Der sanfte Riese bleibt selten allein
03.03.2010 (15.09.2010)
Pro:
menschenbezogen, verspielt, sozial, freundlich
Kontra:
verfressen, teurer Unterhalt
Empfehlenswert:
Ja
 sternchen1960
Über sich:
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Maine Coon In unserem Haushalt leben mittlerweile insgesamt 5 Katzen, darunter 2 Maine Coons. Auf der Suche nach Informationen zu dieser Katzenrasse wird man zwar sowohl in der Literatur als auch im Internet fündig, im Großen und Ganzen spiegeln die Quellen jedoch nur einen Teilaspekt der Anforderungen wider, die diese Katzenrasse an ihre Haltung stellt, weswegen ich mir hier mal die Mühe mache, meine Erkenntnisse und Erfahrungen aufzuschreiben. Wie immer ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn jede Katz ist nun mal anders. Und Ciao ist in meinen Augen eine Meinungsplattform, wo man Erfahrungen austauscht, und kein Online- Lexikon wie Wikipedia. Wer also meint, in meinem Bericht fehlen Angaben über das Aussehen oder die Genetik, der möge bitte eine Suchmaschine bemühen oder einen Blick in die entsprechende Fachliteratur werfen.
Die Katze als Statusobjekt: Will man in sein, gehört ein möglichst großer und am besten rotgetigerter Maine Coon Kater auf jedes Designer- Sofa neben den Golden Retriever und den Jack Russel Terrier, damit man beim Latte Macchiato (mit Vanillesirup) ordentlich was zu kraulen hat. Dementsprechend haben die Züchter reagiert und bedienen den Markt für teuer Geld mit möglichst großen, imposanten Katzen in den gefragten Farbstellungen, wodurch Gesundheitsprobleme vorprogrammiert sind. Stellt die Katze dann auch noch Ansprüche, die ihrer besonderen Art entsprechen, landet sie nicht selten im Tierheim.
(Anschaffung) Von dort stammte auch der Kater von meiner Bekannten, der auf die Idee brachte, dass eine Maine Coon eine Bereicherung für das Haus Sternchen sein könnte. Ich war mit meinen beiden Tölen zum Schnacken eingeladen, und alle ihre Katzen retteten sich erst mal in luftige Höhen, weil Herr und Frau Hund der Meinung sind, dass Katzen gefälligst auf einen Baum gehören. Nur dieser Kawenzmann erregte nicht mal das Jagdinteresse der beiden Fiffies. Freundin E. klärte mich auf, dass die Maine Coons von ihrem Verhalten her irgendwo zwischen Katze und Hund anzusiedeln sind, genauso wie Bengalkatzen, und da ich mit dem Charakter der Bengalen sehr gut klarkomme (siehe Bericht), war mein Interesse geweckt. Denn unser halbwüchsiger Bengalkater ging den beiden BKH- Damen mittlerweile tierisch auf den Zwirn… aber noch ein Bengal war mir zu viel.
Es gingen aber noch weitere Wochen, nein Monate ins Land. Irgendwann klingelte mich meine Nachbarin Ntscho-Tschi herüber, sie habe eine neue Katze, willste mal gucken kommen, eine Maine Coon. Stolz wie eine Squaw zeigte die mir das schöne Tier namens Cheyenne, ein zwei Jahre altes weißes Mädchen mit dunklen Abzeichen, leider etwas verhuscht, und nach kurzer Zeit hatte sie das Doppelte von dem, was dieser selbsternannte Züchter ihr für das arme Tier abgeknöpft hatte, bereits beim Tierarzt gelassen. Nichtsdestotrotz schwärmten Ntscho-Tschi und ihr Mann vom wunderbaren Charakter dieser Katze, die doch so anders sei als ihre anderen 4 Miezen. Hörte sich gut an in meinen Ohren. Ein paar Wochen nach Cheyennes Einzug im benachbarten Wigwam bimmelte wieder mein Telefon, Ntscho-Tschi am Apparat, einer ihrer Indianerfreunde vom Nachbarstamm habe einen Wurf Meine Coons die er nicht los wird weil er auf dem Land wohnt (wo es kein Internet gibt und überzählige Katzen ersäuft werden), ob ich nicht eine haben wollte.
Ja. Ich rief da an und unterhielt mich sehr nett mit der Dame des Hauses, ebenfalls eine Squaw, und nachdem wir die wichtigen Eckpunkte abgeklärt hatten (Hunde und Kinder gewohnt, Persönlichkeiten der Katz, der Katzenfamilie Sternchen und des zukünftigen Dosenöffners), empfahl sie mir Sandy, die kleinste und letzte aus dem Wurf von insgesamt 7 Katzen, das sei die ruhigste, verschmusteste und ausgeglichenste Katze des ganzen Haufens und würde von dem, wie sie mich und das was ich so erzähle einschätzt, hervorragend passen. Ihr Augäpfelchen. Meine Katze.
Da die Familie weiter weg wohnte, ich aber zufällig drei Wochen später auf dem Rückweg von einer Familienfeier dort vorbeifahren konnte, blieb mir also genügend Zeit, mich mental darauf vorzubereiten. Drei Wochen, in denen Ntscho- Tschi verzweifelt versuchte, heimlich das nötige Kleingeld aufzutreiben, ohne dass ihr Mann davon Wind kriegt, damit ich ihr einen Kater mitbringen kann. Leider ging die Kohle für Cheyennes Tierarztbesuche drauf, die ebenfalls heimlich vonstatten gehen mussten, sonst hätte ihr Mann sie an den nächstbesten Marterpfahl respektive an den Laternenmast an der Bushaltestelle gefesselt. Also Zeit genug, um sich erst mal schlau zu machen….
Geschichte der Maine Coon Katze Wie der Name schon sagt, kommt diese Katzenrasse aus dem US- Bundesstaat Maine. Um die Tatsache, dass diese Katzen dort von irgendwem eingeschleppt wurden, seien es die Wikinger oder ein Kapitän namens Coon, ranken sich viele Legenden, die man an anderer Stelle im Internet nachlesen kann. Möglicherweise stammt das Coon auch vom englischen Wort für Waschbär („racoon“), aber dass diese Rasse das Ergebnis aus einer Schnackselei zwischen Katze und Waschbär sein soll, ist zoologischer Mumpitz. Aber wie das so ist mit Legenden rund ums Thema F***en, sie halten sich hartnäckig und vor allem lang.
Sie gehört wie die Norwegische Waldkatze und die Sibirische Steppenkatze
Bilder von Maine Coon (Katzenrasse)
zu den Naturrassen, und eine gewisse Ähnlichkeit ist auch vorhanden.Im Nordosten der USA etablierte sie sich bereits Mitte des 19. Jahrhunderts als Haus- und Arbeitskatze, denn diese großen und robusten Katzen waren auf den Farmen sehr beliebt als Mäuse- und Rattenfänger. Die Zucht begann bereits um 1870, schlief dann wieder ein bis auf wenige Linien, um erst Ende der 1960er Jahre wieder aufzuleben.
Aussehen Die Maine Coon ist eine sehr große und robuste Katze mit halblangem Fell, welches äußerst pflegeleicht ist. Bei zu viel Pflege wird es schön puschelig, überlässt man die Pflege der Katze, wird das lange Deckhaar etwas ölig und wasserabweisend, ideal für Freigänger. Eine spezielle Fellfarbe gibt es nicht, alles ist möglich und erlaubt wie bei einer normalen Hauskatze auch.
Der Körperbau ist kantig, muskulös und in jeder Hinsicht auf den Fang von kleinen bis mittleren Beutetieren in der winterlichen Natur ausgelegt, inklusive Schneeschuhe an den großen Füßen. Katzendame und Kater unterscheiden sich deutlich. Sind sie nach etwa 4 Jahren ausgewachsen, endet eine Katze bei 4 bis 6 Kilo Körpergewicht, beim Kater ist es das Doppelte. So ein Prachtkerl misst in der Länge von der Nasen- zur Schwanzspitze schon mal einen Meter zwanzig.
Charaktersache
Die Maine Coon wird gerne als Hundekatze beschrieben, da sie sehr gesellig und menschenbezogen ist. Ebenfalls findet man in vielen Literaturquellen fast wortgleich den Hinweis, dass die Katzen eher mütterlich und würdevoll auftreten, hingegen bleiben die Kater ihr Leben lang wahre Clowns, die immer im Mittelpunkt stehen wollen und laufend Unsinn verzapfen. Das kann ich so nicht bestätigen, siehe weiter unten. Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Texte von Frauen geschrieben wurden und die Katzen nun mal nur ein Spiegel dessen sind, was man ihnen entgegenbringt. Und ein 12- Kilo- Kater steht nun mal sofort im Mittelpunkt des Interesses, wenn er irgendwo aufkreuzt… Sie sind eher der Typ Kumpel und taugen weniger als Babyersatz. Am liebsten haben sie alle vier Füße auf der Erde, sind aber erstaunliche Springer und Kletterer. Vor allem wenn’s um Fressen geht, zeigen sie sich äußerst gelehrig, und sie haben schnell raus, wie man Schranktüren öffnet, Wasserhähne aufdreht und Türklinken bedient.
A propos Wasser: da stehen sie den Bengalen in nix nach. Planschen ist ihr Hobby. Futter wird schon mal „gewaschen“, bevor es verspeist wird. Einen Hinweis auf die diesbezügliche Sauerei findet man in keiner Literatur. Maine Coons schwirren ständig um einen herum und suchen Beschäftigung, überall stecken sie ihre Nase rein und wollen mitmischen. Das kann ich bestätigen.
Ebenso die Tatsache, dass sie sehr verspielt sind und sich, wenn sie sich langweilen, auch ganz kreativ eine eigene Beschäftigung suchen, selten zur Freude des Dosenöffners.
Kostenfaktor Katze: Maine Coons sind nicht nur größer als eine normale Hauskatze, sie gehen auch mehr ins Geld. Ein Maine Coon- tauglicher Kratzbaum sollte deckenhoch und extrem stabil sein, damit er der Beschleunigung, die er durch einen 12-Kilo-Kater erfährt, auch standhalten kann. Am besten dübelt man das Teil gleich zwischen Boden und Decke fest.
Auch bei den Futterkosten muss man bedenken, dass ein so großes Tier deutlich mehr in den Bauch braucht als eine normalgroße Katze. Das gleiche gilt für den Tierarztbesuch und Medikamente, die nach Körpergewicht verabreicht werden, z.B. Flohprophylaxe, Wurmkuren und Antibiotika. Man braucht auch ein größeres Katzenklo, wo der Katz überhaupt reinpasst (also scheiden die billigen Sonderangebote schon aus und es bleiben nur Markenprodukte aus dem Fachhandel über), und auch die Haufen sind ziemliche Portionen, der Verbrauch an Katzenstreu ist daher auch höher als man es von Normalkatzen kennt.
Killefitt? lacht ruhig über mich, das läppert sich ganz schön!!! Dagegen wirkt der Kaufpreis geradezu lächerlich. Im Tierschutz bekommt man sie zum jeweiligen Kurs, den ein Tierheim so für eine (Rasse-)Katze aufruft, von privat muss man für ein Kätzchen ein paar hundert Euro berappen, beim Züchter mit Stammbaum und allem Schnickschnack können es auch mal 800-1000 € sein. Züchter, die billiger anbieten, „produzieren“ auch billiger – Vorsicht ist angesagt.
Vom Züchter oder von privat? Auch wenn das jeder für sich selbst entscheiden muss, schaut Euch genau an, was das für Leute sind. E.’s gestiefelter Kater mit Stammbaum (der 12- Kilo- Katz aus dem Tierheim) und Groschengrab Cheyenne sind vom Züchter, und wenn ich drüber nachdenke – schönen Dank auch, sind zum Glück nicht meine, sonst wär ich dauernd beim Vet und dementsprechend pleite.
Wenn man nicht züchten oder angeben will, tut es auch ein Tier ohne Stammbaum von privat, welches mit Kind, Hund und Kegel aufgewachsen ist wie eine normale Hauskatze auch. Oder auch von einem Züchter, dem das Wohl der Tiere über alles geht und der die Katzen nicht auf Teufelkommraus wegen der Optik verpaart und anschließend aus seinem Alltagsleben wegsperrt. Denn siehe oben, gerade Maine Coons sind sehr menschenbezogen. Auch wenn ich jetzt wieder Kloppe kriege von den hier lesenden und bewertenden Züchtern: bei mir zählt in erster Linie der Charakter der Katze und dass sie gesund ist und gut sozialisiert. Und dafür gibt es keine Garantie, auch nicht, wenn man seine Katze beim Züchter kauft. Zu viele schwarze Schafe dabei.
Aber zurück zu Sandy: Der große Abholtag war da, große Freude und Aufregung meinerseits, die kleine Katze nahm es ziemlich gelassen, auch die anschließende lange Autofahrt im Katzencontainer neben den Hunden. Beide Elterntiere (mit Papieren) habe ich gesehen, es war ein buntes Durcheinander von tadellosen Katzen, Kindern und Hunden mit dem kleinen Quäntchen Chaos, was mit dem Miez nun auch bei mir einziehen sollte. Zu Hause angekommen, nahm sie sofort den Bengalkater in Beschlag. Die Squaw hatte Recht, die zwei passen zusammen wie Arsch auf Eimer. Indianerweisheit?
Tief im Westen Wilder Westen – oder Eine Maine Coon bleibt selten allein
Ein verschneiter Sonntagmorgen im Januar, es klingelte Sturm an meiner Tür. Ich zog mir schnell was über und rannte runter, ungekämmt, ungewaschen, ungezähneputzt. Draußen stand Ntscho- Tschi mit ihrem Old Shatterhand, die beiden Frühaufsteher, kannse ma helfen die Karre geht nicht auf, Schloss eingefroren, sowat doof, und wir gehen gleich nen Kater holen, Maine Coons vom Züchter, sind 2 Stück da, jeder en Hunni, na wie isset, kommse mit, aber der Tiger ist für uns. Old Shatterhand schleppte mich hoch ins Wigwam und zeigte mir die Anzeige bei enimal.de – aber der Tiger ist seiner, jaja von mir aus. Der andere gefiel mir eh besser: schwarz mit weißen Abzeichen, sanfter Blick aus goldgelben Augen. Liebe auf den ersten Blick. So schlurfte ich in Pantoffeln ohne Socken durch den Schnee zum Geldautomaten, packte die beiden in meinen Volvo (der ist wenigstens wintertauglich, die Autobahn war noch nicht geräumt) und los gings. Bei der Familie, die eine kleine Hobbyzucht betreiben, herrschte Land unter, da eine befreundete Züchterin aus gesundheitlichen Gründen ihren Bestand verkleinern musste und alle Katzen erst mal hier abgeladen wurden. Hinzu kam ein ungeplanter Wurf, wo einer der Kater schneller war als der Tierarzt. Die beiden halbwüchsigen Katerchen Lukas und Ole mussten deshalb schweren Herzens aber zügig ein neues Zuhause finden, Platz vor Preis. In der kleinen Küche tummelten sich bestimmt ein Dutzend Katzen, ohne dass es irgendwie Stress gegeben hätte. Ntscho- Tschi und die Züchterin verstanden sich auf Anhieb, und auch die Katerchen waren sofort und von sich aus da, wo sie hingehören: der sanfte Lukas auf meinem Schoß und Tigerchen Ole, ein selbstbewusster Draufgänger vor dem Herrn, bei Old Shatterhand.
Beide Katerchen haben sich ganz schnell in der jeweiligen Katzengruppe völlig problemlos eingelebt, jeder auf seine Weise. Während Shatterhands Ole der Chef im Ring ist und die anderen 4 Katzen im Hause Ntscho- Tschi im Griff hat, merkte man von Anfang an im Hause Sternchen nicht wirklich, dass nun 5 Katzen in der Wohnung leben. Letztens klingelte mein Telefon, Ntscho- Tschi an der Strippe: „Komma rübba gucken, ich hab Kaffee gemacht.“ Die Züchterin hat ihr aus Platzmangel tatsächlich einen ihrer Kastraten für lau aufgeschwätzt, einen wunderschönen Riesenkater, Nummer 6 im Wigwam, the best place to be for a cat…
Alltag mit Maine Coon Katzen: Lukas hat sich seltsamerweise den Bengalkater als besten Freund ausgesucht. Die beiden hecken jetzt gemeinsam ihre Streiche aus. Zum Glück hab ich schon von Porzellan auf Plastik umgestellt, zwangsweise. Sandy ist auch gerne mal mit von der Partie. Nun begleiten mich drei Katzen auf Schritt und Tritt. Der kleine Lukas ist zwar erst 5 Monate alt, aber er war das einzige Kätzchen im Wurf und ist jetzt schon so groß wie der ausgewachsene Bengalkater. Ich denke, dass er so groß wird wie sein Papa, 10 Kilo. Die Nummer mit dem Clown, wie Maine Coon- Kater so gerne charakterisiert werden, liegt ihm überhaupt nicht. Er ist ein sanfter Schmuser vor dem Herrn und hängt auf mir fest wie eine Klette.
Auch Sandy ist eine sehr verschmuste Katze. Von der würdevollen Mütterlichkeit merke ich allerdings nichts. Auch jetzt noch ist sie die Dusselkatze vor dem Herrn und hat von ihren 7 Leben schon mindestens 2 aufgebraucht, ganz zu schweigen von dem Porzellan und Kristall, welches bereits zu Bruch gegangen ist, weil sie ziemlich unelegant und bar jeder Würde und Körperbeherrschung von Schrank zu Schrank hoppst. Allerdings ist es eine prima Möglichkeit, ungeliebte Geschenke ganz elegant loszuwerden, man muss sie nur richtig auf den Katzenfährten positionieren. Pling. Oder man schmeißt sie gleich weg und falls die Erbtante doch mal nachfragt, wars halt die Katze… Sandy ist ständig um mich herum, hat mich stets im Blick und nachts steppt sie auf der Steppdecke, bevor sie sich zusammenrollt und pennt. Von allen unseren Katzen ist sie der größte Schatz. Trotz Scherben.
Erziehungsfragen: Es gibt ja Leute, die behaupten, dass man Katzen nicht erziehen kann. Selbstverständlich kann man das, und man muss es sogar, insbesondere bei Maine Coons, denn was man bei einem kleinen Kätzchen an Unarten vielleicht noch toleriert, kann bei einem ausgewachsenen 12- Kilo Koloss ganz schön unangenehm werden. Hier muss man von klein auf mit liebevoller Konsequenz wirklich alles unterbinden, was später nicht sein darf.
Da ein lautes „Nein“ in der Regel von Katzen jedweder Abstammung ignoriert wird, tut eine Blumenspritze gute Dienste. Auch wenn man wie ich einen Hund hat, der gerne die Supernanny raushängen lässt, ist das pädagogisch wertvoll. Die olle Töle genießt bei den Katzen mehr Respekt als ich, einmal Wuff und sofort ist Ruhe. Problematisch ist die Tatsache, dass vor allem der kleine Lukas in seinem vorherigen Zuhause total verwöhnt wurde und daher klaut wie ein Rabe. Bei der Verteilung von Mein und Dein auf dem Esstisch ist er nicht nur sehr kreativ, sondern geradezu kackfrech. Die Blumenspritze gehört mittlerweile zu jedem Gedeck dazu wie der Salzstreuer, und nach 8 Wochen kann Familie Sternchen mittlerweile relativ unbehelligt essen. Das war ein weiter Weg, der Geduld und Konsequenz erforderte.
Spieltrieb: Sowohl der Bengalkater als auch die beiden Maine Coons sind immer für ein Spielchen zu haben oder für eine Schmuseeinheit. Das Katzenspielzeug sollte allerdings etwas robuster gewählt werden, der ganze fisselige Kleinkram hält dem Temperament nicht stand. Ich kaufe mittlerweile kleines Hundespielzeug, aber auch Tennisbälle werden gerne durch die Gegend geschnickt oder gar apportiert. Ganz beliebt sind auch Spiele mit einer Angel.
Da Maine Coons sehr neugierig sind, wird alles untersucht. Packt man mit großem Bohei ein paar Leckerlis in einen leeren Karton (am besten eignen sich Eierkartons) und verschließt diesen dann (Gummi drumwickeln), so hat die Katze erst mal eine Weile zu tun. Selbstverständlich machen Neugierde und Spieltrieb nicht vor Dingen halt, die nicht als Katzenspielzeug vorgesehen sind. Autoschlüssel, Handy, Wäscheklammern u.ä. finden sich oft im Spielzeugbunker der Katzen wieder. Diese Form der Entropie ist auch eine Ordnung.
Aber am liebsten spielen sie ausgiebig mit ihrem Menschen! wobei die Krallen nur mit Bedacht eingesetzt werden. Hund und Katz
Dass die Hündin mehr Respekt genießt als ich, habe ich ja bereits erwähnt. Aber mit dem Rüden machen die Katzen regelrecht Front gegen mich! Katz zu Hund: „Wasser ist leer, order mal Nachschub!“ Hund zu Katz: „Da im Regal stehen die Hundekuchen, hol mal runter.“ Katz zu Hund: „Ja aber nur wenn Du den Mülleimer aufmachst.“ Womit klar sein dürfte, dass sich Hund und Katz nicht nur verstehen, sondern auch verständigen. Klappt bei den Maine Coons besser als bei den anderen drei Katzen.
Die vom Hundeprofi Martin Rütter vorgeschlagenen Erziehungsmethoden fruchten übrigens zum Teil auch bei den Maine Coons. Womit wir beim nächsten Thema wären - Kommunikation:
Bei der Körpersprache gibt es keine Unterschiede zu anderen Katzen, wohl aber bei den Lauten. Neben dem üblichen Miauen in allen Bedeutungen und Tonarten, was auch bei großen Katern nicht nach großem Kater klingt sondern eher niedlich, schnattern, knurren (selten) und fauchen (noch seltener), verfügen die Maine Coons über einen gurrenden Verständigungslaut, den man in der Literatur nirgendwo erläutert findet, sich aber recht schnell draufschaffen sollte, denn er heißt übersetzt irgendwas sehr nettes und wird zu allen Gelegenheiten gebraucht. Überhaupt sind Maine Coons sehr gesprächig und kommentieren alles, was sie tun und was sie beobachten. Die quatschen mehr als meine Mutter und das will was heißen. Man kann sie gut in der (großen) Wohnung halten, allerdings nicht als Einzelkatze, denn sie sind äußerst gesellig und sozial. Eine Maine Coon pennt niemals allein.
Futter und Nierenprobleme: Eine große und lebhafte Katze hat auch großen Energiebedarf und vertilgt dementsprechend große Mengen Futter, ohne dass jedoch der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen linear mit ansteigen würde. Was zu viel ist, wird über die Nieren ausgeschieden, die vor allem bei den Katern aufgrund des zu viel Zuviel irgendwann den Dienst quittieren. Hier ist also das Füttern von speziell auf den Nährstoffbedarf der Maine Coons abgestimmtem Spezialfutter angesagt, was sich auch aufgrund der größeren Kroketten empfiehlt. Die Kosten für einen 10 Kilo- Sack (z.B. Sanabelle Grande) liegen bei 40 €, Royal Canin schlägt mit fast 60 € zu Buche. Also teuer Katz mit Billigfutter abspeisen geht gar nicht. Und wer weiß, wie Whiskashaufen stinken, der kann auch darauf verzichten, solche Küttel im Maine Coon- Kaliber aus dem Katzenklo zu fischen…
Das Trockenfutter wird bei uns angereichert mit diversen Leckereien aus Topf und Pfanne (selbstverständlich ungewürzt) und auch das Self- Catering schadet ihrer Gesundheit offenbar nicht, nur meiner Laune (wenn ich mal wieder nur Bratkartoffeln ohne Speck zu essen bekomme).
Fazit: Nur schön finden reicht hier nicht. Eine Maine Coon ist kein Perser und definitiv nichts für Leute, die auch mal ihre Ruhe haben wollen. Es ist wie immer eine Charakterfrage, ob es passt oder nicht, und nur wenn die Ansprüche von Katz und Dosenöffner konform gehen, werden alle Beteiligten glücklich.
Diese großen, sanften Riesen haben es mir echt angetan, weil sie mir als Hundemensch vom Charakter her sehr liegen. Sie sind anhänglich und verschmust, unkompliziert und ohne die typische katzenartige Arroganz, die mich bei unseren BKH Karthäusern echt nervt. Wer damit leben kann, dass Simon’s Cat (wer den nicht kennt, sollte unbedingt danach googeln – einfach köstlich) durchaus noch steigerungsfähig ist, der ist mit diesen wunderbaren Katzen bestens bedient. Wer allerdings nur ein großes teures Schmuckstück für die Couch sucht, sollte sich besser die Variante von Steiff (Artikelnummer 038662) zulegen, nicht zuletzt der Couch zuliebe. Aber für mich sind sie genau richtig ;o) und deshalb gibbet auch volle Punktzahl und eine dicke Empfehlung für alle, die eine unkomplizierte, anhängliche und liebebedürftige Kumpelkatze suchen, gerne Bratkartoffeln ohne Speck essen und ansonsten ihre Wohnung öfters mal renovieren wollen.
14.9.2010 Juchuu, wir haben Nachwuchs- sechs kleine Racker machen die Bude unsicher. Und zugleich zeigt sich mal wieder, wie der Mensch gestrickt ist- haben wollen ja, was bezahlen wollen nein
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06.01.2012 22:00
Gerne ein "bh" für deinen informativen, aber auch sehr unterhaltsam geschriebenen Bericht.
02.01.2012 19:11
wahnsinnig unterhaltsam (quatschen mehr als meine Mutter *kicher* - unliebsame Geschirrgeschenke leicht wieder loswerden *prust*) und super informativ und interessant. Die Rasse finde ich absolut faszinierend und wunder wunderschön! Hätte sehr gerne eine, aber wie du schon schreibst: sie brauchen gleichartige Gesellschaft - nur dafür ist unsere Wohnung nun mal zu klein ;) Ein Wäschestück für die Miezen und den Hunden, die mehr zu sagen haben als du *lach* LG
13.11.2010 11:03
Wir überlegen auch uns Katzen anzuschaffen, und Maine Coons stehen da mit in der engeren Auswahl. Deswegen gibt es natürlich auch ein bh für deinen tollen und informativen Bericht. LG, Jai