Zurück im Schoße der Familie
31.08.2010
Pro:
siehe Bericht,
Kontra:
siehe Bericht,
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Grafik
Sound
Multiplayer:
Bedienung
mehr
 atrachte
Über sich:
...
Mitglied seit:09.04.2004
Erfahrungsberichte:1119
Vertrauende:120
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 165 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Zu Hause. Endlich. Nach zwei Jahren an der europäischen Front kommt Vito Scaletta, Sohn sizilianischer Einwanderer, im Februar 1945 wieder in seiner Heimat an. Seine Heimat, das ist die Millionen Metropole Empire Bay City. Vito wartet nach seiner Ankunft am Bahnhof auf seinen besten Freund Joe Barbaro, mit dem er schon als Jugendlicher kleine Dinge gedreht hat. Denn beide verfolgen seit ihren ärmlichen Kindheitstagen nur einen Traum nach – den amerikanischen. Frauen, Autos, teure Anzüge, Respekt und Geld, viel Geld, ist es, was die beiden Freunde sich unter einem guten Leben vorstellen. Doch gerade dieser Wunsch ist es, der Vito erst in den Krieg getrieben hat. Denn nach einem missglückten Raubzug stand der junge Mann vor der Wahl: entweder Zuchthaus oder Dienst an der Front. Vito entschied sich für letztere Option. Gezeichnet von den Erlebnissen wird er von Joe freudig empfangen, als wären keine zwei Jahre seit ihrem letzten Beisammensein vergangen. Joe kurvt seinen Freund anschließend durch das nächtliche, in unschuldig weißen Schnee gehüllte Empire Bay City herum. Aus dem Auto-Radio tönt Sinatras Stimme, die passend „Let It Snow“ zum Besten gibt. Derweil schmieden Vito und Joe erste Pläne wie man nun weiter verfährt. Eigentlich müsste Vito wieder zurück in den Kampf in Übersee, nach dem er sich von einer Verletzung kuriert hat. Doch Joe verspricht seinem Freund ihm zu helfen. Er kenne da ein paar Leute. Schon am nächsten Tag ist die Sache geregelt. Vito ist ein freier Mann, frei seine Träume zu verwirklichen. Empire Bay City ist dafür genau das richtige Pflaster. Für den Spieler – der hinter dem Monitor sitzt und diese ersten Szenen aus „Mafia 2“ verfolgt – setzt sich wieder das gute alte Gefühl ein, das man vor über acht Jahren hatte, als man das erste Gangster-Epos des tschechischen Entwicklers Illusion Softworks, mittlerweile 2K Czech, gespielt hat. Ein Spiel, das es wie kaum ein anderer Vertreter seines Mediums verstand eine spannende Geschichte voller Wendungen und Dramatik zu erzählen, ein Spiel, das mit einer brillanten Charakter-Zeichnung bestochen hat, ein Spiel in dem jede einzelne Mission noch Heute denkwürdig ist, ein Spiel, das man mit gutem Recht als eines der wenigen bezeichnen kann, das in sich absolut Perfekt ist. Kein Wunder also, das „Mafia 2“ zu den heiß ersehntesten Spiele-Titeln der letzten Jahre gehört. Und dann das: nach seinem wunderbaren Start fällt „Mafia 2“ plötzlich ab. Und zwar ganz gewaltig. So tief, das man von einer Enttäuschung nicht nur sprechen kann, sondern muss. Was ist also geschehen?
Prinzipiell hat Entwickler 2K Czech für „Mafia 2“ die gleiche Formel ausgepackt, die sich bereits beim ersten Teil der Serie so gut bewährt
Bilder von Mafia 2 (Xbox 360)
hat. Erneut schlüpft man in die Rolle eines jungen Italoamerikaners um dessen Träume von Wohlstand und Anerkennung mit Schießkolben und blauen Bohnen durchzusetzen, erneut bekommt man eine fiktive US-Stadt als „Spielplatz“ bereit gestellt und erneut erlebt man eine Geschichte, die sich an den großen Gangster-Film-Klassikern des amerikanischen Kinos orientiert. Doch auch wenn die Zutaten allesamt die gleichen sind, wie schon vor acht Jahren, man hier und da ein paar zusätzliche Gewürze aus dem großen Genre-Primus „Grand Theft Auto“ genommen hat um das eigene Mahl aufzupeppen – so recht will das Gericht einfach nicht schmecken.Schon die Handlung wirkt ordentlich versalzen. Zwar sind die ersten knapp 60 Spiel-Minuten gekonnt arrangiert und erzeugen eine Spannung, die auf mehr drängt, doch danach sinkt das ganze Qualitativ immer weiter ab, sieht man mal von dem letzten Drittel ab wo das ganze noch einmal etwas an Schwung gewinnt. Es fällt jedoch auf, das „Mafia 2“ in Grundsätzen die Geschichte des Vorgängers erzählt, denn der Verlauf des Plots ähnelt in vielen Eckpunkten denen von „Mafia“ beinahe 1:1. Dies wäre nicht weiter schlimm, wäre die Geschichte letztlich gut geschrieben. Doch das ist sie nicht. Viel schlimmer noch wird das ganze von Stunde zu Stunde doch immer konfuser. Noch kritischer ist jedoch, wie das Spiel mit seinen Figuren verfährt. So hat Vito etwa eine Schwester, die zu Anfang des Spieles zwar eingeführt wird, dann aber fallen gelassen wird und nur noch zwei-, dreimal im ganzen Verlauf auftaucht. Und so geht es vielen Charakteren, die eingeführt werden und dann entweder gar nicht, oder sehr viel später wieder auftauchen. Darüber hinaus ist die Skizzierung der Charaktere wirklich miserabel, was man am deutlichsten am Hauptcharakter selbst merkt, der über den ganzen Verlauf ziemlich Blass bleibt und dem Spieler selbst erschreckend unwichtig ist. Und das bei einem Spiel, wo der Spieler mit seinem Alter-Ego förmlich verschmelzen soll um mit allem, was in seinem Leben geschieht, mitzuleiden. Doch dem ist in keinster Weise so. Der einzige Charakter, bei dem man noch etwas von 2K Czech brillanter Figuren-Zeichnung aus dem Vorgänger erkennen kann, ist Joe, der ohne weiteres der heimliche Star des Spieles ist. Insgesamt muss man daher fast schon von einem versagen seitens 2K Czech sprechen, gelingt es ihnen doch so gut wie nie der Geschichte Tiefgang oder emotionale Kraft zu verleihen. Trotz der eigentlich gut gemachten Zwischensequenzen - die mal gerendert, mal in Spielegrafik präsentiert werden – kommt die in 15 Kapiteln erzählte Handlung von „Mafia 2“ so ziemlich fad und uninspiriert daher und lässt sich mit dem ersten Teil in keinster Weise mehr messen.
Auch in Sachen Gameplay ist so ziemlich alles beim alten geblieben, was Segen und Fluch zugleich ist. Eigentlich funktioniert das Spielprinzip von 2002 auch 2010 noch immer einwandfrei. Man hat mit Empire Bay City eine riesige Metropole nach Vorbild real existierender US-Städte wie New York, Chicago und San Francisco geschaffen, die gerade in den ersten Spielminuten unglaublich lebendig wirkt. Da wird ein Autofahrer von der Polizei befragt, nachdem er seinen Wagen in einen Baum gefahren hat, dort steht ein Zeitungsverkäufer an der Straßenecke und verkündet lauthals die aktuellsten Meldungen, wo anders reden Passanten miteinander über Gott und die Welt. Das alles wirkt ungemein authentisch, doch merkt man nach und nach das Empire Bay City letztlich nur eine riesige Kulisse ist, die irgendwie kaum die Faszination versprüht, die man sich zuvor erhofft hat. Tatsächlich wird „Mafia 2“ - wie auch der Vorgänger – ja immer wieder als Open-World Titel gepriesen, sprich man hat, wie in der „Grand Theft Auto“ Reihe, eine große Stadt zur Verfügung und kann sich in dieser nach Lust und Laune frei bewegen. Im vorliegenden Fall ist dies nur begrenzt der Fall, was auch mit dem Missions-System zu tun hat. Denn dieses ist in insgesamt 15 Abschnitte unterteilt (wobei der erste als einziger nicht in der fiktiven Stadt, sondern im Krieg auf Sizilien spielt) und hat einen streng linearen Verlauf, sprich man bekommt einen Auftrag muss irgendwo hinbrettern und diesen erfüllen. In dieser Zeit hat man zwar in der Regel allerhand Zeit um sie in der digitalen Großstadt um die Ecke zu bringen, allerdings ist das kein wirkliches Open-World Konzept zumal man kein offenes Speichersystem hat, sondern immer gewisse Speicherpunkte erst erreichen muss. Vollkommen unverständlich ist dabei, warum der Entwickler den „Freie Fahrt Modus“ aus dem Vorgänger weggenommen hat, der es nach Beendigung der Haupthandlung erlaubt hat, dass man noch weiterhin durch die Stadt laufen und fahren konnte. Auch gibt es in gibt es in Empire Bay City so gut wie gar nichts zu tun. So kann man (außer in diverse Läden für Waffen, Kleidung, Restaurants und um seine Autos ein wenig aufzumotzen bzw. wenn es die aktuelle Mission gerade erlaubt) nicht in Gebäude gehen. Nebenmissionen gibt es keine zu erfüllen und obwohl es im Spiel zwar Taxis und eine Hochbahn gibt, kann man diese nicht benutzen. Da stellt sich die Frage warum man sich überhaupt die Mühe macht eine solch detailreiche Stadt zu konzipieren, wenn das Potential nicht ausschöpft. Auch das Missions-Design wirkt insgesamt sehr fad. Dieses ist ja wie gesagt in 15 Kapitel unterteilt, welche mal recht kurz sind und mal recht lang. Dabei spiegelt jedes einzelne Kapitel einen Tag wieder, der im besten Falle wirklich von früh Morgens bis spät Abends geht und mehrere Aufträge inne hat. Hier muss man Genre-Typisch dann mal ein Auto klauen, sich in ein Gebäude einschleichen um begehrte Benzinmarken zu klauen, zusammen mit zwei Kollegen einen verhassten Rivalen umbringen, den miesen Ehemann der Schwester aufmöbeln, im Knast an illegalen Kämpfen teilnehmen und so weiter. Leider gibt es aber nur vier bis maximal fünf Kapitel, die man als wirklich gut bis sehr gut bezeichnen kann, wobei man im Falle einer aufmerksamen Verfolgung der Berichterstattung zu „Mafia 2“ die zwei besten Aufträge des Spiels wohl schon kennen dürfte. Die restlichen Missionen sind meistens nicht mehr als ganz nett und im schlimmsten Fall gar arg langweilig. Auch die Spielzeit ist mit knapp 10-12 Stunden nicht sonderlich lang bemessen.
Und doch: es gibt Dinge, die „Mafia 2“ durchweg gut macht. Dazu gehört zum Beispiel das Kampf-System. Während man bei den Schießereien auf die bekannten Eisen wie Tommy-Gun, Revolver, Granaten, Schrotflinte und Colt zurückgreifen kann, sich während der toll inszenierten shoot-outs hinter Kisten, Wände und Autos in Deckung begibt und seine folgenden Schritte durchaus gut überleben muss da man nach wenigen Treffern bereits das Zeitliche segnet, so glänzen vor allem die Nahkämpfe mit einem überraschend anspruchsvollem System. Auch die KI der Gegner ist nicht schlecht, wenn auch nicht zwingend auf der Höhe der Zeit. Auch diese versuchen bestmögliche Deckung zu finden, organisieren sich teilweise in kleinen Gruppen um anzugreifen, blocken bei Faustkämpfen geschickt und wittern auf ihre Chance. Auch die Atmosphäre weiß zu begeistern, wobei der Höhepunkt sicherlich sehr früh erreicht ist mit den ersten Spielminuten nach Vitos Rückkehr aus dem Krieg. Das winterliche Empire Bay City versprüht schlichtweg eine atemberaubende Stimmung, aber auch später fühlt man sich wie in die 1940er bzw. 1950er Jahren zurückversetzt: Poster in der Stadt propagandieren etwa den Krieg in Übersee, aus dem Auto-Radio klingt nicht nur lizenzierte Musik aus der damaligen Zeit, sondern auch Ansprachen bezüglich aktueller Weltgeschehnisse, man kann sich an einem riesigen Fuhrpark verschiedenster Karosserien der entsprechenden Zeitspanne bedienen welche sich allesamt (und je nach Witterung) unterschiedlich fahren lassen und, und, und. Auch Grafisch weiß „Mafia 2“ durchaus zu gefallen, auch wenn es hier und da einige Abstriche in der B-Note gibt. So sind die Charaktere zwar oft etwas kantig und es gibt viele Klon-Passanten, doch die Hauptfiguren sind gerade in den Zwischensequenzen wunderbar flüssig animiert. Zwar gibt es hier und da manchmal Pixel- und Kantenflimmern, die Texturen jedoch sind durchweg fast schon Fotorealistisch. Das Schadensmodell der Autos ist nicht so spektakulär wie in „GTA 4“, sieht aber trotzdem sehr authentisch aus. Ähnliches gilt für das Sounddesign, wobei vor allem die vielen kleinen Details und die englische Sprachausgabe sehr gut gefallen. Die deutsche Synchronisation kann man, anders wie im Vorgänger, jedoch komplett in die Tonne kloppen.
Und doch kommt man nicht herum „Mafia 2“ als Enttäuschung zu bezeichnen. Zwar ist das Spiel letztlich ganz nett, aber eben auch nicht mehr. Die Handlung ist öde, die Charaktere blass, das Gameplay beschnitten, die Stadt nach anfänglicher Begeisterung nur noch nettes Grundgerüst für die ebenfalls nicht sonderlich packenden Missionen. Vergleicht man Vorgänger und Fortsetzung miteinander, so müsste man deutlich sagen ,das „Mafia 2“ ganze zwei Köpfe kleiner ist als der Klassiker von 2002. Besonders ärgerlich ist jedoch das Gefühl, das man nach der Beendigung des Story-Modus hat, drängt sich hier doch komplett der Eindruck auf, das 2K Czech seinen Titel als cash-cow missbrauchen will und in den nächsten Wochen und Monaten neue „Features“ mit herunterladbaren Inhalten (DLCs) nachliefern wird um möglichst viel Geld aus dem Franchise zu ziehen. Um es mit den verfälschten Worten des Paten zu sagen: „Mafia 2“ ist ein Angebot, das man ausschlagen kann.
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22.09.2010 12:16
eigentlich BH, ich komm nochmal wieder in paar Tagen, hab heute keiens mehr frei... :-)
20.09.2010 17:40
Ich komme noch mal wieder. LG Annette
18.09.2010 10:00
muss dich auf die BH-Wartebank legen... :-)