und so kam es, dass ihm eine gewisse Mrs. Haze ein Zimmer zum Spotpreis anbot. Zuerst war Humbert von der Heim garnicht fasziniert, doch dann wollte Mrs. Haze ihm unbedingt noch ihre Piazza (ein mit Blumen, Bäumen und Sträuchern geschmückter Garten) zeigen. Humbert fand zwar nicht sehr viel Interesse an der Piazza, aber wie er Lolita, die wunderschöne zwölfjährige Tochter von Mrs. Haze in der Wiese liegen sah, wars um ihn geschehen und er willigte auf Mrs. Haze' Angebot ein. Wie der Zufall so spielt, hat sich nicht nur Humbert in die kleine Lolita verliebt, sondern auch die "alte Mrs. Haze" in unseren Humbert. So kam es dass nach einiger Zeit Lolita von ihrer Mutter in ein Ferienlager geschickt wurde mit dem Plan, sie dannach sofort in ein Internat weiterzuleiten. Mrs. Haze gestand Humbert ihre Liebe und stellte ihn zur Wahl: Entweder er müsse sie heiraten oder sofort das Haus verlassen. Humbert war es zwar garnicht so recht aber er heiratete sie trotzdem, denn das war erträglicher als seine kleine Lolita nie wieder sehen zu können. Durch einen bizarren Autounfall kam Mrs. Haze nach mehreren Wochen Ehe ums Leben und Humber machte sich sofort auf, Lolita aus dem Lager abzuholen und mit ihr eine Reise zu unternehmen, die das Leben beider für immer verändern sollte. Mehr wird hier nicht verraten.....:: Für diejenigen, die den neuen Film kennen :: Die Unterschiede zwischen dem Buch und der bekannten Verfilmung aus dem Jahre 1994 mit Dominique Swain, Jeremy Irons und Melanie Griffith sehen so aus: Zwar wurde im Film kein einziges Detail geändert, aber aus Gründen der Moral vieles weggelassen. So wird zum Beispiel gegen Anfang des Buches genau detailliert geschildert, wie aktiv Humbert Humbert am Kinderstrich unterwegs war und was für ein Scheusal er gewesen ist, doch im Film wird dies nicht einmal kurz erwähnt. Ebenfalls diverse sexuelle Akte werden im Buch genauestens beschrieben. Die Verfilmung von Stainley Kubrick aus den 40er Jahren war da noch schlimmer, die sexuellen Szenen sind zwar sehr realistisch umgesetzt aber es wurde alles versteckt... Egal, wie wenig Bücher man liest, bei Lolita ist die Filmversion im Vergleich zum Buch ein reiner Lacher. ..:: Der Schocker aller Kritiker :: Es gab nur wenig Bücher die so viel Aufsehen erregt haben, wie Lolita. Die bekannten Kritiker waren und sind entsetzt von der hemmungslosen Darstellung einzelner Sexualakte, die für die meisten Menschen der Zeit niemals ein Gesprächsthema gewesen wären, aber Lolita hat es trotzdem geschafft, eines der bekanntesten Werke zu werden. Wer hätte sich gedacht, ein Buch zu schreiben, in dem das Dasein eines kranken Pedophilen verherrlicht wird, ohne dabei an die Menschenrechte zu denken? Doch als Vladimir Nabokov das Unaussprechliche zur Sprache brachte, fing man endlich an über das Thema zu reden und den Problemen auf die Spur zu kommen. Sogesehen ist Lolita auch eines der gesellschaftlich wichtigsten Romane der 20. Jahrhunderts...:: Was will uns Nabokov mitteilen? :: Um ehrlich zu sein, bin ich mir selber nicht ganz sicher, was Nabokov eigentlich mit dem Buch zum Ausdruck bringen wollte, denn schliesslich ist Lolita nicht wirklich kritisch Pediophilen gegenüber geschrieben, sonder erzählt eher eine Liebesgeschichte mit ihren höhen und Tiefen ... aber unter äusserst merkwürdigen Umständen. Ich glaube nicht, dass Nabokov das vorhatte, was die Gesellschaft mit dem Buch gemacht hat, nämlich pedophiles Denken auf den Grund zu gehen und eine weltweite Empörung heraufzubeschwören. Wer die anderen Werke von Nabokov kennt, weiss das Nabokov nie politisch geschrieben hat, sondern seine zahlreichen Liebesdramen zeugen davon, dass der pedophile Einfluss in Lolita einfach nur mittel zum Zweck war. ..:: Meine Meinung über das Buch Lolita :: Obwohl ich zu Beginn des Buches relativ geschockt von dem genannten Inhalt war, und obwohl ich eine tiefe Abneigung gegen den Charakter Humbert Humbert verspüre, fing ich nach ungefähr dem ersten Drittel des Buches an, mich in ihn hineinzuversetzen. Ich fieberte mit, als wäre ich der 40 Jährige Humbert, dessen einziger Lebenssinn Lolita ist. Es ist mir durchaus klar, dass man die Handlung von Lolita nicht so ohne weiteres auf sich beruhen lassen darf, doch das Buch ist einfach so geschrieben, dass man nicht anders denken kann. Bevor ich mit dem Buch anfing, war ich etwas verunsichert, da ich noch nie ein Buch eines russischen Autors gelesen habe und davon ausging, dass das Werk ein Propagandabuch für pedophile Täter sei, doch das war überhaupt nicht der Fall. Nabokov schrieb Lolita genauso als, als wenn die Figur Lolita im gleichen Alter wie Humberts wäre. Ich war besonders davon beeindruckt, wie es Nabokov geschafft hat, die unterschiedlichsten Szenerien gekoppelt zu erläutern, ohne dass der Leser den Überblick über die Handlung verliert. Der plötzliche Szenenwechsel zwischen Kindheit, Jugen, jungem Alter und seine momentaren Lage hätten die meisten Autoren so verfasst, dass der Leser nicht mehr wüsste wo vorne und hinten ist, doch Nabokov zeigt hier neue Maßstäbe in der Übersicht. Ein Problem ist, dass das Buch zu gut geschrieben ist und ich dadurch, dass ich mich in Humberts Lage hineinversetzt hab, die traurigen Szenen überhaupt nicht genießen konnte und somit nach ca. 10 maligem Lesen des Buches nur 5 mal davon bis zum Ende gelesen habe, da mich bei den restlichen 5 mal die traurige Handlung zum Aufgeben zwang. Ich denke, dass Lolita jeder einmal gelesen hat, obwohl ich es erst ab einem Alter von 15 Jahren empfehlen würde, da verschiedene Stellen für die jüngere Generation wahrscheinlich eher schwer zu verstehen sind...:: Infos zum Buch selbst :: Die Seitenzahl beträgt 527 Seiten, es ist in 36 Kapitel unterteilt und enthält noch zwei Anhänge, einen über das Buch selbst und einen über die russische Ausgabe und ihre Unterschiede. Das Cover ist schlicht in weiss gehalten und mit einem Bild von Lolita (aus der Stainley Kubrich verfilmung) verziert. Meine Version des Buches ist nicht gebunden. Die ISBN Nummer lautet: ISBN 3-499-22543 ..:: Schlussworte :: Lolita ist wirklich ein Muss für jeden Leser, da ich es nichtmehr als Belletristik bezeichne sondern nur noch als schlicht und einfach Pflichtroman.
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10.03.2005 13:09
Kleiner Hinweis: Du solltest bei der Beschreibung der Handlung eines Romanes lieber die Gegenwartsform verwenden.
15.01.2004 20:48
"Ebenfalls diverse sexuelle Akte werden im Buch genauestens beschrieben." Falsch, eben nicht. Hast Du das Buch richtig gelesen? >_< Nichts für ungut und trotzdem schöne Grüße, Thomas
05.06.2003 21:05
Habe das Buch auch gelesen und fand es ebenfalls sehr gut geschrieben!