Erfahrungsbericht über

Macbest / Terry Pratchett

Gesamtbewertung (19): Gesamtbewertung Macbest / Terry Pratchett

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Shakespeare mal anders...

4  08.05.2002

Pro:
welt, figuren, humor

Kontra:
hinkt anderen scheibenweltromanen etwas hinterher

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau

Unterhaltungswert

Spannung

Wie ergreifend ist die Story?

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Schejtan

Über sich: I am just a drone, please tell me what to do.

Mitglied seit:04.03.2001

Erfahrungsberichte:81

Vertrauende:4

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 48 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Ich hasse es, wenn ich vor dem PC sitze und den Bericht schon zum Großteil im Kopf habe. Nur eins fehlt: eine Einleitung. Einige werden jetzt wohl sagen, eine Einleitung ist nicht nötig, aber ich kann einfach nicht ohne schreiben. Und so ist es heute auch wieder...ich weiß schon, was ich schreiben will, nur nicht, wie ich es einleiten soll. Aber jetzt ist es eh schon zu spät, jetzt mach ich einfach weiter.

Thema soll heute mal was sein, was wohl den meisten meiner Altersgenossen unbekannt sein sollte: ein Buch! Ja, richtig gelesen, ein 17 – jähriger, der liest. Und zwar nicht nur Zeitschriften, sondern richtige Bücher. Sowie „MacBest“ von Terry Pratchett, dem ungekrönten König der Fantasy – Comedy. Wie so ziemlich alle seine Werke spielt auch dieses auf der Scheibenwelt, eine Fantasy – Welt die man wohl am besten mit bizarr und sehr skurril beschreiben kann. Scheibenförmig, getragen von vier Elefanten, die auf der Riesenschildkröte Groß A’Tuin stehen. Viele wunderbare Orte gibt es dort, einer seltsamer als der andere, von der Großstadt Ankh – Morpork über das Wüstenland Klatsch bis zu dem kleinen Königreich Lancre, in dem „MacBest“ spielt.

Dessen König Verence wird nämlich ermordet. Von Lord Felmet, der dann auch prompt neuer König wird. Aber treuen Dienern ist es gelungen, Verences Sohn und die Krone zu retten. Und damit haben die drei Hexen Magrat, Nanny Ogg und Oma Wetterwachs ein Problem, denn der Diener hat das Baby und die Krone direkt zu ihnen gebracht. Natürlich können sie das Baby nicht zurückbringen, es aber auch nicht behalten, genauso wenig wie die Krone. Aber eine Lösung finden sie in einer Theatertruppe. Dessen Leiter adoptiert das Kind und die Krone wird einfach bei den Requisiten versteckt. Problem gelöst, denken sie sich.

Aber so einfach ist das nicht. Denn der neue König ist anders als der alte. Getrieben durch seine Frau, Lady Felmet, hetzt er unter anderem seine Untertanen gegen die Hexen auf und hält sich auch sonst gar nicht an die Regeln fürs Königsein. Aber die Hexen halten sich da raus, lediglich die junge Magrat will was unternehmen. Bis, ja bis, Oma fast von einer Kutsche überfahren wird...

Hört sich vielleicht nach einer stinknormalen Fantasy – Geschichte an. Ist es aber ganz und gar nicht. Denn Terry Pratchett ist ein Meister des Humors, kaum eine Seite liest sich ohne mehrere Schmunzler und richtige Lacher gibt es auch genug. Allein die Figuren sind da schon ein guter Grund für. Vor allem natürlich die Hexen. Magrat, die jüngste, die sich für die Menschen einsetzen will und die fest an Klischees festhält, wie okkulter Schmuck oder Hexenzirkel. Oder Nanny Ogg, die trinkfreudige Hexe, die zu Sylvester das ganze Dorf zu sich einlädt und deren Gene auch im halben Dorf verbreitet sind. Und natürlich Oma Wetterwachs, die für die Einhaltung der Regeln ist und auch die Anwendung von Magie weitest gehend vermeiden will. Bis sie eben genug vom neuen König hat...

Die Dialoge dieser drei Charaktere sorgen dank der Gegensätze schon für viele Gags, hinzukommen noch Charaktere wie der paranoide König, die Theatertruppe mit ihrem zwergischem Schriftsteller Hwel oder der Hofnarr. Bei den Charakteren arbeitet Pratchett häufig mit Klischees, die entweder übertrieben oder ins Gegenteil verkehrt werden, wie es zum Beispiel bei Hwel der Fall ist. Und so machen die Charaktere schon eine Menge Lacher aus.

Dazu kommt noch ein gehöriger Schuss Situationskomik. Höhepunkt ist wohl die Dämonenbeschwörung in der Waschküche, die so absurd ist, dass da absolut kein Auge trocken bleibt. Und dann wären da ja noch die vielen Fantasy- und Mittelalterklischees, die veralbert werden. Sei es der Königsmord, der einen natürlichen Tod darstellt, oder die Narrenakademie, die trister und strenger kaum sein könnte. Übertreiben und Umkehren heißt hier die Devise, witzige Stellen kommen da eine Menge raus.

Vielleicht ist dem Leser ja noch etwas aufgefallen. „MacBest“...kommt mir bekannt vor...drei Hexen? Königsmord? Auch...ach ja „MacBeth“ von Shakespeare. Das ist nämlich ein weiteres Markenzeichen von Terry Pratchett, die Verweise und Seitenhiebe gegen unsere Welt. Die zeigen sich vor allem da drin, dass die Story im Prinzip ein Mix aus „MacBeth“ und „Hamlet“ (man lese und staune, ein 17 – jähriger, der Werke von Shakespeare kennt ;)) und mit Hwel auch die zwergische Variante dieses Schriftstellers vorkommt. Aber sonst hält es sich in Grenzen, anderer Bücher weisen da einige mehr auf. Hier sorgen diese Verweise nicht für die richtig großen Lacher und sind auch nicht kritisch, was bei Pratchett auch mal der Fall ist, aber ganz amüsant sind sie schon.

Schwächen sucht man vergeblich. „Macbest“ unterhält von der ersten bis zur letzten Seite. Aber: Im Vergleich zu anderen Scheibenweltromanen zieht dieser den Kürzeren. Ich habe mittlerweile schon 6 Scheibenweltromane gelesen und „MacBest“ ist davon der schwächste. Was ihm ein wenig fehlt sind erstens die schon erwähnten Verweise auf unsere Welt und die wirklich absurden Szenen, bei denen man sich nur an den Kopf packen kann und denkt: „Wie kommt auf so einen Scheiß?“. Also eine kleine Abwertung.

Aber trotzdem präsentiert uns Terry Pratchett mit „MacBest“ eine geballte Ladung Humor. Dieser lebt vor allem von der bizarren Welt und seinen Bewohnern und einer Menge absurder Situationen. Er ist dabei aber nie platt und auch nie böse, einfach nur witzig. Keine Seite Langeweile, keine Stellen, die man überliest, sondern 352 Seiten Spaß am Lesen. „MacBest“ gehört zwar nicht unbedingt zu den besten Büchern der Reihe, da diese aber von ganz großen Kaliber sind, bedeutet es, dass „MacBest“ immer noch ein sehr gutes Buch ist, sowohl für Fantasy – Fans mit Humor, wie auch für den normalen Leser, der einfach mal herzhaft lachen will. Dafür bekommt er nämlich genügend Stoff.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
IamInsane

IamInsane

24.01.2003 23:00

Auf alle Fälle besser als deine erste Buch beschreibund, wenn ich mir das erlauben darf. Ich lese zur Zeit von Terry Pratchett: Schweinsgalopp! Auch mit vielen, sehr witzigen Stellen. Mein liebster Charakter ist bisher: Rattentod!!!!!!!

Greifenklaue

Greifenklaue

20.09.2002 16:16

Ich hab gerade Fliegende Fetzen durch! Und MacBest liegt auch noch im Bücherschrank und schreit: "Ich will gelesen werden!" Mal gucken, ob es mein DISORGANIZER dementsprechend einplanen kann ;-)

Lorin76

Lorin76

12.05.2002 22:38

Sehr guter Bericht. Ich finde dieses Buch auch ziemlich gut, weil ich eben auch ein besonderer Fan von Oma Wetterwachs bin.

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