Wie versprochen, war ich nun dieses Wochenende in „Luther – Er veränderte die Welt für immer“. Natürlich Pflicht für mich als Studierende der MLU Halle-Wittenberg und bekennender Luther-Fan. Nicht Fan des Protestantismus (wobei ich, ohne hier nun Religionen verteidigen zu wollen, die Protestanten den Katholiken vorziehe), sondern Fan des fortschrittlichen Denkens, der Reformfreude, des Wirkens für die Menschen. Aber das führt jetzt hier zu weit.
~~~ Der Plot ~~~
Der Film beginnt im Jahre 1505 mit dem Eintritt Luthers in den Erfurter Augustinerorden. Freilich wird hier wieder mit der Legende gespielt, Luther wäre beinahe von einem Blitz erschlagen wurden und ist infolgedessen ein Bettelmönch geworden. Anschließend darf der junge Mönch seine erste Predigt halten, die er gehörig versaut, weil er so aufgeregt ist, da seine ganze (männliche) Verwandtschaft anwesend ist.
Daraufhin stürzt Luther in einen Glaubenskonflikt und kommt infolgedessen seinem Ordensvikar Ganz näher, der ihn schließlich zur Beilegung eines Disputs nach Rom schickt. Hier ist Luther sehr erschrocken über den weltlichen Lebenswandel des Klerus sowie die Ausbeuterei des gemeinen Mannes, um den luxuriösen Lebenswandel des Papstes und seiner Anhänger zu finanzieren. Er selbst kauft einen Ablass und wird sich beim Vaterunser bewusst, dass so nicht die Worte Gottes gemeint sein können.
Zurück in Erfurt, wird ihm in Wittenberg die Stelle des Predigers übergeben. Hier studiert er auch an der Uni und beginnt später, selbst philosophische und theologische Vorlesungen zu halten. Dabei spricht er auch die Missstände an, woraufhin er Ärger mit einigen aus dem Klerus bekommt. Als 1517 der Ablasshändler Johann Tetzel in die Stadt kommt und den ohnehin armen Leuten Ablassbriefe für das eigene Seelenheil oder das näherer Verwandter verkauft und Luther dies durch die junge Hanna, die ein „verkrüppeltes“ Kind hat und dieses vom Fegefeuer freikaufte, erfährt, veröffentlicht Luther seine 95 Thesen. Einige Studenten nutzen die Technik des Buchdrucks und verbreiten diese Schriften im ganzen Reich.
Daraufhin wird Luther aufgefordert, seine Thesen zu widerrufen, was er nicht tut. Infolgedessen spricht der Papst die Bulle über ihn aus. Luther verbrennt dieses Schreiben, woraufhin er nach Worms geladen wird. Hier soll er wieder widerrufen, was er nicht tut, so dass 1521 die Reichsacht über ihn verhängt wird. Der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise, der auf Luthers Seite steht, fingiert einen Überfall und lässt Luther auf die Wartburg bringen. Bei seinem Aufenthalt hier übersetzt er das Neue Testament, woraufhin die Bauernkriege ausbrechen. Luther stellt sich gegen diese Kriege und die damit verbundene Zerstörung der Kirche.
Wie es nun gänzlich ausgeht, möchte ich hier nicht sagen. Es soll ja schließlich Leute geben, die nicht wissen, wie Luthers Leben und Wirken weiter verlief…..
~~~ Die Rollen und ihre Schauspieler ~~~
Für mich waren außer Uwe Ochsenknecht ehrlich gesagt alle Schauspieler neu. Daher kann ich hier ganz unvoreingenommen heran gehen:
~~ Joseph Finnes ~~ als Martin Luther
Der 33jährige spielte schon in Filmen wie „Shakespeare in Love“ (den ich zugegebenermaßen nicht gesehen habe) und „Elizabeth“ mit. Auf mich wirkte seine Rolle überzeugend und ehrlich. Den lustigen Haarkranz machte ihn zwar ein wenig unattraktiv ;o)) Alles in allem hat man hier aber meiner Meinung nach einen sehr guten Schauspieler für diese sehr schwere Rolle gewinnen können, zumal er auch schon einige Preise gewonnen haben muss und es ungewöhnlich ist, so bedeutende Schauspieler für deutsche Produktionen zu bekommen.
~~ Claire Cox ~~ als Katharina von Bora
Diese Rolle wirkte auf mich wiederum etwas übertrieben. Schon als die erste Begegnung mit den beiden zustande kam, erzeugte das bei mir eine gewisse Antipathie gegen diese Frau. Zumal sie dann auch noch zu singen begann (und mein Freund mir zuflüsterte: „Sowas kann ganze Filme kaputt machen!“), war diese Rolle (oder diese Schauspielerin?) bei mir unten durch. Allerdings soll Katharina von Bora eine wirklich bedeutende Rolle in Luthers leben gespielt haben. Man geht sogar soweit zu sagen, ohne seine Frau wäre Luther niemals so groß geworden. Dafür wurde aber meines Erachtens nach an der Rolle im Film gespart, so dass ich ständig das Gefühl hatte, hier wird nur die kleine unbedeutende Frau eines großen Mannes gezeigt.
~~ Alfred Molina ~~ als Johann Tetzel
Dieser Mann kam auch wieder absolut toll rüber. Seine Rolle in der damaligen Zeit wurde sehr gut dargestellt. Seine Verkaufsstrategie war überwältigend ;o))
Der 50jährige Brite spielte für mich mit am überzeugendsten, wobei man an Glaubwürdigkeit wahrlich kaum einem was absprechen kann.
~~ Uwe Ochsenknecht ~~ als Papst Leo X.
Als der Papst das erste Mal auftrat, traute ich meinen Augen kaum: Uwe Ochsenknecht. Erst als ich im Internet nachschlug, sah ich das bestätigt. Niemals hätte ich gedacht, dass dieser Mann eine Rolle in solch einem Film geben würde.
Allerdings spielte der Deutsche seine Rolle sehr gut. Viele Auftritte hatte er nicht dabei, aber die, die er hatte, wirkten klassisch überheblich oder imposant. Ochsenknecht ist hier wirklich eine Verstärkung und sieht auch sexy in der Papst“robe“ aus….
~~ Sir Peter Ustinov ~~ als Friedrich der Weise
Diese Gestalt bekam durch den großartigen Sir eine tragende Rolle in Luthers Werdegang zugespielt. Der 82jährige brachte durch seine liebenswert charmante Art den ein oder anderen Lacher in den sonst eher dunklen Filmhintergrund. Neben seiner Reliquiensammlung kann man auch herzlich über sein ständiges Grinsen beim Kaiser lachen. Okay, hier gebe ich zu, von diesem Mann hatte ich schon einmal was gehört. So wie er hier gespielt hat, hofft man wirklich, es war nicht das letzte mal…
~~ weitere Rollen und ihre Schauspieler ~~
Torben Liebrecht als Kaiser Karl V.
Jochen Horst als Karlstadt
Maria Simon als Hanna
Lars Rudolph als Philip Melanchthon
(Quelle: www.luther-der-film.de)
~~~ sonstige (Mit-)Arbeiter ~~~
Das Drehbuch stammte von Camille Thomasson und Bart Gavigan, Regie führte Eric Till. Beide sagen mir nichts. Aber ich finde, sie haben das hier ganz ordentlich gemacht ;o))
Eine Produktion der NFP teleart in Zusammenarbeit mit Thrivent Financial for Lutherans
und EIKON, unterstützt von DEGETO FILM, der Evangelischen Kirche Deutschland
und dem German Information Center, Washington D.C.
Gefördert von FFA, FilmFernsehFonds Bayern, Mitteldeutsche Medienförderung, Filmboard Berlin-Brandenburg, Bayerischer BankenFonds
(Quelle: www.luther-der-film.de)
~~~ Meine Meinung und Kritik ~~~
Ich ging mit hohen Erwartungen in diesen Film. Neben dem allgemeinen Schulwissen zu Luther besuche ich zur Zeit ein Seminar zum Thema Reformationsliteratur. Hier habe ich eine ganze Menge über den Namensgeber meiner Uni erfahren und kenne sogar die Texte, dieLuther namentlich widerrufen soll *stolzaufmichbin*. Dadurch war ich auch nicht so unbefleckt wie mein Freund, der eben außer den 95 Thesen und einigen Stationen in Luthers Leben nicht viel wusste.
Von der Legende zu Anfang habe ich ja schon berichtet. Allerdings halten sich diese Legendenbildungen in Grenzen, so dass die vom Teufel und dem Tintenfass zum Bleistift gar nicht mehr vorkommt. Das machte in meinen Augen den ganzen Film authentischer.
Schade fand ich, dass bestimmte Personen, die Luthers Leben stark prägten, gar nicht oder nur wenig vorkamen, wie zum Beispiel Melanchthon, der als einer der engsten Vertrauten Luthers gilt. Thomas Müntzer sucht man in vergeblich, obwohl die Bauernkriege ausführlich beschrieben werden. Aber wahrscheinlich ist ein ganzes Leben für einen anderthalb Stunden Film einfach zu komplex.
Toll fand ich die Kostüme, die besonders gut den Gegensatz zwischen Arm und Reich, Volk und Klerus widerspiegelten. Am meisten beeindruckt hat mich hierbei die Papstweihe (!?).
Die Kulissen wirkten teilweise sehr computergemalt. Besonders Wittenberg, Rom und Erfurt von weiten sahen sehr nach teurem Zeichenprogramm aus. Andererseits kann man die Wartburg endlich einmal deutschlandweit betrachten, genauso wie das Augustinerkloster von innen.
Leicht verwirrend ist, dass Luther im gesamten Film nicht altert. Nur seine Haare wachsen. Da sich das ganze aber über 25 Jahre erstreckt, wäre es schon angebrachter gewesen, wenigstens die Haare ergrauen zu lassen. Dann hätte man die Zeitdimensionen (zum Beispiel auf der Wartburg) besser begreifen können.
Als besonders gelungen möchte ich hervorheben, dass auch der Laie die meisten Stationen in Luthers Leben verstehen kann, da sie anschließend an das gezeigte oftmals noch einmal kommentiert werden (z.B. Szenen in Rom Luther erzählt Ordensvikar die Situation in Rom). Dadurch wird der Film auch für das jüngere Publikum zugänglich und empfehlenswert (Wobei auch hervorzuheben ist, dass fast keine gewalttätigen Szenen zu sehen sind. Lediglich ein paar am Galgen hängende und die Opfer des Bauernkrieges. Aber das kann man ja heute schon als harmlos einstufen.).
~~~ Fazit ~~~
Alles in allem hat der Film meine Erwartungen erfüllt. Sicherlich wird er keine zehn Oskars abräumen, kann aber vor allem in Schulen und zur Weiterbildung eingesetzt werden. Da das Publikum am Samstagabend dennoch vor allem älteren Semesters war, denke ich, ist es kein Film für die persönliche Unterhaltung an einem entspannenden Kinoabend. Vielmehr frischt der Streifen altes Wissen auf oder schließt Wissenslücken. Und da wir schließlich jedes Jahr Reformationstag feiern, ist es immer nützlich mal zu wissen, warum eigentlich ;o)))
(Wobei ich wiederum noch nicht verstanden habe, warum die Katholiken Allerheiligen feiern!?!?!)
P.S.: Auch die von mir hier schon als Quelle angegebene Seite www.luther-der-film.de sei ausdrücklich empfohlen!
Thanx for reading!
13.01.2007 02:04
ja,ein guter bericht von dir. bin dabei mich für meine jahresarbeit über diesen film zu informieren, da sind meinungen und filmkritiken besonders wichtig und du hast hier einiges egschildert. danke.
27.10.2004 10:49
Da schmückt sich jemand mit Deinen Federn: http://www.yopi.de/erfahrungsbericht_140612__War_es_damals_echt_so
29.02.2004 21:53
Einfach gut gemacht gute kritik