Auf der Suche nach der Rivieraliebe
14.03.2007
Pro:
weltbekannter Klassiker, diskussionsanregend
Kontra:
schwer zu lesen, langatmig
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
mehr
 Anamcara1
Über sich:
Stolze Mama von Lisa ( 4 1/2 Monate) und glückliche Ehefrau von Lisas Papa, the great Londonfootball...
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Hallo Ihr Lieben, als alte Leseratte liebe ich es, stundenlang im Bücherladen herumzustöbern. Nicht nur um die Neuerscheinungen unter die Lupe zu nehmen, sondern auch um mir ein breites Allgemeinwissen anzueignen. Auf einem dieser Streifzüge entdeckte ich im Buch " Bücher. Alles, was man lesen muss", von Christiane Zschirnt, unter der Kategorie "Die besten Liebesromane" den Verweis zu Vladimir Nabokovs "Lolita". Daraufhin griff ich zu dem Roman, der nun neben mir liegt er und den ich Euch sehr gerne näher bringen möchte. (Da ich mein Abi in Deutsch [ ich wählte Goethes "Faust" als Thema] gemacht habe, hoffe ich, dass ich mich nicht allzu sehr dazu verführen lasse, Euch eine ellenlange Erörterung niederzuschreiben....)~~~~~~ Lolita ~~~~~~Die ersten Sätze eines Buches sind bei mir ausschlaggebend, ob ich das Buch kaufe oder liegen lasse. Die des Lolita Romanes sind fantastisch, deswegen werde ich mit diesen als Leseprobe beginnen: "Lolita, Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden. Meine Sünde, meine Seele. Lo-li-ta: die Zungenspitze macht drei Sprünge den Gaumen hinab und tippt bei Drei gegen die Zähne. Lo. Li. Ta. Sie war Lo, einfach Lo am Morgen, wenn sie vier Fuß zehn groß in einem Söckchen dastand. Sie war Lola in Hosen. Sie war Dolores auf amtlichen Formularen. In meinen Armen aber war sie immer Lolita." ( Seite 13, Zeile 1-9) Dieser Anfang macht einfach Lust auf mehr, auch wenn sehr schnell deutlich wird, dass der Wortgebrauch sehr eigentümlich und auch gestochen ist, doch dazu später mehr. Zuerst möchte ich den Inhalt erläutern. Der Roman "Lolita" ist eine durchgängige Ich-Erzählung, dessen Erzähler - er nennt sich selbt Humbert Humbert - von dem Gefängnis aus seine Geschichte schreibt. Es macht den Anschein, als gestalte Humbert Humbert eine Art Inszenierung, denn nicht nur spricht er den Leser direkt mit "Sie" an, nein, man hat auch den Eindruck, als genießt er es, über seine Arten und Unarten zu erzählen. Humbert Humbert ( 1910 geboren, der Vater war russischer, die Mutter französischer Abstimmung ) wuchs in einem behüteten Umfeld auf, seinem Vater gehörte ein Hotel und somit war genügend Geld vorhanden, um ihn auf eine englische Tagesschule zu schicken. Er hatte private Tennis-und Boxstunden, tolle illustrierte Bücher usw., jedoch hatte er keinen direkten Beistand, da seine Mutter starb, als er noch ein Kleinkind war. Sein Vater gab ihm zwar Rat als er in die Pubertät kam, jedoch lässt sich keine warme, zwischenmenschliche Beziehung herauslesen. Im Herbst 1923 lernte er auf einer Italienreise Annabel lieben...man bedenke, er war 13, sie ein paar Monate jünger. Die Beiden entwickelten solch eine Leidenschaft füreinander, dass sie nie die Finger von einander lassen konnten. Zweimal kam es beinahe zum Geschlechtsverkehr, jedoch wurden sie immer in letzter Sekunde daran gehindert. Da Humbert sein Verlangen nach Annabel ( sein "Urmädchenkind") nie ausleben konnte ( sie starb 4 Wochen nach der Italienreise an Typhus), ist dies wahrscheinlich der Grund, weswegen er in Mädchen stets die junge Annabel sucht und nur auf einen ähnlichen, kindlichen, knabenhaften Typ steht. Folglich tat er sich in seinem Erwachsenwerden in Liebesdingen sehr schwer, er war einfach nicht imstande, eine Beziehung aufzubauen. In den nächsen Jahren studierte Humbert in Paris und London, veröffentlichte viele Artikel und Essays, vergnügte sich mit bezahlten Damen und auch auf dem Kinderstrich, trieb sich in Kleinmädchenparks rum ( um seinen "auserwählten Geschöpfen, den Nymphchen" [ S.25, Zeile 15f] nahe zu sein), ebenso in Waisenhäuser und Erziehungheime, wo er die Objekte seiner Begierde "straffrei anstarren" kann. Humbert träumt sich diese Nymphen zu den Komplizen seiner Wolllust, indem er einen Teil seiner Schuld auf sie projiziert. Die Jahre vergehen ohne größere Vorkommnisse, bis er eines Tages beschließt, für den Sommer nach Neu-England zu gehen, da er sich erhofft, dort Inspiration für sein Dasein als Schriftsteller zu finden. Auf der Suche nach einer Bleibe, trifft er auf die biedere, tiefkatholische Charlotte Haze, die ihm ein Zimmer zur Untermiete anbietet. Jedoch missfällt ihm nicht nur das Zimmer, sondern das ganze Haus empfindet er als furchtbar grau und trist. Doch als Humbert im Garten auf die 12-jährige Tochter Dolores ( ihre Mutter nennt sie "Lo") trifft, wird um ihn alles strahlend bunt, er ist verzaubert von dem kleinen Mädchen, da er in ihr seine "Rivieraliebe" wiederentdeckt hat. Um ihr Nahe zu sein, zieht Humbert in das Zimmer ein, aber es bietet sich ihm keine günstige Gelegenheit, seiner abnormen Neigung freien Lauf zu lassen. Derweil verliebt sich Lolitas spröde Mutter in Humbert und stellt ihn eines Tages mittels eines Briefes vor die Wahl: Entweder, er müsse sofort ausziehen, oder er erwidere ihre Liebe und heirate sie. Humbert entscheidet sich für die letztere Option, um seine Lolita nicht zu verlieren.Lolitas Mutter stirbt eines Tages bei einem Autounfall - ein Glücksfall für Humbert, der Lolita nun ganz für sich haben kann und mit ihr fortan von Hotel von Hotel durch das weite Land zieht und sich seine sexuellen Wünsche erfüllen lässt. Versuchte Humbert seinen Trieb anfangs noch zu rechtfertigen, indem er immer wieder Fakten anführte wie "Mädchen im Bundesstaat x werden im Alter von y Jahren geschlechtsreif" oder Beispiele aus der Geschichte, in denen sich alte Säcke ungestraft an jungen Dingern vergingen - je länger die Odyssee dauert, um so weniger kümmert er sich um die Moral und die Verwerflichkeit seines Tuns. Die ständige Furcht vor dem Entdecktwerden und der Strenge des Gesetzes treibt ihn jedoch in die Paranoia, zerrüttet seine Wahrnehmung durch lebendige Halluzinationen. Die Geschichte wird schwammig, gipfelt in einem Mord und einer anschliessenden Geisterfahrt ... ~~~~~~ Wie ist "Lolita" zu lesen ?? ~~~~~~ Zu Anfang ( siehe Leseprobe ) entsteht der Eindruck, dass "Lolita" eine leicht zu lesende Lektüre ist, doch schon gleich danach wird dieser widerlegt. Erreicht wird dies durch ineinander verschnörkelte Sätze, in Kombination mit unbekannten Fremdwörtern und einer Handvoll französischer Ausdrücke. Ein Beispiel hierfür :" Meine Damen und Herren Geschworene, Beweisstück Nummer eins ist, was die Seraphim neideten, die schlecht unterrichteten, naiven, edelbeschwingten Seraphim. Ergötzen Sie sich an diesem Dorngestrüpp."[S.13, Z.18 ff.] Auch generell fand ich den Roman nicht leicht zu lesen ( er ist eben kein "Gute-Nacht-Roman", denn ich lese meistens abends im Bett, um zum Ende des Tages hin zu entspannen) und er zog sich auch furchtbar in die Länge. Man braucht einfach eine gute Konzentration und Durchhaltevermögen...~~~~~~ Das Leben und weitere Werke des Autors Vladimir Nabokov ~~~~~~Vladimir Vladimirowitsch Nabokov wurde am 22. April 1899 als ältestes von fünf Kindern im russischen St. Petersburg geboren. Seine Kindheit war von der europäischen Gesinnung der Familie geprägt: er wurde von französischen, russischen und englischen Lehrern und Gouvernanten mehrsprachig erzogen. Eine Tatsache, die für sein späteres Schaffen von Bedeutung wurde. Infolge der Oktoberrevolution emigrierte die Familie 1919 über Jalta nach England, später nach Berlin. Nabokov studierte in Cambridge russische und französische Literatur. Die erste und wohl produktivste Phase seines künstlerischen Schaffens begann in Berlin, wo Nabokov von 1922 bis 1937 lebte. Er veröffentlicht unter dem Pseudonym Vladimir Sirin Gedichte, Dramen und Erzählungen. Auch erste Romane schrieb er dort, zum Beispiel Maschenka (1926) oder Lushins Verteidigung (1929/30). Seinen Lebensunterhalt allerdings konnte er mit der Literatur noch nicht bestreiten, er schlug sich mit Tennis-, Box- und Russischunterricht durch. Im Jahr 1925 heiratete er die Russin Vera Jewsejewna Slonim, 1934 wurde der Sohn Dimitri geboren. Im Jahr 1937 zwang ihn die politische Situation abermals zur Flucht: Nach 15 Jahren verließ Nabokov mit seiner Familie das nationalsozialistische Deutschland und emigrierte nach Frankreich. 1940 ging er in die USA, wo er von 1948 bis 1956 als Professor für russische Literatur an der Cornell Universität in Ithaka (New York) arbeitete. In Amerika begann auch seine zweite Schaffensphase. Er verzichtete fortan auf sein Pseudonym und veröffentlichte seinen ersten englischsprachigen Roman "The real life of Sebastian Knight" (1941). Weitere Romane folgten. Im Jahr 1961 verließ Nabokov mit seiner Frau die USA und kehrte nach Europa zurück. Sie ließen sich im schweizerischen Montreux nieder. Unter dem Titel "Sprich, Erinnerung, sprich" (1967) veröffentlichte Nabokov seine Autobiografie. Seine beiden letzten Romane erschienen 1969 und 1974 ("Ada oder das Verlangen" und "Sieh doch die Harlekins").Vladimir Vladimirowitsch Nabokov verstarb am 2. Juli 1977 in Lausanne. ~~~~~~ Rund um den Roman Lolita ~~~~~~ Inhaltsformat: 2 Teile ( 33 Kapitel im 1. Teil, 36 Kapitel im 2. Teil) Seitenanzahl ( ohne Vor-und Nachwort): 520 Buchformat: Taschenbuch Cover: Champagnerfarben (fast durchweg) mit einem violett angehauchem Bild aus der Stainley Kubrich Verfilmung ( siehe Produktbild) ISBN: 3-499-22543-3 Verleger: Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg Preis: 8,99€ ( im Buchhandel) ~~~~~~ Verfilmungen ~~~~~~ Zweimal wurde "Lolita" verfilmt: 1962 unter dem Titel "Lolita" von Stanley Kubrick mit unter anderen James Mason als Humbert Humbert, Shelley Winters als Charlotte Haze, Sue Lyon als Lolita und Peter Sellers als Clare Quilty und 1997, ebenfalls unter dem Titel "Lolita" von Adrian Lyne mit Jeremy Irons als Humbert Humbert, Melanie Griffith als Charlotte Haze, Dominique Swain als Lolita und Frank Langella als Clare Quilty.Lolita erschien 1998 auch als Hörbuch, produziert vom Westdeutschen Rundfunk (WDR). In den Hauptrollen Ulrich Matthes, Natalie Spinell Beck und Leslie Malton. ~~~~~~ Fazit ~~~~~~"Lolita" ist für mich ein sehr guter Roman, aber er ist für mich kein Liebesroman. Klar, diese "Anbändelei" ging zeitweise klar von Lolita aus, jedoch bleibt die Frage im Raum stehen, in wie weit eine 12-jährige in der Lage ist, zu erkennen, was Recht und was Unrecht ist. Humbert Humbert dachte fast nicht an Lolita, es war seinerseits eine egoistische, einseitige Nutzenbeziehung. Lolita war die Befriedigung seiner pädophilen Träume; ihm war bewusst, dass er sie nicht mehr brauchen würde, wenn sie älter, reifer, weiblicher werden wird. Eine Beziehung, die von Grund auf egoistisch und einseitig angelegt ist, ist für mich nicht die Definition von Liebe, deswegen bezeichne ich den Roman "Lolita" nicht als Liebesroman. Wenn sich die Schwaden in seinem Gehirn lichteten, war Humbert bewusst, was er diesem Kind antut. Um dies zu belegen, möchte ich Humbert zitieren: "Und es gab Zeiten, in denen ich wusste, wie dir zumute war, und es war die Hölle, es zu wissen, meine Kleine." "Lolita" ist in meinen Augen trotzdem kein Handbuch für angehende Pädophile, sondern es ist, was es ist: Ein weltbekannter Klassiker. Ein Roman. Ein Buch zur Unterhaltung. Zum Diskutieren anregend. Man sollte es jedoch nicht zu Tode diskutieren, sondern Platz für Gedanken lassen. Es ist sicher ein streitbarer Punkt, ob es von Vladimir Nabokov eine moralisch vertretbarer Einfall war, seine Geschichte in der Ich-Perspektive, die keine Eingriffe eines mehr-wissenden Erzählers erlaubt, anzulegen. Im Nachwort schildert er, wie ihn die Idee zu dem Roman über Jahre verfolgt hat, wie sich aus verschiedenen Prototypen das nun vorliegende Endprodukt entwickelte, wie er sich das Buch vom Leib schreiben musste. Über den Sinn und die Absichten, die sich hinter dem Roman verbergen, weiss er nur zu sagen, dass er es allein der Kunst willen getan hat.Wegen dem verschnörkeltem und langatmigem Schreibstil, der das Lesen stellenweise sehr erschwert, muss ich einen Stern abziehen und vergebe somit 4 Sterne. Ob ich das Buch empfehlen kann ? Als Büchertante finde ich persönlich es auch wichtig, die "Klassiker" gelesen zu haben ( denn irgendwie kennt jeder Lolita, aber die wenigsten haben es gelesen), allerdings möchte ich hier kein "Muss" aussprechen. Wie immer kommt es auf den potentiellen Leser an, wie sein Interessengebiet usw zerstreut ist. Ich werde das Buch so bald nicht mehr lesen, aber es wird einen Ehrenplatz auf meinem Bücherregal bekommen. Ich danke Euch fürs Lesen und hoffe auf fleißige Bewertungen und Kommentare...Liebe Grüße, Sabine
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02.03.2010 22:43
BH für Nabokov und diesen Bericht!
19.02.2010 14:23
wie kann man so einen tollen Bericht nur mit "hilfreich" bewerten??
17.07.2007 21:36
Klasse beschrieben... auch wenn es ein Buch ist, was ich wohl nicht lesen werde. LG Carmen