... Nach längeren Diskussionen entschieden wir und für
„Man of the Moment“ von Alan Ayckbourn.
Dieses Buch gehört nicht zu den Büchern von vor hundert Jahren, sondern wurde vor ca. 20 Jahren geschrieben, also noch ein wahrer Jüngling unter den normalen Schullektüren
Daten & Fakten
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Freudestrahlend betrat unsere Englischlehrerin die Klasse und teilte uns mit, dass es wieder Zeit für eine neue Englischlektüre sei. Nun ja, die Begeisterung war seltsamerweise sehr einseitig, zu stark waren noch die Erinnerungen an „Macbeth“ und “Romeo and Juliet“. Doch da unsere Lehrerin demokratisch veranlagt ist, durften wir mit auswählen, welche Buch wir denn lesen möchten. Nach längeren Diskussionen entschieden wir und für
„Man of the Moment“ von Alan Ayckbourn.
Dieses Buch gehört nicht zu den Büchern von vor hundert Jahren, sondern wurde vor ca. 20 Jahren geschrieben, also noch ein wahrer Jüngling unter den normalen Schullektüren
Daten & Fakten Das Buch ist auf englisch und hat 116 Seiten. Der Preis liegt bei knapp 9 Euro, was nicht gerade wenig ist. Aber englische Bücher – und dann noch Schulausgaben – sind leider immer etwas teurer. Aber ich bin bereit, etwas mehr Geld auszugeben, wenn es sich denn lohnt. Und ob es sich gelohnt habt, werdet Ihr am Ende sehen :)
Inhalt Vor ca. 17 Jahren verübte Vic Parks einen Banküberfall. Während eines Kampfes mit dem Bankangestellten Douglas Beechy löste sich ein Schuss, den Noris, eine Bankangestellte, ins Gesicht traf und dieses entstellte. Nach diesem Ereignis wurde Douglas ein Held und Vic Parks musste für knapp 10 Jahre ins Gefängnis. Doch schon nach 3 Jahren verblasste der Ruhm Douglas’ und schließlich vergaß man ihn. Vic Parks hingegen schaffte es nach seiner Entlassung zum Star, indem er Bücher schrieb und Fernsehsendungen moderierte. Heute, nach 17 Jahren, sollen sich die beiden wiedertreffen und über ihr Leben erzählen.
Ich werde weiter auf die Figuren eingehen, aber selbstverständlich nicht das Ende verraten. Schließlich soll die Spannung erhalten bleiben und jeder selbst rätseln, wie das Interview enen wird.
Douglas Beechy
Douglas Beechy fällt durch seine scheinbare Gefühllosigkeit auf. Er zeigt keinen Neid, als er die riesige Villa von Vic Parks betritt noch macht er diesem Vorwürfe. Nichts scheint ihn zu berühren und die Mauer zu durchdringen, die ihn umgibt. Jill, die Interviewerin versucht permanent, den Mann zu provozieren. Umsonst, er hält sich zurück und ist zu jedem freundlich und erkennt den Erfolg seines ehemaligen Gegners an. Nur manchmal meint man, Gefühle erkennen zu können, nämlich dann, wenn er über seine Frau redet: die Bankangestellte Neris, die er nach dem Vorfall ehelichte. Doch diese Gefühlsregungen nimmt von der Fernseh-Crew keiner wahr: Was sind schon solche Gefühle im Fernsehen? Da will man Neid, Hass und Kampf, aber nicht Gefühle dieser Art, die nichts reißerisches an sich haben.
Vic Parks
Wie bezeichnete meine Lehrerin ihn? Ein typisches A...loch, mit man im wahren Leben nichts zu tun haben möchte. Egoistisch, desinteressiert und arrogant macht er sich nichts aus seinem Gegenüber, sondern sieht nur sich. So fragt er Douglas mindestens drei Mal, ob dieser Kinder habe. Und erhält jedes Mal dieselbe Antwort: Nein. Statt diesen wunden Punkt zu meiden, bohrt Vic permanent in diesem herum. Vic liebt es, seinen Erfolg darzustellen und sich im Mittelpunkt zu sehen. Denn wenn es nach ihm ginge, so würde sich die gesamte Welt nur um ihn drehen. Das Interview macht er daher nicht, um das Geschehene noch einmal aufzuarbeiten oder sich gar zu entschuldigen. Im Gegenteil, dieses Interview bringt Quoten und kann dafür sorgen, dass noch mehr Bücher von ihm verkauft werden. Vis geht sogar so weit, sämtliche Schuld von sich zu weisen und Douglas auf gewisse Weise für den Schuss verantwortlich zu machen: Denn, hätte dieser sich nicht aufgestürzt, hätte er nie geschossen. Logische Schlussfolgerung...
Neris, die Ehefrau von Douglas
Neris tritt in dem Stück nicht direkt auf, sondern der Leser kennt sie nur vom Hörensagen. Aber man erfährt relativ viel über sie. Neris hat bis heute noch nicht den Vorfall verkraftet. Sie lebt zu Hause und wagt es nicht, dieses zu verlassen oder sich in Gegenwart anderer zu zeigen. Zu sehr schmerzen sie die Erinnerungen. Zudem fühlt sie sich in als Frau verletzt. Früher galt sie als Schönheit, heute kann sie nur noch mit Theaterschminke das Haus verlassen, weil man ansonsten ihr entstelltes Gesicht sieht. Im Gegensatz zu Vic war sie nicht in der Lage, ein neues Leben zu beginnen. Sie entschied sich gegen Kinder, weil sie zum einen nicht die Verantwortung übernehmen wollte und zum anderen sich nicht als wahre Frau sieht. Obwohl Douglas diese Probleme anspricht, versteht keiner der Umstehenden am Set, wie sehr das Leben beider durch den Banküberfall sich verändert hat und auf gewisse Weise zerstört worden ist.
Als ich das Buch gelesen habe dachte ich, und das soll nicht böse gemeint sein: Wow, Amerika wie es wirklich ist. Als ich in Kanada war, wurde ich ebenfalls mit dieser Oberflächlichkeit konfrontiert. Der Gegenüber fragte einen, wie es geht, drehte sich aber im selben Moment weg, als man antworten wollte. Ayckbourn zeigt sehr deutlich, wie schnell Menschen vergessen werde und welche Ansprüche die Gesellschaft an das Individuum stellt: Bitte keine Probleme, sondern Erfolg im Leben. Denn Douglas, der Antiheld, gehört zu den Verlierern im Leben. Zumindest nach Ansicht der Gesellschaft. Er selbst sieht sich als Sieger, denn er hat mit Neris ein eigenes Haus und lebt, das ist, was zählt. Vic lebt den American Dream: Familie, Riesenhaus und jede Menge Geld. Probleme gibt es selbstverständlich nicht. Wer hat schon Probleme? Gibt es die doch, werden sie verschwiegen. Es macht sich nicht gut, Schwächen zu zeigen und damit seine eigene Fehlbarkeit einzugestehen.
Douglas war somit der „Man of the moment“. Aber wer weiß, vielleicht wird Vic ja auch einer...
Die Sprache
Die Sprache ist das heutige Englisch und tendiert oftmals zur Umgangssprache. Daher sollte man aufpassen, wenn man eine Klausur schreibt, dass man nicht plötzlich in den Slang abrutscht. Dies macht sich nämlich im Ausdruck nicht ganz so gut. Da unten auf der Seite viele Vokabelangaben zu finden sind, fällt einem das Lesen leicht und man muss nicht andauernd das Lexikon wälzen, um das Gesagt zu verstehen. Da Das Buch ein Drama ist und somit aus Dialogen besteht (Monologe kommen nicht vor!), fehlt es nicht an der Dynamik und mir wurde es nie langweilig, das Buch zu lesen. Endlich einmal eine Lektüre, die Spaß macht, zu lesen.
Fazit Diesem Buch gebe ich satte fünf Sterne und kann es nur weiterempfehlen. Denn obgleich es ziemlich jung ist, ist es nicht weniger lesenswert als einer der alten Klassiker wie Shakespeare.
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