Gute Idee mit fadem Beigeschmack
10.11.2003
Pro:
interessante Idee, Sir Peter Ustinov
Kontra:
schwach umgesetzt, Uwe Ochsenknecht
Empfehlenswert:
Nein
 ckadora
Über sich:
Hallo! Ich bin Lehrer an einem Gymnasium und unterrichte die Fächer Deutsch, Englisch und Religion. ...
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Einleitung: Die Idee das Leben des großen Reformators Martin Luther zu verfilmen, hat zugegeben etwas Interessantes. Zwar verlangt die Allgemeinbildung eigentlich, dass man Einiges über dessen Leben weiß, doch es kann trotzdem ganz unterhaltsam sein, sich diese Verfilmung einmal anzusehen. Doch lohnt sie sich wirklich? Story: Kurz gesagt haben wir es mit einer chronologischen Erzählung des Lebens von Martin Luther zu tun. Der Film startet im Jahre 1507 mit der Weihe Luthers zum Priester, wobei er an seiner ersten Messe scheitert, sein Vater (der ihn viel lieber sein Jura-Studium beenden hätte sehen) abreist und Luther sich schwere Selbstvorwürfe macht. Daraufhin sendet der Orden Luther 1508 nach Rom, wo er ein ausschweifendes Leben der Bevölkerung und vor allem auch der Geistlichkeit miterleben muss. Alles kann gekauft werden: Von der Liebe bis hin zur Verkürzung der Zeit, die Verwandte im Fegefeuer verbringen müssen. Angewidert kehrt Luther in seinen Orden zurück und wird daraufhin zur Promotion zum Doktor der Theologie nach Wittenberg geschickt. Doch Luther beginnt auch mit seinen 95 Thesen, die er an die Schlosskirche heftet, gegen den Ablasshandel der katholischen Kirche zu wettern und wird daraufhin vom Papst verdammt, da er sich weigert seine Lehren zu widerrufen. Der Bauernaufstand tötet 100 000 Menschen im Namen der Reformation, aber gegen den Willen Luthers und er heiratet die ehemalige Nonne Katharina von Bora.
Kritik: Es ist ja eine nette Idee, das Leben des Reformators Martin Luther mal ins Kino zu bringen. Und man kann zweifellos sagen, dass die 105 Minuten durchaus aufregend und keineswegs langweilig sind. Die Schauspieler machen durchweg einen guten Eindruck, wobei vor allem Sir Peter Ustinov in seiner Rolle als Kurfürst von Sachsen brilliert. Enttäuschend dagegen Uwe Ochsenknecht, der als Papst Leo eine völlige Fehlbesetzung darstellt und zwar bemüht, aber keineswegs erfolgreich versucht seine Rolle auszufüllen. Auch die Regie enttäuscht. Die Mischung aus hektischen und wieder ruhigen Passagen sind zwar durchaus nett anzusehen, aber teilweise wird übertrieben inszeniert. Es muss nicht unbedingt nötigt sein, eine Szene wie die päpstliche Jagd auf einen wild gewordenen Eber zu zeigen und diese auch noch äußerst hektisch zu präsentieren. Weiterhin wirkt es teilweise übertrieben, wie die Kamera zur Ehrerbietung für die Figur Luthers eingesetzt wird. Musikalisch wird der Film immer passend, aber leider nicht sehr wirkungsvoll untermalt. Zwar können die Choräle durchaus in die richtige Stimmung versetzen, doch Spannung wird damit nicht erzeugt. Weiterhin enttäuscht auch die unnötige Verfälschung historischer Fakten. Wieso muss man es so darstellen, als sei der Bauernaufstand durch einen Universitätsprofessor ausgelöst werden? Dies entspricht keineswegs der Wahrheit und kann doch eigentlich auch nicht im Sinne des Filmteams sein, oder? Ein weiteres Ärgernis ist die unnötige Verherrlichung Luthers und die damit einhergehende Verurteilung der katholischen Kirche. Es mag korrekt sein, dass die katholische Kirche gerade (aber nicht nur) in dieser Zeit viele Fehler gemacht hat, doch diese werden übertrieben negativ dargestellt, da man bei Luther auf der anderen Seite keinen Fehl und Tadel finden kann. Selbst wenn die Darstellung der katholischen Kirche der Realität entsprechen sollte (was ich nicht beurteilen kann), ist dies noch kein Grund Luther als den einzig wahren Erlöser zu präsentieren. Möglicherweise (und ich bitte diese Einschränkung zu beachten, denn dies ist meine Meinung und ich will damit keine Urteile fällen) mag es das Ziel gewesen sein, mit diesem Film einige Menschen vom Glauben zu überzeugen (denn schließlich hat die evangelische Kirche den Film maßgeblich finanziert), doch muss dies auf diese Weise geschehen? Fazit: Insgesamt ein dank Sir Peter Ustinov akzeptabler Film, der leider in großen Teilen schwächelt. Eine gute Idee ist leider sehr einseitig umgesetzt worden, doch wer über die übertrieben positive Darstellung der Hauptfigur hinwegsehen kann (wozu ich nicht gehöre), der kann durchaus ganz gut unterhalten werden. Für mich dennoch nur ein schwaches ausreichend.
P.S.: Ich bitte zu beachten, dass dieser Text meine Meinung wiedergibt und dementsprechend keine allgemein gültigen Aussagen machen kann. Ich möchte mit dieser Kritik niemandem etwas unterstellen, falls das so aufgefasst werden sollte.
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11.11.2003 18:50
Der Bericht hat sicher viel Mühe gemacht sehr gut.
11.11.2003 11:10
Uwe Ochsenknecht als Papst? Das kann ja nur schief gehen. Werde mir den Film jedenfalls nicht ansehen, aber das Lesen deines Berichts hat sich gelohnt. viele grüße
11.11.2003 11:05
Uwe Ochsenknecht als Papst *lol*