Malice - Eine Intrige

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ACHTUNG! SPOILER! Ich weiß nicht, ob Regisseur Harold Becker und seine Drehbuchautoren Sorkin und McCord ihr Publikum mit Böswilligkeit (Malice) strafen wollten; ihr gleichlautender Streifen aus dem Jahr 1993 ist jedenfalls nicht nur ein ärgerliches Produkt aus dem Hause Hollywood. Das ... Bericht lesen





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Erfahrungsbericht von Posdole über Malice - Eine Intrige
20.08.2003


Produktbewertung des Autors:   

Humor kein Humor 
Spannung durchschnittlich spannend 
Anspruch eher nicht 
Action: geht so 
Romantik: wenig 

Pro: Siehe Bericht
Kontra: Siehe Bericht

Empfehlenswert? nein 

Kompletter Erfahrungsbericht


ACHTUNG! SPOILER!

Ich weiß nicht, ob Regisseur Harold Becker und seine Drehbuchautoren Sorkin und McCord ihr Publikum mit Böswilligkeit (Malice) strafen wollten; ihr gleichlautender Streifen aus dem Jahr 1993 ist jedenfalls nicht nur ein ärgerliches Produkt aus dem Hause Hollywood. Das Drehbuch ist gelinde gesagt: dumm. Es gibt Filme, die entlang einer relativ schlichten Handlung enorme Spannung aufbauen können. Und es gibt Filme, die derart mit Einzelheiten, Andeutungen, Nebengeschichten und Unwichtigkeiten überfrachtet sind, dass nie Spannung aufkommen kann, weil all diese netten oder weniger netten Kleinigkeiten nichts anderem dienen, als eine selten dämliche Handlung voranzutreiben. Man hangelt sich von Katalysator zu Katalysator, nur um 107 Minuten Zelluloid mit konstruierten, unglaubwürdigen Zufällen und erzählerischen Verstrickungen vollzustopfen, die alles andere erzeugen, nur keine Spannung oder / und Überzeugungskraft.

„Malice – Eine Intrige“ gehört zu den Filmen, die bei mir Ärger und Kopfschütteln produzieren. Die Amerikaner sprechen bei derlei Streifen von „busy“, geschäftig. Wie ein Börsenmakler – bei dem man das noch verstehen kann – sind sie ständig mit irgendwelchen Geschichten und Geschichtchen beschäftigt, pokern mal hier, spekulieren mal dort – allerdings ohne Sinn und Verstand, während der „Kollege“ Makler wenigstens die Chance hat, schlussendlich einen Gewinn zu erzielen.

Tracy (Nicole Kidman) und Andy (Bill Pullman), Lehrer, sind ein Ehepaar, das sich überlegt, ob sie einen Teil ihres Hauses, das sie gerade renovieren, vermieten sollen. Ganz zufällig trifft Andy einen alten Schulkameraden namens Dr. Jed Hill (Alec Baldwin), einen Arzt am Krankenhaus, wieder der sich für unfehlbar hält. Gegen den Widerstand von Tracy vermietet Andy Jed die obere Etage ihres Hauses. Warum Hill, der laut Drehbuch zu den anerkanntesten Ärzten gehört und für den Geld sicherlich kein Problem ist, als Mieter bei Tracy und Andy einsteigt, statt sich ein eigenes Haus zu kaufen, bleibt unerfindlich, auch und gerade wenn man den Schluss der Geschichte kennt.

Zur gleichen Zeit sucht die Polizei unter Leitung von Detective Dana Harris (Bebe Neuwirth) einen Mann, der bereits drei Schülerinnen vergewaltigt und ermordet hat. Andy gerät in Verdacht, wobei Dana Harris an seine Unschuld glaubt, ihn allerdings dazu bewegt, eine Spermaprobe abzugeben, um seine Unschuld zu beweisen. Gesagt, getan.

Kurze Zeit darauf bekommt Tracy heftige Unterleibsschmerzen. Im Krankenhaus stellt Dr. Hill fest, dass einer ihrer Eierstöcke entfernt werden muss. Tracy ist zudem schwanger und Hill meint, dass auch der andere Eierstock entfernt werden muss – gegen den Widerstand seines Assistenzarztes. Tracy, von der zuvor gesagt wird, sie wünsche sich ein Kind, kann nie wieder schwanger werden. Da Andy Dr. Hill sein Einverständnis in einem Gespräch vor der Operation gegeben hatte, beide Eierstöcke zu entfernen, trennt sich Tracy von Andy und verklagt über ihren Anwalt Riley (Peter Gallagher) Dr. Hill auf Schadensersatz und Schmerzensgeld. In vorgerichtlichen Vergleichsverhandlungen werden Summen im Bereich von 20 Mio. Dollar genannt.

Inzwischen stößt Andy zufällig auf die Kellerwohnung des Hausmeisters der Schule (Earl Leemus) und findet dort abgeschnittene Frauenhaare. Andy kann Leemus überwältigen, der als Mörder der drei Schülerinnen festgenommen wird. Als Detective Harris von der Operation Tracys erfährt, gesteht sie Andy, dass das Kind, mit dem Tracy schwanger war, nicht von ihm stammen könne. Die Spermauntersuchung habe ergeben, dass er steril sei. Andy versucht natürlich herauszubekommen, von wem das Kind war – und stößt auf die alkoholabhängige Mutter von Tracy (Anne Bancroft), die laut Tracy angeblich schon lange tot ist. Mrs. Kennsinger erzählt – getränkt von Whisky – Andy so einiges Abscheuliches aus dem Leben ihrer Tochter.

Und nun rate man, was hinter diesem ganzen Zauber steckt.

Ganz einfach: Hill und Tracy sind ein Paar mit der Absicht, an viel Geld zu bekommen. Die Idee: Tracy lässt sich die Eierstöcke entfernen, um in dem dann fingierten Vergleich an die Millionen zu kommen und das Weite zu suchen.

Ich fass es nicht. Und es stellen sich mehr Fragen, als Antworten gegeben werden können. Wieso ist diese Frau mit dem Softy Andy verheiratet? Tracy ist ein gerissenes und skrupelloses Miststück, das nach Aussage ihrer Mutter ihr ganzes Leben hinter Geld her war. Und dann heiratet sie einen Lehrer, bei dem nun wahrlich nichts zu holen ist? Erster Drehbuchklamauk. Dr. Hill und Tracy schmieden eine Intrige. Doch wozu, verdammt noch mal, muss Hill bei Andy und Tracy einziehen? Um Andy weiszumachen, dass Tracy angeblich Hill nicht leiden kann? Dazu hätte der inszenierte Konflikt nach der Operation völlig ausgereicht. Zweiter Drehbuchklamauk. Dann der Nebenplot: Psychopathischer Hausmeister vergewaltigt und tötet Schülerinnen. Andy gerät in Verdacht. Die Spermaprobe beweist seine Unschuld – mit dem netten Nebeneffekt, dass seine Sterilität festgestellt wird. So etwas nennt man einen fingierten Drehbuchtrick. Die ganze Geschichte dient ausschließlich dazu, einen Verdacht Andys gegen Tracy zu erzeugen. Welcher Zufall, dass der schlimme Hausmeister ausgerechnet zur gleichen Zeit sein Unwesen treibt, als Hill und Tracy dabei sind, ihre Intrige zu spinnen. Dritter Drehbuchklamauk.

Aber das Schlimmste an der Sache. So gerissen diese Frau auch sein mag: Sie lässt sich beide Eierstöcke entfernen wegen 20 Mio. Dollar – mit all den potentiellen psychischen Folgen, die das haben kann? Der gerissene Chefarzt Dr. Hill setzt seine Karriere aufs Spiel, riskiert möglicherweise ein Strafverfahren, seine Entlassung, um mit der Hälfte von 20 Mio. Dollar irgendwo im Ausland unterzutauchen? Dabei wird dem Zuschauer weis gemacht, Dr. Hill sei einer, der einen „Gottkomplex“ habe, einer der sich für unfehlbar hält. So einer würde doch wohl eher alles daran setzen, um auf der Karriereleiter immer weiter aufzusteigen, anstatt sich auf ein derart windiges und riskantes Abenteuer einzulassen. Und: In welchem Verhältnis steht die Hälfte des avisierten Vergleichsbetrags zu seinem Einkommen als Arzt? Vierter und fünfter Drehbuchklamauk.

Und last but not least: Alec Baldwin spielt diesen Dr. Hill eher als etwas großspurigen Lebemann denn als „Gott in Weiß“, der sich für unfehlbar hält. Das wird schon anfangs angedeutet, als Hill im Haus von Andy und Tracy mit einer Dame heiße Nächte verbringt. Nicole Kidman spielt zumeist solide, aber trotzdem kann man ihr das gerissene Biest angesichts der Windungen und Wendungen, des überfrachteten Drehbuchs und der Plotschwächen nicht immer abnehmen. Bill Pullman ist in diesem ganzen Durcheinander zumeist verloren. Sein netter Kerl Andy, der ab und an vom Mitleid der sympathischen Polizistin Dana lebt, wirkt etwas arg hin- und hergerissen zwischen verhunztem Drehbuch, Alec Baldwin und Nicole Kidman – und nicht nur einmal schaut er ziemlich dumm aus der Wäsche.

„Malice“ hat – ich will das nicht unterschlagen – seine durchaus spannenden Momente. Die Kidman und insbesondere Anne Bancroft als ihre Film-Mutter haben einige wirklich gute Szenen. Auch die Szene, in der zwischen den Anwälten über einen Vergleich verhandelt wird, lässt nichts zu wünschen übrig, und insbesondere George C. Scott als Gutachter und ehemaliger Vorgesetzter von Dr. Hill kann hier überzeugen.

Alles in allem aber ist „Malice“ ein heilloses Wirrwarr an Handlungen, Nebenhandlungen, überflüssigem Beiwerk und Unglaubwürdigkeit. Sicher, jeder Film ist von vorne bis hinten ein Konstrukt. Nur, wenn jemand ein Haus gebaut hat und es regnet zum Dach hinein, die Fenster sind undicht und schließen nicht richtig, das Parkett wölbt sich, an den Wänden taucht Schimmel auf - da ziehe ich dann lieber aus und um.

Wertung: 3 von 10 Punkten.

Malice – Eine Intrige
(Malice)
USA 1993, 107 Minuten
Regie: Harold Becker

Drehbuch: Aaron Sorkin, Jonas McCord
Musik: Jerry Goldsmith
Director of Photography: Gordon Willis
Schnitt: David Bretherton
Produktionsdesign: Philip Harrison, Dianne Wager, Tracey A. Doyle, Garrett Lewis
Hauptdarsteller: Alec Baldwin (Dr. Jed Hill), Nicole Kidman (Tracy Kennsinger), Bill Pullman (Andy Safian), Bebe Neuwirth (Detective Dana Harris), George C. Scott (Dr. Martin Kessler), Anne Bancroft (Mrs. Kennsinger), Peter Gallagher (Dennis Riley, Anwalt Tracys), Josef Sommer (Lester Adams, Anwalt Jeds), Tobin Bell (Earl Leemus, Hausmeister am College), William Duff-Griffin (Dr. George Sullivan), Debrah Farentino (OP-Schwester Tanya), Gwyneth Paltrow (Paula Bell)

Internet Movie Database:
http://german.imdb.com/Title?0107497

Weitere Filmkritik(en):
„Chicago Sun-Times“ (Roger Ebert) (2 von 4 Punkten):
http://www.suntimes.com/ebert/ebert_reviews/1993/10/881482.html

„Movie Reviews“ (James Berardinelli) (2,5 von 4 Punkten):
http://movie-reviews.colossus.net/movies/m/malice.html

© Ulrich Behrens 2003 für
www.ciao.com
www.yopi.de
www.dooyoo.de

   
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