Es gibt nichts Ernsters als das Scherzen
28.06.2001
Pro:
eine Reihe von Anspielungen; urkomisch
Kontra:
???
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
mehr
 MelanieJ.
Über sich:
Mitglied seit:07.01.2000
Erfahrungsberichte:225
Vertrauende:45
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 46 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
In vielen seiner Bücher nimmt Terry Pratchett bekannte Themen oder Personen des "alltäglichen" Lebens und versetzt sie in die Scheibenwelt. Mal ist es nur eine Person (Cohen - der Barbar) oder das Thema zieht sich "länger" durch die Geschichte (Das Attentat auf ein Staatsoberhaupt erinnert doch sehr an die Theorien zum Attentat auf J.F. Kennedy in JFK - Tatort Dallas). Bei Macbest geht es u.a. um Macbeth. Die deutsche Version des Titels stösst den Leser mit der Nase drauf. Der Originaltitel ist mit "Wyrd sisters" weitaus weniger deutlich.Inhalt: ********** König Verence von Lancre muss feststellen, dass ihn ein typisch königliches Schicksal ereilt hat. Er ist ermordet worden. Zu seinem Leidwesen "darf" er jetzt als Geist im Schloss herumspuken (als wäre der Tod nicht schon schlimm genug).Sein Mörder und Nachfolger ist Herzog Felmet. Dieser ist von dem Lauf der Dinge allerdings auch nicht sonderlich begeistert. Zum einen mag er das Königreich nicht sonderlich (viel zu viel Wald) und zum anderen war seine ehrgeizige Ehefrau die eigentlich treibende Kraft. In der Mordnacht trifft eine Kutsche (natürlich mit Kutscher) von Soldaten verfolgt bei der Hütte von Magrat ein. Magrat, Oma Wetterwachs und Nanny Ogg haben an diesem Abend einen ihrer erster Hexenzirkel (das gehört sich so...) abgehalten. Den etwas verduzten Hexen wird ein Baby in den Arm gedrückt (natürlich nicht allen dreien gleichzeitig). Den Verfolgern bleibt nur der Rückzug. Als die Hexen in der Kutsche noch eine Krone finden, wissen sie, um wessen Kind es sich handelt.Eigentlich wollen die drei Hexen sich gar nicht einmischen, aber mit dem Wollen ist das so eine Sache. Um den jungen Thronfolger zu schützen, vertrauen sie ihn dem Ehepaar Vitoller, das zu einer fahrenden Schauspieltruppe gehört, an. Neben etwas Geld geben sie ihm drei Geschenke in Form von "guten Wünschen" mit. 1. Er wird leicht Freundschaften schliessen. 2. Er wird sich immer an die Worte erinnern. 3. Er soll das sein, was er zu sein glaubt.Damit sollte ihre Einmischerei eigentlich beendet sein, aber die neue Regierung des neuen König führt zu einigen Problemen, die sich sogar im Land selbst bemerkbar machen. Vor allem die Hexen sind ihm ein Dorn im Auge (die zahlen noch nicht einmal Steuern). Als er dann sogar Nanny Ogg einsperrt (wenn auch nicht für sehr lange) ist das Maß voll. Etwas zwischen den Stühlen sitzt der Hofnarr, durch seinen Treueeid an den Herzog gebunden. Der Hofnarr ist nicht nur treu sondern auch ausgesprochen intelligent. Allerdings ist er nicht intelligent genug, um nicht die entscheidende Idee im "Kampf" gegen die Hexen zu liefern.Nach der ersten folgenschweren Auseinandersetzung zwischen König und Hexen (bei der die Hexen eine Niederlage einstecken müssen), sehen die Hexen nur noch eine Lösung. "Der wahre Thronfolger muss zurück." Dumm nur, dass der Kleine noch etwas jung zum Regieren ist... So gerne ich jetzt auch erzählen möchte, wie die Hexen das Problem lösen und der Thronfolger auf den Thron kommt, ich würde damit einfach zu viel verraten. Umsetzung: ************ Ich habe mich wohl schon einmal als Terry-Pratchett-Fan geoutet. Er hat zwar auch in einigen wenigen Büchern bewiesen, dass er daneben greifen kann, aber dieses Buch ist ihm gelungen. Der Leser muss zwar kein Shakespearekenner sein, um seinen Spass daran zu haben, aber ohne ein paar Kenntnisse, entgeht ihm sonst so manche Anspielung.Es geht zwar in erster Linie um Macbeth, aber ich meine auch Hamlet entdeckt zu haben. (In einem Bericht zu MacBest habe ich gelesen, dass es keine Gemeinsamkeiten zu MacBeth geben würde. Sorry, der Schreiber hat die beiden Bücher wohl mit geschlossenen Augen (oder einem sehr schlechten Gedächtnis)gelesen. Zunächst einmal der Anfang der Geschichte. - Drei Hexen treten beim schönsten Gewitter auf und diskutieren, wann sie sich wieder treffen werden. Nur die Antwort fiel bei Shakespeare ein wenig anders aus.Dann wäre da, dass die treibende Kraft zum Königsmord die Frau ist. Auch das Blut, das sich nicht von den Händen waschen lassen will, ist etwas abgekupfert (wenn ich mich nicht irre, war es im Original allerdings die Frau, die den Waschtrieb hatte. Auch sind die Waschaktionen dort nicht so folgenreich.)Die Art, wie der Mord ans Licht kommt, findet seine Anleihen bei Hamlet (Puh, ich habe es geschafft nicht zu verraten wie.). Dass der Mörder allmählich unter leichtem Verfolgungswahn leidet, kommt mir auch sehr bekannt vor.Und dann zu guter Letzt noch der Satz, der oft genug zitiert wird: "Ist das ein Dolch, was ich hier vor mir sehe ?" Dazu gibt es noch kleine, niedliche Hinweise auf ein paar Filme. (Ich habe "Shining", "Dick und Doof" und "Charlie Chaplin" entdecken können; wer noch andere entdeckt hat: Ich freue mich über jeden Kommentar dazu !)Die eigentliche Komik kommt aber in diesem Falle weniger durch die Anspielungen, sondern mehr durch die Charaktere und die kleinen Nebengeschichten zum Tragen. Hier ist es vor allem der Hofnarr. Nicht nur dass er ja im Grunde ziemlich intelligent ist, nein tief in seinem Herzen hasst er diese Komik. Wenn man liest, wie er zum "Narr" geworden ist, kann dies verstehen. Das Leben in der Gilde war hart und von Entbehrungen begleitet. Dazu zählt insbesondere der Großvater, der ihn nach Strich und Faden verprügelte, als er einen "unauthorisierten" Witz erzählte. "Es gibt nichts Ernsteres als das Scherzen".Schon fast anrührend komisch sind die vorsichtigen Annäherungsversuche zwischen Magrat und dem Narren. Vor allem ihre Lieblingsausrede, wenn sie sich nicht mit ihm treffen möchte. Wie gewohnt ist es alles in allem der Umgang mit Worten, die bei Terry Pratchett die Lacher hervorrufen. Bei der Beschreibung von Magrats körperlichen Formen blieb mir beim ersten Mal die Spucke weg. "Ein Plättbrett mit zwei Rosinen drauf / geschmeichelte Version!" Mich wundert, dass das nicht eine feministische Bewegung auf den Plan gerufen hat.Fazit: ********* Ein herrlicher Pratchett. Neben dem Humor an sich, der das Lesen des Buches sowieso schon wert macht, ist es zu meinem Hobby geworden, die ganzen Anspielungen herauszufinden. Manches mal ist es nur ein kleiner Halbsatz.Erstaunt hat mich die "Niederlage" der Hexen. Obwohl eine echte Hexe eigentlich gar nicht weiss, was das ist. Und ganz zum Schluss bekommt die Geschichte eine unerwartete Wendung ... (Ich glaube, ich habe schon zu viel verraten.)Nicht nur für Fans ein gutes Buch, sondern für jeden Leser, der gerne unterhalten werden und lachen möchte. Viel Spass !Ciao und Mau, Melanie !
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29.06.2001 11:36
Ja, Pratchett is einfach göttlich, zum totlachen. Klasse Bericht. Gruß Daniel
29.06.2001 08:46
Hallo Melanie, ein toller Bericht über ein tolles Buch, ich sollte es wohl auch mal wieder lesen (und mir vorher Shakespeare reinziehen...) Viele Grüße von Tina