MINI MAG-LITE AA (Mignonzellen)

Erfahrungsbericht über

MINI MAG-LITE AA (Mignonzellen)

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Minimag: Robustes Gehäuse und Schwarzes Loch

4  23.03.2005

Pro:
Stabil, hell, viel Zubehör, auf LED umrüstbar

Kontra:
Ungleichmäßiger Strahl, schwarzes Loch bei Flutlicht

Empfehlenswert: Ja 

Joshx

Über sich:

Mitglied seit:02.08.2002

Erfahrungsberichte:13

Vertrauende:4

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 24 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Sie ist die kleine Schwester der großen, berühmten, unverwüstlichen Maglites. Aber sie kommt in einem leichten, schlanken, handlichen Gehäuse. Dazu ein Holster. Und zwei Mignon-Zellen. Alles in einer dieser Blisterpackungen, die scheinbar von jemandem erfunden wurden, der Angst hatte, man könnte sie öffnen wollen. Aufschrift: „Mini Maglite AA“.

Als die Packung dann endlich doch offen war, ging alles ganz schnell. Verschlußkappe am Ende auf, die beiden Batterien rein, Verschlußkappe wieder zu. Dann den Schalter gesucht. Keiner da. Also ist es eine dieser Taschenlampen, die durch einen Dreh am Kopf ein- und ausgeschaltet wird. So drehte ich kurzerhand den Kopf – nichts bewegte sich. Ich hatte, wie ich sogleich bemerkte, falsch herum gedreht. Andere derartige Lampen werden durch einen Dreh im Uhrzeigersinn ein- und umgekehrt ausgeschaltet. So ist der Kopf immer etwas lose, wenn die Lampe aus ist, aber fest, wenn sie an ist. Bei der Minimag ist es umgekehrt. Gegen den Uhrzeigersinn festgedreht ist sie aus. Im Uhrzeigersinn gelöst ist sie an. Und kann dann durch weiteres Drehen fokussiert werden. Hut ab! Das ist durchdacht und genial konstruiert.

Das Licht war unerwartet hell. Das hatte ich dem kleinen Ding nicht zugetraut. Laut Beschreibung ist es – anders als bei den größeren Modellen – eine Halogenbirnchen, das in der Minimag die Arbeit tut. Ich machte das „große Licht“ aus und richtete den Strahl der Minimag auf die Wand. Um eine sehr helle, unregelmäßig geformte Mitte – augenscheinlich eine Projektion des Glühfadens – formte sich ein Lichtkreis aus schwächeren, ebenso unregelmäßig geformten und unregelmäßig angeordneten hellen und dunklen Schlieren und Flecken. DAS also ist die weltberühmte Minimag? Der Marktführer? Enttäuscht drehte ich den Kopf der Lampe weiter gegen den Uhrzeigersinn. Der enge Strahl weitete sich, das Abbild des Glühfadens verdrehte sich in sich selbst und verschwand dann – in einem immer größer werdenden schwarzen Loch. Rundherum ein wachsender Ring aus hellen und dunklen Schlieren. Nun hatte ich also einen weit streuenden Strahl, aber in der Mitte war praktisch kein Licht.

Was soll das? Hat der Weltmarktführer, der ultimative Maßstab, an dem sich alle anderen Fabrikate messen müssen, nicht mehr drauf? Ruhen sich die Mag Instruments-Ingenieure auf ihren eigenen Lorbeeren aus? Haben sie es nicht drauf, bessere Reflektoren für gleichmäßigere Lichtverteilung zu konstruieren? Sicher, das Gehäuse ist solide und für die Ewigkeit gebaut, die Konstruktion vor allem des Lampenkopfes durchdacht, die Größe endlich ideal. Daß sich der Kopf abschrauben und – unten aufgesteckt – als Standfuß benutzen läßt, der die Minimag zu einer diffus leuchtenden Kerze macht, ist eine geniale Idee. Daß es eine Ersatzbirne in der Verschlußkappe gibt, ist wohl einzigartig. Nur ihr Reflektor kann nicht gegen den eines beliebigen Billig-Hellmachers bestehen. Warum tut Mag Instruments an dieser entscheidenden Stelle nichts? Heutzutage lassen sich doch Reflektoren computerberechnen und computergesteuert fertigen. Hat Mag Instruments das nicht nötig? Sehen sie ungerührt zu, wie andere Hersteller sie in dieser Hinsicht links und rechts überholen? Für mich bleibt das ein Rätsel und drückt massiv auf die Bewertung.

Andererseits muß ich Mag Instruments zugute halten, daß ihre Lampen fokussierbar sind. Andere, nicht fokussierbare Taschenlampen haben entweder einen stark gebündelten Strahl – und können damit Objekte in größerer Entfernung erhellen, sind aber für die Orientierung in der unmittelbaren Nähe wegen des zu kleinen (und vielleicht zu hellen) Lichtflecks unbrauchbar. Man hat damit schlicht einen „Tunnelblick“. Andere haben einen breit fächernden Strahl, so daß sie für die Orientierung in einem Raum geeignet sind, aber nicht weit reichen. Viele gute Fabrikate versuchen einen Kompromiß zu schaffen, indem sie um eine intensiv helle Mitte herum einen größeren, schwächeren Kreis Streulicht werfen. Damit können sie weit leuchten, eigenen sich aber auch für die Orientierung im nahen Umfeld. Ihr Nachteil: Beim Weitleuchten geht das Streulicht ungenutzt verloren. Solche Lampen reichen bei gleicher Lichtleistung also weniger weit als eine fokussierbare Lampe. Mag Instruments versucht mit der Fokussiermöglichkeit universell nutzbare Lampen herzustellen, die in jeder Situation maximale Lichtleistung bringen. Ich war bei nächtlichen Leuchtversuchen in der Tat überrascht, wie weit die eng fokussierte Minimag zumindest mit ganz frischen Batterien reicht. Der Preis dafür ist eben nur jenes unselige Schwarze Loch in der Streustellung.

Warum ich dieses Manko so überaus wichtig finde? Nun, das menschliche Auge sieht genau in der Mitte des Sehfeldes am schärfsten. Das ist der Punkt, den wir beim Lesen über die Zeilen wandern lassen. Um diese Mitte herum befindet sich ein großer Bereich, der nicht dem Detailsehen, sondern der Orientierung dient. Lampen zum ausschließlichen Weitleuchten bedienen mit ihrem schmalem Strahl nicht diesen Orientierungsbereich, sondern vermitteln eben jenen „Tunnelblick“. Die Kompromißlampen mit der hellen Mitte und dem schwächeren Streukreis entsprechen dafür exakt der Weise, wie das Auge sieht. Die Maglites mit ihrem Schwarzen Loch in der Mitte konterkarieren hingegen regelrecht das menschliche Sehen.

Warum ich die Minimag dennoch nicht so schlecht bewerte? Ihre weite Verbreitung und ihre ansonsten durchdachte und stabile Konstruktion macht sie zu einer idealen Basis für Verbesserungen. Ich denke konkret an die Umrüstung auf LEDs. Für keine andere Lampe gibt es so viele LED-Umrüstsätze wie für die Minimag. LEDs (licht-emittierende Dioden, Leuchtdioden) erzeugen Licht nicht durch die Hitze eines Glühfadens, sondern durch quantenphysikalische Effekte in einem Halbleiterkristall. Es gibt in LEDs also keinen dünnen, spröden Glühfaden, der bei einem Aufprall der Taschenlampe auf dem harten Boden zerbricht (auch der der Ersatzbirne tut es dann wahrscheinlich), sondern nur einen soliden Halbleiter-Chip, der das Licht erzeugt.

LEDs haben sich innerhalb der letzten Jahre von kleinen, schwachen Anzeigelämpchen in Stereoanlagen, Fernsehern und Videorecordern zu ernstzunehmenden Konkurrenten für die herkömmliche Glühlampe gemausert. Speziell eine Firma, LumiLeds im kalifornischen Silicon Valley, hat es sich auf die Fahne geschrieben, die Leistungen von LEDs drastisch zu steigern. Dabei hat sie eine völlig neue Bauform entwickelt, die unter dem Namen Luxeon bekanntgeworden ist. Während die Leistung herkömmlicher Standard-LEDs in Milliwatt gemessen wird, sind Luxeon-LEDs mit Leistungen von erstaunlichen 1 bis derzeit 5 Watt um viele Größenordnungen heller. Obwohl sie das Licht nicht durch Wärme erzeugen, entsteht bei Strömen dieser Größenordnung in den winzigen LED-Chips unweigerlich eine Menge Wärme, die während des Betriebes abgeleitet werden muß, um Schädigungen der LED zu verhindern. Deswegen können sie nur in Lampen aus wärmeleitendem Material betrieben werden. Da bietet sich das Aluminiumgehäuse der Minimag geradezu ideal an.

Angesichts des enttäuschenden Lichtstrahls der Minimag hatte ich mich also kurz entschlossen an die Umrüstung auf LED-Licht gemacht. Ob der Lichtstrahl besser würde, wußte ich nicht, aber zumindest würde er deutlich heller werden, denn LEDs haben einen höheren Wirkungsgrad als Glühlampen – machen also aus dem gleichen Strom mehr Licht. Meine Wahl fiel auf den Umrüstsatz MiniStar2 der Firma TerraLUX – der hellste, wie es heißt. Er enthält eine 1-Watt-Luxeon-LED – und damit so ziemlich das Maximum, das bei den beiden kleinen Batterien möglich ist.

Der MiniStar2-Umrüstsatz kommt in einer kleinen Box, die neben dem LED-Modul auch einen Reflektor enthält. Das LED-Modul hat Form und Größe einer etwas zu dick geratenen Münze, Durchmesser entsprechend dem Durchmesser des Lampenschafts. Unten dran zwei Anschlußdrähte, wie bei den entsprechenden Birnchen. Oben drauf sitzt die LED, und zwar eine Sonderform, die wie ein Trichter aussieht. Durch diese Konstruktion strahlt sie den überwiegenden Teil ihres Lichts zur Seite – direkt in den Reflektor. Durch die aufgesteckte „Münze“ hat natürlich der „serienmäßige“ Reflektor nicht mehr genug Platz im Lampenkopf. Deshalb wird ein kürzerer, flacherer Reflektor mitgeliefert. Die Umrüstung besteht also aus zwei Schritten: Erstens den Kopf abschrauben und vorn öffnen, den alten Reflektor herausnehmen und den neuen hineinlegen (aber ohne Fingerabdrücke auf der versilberten Fläche – die kriegt man sonst kaum noch weg). Und zweitens die Glühbirne herausziehen und die LED-„Münze“ aufsetzen. Leuchtet sie nicht, dann ist sie falsch gepolt und muß um 180 Grad gedreht werden. Und am Ende den Kopf wieder aufschrauben.

Das Ergebnis ist frappierend. Satte 25 Lumen extrem weißen Lichts schießen aus der klienen Maglite. Da der leuchtende Chip in der Luxeon-LED – anders als ein dünner Glühfaden – eine kleine Leuchtfläche darstellt, verteilt sich das Licht im Reflektor weicher. Folge: Die unangenehmen hellen und dunklen Schlieren treten nicht mehr so stark in Erscheinung. Der Lichtstrahl ist gleichmäßiger. Er läßt sich zwar nicht mehr so stark bündeln (reicht also trotz seiner größeren Helligkeit nicht so weit), bekommt aber auch nicht mehr das ausgeprägte Schwarze Loch. Dennoch bleibt er – im Gegensatz zu vielen anderen LED-Umrüstsätzen – in gewissen Grenzen fokussierbar. Die Batterien halten zudem um Stunden länger. Weiterer Vorteil: Die LED hält lebenslang und ist so robust, daß sie praktisch die letzte Birne ist, die man für diese Maglite gekauft hat. Keine Angst mehr vor Stürzen auf den harten Boden. Die so umgerüstete Maglite ist garantiert betriebsbereit, wenn man sie braucht. Dazu kommt ihre angenehme Größe. Echte LED-Taschenlampen sind meist ziemlich lange Geschosse, weil sie drei Batterien für die nötigen 4,5 Volt brauchen. Die Maglite ist angenehm klein und handlich.

Die „Münze“ ist übrigens nicht nur Kühlkörper, sondern enthält auch eine raffinierte Elektronik. Da weiße LEDs mit 4,5 Volt betrieben werden müssen, die beiden Batterien der Minimag aber nur 3 Volt hergeben, muß die Spannung elektronisch heraufgesetzt werden. Das funktioniert auch noch bei nachlassenden Batterien, so daß die LED auch dann noch lange Zeit ihre Helligkeit behält. Erst wenn die Batterien fast erschöpft sind, fällt die Helligkeit der LED rapide ab und leuchtet dann noch eine zeitlang schwächer weiter – der Hersteller nennt das „Moon“-Modus. Eindeutiges Signal zum Batteriewechsel, und noch ausreichend Licht, die Ersatzbatterien im Dunkeln zu finden.

Mir ist die so umgerüstete Maglite sofort ans Herz gewachsen. So sehr, daß ich sie recht bald an jemanden verschenkt habe, dem ich wirklich Gutes gönne. Ich überlege mir immer mal wieder, mir dieses Set nochmals besorgen, aber da ich inzwischen bereits andere Luxeon-LED-Taschenlampen besitze, ringe ich mich immer wieder zu einem Verzicht durch.

Dieser Erfahrungsbericht bezieht sich nun eigentlich auf zwei Produkte. Bewerten kann ich aber nur eines – die Maglite. Ihr großer Minuspunkt allerdings kann durch den MiniStar2-Umrüstsatz nicht nur kompensiert werden – sondern obendrein wird noch die ganze Lampe stark aufgewertet. Das fließt in meine Bewertung ein – allerdings nicht ohne den Hinweis, daß für den Umrüstsatz nochmals mehr als dasselbe Geld fällig wird wie für die Minimag selbst. Doch damit ist aus der Minimag dann ein für alle Mal eine beeindruckende und zuverlässige „Supermag“ geworden. Und die Ersatzbirne in der Verschlußkappe? Kann getrost drin bleiben und vielleicht irgendwann einem anderen Minimag-Besitzer großzügig geschenkt werden, wenn er gerade dringend eine braucht. ;-)

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Nach dem Erfahrungsbericht hier für Interessierte noch ein paar Daten: Die Minimag AA (nicht zu verwechseln mit der kleineren und leichteren Minimag AAA) ist knapp 15 Zentimeter lang und wiegt mit Batterien gut 100 Gramm. Die Leuchtdauer der original Minimag wird mit 7,5 Stunden angegeben, in der Praxis sollte man eher mit 5 Stunden rechnen. Und damit, daß die Helligkeit bereits nach einer Stunde auf die Hälfte gefallen ist und natürlich auch danach kontinuierlich weiter abfällt. Trübe funzelnde Maglites sind denn auch ein vertrauter Anblick. Das liegt aber nicht an den Lampen selbst, sondern schlicht an den Batterien.

Umgerüstet auf die MiniStar2-LED, kann man laut Anbieter TerraLUX mit sieben Stunden hellem Licht rechnen, bevor die LED in den „Moon“-Modus schaltet. In der Praxis dürfte der Wert allerdings wohl ebenfalls eher bei 5 bis 6 Stunden liegen, und die Helligkeit dürfte bis dahin auch etwas gefallen sein, auf schätzungsweise zwei Drittel. Damit produziert die genügsame LED also eine ganze Menge mehr Licht, das allerdings mit fast 25 Euro zusätzlich zu Buche schlägt.

Die Minimag AA selbst kostet weniger als 20 Euro. Es gibt sie auch in Kombipackungen mit anderen Maglites. Nicht zu empfehlen ist dabei allerdings, wie ich hörte, die kleine Solitaire fürs Schlüsselbund. Ihr Fitzelstrahl soll sich zu kaum mehr als zum Finden des Schlüssellochs eignen. Dafür gibt es hellere und leichtere Produkte, wie etwa das kleine, mit LED ausgerüstete Photon Micro Light.

(Gerade ist übrigens unter dem Namen MicroStar1 ein LED-Umrüstsatz mit einer 0,7-Watt-LED für die Minimag AAA herausgekommen. Das Teil produziert immerhin 20 Lumen Licht und soll auch in die Minimag AA passen. Der MiniStar2 produziert mit einer 1-Watt-LED 25 Lumen Licht.)


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