Luther - aber nicht so richtig historisch
29.11.2003
Pro:
schöne Bilder an den Originalschauplätzen
Kontra:
nicht so recht historisch, einige Fehlbesetzungen
Empfehlenswert:
Ja
 der_partner
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"Man darf Menschen nicht nach dem beurteilen, was sie nicht
wissen, sondern nach dem, was sie ...
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Vorbemerkung:
Jedermann kennt ihn. Man weiß, dass er 1517 an das Portal der Schlosskirche zu Wittenberg seine Streitschrift, die 95 Thesen - angeschlagen hat, dass er damit die wohl größte revolutionäre Bewegung ausgelöst hat und eigentlich zumindest darüber nicht besonders glücklich war. Über den Ablass wollte er streiten, nicht die Kirche entzweien, sich mit dem Papst anlegen. Nein, soweit war er nun wirklich nicht, er der kleine Mönch, der eigentlich Rechtsgelehrter werden sollte und wollte, aber durch Wind und Wetter, Blitz und Donner und aufgrund seines eigenen Aberglaubens doch in ein Kloster eintrat, mit Gott und dem Teufel kämpfte.
Erfurt war die erste Station, dann Wittenberg und zwischendurch ein Besuch in Rom, der heiligen Stadt, die für ihn nicht heilig war, sondern der Sündenpfuhl schlechthin. Es ist schon ein Kreuz mit den eigenen Idealen, wenn man sie da, wo man sie erwartet aufzufinden, sie nicht finden kann, sondern das Gegenteil, Sodom und Gomorrha, käufliche Liebe bis hin in die obersten Kirchenämter, Armut und Leid und überall der Ablasshandel, der das fürstlich-päpstliche Leben bezahlen soll und möglichst noch mehr. Dieser uns nun hinlänglich bekannte Luther wird uns nun in einem Film vorgestellt und er ist erst einmal ganz anders als unsere Vorstellung von ihm. Nicht dick und wohlgenährt, sondern dünn und abgemagert, nicht der Wissende, sondern der Zweifler, der Kämpfer mit sich und der Umwelt, der Versager zunächst bei der ersten Messe - auch vor seinem enttäuschten Vater - der Retter später, als er sich gegen mordende und plündernde Eiferer stellt und sie verjagt und der dann nicht nur Gott liebende, sondern auch die Frau fürs Leben, Katharina von Bora, und weil fleischliche Liebe nicht immer ohne Konsequenzen bleibt, dann auch noch seine Kinder.
zum Inhalt: Der Film umfasst den Zeitraum von seiner "göttlichen Rettung" vor dem Gewitter und der damit verbundenen Ein- und Absicht in ein Kloster zu gehen, dem Aufenthalt im Augustinerkloster in Erfurt, woo er studiert und seine ersten Sporen als Lehrer verdient, seinem Aufenthalt in Rom und die damit verbundene Enttäuschung.
Er wird nach Wittenberg geschickt, fortgeschickt auch, weil er seine Mitbrüder krank macht mit seiner über- und unmenschlichen inneren Auseinandersetzung mit dem Teufel und mit Gott, dem er nicht gerecht zu werden scheint. In Wittenberg wird er schnell der beliebte Professor, weil seine Vorlesungen anders sind, kritischer, humorvoller auch - das bringt Freunde aber auch Feinde. Nach dem Anschlag seiner Thesen muss er nach Worms vor den Reichstag, er verteidigt sich mit dem Hinweis auf die heilige Schrift und hat - und dies rettet ihn wohl vor dem Scheiterhaufen - Unterstützung in weltlichen Fürstenkreisen, die auch unzufrieden sind mit dem "spanischen Kaiser" und dem römischen Papst, und hier Chancen sehen, sich selbst zu stärken und auch zu bereichern an der Kirche Güter. So bekommt Luther freies Geleit, wird gekiddnept, kommt auf die Wartburg, übersetzt einen Teil der Bibel, hält es dann dort nicht mehr aus, geht nach Wittenberg, rettet einige Menschen und die Schlosskirche, lernt seine zukünftige Frau kennen, heiratet und lässt es sich gut gehen unter dem Schutz seines Fürsten.
Wie gesagt, irgendwie kennt man dies schon - aus der Schule sowieso. zum Film:
Es sind opulente Bilder. Es sind schöne Ansichten besonders die aus Thüringen - gedreht an den Originalschauplätzen - ja, das Augustinerkloster gibt es noch in Erfurt und die Wartburg ist schön wie eh. Schnelle Schnitte zum Teil halten die Handlung auf Trapp, fordern den Zuschauer dabei zu bleiben. Längen gibt es auch. Etwa bei den Verhören oder den Verhandlungen vor dem Reichstag, auch sind die inneren Auseinandersetzungen, die Luther ausficht, anstrengend. zu den Darstellern:
Joseph Fiennes spielt den Luther gut. Er zeigt die Zerrissenheit dieser Person, seinen inneren Kampf und seine Standhaftigkeit in den Auseinandersetzungen mit Gott und der Welt. Er ist ein lieber, wenn es um seine Schutzbefohlenen geht oder Freunde oder Kinder. Das glaubt man ihm, folgt ihm gern, kann ihn mögen. Aber letztendlich ist es ein zu glatter Luther, ein zu schöner, ein zu feiner, einer mit zuwenig Ecken und Kanten, die den echten ausgezeichnet haben sollen. Alfred Molina als Tetzel ist der wahre Verführer in Person. Das ist Suggestion, Verführung und beste Propaganda in einem. Da stimmt das Bild nach außen, wenn er die Gläubigen mit allen Tricks - besonders als er seine Hand ins Feuer hält - zum Kauf der Ablassbriefe überzeugt, und es stimmt auch nach innen, wenn er seine Vorführungen vorbereitet, wenn er glücklich seine ersammelten Gelder vorweisen kann und die Bestürzung, dass seine Kraft zurückgeht wegen Luther, da sieht man die Angst seiner Berufung nicht mehr nachgehen zu können und den Hass auf Luther. Glänzend besetzt.
Zu nennen wären noch Mathieu Carrière und Jonathan Firth als Cajetan und Aleander, dieses Paar als konsequente Gegenspieler Luthers, da sieht man den Kampf, die innere Zerstörung, die Auseinandersetzung, die selbstzerstörerisch sich auswirkt. Eigentlich keines geschriebenen Wortes Wert ist Uwe Ochsenknecht als Papst Leo X. Selten gibt es aus meiner Sicht so eine Fehlbesetzung zu vermelden. Da stimmt überhaupt nichts - das ist kein Papst, das ist maximal Uwe Ochsenknecht in einem anderen Anzug.
Und "Balko" Jochen Horst als Karlstadt ist letztendlich doch wieder nur ein kleiner "Balko" zumindest am Ende seines Auftrittes, da kann er es wieder Hauen und Stechen lassen. Nun gut oder auch nicht. Es gibt aber auch den richtigen Höhepunkt - Sir Peter Ustinow als Fürst Friedrich der Weise. Ja, leider sieht man schon die Spuren des Alters. Meistens sitzt er im Film, aber sein Witz, seine sprühenden Augen, sein Lächeln - dies ist immer noch der junge Ustinow, wie man ihn als Hercule Poirot kennt. Jede Szene mit ihm ist ein wahrer Höhepunkt, des sonst an Höhepunkten nicht eben reichen Filmes.
So ist dieser Film ein Film zur Unterhaltung mit einem Griff in die Historienkiste, in Anlehnung an ein Leben eines Deutschen, der positiv in die Weltgeschichte eingegangen ist. Nachbemerkung:
Es ist ein Historienfilm aber kein historischer Film. Man lernt einen etwas geglätteten Menschen kennen, der Züge einer historischen Persönlichkeit trägt aber sie nicht selbst ist. Heute weiß man, dass sowohl seine Entscheidung Mönch zu werden wie auch das Anschlagen der Thesen an das Portal wohl so nicht gewesen sind, obwohl es sich natürlich gut macht bei der Bildung von Legenden. Auch fand der Bauernkrieg erst Jahre später statt und nicht wie im Film parallel zu Luthers Aufenhalt auf der Wartburg. Wenig oder gar nichts ist zu hören und sehen von Luthers Haltung gegenüber den Bauern und den Fürsten, auch nichts von seiner nicht sehr positiven Haltung gegenüber den Juden.
Begründet könnte dies wohl in der Unterstützung der Finanzierung des Filmes durch bestimmte evangelische Kreise sein - aber da will ich nicht weiter nachforschen. So, lieber Leser, mit diesem nicht ganz zufriedenen Eindruck grüßt freundlich
(c) der_partner
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13.01.2007 02:37
ein wichtiger punkt, das teilw. historische zeitpunkt verschoben oder gleichzeitig abliefen im film
25.03.2004 15:30
war auch in dem film, fand ihn ok, aber eben nicht so toll.....und kann auch verstehen, dass z.B. die katholische JKirche etwas gegen den Film hat!
29.02.2004 21:47
auch wenn nicht historisch der film ist wahnsinnig gut und mitreissend