Long Distance Voyager - The Moody Blues

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Long Distance Voyager - The Moody Blues

Pop - 1 - CD - Label: Decca - Vertrieb: Universal - Veröffentlicht am: 2. März 1995 - EAN: 042282010520

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60% positiv

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Erfahrungsbericht über "Long Distance Voyager - The Moody Blues"

veröffentlicht 01.05.2009 | Pengoblin
Mitglied seit : 05.09.2005
Erfahrungsberichte : 126
Vertrauende : 9
Über sich :
"Dies sind meine Überzeugungen und Grundsätze. Wenn Sie Ihnen nicht gefallen - ich hab' auch noch andere." (Groucho Marx)
Gut
Pro Melodiös, Leicht & Perfekt
Kontra Ein Album dieser Art reicht mir für's Leben
sehr hilfreich
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:

"Prädikat: Unbesonders Gelungen"

+++ I n t r o +++


Das 1981 erschienene 11. Studioalbum der bereits seit 1964 und (wenn auch mit Unterbrechungen) bis heute existierenden britischen Formation The Moody Blues zählt für Fans der Band meistens nicht eben zu deren Höhepunkten. So nennt der Rezensent George Starostin es ein (frei übersetzt) "aufgemotztes, steriles und ganz und gar künstliches Newdy Blues-Produkt: genießbar, aber seeehr zweitklassig" und preist lieber die "großen 7" Frühwerke.


Dennoch hat auch "Long Distance Voyager" (im folgenden LDV) seine Fans - wozu ich nicht zähle, zumal ich mich trotz großer Sympathie für Symphonic Rock auch eigentlich für die ganze Band nur bedingt begeistern kann. Ich war, wie man meinen frühen Ciao-Berichten entnehmen kann, in diesem Genre vor allem immer eher Fan von Renaissance. Und wiederum dennoch besitze ich das Album "Long Distance Voyager" und lege es ab und an auf. Warum eigentlich?


Schau'n wer ma':


+++ B a s i c s +++


The Moody Blues 1981:

Justin Hayward – guitars, vocals,
John Lodge – bass, vocals,
Ray Thomas – flute, harmonica, vocals,
Graeme Edge – drums, percussion,
Patrick Moraz – keyboards (erstmals)


Long Distance Voyager:

The Voice – Talking Out Of Turn – Gemini Dream – In My World – Meanwhile – 22,000 Days – Nervous – Painted Smile / Reflective Smile / Veteran Cosmic Rocker

Produced by Pip Williams

Rd. 46 Minuten

+++ D i e T r a c k s +++


---> The Voice (5min)


Can you hear the spirit calling
As it's carried across the waves
You're already falling
It's calling you back to face the music
And the song that is coming through
You're already falling
The one that it's calling is you


Das von Justin Hayward komponierte Stück hat ein eher unspektakuläres elektronisches Intro, um dann jedoch nach einigen Sekunden in einen flotten, rhythmusgitarregetragenen Song überzugehen, der, unterfüttert von munterem Bass, federleicht vom Scheibchen perlt. Die gesungene Melodie ist ein sofortiger Ohrwurm, kann sofort gefallen und ist aber auch in dem Moment vorbei, in dem es vorbei ist, weil (zumindest bei mir) absolut nichts hängenbleibt. Hier und da setzen die Keyboards ein paar Akzente, die E-Gitarre fügt in zweiter Reihe auch ein paar Tönchen hinzu, der Gesang Haywards ist routiniert, ohne mich besonders zu beeindrucken (der Mann kann eindeutig sehr gut singen, aber er hat halt eine nicht besonders charismatische Stimme). Vielleicht ging es der Band hier in erster Linie um einen neugierig und wach machenden Opener, der in gewisser Hinsicht auch einen erneuerten Sound vorstellen sollte, denn soweit ich weiß, hatten The Moody Blues sich hier mit ihrem Keyboarderwechsel auch von dem für sie bis dahin sehr charakteristischen Mellotron verabschiedet. Und als ein solcher Opener funktioniert das Stück tatsächlich ganz gut. Separat irgendwo im Radio gehört, würde es mich kaum hektisch den Bandnamen notieren lassen, aber womöglich würde ich etwas beschwingter weiterspülen. Sagen wir: 3 Sterne.


---> Talking Out Of Turn (7min)


When I took a little loving from you
Oh I,
Can't believe that I would ever
Let you slip through my fingers
Let you escape like yesterday
I would appreciate you knowing
I thought your love had come to stay


Talking out of turn
Shot to pieces
When will I learn
Talking out of turn
Shot to pieces
When will I learn


Dieses sich sehr gemächlich entfaltende, verhalten spannungsvolle Stück von John Lodge ist einer meiner drei Favoriten auf dem Album, weil es so schön orchestral und hymnisch ins Ohr perlt, dass einem die 7 Minuten eigentlich kürzer vorkommen (man vergleiche mal, wie viele Popsongs einem schon nach 2 Minuten zu gestreckt erscheinen). Das Orchesterarrangement ist sehr schön filigran und unaufdringlich originell, der Gesang auch John Lodges (wie auch Haywards) ist gekonnt, aber insgesamt doch ein wenig farblos: das mag aber auch nur mir so erscheinen, weil ich einfach Sänger mit höherem Wiedererkennungswert gewöhnt bin, von Greg Lake über James LaBrie und Daniel Gildenlöw bis hin zu Neal Morse. Bei den Moody Blues ist die Stimme den Instrumenten eher neben- als übergeordnet, und das kann ja zuweilen auch sehr nett sein. Zwischendrin gibt es noch etwas eingestreute Sologitarre, und vor allem weist das Stück einen dieser im Gedächtnis hängenbleibenden Refrains bzw. Hooks auf, für welche die Band ja gerne gelobt wird. Sagen wir: 3,5 Sterne.

---> Gemini Dream (5min)


Theres a place, a gemini dream
Theres no escaping from the love we have seen
So come with me, turn night to day
You gonna wake up
You know you gonna wake up in a gemini dream


Für MBs Verhältnisse ausgesprochen flott und poppig kommt das von Lodge und Hayward gemeinsam erdachte Gemini Dream daher und versorgt das Ohr erstmal mit einem kurzen dramatischen Synthesizersolo von Patric Moraz, bevor MB in das ausbrechen, was bei dieser doch stets tendenziell eher sanften Truppe als Rock durchgeht. Und in der Tat ist das Stück recht schmissig und gutgelaunt, wenngleich es aufgrund des Keyboardsounds wohl das Stück ist, das am ehesten Rückschlüsse auf das Veröffentlichungsjahr zulässt – und am wenigsten auf den Urheber des Ganzen, denn mit jeweils nur geringfügig verändertem Arrangement hätte das Lied auch von diversen anderen Bands aus dieser Zeit stammen können. Und so ist es ein routiniert umgesetzter, ziemlich unbesonderer Titel ohne sonderlich hervorstechende Eigenschaften, der aber zumindest auf dem Album zwischen zwei langen langsamen Stücken als Auffrischung gut plaziert ist. Da man außerdem das Gefühl hat, dass die Band hier durchaus Spaß daran hatte, sich mal ein bißchen von der Filigran-und-verschachtelt-Leine zu lassen, gebe ich dem Ganzen wiederum 3 Sterne.


---> In My World (7min)


And I'm only just beginning
To believe what you have done
How you turned it upside down
This world of mine
and it seems while I was looking
It was right in front of me
All the time


Justin Hayward verbricht ja zuweilen Schmachtfetzen der zuckersüßesten Sorte (mit Titeln wie The Angels Cry und derlei), und das ist naturgemäß ein Songwritingbereich, in dem man sich stets unweit der Grenze zur Selbstparodie bewegt (und manchmal ist nicht klar, auf welcher Seite dieser Grenze). gibt sich leise und einschmeichelnd, schrammelt halbakustisch auf Nylonseiten vor sich hin und erweckt ein bißchen den Eindruck, als habe man den Soundingenieur nicht wecken wollen. Zwar ist das Stück ein weiterer guter Beweis dafür, dass man mit sehr wenig aufgedonnerten Effekten auch eine runde Klangfülle hinbekommt, aber mir persönlich ist das Ding einfach 1.) zu lang und 2.) zu verzuckert. Ich vergleiche es ein wenig mit Why Worry? von den Dire Straits, das auch eigentlich ein gut und zart ins Rockermikro gehauchtes Stückchen Gute-Nacht-Musik darstellt, aber einfach nicht nach den 2 Minuten aufhört, nach denen aufzuhören dringend ratsam gewesen wäre, weil absolut nichts mehr passiert. Statt dessen wird mit klebriger Eindringlichkeit einfach alles solange inkl. Slidegitarre über 7 Minuten lang wiederholt, bis auch der allerletzte Tropfen Honig in den Gehörgang gewrungen ist. Nach dem Stück brauche ich immer erstmal was Salziges. 1,5 Sterne.


---> Meanwhile (5min)


I think I see where I went wrong
I think I see what's going on.
Meanwhile and far away
As the night draws in
He's holding her right now
I can feel it all begin.
Meanwhile and far away
When the day is done
I ride away with my friend
Into the setting sun
And the river's running down
Down to the sea


Auf der alten LP wurde hiermit die B-Seite eröffnet, und ähnlich wie schon bei The Voice ist auch Meanwhile ein nicht besonders gehaltvolles, aber rundmuntergelungenes, perfektes Stück Songwriting, zu dem ansonsten wenig zu sagen ist. Insgesamt gerät es, wie ich finde, etwas spannungsvoller und interessanter im Aufbau als The Voice und hat auch die schöneren Melodielinien, und daher verleihe ich ihm 3,5 Sternchen.

---> 22,000 Days (5min)


Everybody knows, it always shows
Wasting time's an aggravation
Got no time for confrontation
You want to take a lot
By love by law or stealth
Time's the only real wealth you have got


22,000 days, 22,000 days it's not a lot,
It's all you got 22,000 days
22,000 nights, 22,000 nights, it's all you know
So start the show and this time
Feel the flow and get it right


Perkussionisten sind ja – natürlich mit Ausnahmen (wie z.B. Don Henley) – meistens nicht so sehr für filigranes Songwriting bekannt. Der einzige kompositorische Beitrag von Graeme Edge zu diesem Album ist denn auch eher schlicht und recht rhythmusbetont – es geht im Text um die 22.000 Tage, die ein Leben so dauert (wobei das mit umgerechnet 60,3 Jahren etwas tiefstapelt, wenn man Glück hat), und was man daraus macht. Ich gebe offen zu, eine kleine Schwäche für dieses etwas scheppernde Stück zu haben, und betrachte es als für mich zweiten kleinen Höhepunkt des Ganzen. Vielleicht liegt das vor allem daran, dass das Lied nicht den Fehler macht, eine u.U. bröselgefährdete Ernstdramatik heraufzubeschwören, sondern durchaus selbstironisch bleibt (man merkt es u.a. an dem sich für die Verhältnisse dieser Band schon fast dem Grölen nähernden Gesang) und damit den Bonus des Also-WIR-hatten-Spaß-damit auf den Hörer überträgt. Ich fühle mich deutlich an Neanderthal Man von 10cc erinnert, das aber von 22,000 Days um Längen geschlagen wird. 3,5 Sterne zum Mitsingen.


---> Nervous (5min)


It seems to me I've been a long time on this road
And I wonder why
Has there been a sign that points another way
And I've passed it by
I don't know what it is that drives me on
Gotta keep movin'
Gotta keep movin' on


In einigen der bereits existenten Rezensionen z.B. bei Amazon wird Nervous von John Lodge als das beste Stück des Albums bezeichnet. Soweit ich das beurteilen kann, scheint es zumindest recht eindeutig das Stück, das den etablierten Erwartungen der Moody-Fans am ehesten entsprechen dürfte – insofern sind diese fünf Minuten gewissermaßen der traditionellste Teil des Ganzen. Das Stück ist melodiös, filigran, hat eine interessanten, wohlausgewogenen Aufbau und ist üppig orchestriert – insofern der größte Kontrast vor allem zu Gemini Dreams, das doch am deutlichsten das Ankommen der Band in den frühen 80ern belegt. Nervous dagegen hätte auch von 1973 stammen können und wäre stilistisch dort nicht groß aufgefallen. In der Tat ist es mit seinem hymnischen, sich gut einprägenden Refrain eine kleine Perle des Symphonic-Rock-im-Radioformat. Klare 4 Sterne.


---> Painted Smile /
Reflective Smile /
Veteran Cosmic Rocker (7min)


I can sing
I can dance
Just give me a chance
To do my turn for you
There's a change I'll slip
But with stiff upper lip
I'll sing a song for you
Laughter is free
But it's so hard to be a jester
All the time
And no one's believing
I'm the same when I'm bleeding
And I hurt all the time deep inside (Painted Smile)


Der bereits erwähnte MB-Rezensent George Starostin (den ich über den entsprechenden Wikipedialink im Bandeintrag fand) lässt an diesen einzigen Beiträgen von Urmoody Ray Thomas zum Album kein gutes Haar und kommt zu dem Schluss, für solche Stücke würden andere erschossen. Dem kann ich allerdings nur bedingt zustimmen.


Die Stücke von Ray Thomas scheinen (wie gesagt, ich bin kein Spezialist für MB) oft ein wenig hervorzustechen, indem sie sich einen Humor trauen, der den Werken Haywards und Lodges zuweilen allzu gründlich abgeht. Die beiden Dreiminutenwerke Painted Smile und Veteran Cosmic Rocker sind durch den kurzen Sprechübergang Reflective Smile miteinander verbunden, daher fasse ich sie hier zusammen. Auch thematisch geht es stets um die Rolle des Künstlers und Artisten, und Painted Smile könnte stilistisch 1:1 aus irgendeinem Broadway-Musical stammen. Das ist definitiv etwas gewöhnungsbedürftig, weil man hier unterscheiden muss zwischen 1) der Gelungenheit des Stückes an sich (quasi gehört, ohne sich um den Text zu kümmern) und 2) der in Bezug auf das Zusammenwirken von Text/Idee und Musik.


[EXKURS: Das scheint mir annähernd vergleichbar mit der Unterscheidung zwischen Programmusik und Absoluter Musik, den man in der Klassik trifft. Absolute Musik hat keinen außermusikalischen Bezug, Programmusik hat eben ein Programm, eine Idee, die sie musikalisch interpretiert. "Die Moldau" von Smetana kann man daher hören als reines Orchesterwerk oder aber als die Vertonung der Stationen eines Flussverlaufes. Strawinskys "Feuervogel" zählt zu den grandiosesten Programmwerken, die jemals geschrieben wurden, aber viele hören das Werk trotzdem nicht gern, weil sie als Nur-Musik schon ausgesprochen anstrengend ist. Und darauf komme ich bei der Rezension eines Albums von The Moody Blues, tztztz. Immerhin: Wenn Yes die Strawinskys des Rock waren, dann wären The Moody Blues …, ehm, … vielleicht Mendelssohn-Bartholdy?)


Zurück zu The Painted Smile. Ob einem der boulevardtheatralisch schaukelnde Stil des Stückes gefällt oder ob er einen eher nervt, ist und bleibt zumindest Geschmackssache und ist keine Frage der Qualität (zumal es, wie ich meine, sehr bewusst so gemacht wurde, um einen Kontrast zum Folgenden zu schaffen). Ich mag es auch nicht besonders, halte es aber für qualitativ besser als das ausgewalzte In My World. Da es im Unterschied zu diesem mit seinen rd. 3 Minuten Länge nicht mehr Raum beansprucht, als es auch zu füllen vermag, gebe ich ihm daher 2 Sterne und einen halben als Originalitätsbonus.


… eine weniger als 1 Minute währende gesprochene Überleitung namens Reflective Smile, unterlegt mit etwas Geräuschkulisse verknüpft Painted Smile nahtlos mit dem folgenden und letzten Stück…


… und das empfinde ich als flotten, knackigen Abschluss eines stellenweise doch etwas zu sehr im Nurharmonischen herumdümpelnden Albums erstmal als recht erfrischend:


The lights go down
The stage is set
The man in the wings breaks out in sweat
A backstage joker spiked his coke
While the dressing room was full of smoke
A crowd of fools got him high
He's afraid he's gonna die
He's the apple of their eye
[…]
(He struts, he strolls)
(His love is rock 'n' roll)
He's the VETERAN COSMIC ROCKER


Da Ray Thomas' Organ dem von John Wetton ein wenig ähnelt (wenn es auch nicht ganz dessen Güteklasse erreicht), könnte man Veteran Cosmic Rocker stilistisch durchaus grobcharakterisieren als Asia-mit-Humor.


Zum krachigen Einstieg wird vor allem Schlagzeuger Edge zum eigentlich ersten und einzigen Mal auf dem Album kurzzeitig hellwach (ich muss das wohl so sehen, wo ich doch sonst Dinge wie Dream Theater höre). Etwas weniger dramatisch, aber flott und schmissig, geht es dann weiter, Patrick Moraz ist auch mal wieder bewusst zu hören, und Ray Thomas zeigt, was er am Mikro kann. Beim instrumentalen Zwischenspiel holt er sogar kurz mal die Harmonica raus (die, richtig dosiert eingesetzt, ein durchaus geiles Rockinstrument sein kann) und tänzelt einmal losgelassen um die Keyboards herum, kommt zurück zur letzten Strophe, haut noch einmal den Refrain hinterher und Schluss.


Ich weiß nicht recht, was mein eingangs zitierter Rezensierkollege gegen das Stück hat: ich mag (zumindest diese drei Minuten lang) dessen losgelassene Direktheit und den – wenn man so will – unverblümt naiven Schmiss: irgendwie ein Zugabenstück halt, auf einem Studioalbum zwar, aber doch mit einer ähnlichen Stimmung: aufs Filigrane und Beeindruckende kommt's jetzt nicht mehr an, also schicken wir Euch mit was Spaßigem und Flottem heim. Ich hab' dagegen nix, auch nicht auf einem Studioalbum, also gebe ich dem gutgelaunten Rausschmeißer 3,5 Sterne und wech.

+++ F a z i t +++


Zurück zur Eingangsfrage: warum dieses Album?


Beginnen wir mit den sofort erkennbaren positiven Aspekten: Gegenüber den so zahlreichen, aus heutiger Perspektive recht grausigen Pseudocool-Covern der frühen 80er kommt LDV covertechnisch ausgesprochen edel und zeitlos daher; auch die Aufnahmequalität entspricht ausgesprochen hohen Standards und kann auch heute noch mithalten. Qualitativ zählten die Soundperfektionisten von The Moody Blues schon immer zur besseren Liga, was sogar jene zugeben, die sie nicht ausstehen können.


Das Songwriting ist routiniert, gekonnt und bietet einige wunderbare Momente. Die Band hat hier sicher an keiner Stelle einen emotionalen Intensitätsrekord gebrochen (irgendwo habe ich mal gelesen, zu Nights In White Satin seien wohl seinerzeit mehr Jungfrauen erobert worden als selbst zu Stairway To Heaven), keine neuen Virtuositätsmaßstäbe definiert, aber wenigstens richtig solide Arbeit abgeliefert.


Die – aus meiner Sicht – negativen Aspekte sind der routinierte, etwas schwächelnde Gesang der beiden Hauptmikrotäter der Band, Justin Hayward und John Lodge, wobei ich den Gesang Lodges immer noch vorziehe. Zuweilen neigen The Moody Blues dazu, sich bierernst im Trivialen festzufahren: manchmal finden sich in den Werken der stillen Virtuosen wunderbare und zeitlos-elegante Passagen, manchmal ist da auch einfach gar nix. The Moody Blues sind für mich eine Band, die für mich alle paar Monate mal ein Album lang interessant sind, und das kann dann meinethalben immer das gleiche sein (und daher brauche ich auch nur das eine).


Mir ist auch relativ egal, ob die 'großen 7' Alben aus den 70ern nun qualitativ die besseren sind, denn so neugierig bin ich auf diese Musik nicht. Nicht jeder, der Owner Of A Lonely Heart oder Mama mag, kauft sich gleich auch Close To The Edge oder Foxtrot: Langlebige Bands mit sehr unterschiedlichen Schaffensphasen haben eben auch viele 'teilweise' Fans. Im Unterschied zu Yes, Genesis und diversen anderen Formationen der gleichen unverwüstlichen Musikergeneration sind The Moody Blues für mich nur gelegentlich interessant, wenn ich Musik hören möchte, die melodisch, eingängig, nicht zu primitiv, eben: gefällig ist. Ich kann dazu gut mein Bad putzen oder auch ein Briefchen schreiben.


Abschließend also eine bedingte Kaufempfehlung. Wer speziell das Bestmögliche von The Moody Blues haben möchte, wird erstmal zu einigen anderen Alben greifen, bevor er bei LDV landet (z.B. "Days Of Future Passed" oder "To Our Children's Children's Children"). Allerdings kann er da wohl auch an wesentlich Uninspirierteres geraten ("Sur La Mer" wird gerne und häufig verrissen). Wer aber einfach nur ein unaufdringlich schönes Beispiel gelungenen, melodischen Symphonic Rocks britischer Machart haben möchte, der kann hier zugreifen und sich darauf verlassen, in professionellen Händen zu sein. Sammlerpreise ist das wohl eher nicht wert, aber z.Zt. kriegt man das Album für rd. 6-8 €uro, das ist völlig o.k.. Ich habe es mal erworben, weil es jemand bei meiner Lieblingstauschbörse gerade im Angebot hatte und ich die vor 20 Jahren besessene LP wiedererkannte.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • bojorix veröffentlicht 29.04.2015
    Konziser Report, wenn, lege ich von den Jungs "Your wildest dreams", in dem sich so ziemlich jedes Deiner Urteile idealtypisch spiegelt.
  • Anacrusis veröffentlicht 17.06.2009
    Sehr fein dein Fazit, insbesondere in Bezug auf YES;)
  • maikle veröffentlicht 17.05.2009
    noch nie davon gehört, aber ganz toll gemacht!
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Produktdaten : Long Distance Voyager - The Moody Blues

Produktbeschreibung des Herstellers

Pop - 1 - CD - Label: Decca - Vertrieb: Universal - Veröffentlicht am: 2. März 1995 - EAN: 042282010520

Haupteigenschaften

Titel: Long Distance Voyager

Künstler: The Moody Blues

Genre: Pop

Schlagworte: Soft Rock; Pop international; Progressive Rock; Classic Rock & Pop; Art Rock

Medium: CD

Set-Inhalt: 1

Veröffentlichungsdatum: 2. März 1995

Label: Decca

Vertrieb: Universal

EAN: 042282010520

Titel auf CD 1

1.: The Voice

2.: Talking out of Turn

3.: Gemini Dream

4.: In My Way

5.: Meanwhile

6.: 22, 000 Days

7.: Nervous

8.: Painted Smile

9.: Reflective Smile

10.: Veteran Cosmic Rocker

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Auf Ciao gelistet seit: 17/09/2004