MTV Unplugged: Unter Dampf - ohne Strom

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MTV Unplugged: Unter Dampf - ohne Strom

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Erfahrungsbericht über "MTV Unplugged: Unter Dampf - ohne Strom"

veröffentlicht 14.12.2015 | Unity.Is.Intrinsic
Mitglied seit : 25.08.2015
Erfahrungsberichte : 38
Vertrauende : 20
Über sich :
Nichts für mich
Pro Nichts
Kontra Vor Pathos triefendes, seelenloses Kunstprodukt. Musik zum Davonlaufen.
sehr hilfreich
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:

"Geboren um zu quälen"

Hinweis: Hier geht es um das Album Unheilig - MTV Unplugged: Unter Dampf - Ohne Strom

Wir waren geboren, um zu leben

Bald, ja ganz bald ist es soweit: Das Projekt Unheilig ist Geschichte. Und ganz heilig rufe ich hinaus: Hurra!
Denn es gab kaum eine andere Musik, die mir in den vergangenen Jahren mehr auf meinen (Hör-)Nerven herumgetrampelt ist als das unglaublich pathetische Gedudel des Grafen. Damit ist bald Schluss....doch da eine einfache Auflösung zu einfach wäre, muss man diese natürlich vergolden. Man melkt die Kuh, solange sie Milch gibt. Und im Unheilig-Land gibt es spätestens seit dem riesigen Erfolg des fürchterlichen Geboren um zu leben jede Menge Milch, die gemolken werden wollte. Und um auch im Weihnachtsgeschäft noch den ein oder anderen Euro abzugreifen, muss es zum krönenden (??) Abschluss noch ein Unplugged-Album sein.

Ein einziges Martyrium


Unter Dampf - Ohne Strom ... so nennt es sich also, das Werk, mit dem Unheilig endgültig jede Erinnerungen an die "Neue deutsche Härte" zu Grabe trägt und ganz offen das präsentiert, was Unheilig in den letzten Jahren geworden ist: Vor Kitsch triefender, emotionsloser Schlager.

Man muss das, was man da musikalisch ertragen muss, gar nicht gesehen haben, um zu wissen, wie das Ganze optisch ausgesehen haben muss: Da stand der Graf ganz sicher mit geschlossenen Augen und sanft wedelnden, ausgebreiteten Armen auf der Bühne und hauchte der gebannt lauschenden Menge seine hohlen Kalenderblattweisheiten in die Gehörgänge.
Und nein: Es gibt hier nichts, rein gar nichts, was man positiv erwähnen kann. Ganz gleich, ob es sich bei den dargebotenen Stücken um neuere oder ältere Lieder handelt. Sie alle versinken hinter kitschigen Streichern, sanft angeschlagenen Akustikgitarren oder dem dezent im Hintergrund spielenden Piano im Meer der Belanglosigkeit.
Schon das erste Stück Unter deiner Flagge gerät derart überzuckert, dass selbst ein Profisportler augenblicklich zum Diabetiker wird. Wie kann das jemand allen Ernstes gut oder gar glaubwürdig finden?
Gar schlimmer wird es in So wie du warst ... ein Stück, das mir schon damals, als ich es zum ersten Mal gehört habe, Gänsehaut verursacht hatte ... weil es so ein grauenvolles Lied ist. In meiner naiven Art war ich davon ausgegangen, dass man einen solchen musikalischen Schmalzbrocken nicht noch schlimmer machen könnte. Doch da kenne ich den Grafen nicht! Denn der holt sich zu diesem Stück allen Ernstes Helene Fischer auf die Bühne, die über die immergleiche Kitschbrühe noch jede Menge Zuckerguss kippt. Das Ergebnis ist in seiner Ekelhaftigkeit kaum mehr zu überbieten ... schlicht, weil es so dermaßen blutleer und so kalkuliert klingt, dass man es als Hörer kaum glauben kann. Wenn Helene dann am Ende "Noch viel Spaß!" ins Mikro ruft, weiß man gar nicht, ob das eine Drohung oder ein ernstgemeinter Wunsch ist.

Ein wenig aus der Lethargie herausreißen kann den Hörer Eisenmann, bei dem der Graf von Mitgliedern von Saltatio Mortis und Schandmaul unterstützt wird. Diesen gelingt es mit spielerischer Leichtigkeit, mehr Inbrunst und Gefühl in ihre Gesangspassagen zu legen als der Hauptprotagonist.
Als letzten Gast hat sich der Graf Cassandra Steen eingeladen, die in Goldene Zeiten und Geboren um zu leben mit am Mikrofon steht. Auch sie kann den Liedern nicht mehr Leben einhauchen, im Gegenteil: durch ihre Beteiligung legt sich noch mehr Schmalz und Pathos auf die ohnehin kaum schon zu ertragenden Stücke.
Gen Ende vergreift sich Unheilig auch noch an Klassikern des deutschen Liedguts. Mit Für dich solls rote Rosen regnen singt sich der Graf selbst ins Wachkoma. Unglaublich, wie man einem solchen Stück derart die Seele stehlen kann. Unheiligs Variante klingt schlicht sterbenslangweilig.
Und wenn es danach endlich Zeit zu gehen heißt, ist wohl endgültig jeder Hörer selig eingeschlummert. Ein letztes Mal wird mit der Pathoskeule geschwungen, wird auf die Tränendrüse gedrückt. Alle sollen wissen: Jetzt müssen die Taschentücher aber nass werden, Freunde.

Es wäre müßig, hier detailliert auf jeden einzelnen Song dieses Machwerks einzugehen, denn: Sie alle folgen dem gleichen, bedeutungsschweren Muster. Früher waren MTV Unplugged-Konzerte dazu da, musikalisch neue Dinge auszuprobieren. Hier wird jede einzelne - im Original teilweise schon unerträglich schnarchige - Nummer dank Orchesterbombast zu einer komplett emotionsbefreiten, klinisch reinen Angelegenheit. Hier ist kein Platz für Spontaneität, kein Raum für Interpretationen. Hier ist ein Abschiedsalbum, Herrgott! Und da müssen die Streicher fiedeln ... ohne Unterlass, ohne Erbarmen.

Denkt man während des Hörens darüber nach, dass die Band ursprünglich in einem Atemzug mit Gruppen wie Rammstein genannt werden konnte, fällt das Fazit am Ende noch viel vernichtender aus. Aus dem, was anfangs vielleicht noch druckvoll, rockig und irgendwie interessant klang, wurde spätestens mit diesem Unplugged-Werk ein völlig seelenloses Kunstprodukt.
Dazu passt, dass auch keinerlei Interaktion mit dem Publikum stattfindet. Während der Stücke gibt es keine Zwischenrufe, keinen Applaus, keinerlei Reaktion von Seiten der Zuhörer (wahrscheinlich schliefen die alle). Nach den Stücken brandet Applaus auf - aber bitte auch nicht zu laut. Die Ansagen des Grafen klingen dementsprechend belanglos. Zumeist beschränkt es sich auf einfache Danke-Aussagen.

Fazit


Nö, das braucht wirklich kein Mensch. Unter Dampf - Ohne Strom hat in etwa so viel Dampf wie eine getrocknete Pusteblume. Langweilig, kitschig, seelenlos: So präsentiert der Graf mit seiner Band hier ein (hoffentlich) letztes Mal seine zu seichtem Schlager mutierten Schmachtfetzen.
Kaum eine musikalische Überraschung lässt sich ausmachen, keine echten Gefühlsausbrüche oder spontane Einlagen erlebt man während des Hörens. Stattdessen muss man mit ansehen, wie die Gastsängerinnen Cassandra Steen und Helene Fischer dem Niveaufass endgültig den Boden ausschlagen.

Daher bleibt zu hoffen, dass mit diesem "Werk" das Kapitel Unheilig endgültig geschlossen wird. Viel wahrscheinlicher sind aber weitere Best Of-Alben oder - in spätestens drei Jahren - das große Comeback. Mir schwant Übles!


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Community Bewertungen

Dieser Erfahrungsbericht wurde 324 mal gelesen und wie folgt bewertet:
72% :
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • JanineBra veröffentlicht 17.05.2016
    Nichts für mich, aber sehr hilfreich berichtet! Alles Liebe ♥
  • pinkdawn veröffentlicht 01.03.2016
    Da ich mich nicht für Schlager, Volksmusik usw. interessiere, höre ich mir grad einen Song von Unheilig an, um mich wieder zu erinnern, dass ich die auch schrecklich finde. Kitschig, seicht, peinlich ... Kommerz at its worst. "Geboren um zu leben" ... Okay, mir gefällt diese Art von Musik kein Bisschen. Aber ich akzeptiere, dass es einen Markt dafür gibt und Menschen, denen das gefällt, weil sie vielleicht nicht das Glück hatten, eine Ausbildung zu machen, die ihnen mehr Niveau und einen differenzierten Geschmack beschert hätte. Ich sehe hier mehr ein trauriges soziales Phänomen. Darüber bleiben mir gehässige Kritik, billige Anspielungen und die Reflexion des schönen Gefühls, selbst über einen besseren Geschmack zu verfügen, im Hals stecken.
  • hochsauerlaender veröffentlicht 15.02.2016
    sh
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Produktdaten : MTV Unplugged: Unter Dampf - ohne Strom

Produktbeschreibung des Herstellers

Haupteigenschaften

Atomic Keyword: Volkstümliche Schlager

Atomic Veröffentlichungsdatum Jahr: 2015

Titel: CD

EAN: 0602547527110

Ciao

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