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Mitteldeutsches Fernsehen

3  07.09.2000

Pro:
Lokalkolorit

Kontra:
Ostalgie mit Anklängen an alte Zeiten

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Programmdesign:

Programmstruktur:

Platzierung von Werbung:

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James II.

Über sich: Ciao macht mir großen Spaß und ich mache mit, soweit die Zeit es zuläßt. Ich habe viel mit DV zu tun...

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 15 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Ja, ich gebe zu, daß ich sehr froh darüber war, als der MDR (Mitteldeutscher Rundfunk) nach dem Ende des SED - Staates neu gegründet wurde. Ja, richtig, er wurde neu gegründet. Es gab ihn nämlich schon einmal im Deutschland der Weimarer Republik. Leute wie ich hatten nach Jahrzehnten "DDR"-Rundfunk und -Fernsehen die Nase gestrichen voll
davon und wollten endlich etwas anderes, als das tagtägliche Gesülze über Planübererfüllungen und die Tagesberichte
vom Tun der SED-Bonzen usw. Was dann kam, dazu unten mehr.

Viele junge Leute von heute werden zunächst ein Problem mit dem Namen haben. MDR bedeutet "Mitteldeutscher
Rundfunk". Das ist ein Begriff aus den 20'er Jahren, als Deutschland nicht an Oder und Neiße aufhörte.Auch Pommern,
Ost- und Westpreußen sowie Schlesien waren Deutschland, Ostdeutschland nämlich. Heute wird in der öffentlichen
Meinung Mitteldeutschland als Ostdeutschland verkauft, nachdem die Kohlregierung das richtige Ostdeutschland am
Anfang der 90'er Jahre gegen ein Butterbrot an Polen bzw. Rußland (Königsberg) überantwortet hatte. Was bekam man
dafür? Bis zum heutigen Tage darf man an den "Grenzen" dieses Polenstaates Pässe vorlegen und muß zum Teil
immernoch über Gebühr lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Dieses künftige EU-Land hat sich auch noch keineswegs
vom stalinistischen Unrecht der 50'er Jahre distanziert, die in der Vertreibung von Millionen Deutschen (die nicht mehr und nicht weniger verantwortlich waren für die Untaten Hitlers als andere) ihren ungeahnten Höhepunkt erreichten. Das alles
kenne ich aus der eigenen Familie, das hat nichts mit rechter Einstellung zu tun. Meine Mutter wurde mit allen anderen
Bewohnern 1947 wie Vieh aus ihrer Heimat Schlesien davongejagt und das gegen jedes primitivste Menschenrecht!

Aus den geschilderten Gründen war ich also froh über die Neugründung des "Mitteldeutschen Rundfunks". Denn dort,
wo er herkommt, ist auch für mich bis zum heutigen Tage Mitteldeutschland. Und Ostdeutschland ist weiterhin Schlesien, Pommern und Ost- bzw. Westpreußen bis einmal ein Friedensvertrag mit Deutschland und Polen sowie Rußland etwas neues bestimmt, aber nicht ohne das Unrecht zu sühnen, was die Vertreiberstaaten (Polen und Rußland) damals auf sich geladen haben, achja die Tschechei mit ihren Benes-Dekreten (bist du Deutscher so bist du
vogelfrei und kannst am nächsten Baum aufgehängt oder mit einer Axt umgelegt werden) gehört natürlich in dieselbe
Reihe. Solange sowas nicht vom Tisch ist, sollten mit solchen Staaten keinerlei Abmachungen getroffen werden!

Nun aber mal noch mehr zu den Programminhalten des MDR. Ja, die Kritik, bei vielen Community-Mitgliedern von ciao
hat ihre Berechtigung. Auch ich fühle mich, wenn ich dieses Programm sehe, oft erinnert an die unseeligen "DDR" -
Zeiten. Das beginnt schon mit der Hauptnachrichtensendung am Abend. Pünktlich 19:30 Uhr meldet sich mdr-aktuell.
Damals begann zu derselben Zeit die "Aktuelle Kamera", die Hauptlügensendung des SBZ-Fernsehens neben dem
"Schwarzen Kanal" des Herrn von Schnitzler. Ein Zufall kann das eigentlich nicht sein! Ist man sich beim mdr eigentlich bewußt, welche Kontinuität man da gewählt hat? Natürlich wird in mdr-aktuell heute nicht mehr gelogen wie
damals, aber wäre es nicht besser gewesen, eine solche Kontinuität zu vermeiden? Ich denke ja.

Die alten "DDR"-Filmchen sind ebenfalls sehr überproportional im Programm vertreten, was ich nicht gut finde. Auch
bei manchen Textbeiträgen im Lokalkolorit schimmert immer wieder diese sogenannte "Ostalgie" durch. Das ist der
Boden, auf dem die alte SED-PDS leider immernoch gedeihen kann. Gerade hier müßte der mdr viel mehr Verantwortung für eine demokratische Orientierung in den neuen Bundesländern zeigen.

Das neue Sendezentrum des mdr liegt auf Leipzigs altem Schlachthofgelände im Süden der Stadt. Naja, ich finde es auch etwas zu protzig und pompös. Im Angesicht der Gelder, die auch dazu durch die GEZ eingetrieben werden, hätte dem
ganzen Neubau wohl etwas mehr Bescheidenheit angestanden!

Also, nun zum Fazit: Den Namen finde ich gut, aber das Programm ist viel zu stark auf rückwärts ausgerichtet, das müßte komplett verbessert werden, denn wir leben - zum Glück - nicht mehr in der "DDR" und diese kommt auch - Gott sei Dank - nie wieder!
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
James II.

James II.

17.02.2001 05:29

Der sogenannte "Deutsche Fernsehfunk" hieß zwischenzeitlich viele Jahre "DDR-Fernsehen" und war nichts als der verlängerte Arm der SED. Das ist meine Lebenserfahrung. Die kritischere Berichterstattung wurde diesem Programm am Ende seiner Existenz von den Menschen aufgezwungen, die zu Zehntausenden auf den Straßen gegen den verbrecherischen Kommunismus demonstrierten, dieser Sender hat nicht freiwillig zu kritischen Berichten gefunden! Mein Bericht enthält keine Beleidigten-Besiegten-Mentalität, das ist Quatsch! Inhaltliche Auseinandersetzung enthält der Bericht sehr wohl! Außerdem begebe ich mich nicht auf das Niveau von Leuten, deren "Fähigkeit" darin besteht, weniger nützlich oder nutzlos ungerechtfertigt zu verteilen!

James II.

James II.

21.09.2000 01:35

Nein, ich will das alte Zeug ja gar nicht ausradieren! Meine Meinung ist aber, daß der MDR dieses Alte viel zu sehr betont und überproportional darstellt. Das ist nicht gut, weil es die Leute in eine Nische der "Ostalgie" versetzt. Hinterher wirkt sowieso vieles dann immer total verklärt und besser als es war. Zu meiner Erinnerung an die "DDR" oder besser gesagt die SBZ gehören neben Knusperflocken und Spreewälder Gurken vor allem (und das finde ich wichtiger) die Stasi, die Unfreiheit, das tagtägliche Mangelangebot und die tagtäglichen Lügengeschichten über die Medien (angebliche Planübererfüllungen wo jeder wußte, daß die Wirtschaft nahe am Bankrott entlang stolperte)!

Spatz-Amiro

Spatz-Amiro

20.09.2000 13:34

Ich persönlich mag die DDR Filme. Ja und das hat ein wenig mit Ostalgie zu tun. Ich hab zwar nur 10 Jahre mitgekriegt von der DDR. Doch ich fand nicht alles schlecht, was es damals gab. Ich steh zum Beispiel auch im Laden und freu mich wie ein kleines Kind, wenn ich wieder Knusperflocken oder die kandierten roten Erdnüsse finde. Ja ich mag das DDR Zeug. Und ich finde die Forderung, es nicht mehr zu zeigen übertrieben. Es gehört nun mal zu der Geschichte der Leute, die im Osten leben. Wieso willst du das ausradieren??

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  1. patricX
  2. Titus13
  3. nick_sgh
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  1. andreas305

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