Erfahrungsbericht über

Manila / Alex Garland

Gesamtbewertung (11): Gesamtbewertung Manila / Alex Garland

 

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Tesserakt? Was ist denn das???

4  29.08.2001

Pro:
gute Story, angenehmer Lesestoff

Kontra:
-

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau

Unterhaltungswert

Spannung

Wie ergreifend ist die Story?

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Espionne

Über sich: "Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt." Arabisches Sprichwort >>...

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 83 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Je heller das Licht, desto dunkler der Schatten. Mit diesem Zitat von Dick Taylor beginnt der Roman "Manila" von Alex Garland und gibt damit schon eine Umschreibung der besonderen Atmosphäre dieses Buches im Vorhinein. Der Schauplatz ist, wie bereits in seinem ersten Roman "Der Strand" wieder mal ein exotischer, aber dennoch weit davon entfernt in irgendeiner Weise paradiesisch zu sein. Um diesen spannenden Kontrast spinnt der Autor eine packende Geschichte, die den Leser so schnell nicht wieder loslässt.


***DIE HANDLUNG***

Ich will nicht zu viel von der Geschichte verraten, sonst braucht ihr das Buch am Ende gar nicht mehr zu lesen. Also beschränke ich mich darauf, die Handlung in groben Zügen wiederzugeben, und einfach auszublenden, wenn ich das Gefühl habe, ich würde zu viel verraten. Schließlich will ich niemanden den Lesespaß vermiesen.

Die Geschichte beginnt in einem heruntergekommenen Hotelzimmer in einem nicht minder heruntergekommenen Stadtteil in der schwülen Abenddämmerung von Manila. Dort wartet Sean, ein junger Engländer auf Don Pepe, einen philippinischen Mafiaboss, mit dem er Verhandlungen führen soll. Während er in seinem Zimmer wartet, wird er mehr und mehr von einer klaustrophobischen Angst gepackt. Nicht nur die Tatsache, dass er der einzige Hotelgast ist trägt zu dieser Stimmung bei, sondern auch die vielen merkwürdigen Dinge, die er an seinem Zimmer feststellt: das blutbefleckte Bettlaken, der vernagelte Türspion, die tote Telefonleitung. In Sean steigt das Gefühl auf in der Falle zu sitzen, verzweifelt sucht er nach einem Ausweg und als Don Pepe mit seinen Gefolgsleuten den Flur zu Sean's Zimmer hinaufkommt, packt ihn die Panik...

Etwa zur gleichen Zeit bringt die Ärztin Rosa ihre beiden Kinder zu Bett. Sie lebt in einem der sicheren Stadtteile Manilas zusammen mit ihrem Mann, den Kindern und ihrer Mutter. Nach einem Streitgespräch mit der Mutter, werden in ihr Erinnerungen wach: an ihre Kindheit, den Fischerjungen Lito, den sie liebte, aber nicht lieben durfte, den Tod ihres Vaters. Während sie also in der Küche sitzt und ihren Erinnerungen nachhängt, fallen draußen auf der Straße plötzlich Schüsse...

Auch Vincente und Totoy, zwei Straßenjungen hören die Schüsse, als sie wie jeden Abend durch die Straßen von Manila ziehen...
Die Schüsse sind es am Ende, die die Schicksale dieser sehr unterschiedlichen Menschen vereinen und ihre Lebenswege kreuzen lassen. Ein unheilvolles Band, das diese Personen zusammenführt und in einem mörderischen Reigen in der schwülen Dämmerung Manilas endet...


***DAS BUCH***

Das Buch besteht im Grunde aus vier Teilen. In den ersten drei Teilen werden die Geschichten der unterschiedlichen Personen erzählt, während im vierten Teil alle Personen zusammen auftauchen. Sie werden alle Teil der selben Handlung, obwohl sie vorher nichts miteinander zu tun hatten. Gleichzeitig ist der vierte Teil eine Art Showdown, in dem die Geschehnisse aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der einzelnen Personen beschrieben werden.

Der Stil des Romans ist etwas gewöhnungsbedürftig, da der Autor in Raum und Zeit oft hin und her springt. Saß Rosa zunächst noch in der Gegenwart am Küchentisch, so geht sie im nächsten Augenblick in ihrem Heimatort in die Schule. Kurze Zeit später wird wieder die Gegenwart beschrieben, während sie sich im nächsten Moment an ihre Mittagspause am gleichen Tag erinnert. Trotz dieser Zeitsprünge verliert man eigentlich nie den roten Faden und das Buch wirkt keinesfalls chaotisch. Die Überleitungen von einem Zeitpunkt zum nächsten sind außerdem sehr geschickt gemacht.
Auch zwischen unterschiedlichen Personen wird häufiger die Perspektive gewechselt. Im ersten Teil des Buches, als Sean im Hotel auf Don Pepe wartet, wird die gleiche Handlung immer zunächst aus der Sichtweise Seans beschrieben und anschließend noch einmal aus dem Blickwinkel von Don Pepe. Dies gelingt Alex Garland überaus gut, denn er schafft es zweimal die gleiche Handlung zu beschreiben, ohne dass sie langweilig wird. Dies beruht vor allem auf den unterschiedlichen Wahrnehmungen der beiden Personen, die im Grunde auch die Ursache für den Verlauf der Geschichte sind.

Stellenweise weckt das Buch den Eindruck, es würden mehrere einzelnen Geschichten erzählt, aber Garland ist sehr geschickt darin, die Einzelschicksale zu einem großen Ganzen zusammenzuführen. Alle diese Einzelschicksale bilden im Verlauf des Buches mehr und mehr eine Einheit, da sie immer stärker miteinander verknüpft werden.
Der Schreibstil des Buches ist sehr angenehm. Es ist anspruchsvoll, aber nicht schwer zu lesen. Was an diesem Buch auch klasse ist, ist die Art wie Alex Garland Spannung erzeugt. Er versteht es den Leser neugierig zu machen. Er verrät nie zu viel, sondern liefert immer nur einzelne Puzzleteile, die sich im Laufe des Buches zusammenfügen.


***LESEPROBE***

"Als er in sein Zimmer zurückkam, hatten die feuchteren Flecken auf der Straße im Schein der tiefstehenden Sonne glutrot zu leuchten begonnen. In diesen Breitengraden ging die Sonne nicht unter, sondern fiel vom Himmel. Um Viertel nach sechs dehnte sich das Gummiband, das sie in der Schwebe hielt, und um halb sieben riss es. Danach dauerte es noch zehn Minuten, bis das orangefarbene Oval bleischwer am Horizont versank, und im nächsten Moment war es Nacht. Dann musste man sich in Manila in acht nehmen. Zehn Minuten, um mit dem Taxi in einen sicheren Stadtteil zu gelangen, gesetzt den Fall, man hielt sich in einer unsicheren Gegend auf.
"Wie zum Beispiel jetzt", murmelte Sean vor sich hin, während die roten Pfützen dunkler wurden und verschwanden. Meilenweit entfernt von Ermita oder einem anderen ihm bekannten Viertel, in einem Hotel, das entweder nicht wusste oder aber vergessen hatte, dass es eines war." (Alex Garland - Manila, S.13)


***PRESSESTIMMEN***

Die internationale Presse hat sich vor Lob für "Manila" fast überschlagen. Der Spiegel schrieb: "Ein bemerkenswertes Buch!". Ähnlich fällt auch das Urteil der Times aus, die schreibt: "Ein kühner, ambitionierter Roman, der beweist, dass Alex Garland ein großer Autor ist."


***DER AUTOR***

Alex Garland wurde 1970 in London geboren und lebt auch heute noch dort. Seitdem er mit "Der Strand" bereits die internationalen Bestsellerlisten anführen konnte, wird er als einer der herausragendsten jungen britischen Autoren gefeiert. Einen ähnlichen Erfolg konnte er mit "Manila" verbuchen, das monatelang auf Platz 1 der britischen Bestsellerliste stand. Sein erster Roman "Der Strand" wurde obendrein mit Leonardo diCaprio verfilmt.

Die Bücher von Alex Garland:
"Der Strand" (1996 - Originalausgabe / 1997 - deutsche Ausgabe)
"Manila" (1998 - Originalausgabe / 1999 - deutsche Ausgabe)


***BUCHDATEN***

- Alex Garland - Manila
- Titel der Originalausgabe: The Tesseract (erschienen bei Viking/Penguin, London)
- 255 Seiten
- Originalausgabe erschien 1998
- Deutsche Ausgabe 1999
- Erschienen bei Goldmann (www.goldmann-verlag.de)
- ISBN 3-442-44989-8
- Preis des Taschenbuches: 15,00 DM


***FAZIT***
"Manila" ist ein packendes Buch, das von der Spannung zwischen Exotik und der unheilvollen Dunkelheit einer Stadt wie Manila lebt. Das Buch ist wie ein großes Puzzle, das mit jedem Kapitel weiter zusammengesetzt wird. Auch der Stil des Buches ist überaus ansprechend. Es ist ungewöhnlich geschrieben und sehr spannend. Wie schon bei "Der Strand" spielen menschliche Schicksale und die Abgründe der menschlichen Seele eine wichtige Rolle. Eine Geschichte ohne Helden aber auch eine Geschichte aus dem Leben, die auf jeden Fall vier satte Sterne verdient hat.

Alex Garland dürfte einer der Autoren sein, die man im Auge behalten sollte...


***LAST BUT NOT LEAST***

Dass das Buch im Original "The Tesseract" hat mir einiges Kopfzerbrechen bereitet. Das Wort gibt es auch im Deutschen, aber ich hab schon meine Schwierigkeiten, die Erläuterung aus dem Fremdwörterduden zu verstehen. Der schreibt nämlich zur Bedeutung des Wortes Tesserakt: "Strahl" im Sinne von Dimension; dem dreidimensionalen Würfel
analoge Struktur im vierdimensionalen Raum. *häh*
Schauen wir mal, was Alex Garland dazu sagt: "Die einen definieren den Tesserakt als einen reduzierten Hyperkubus, die anderen als den Hyperkubus selbst. Ich habe mich für erstere Definition entschieden, aus dem einfachen Grund, weil sie mir besser gefällt." *hääääh*

Was bitte meinen Sie damit, Herr Garland? Oder bin ich einfach nur zu doof, um die Bedeutung Ihrer Wörter zu verstehen? Wie dem auch sei, so habe ich wenigstens noch lange etwas von dem Buch, wenn ich mich in zwei oder drei Jahren immer noch frage, was ich mir denn jetzt unter einem Tesserakt vorstellen muss... ;-) ...aber beruhigend, dass die Rechtschreibprüfung in Word das Wort auch nicht kennt ;-)

Ich hoffe, ich konnte euch ein bisschen neugierig auf das Buch machen. Falls ja, viel Spaß beim Lesen :-)


CU, Meike

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Reiner S.

Reiner S.

22.10.2002 10:32

Hey Du da..kannte von Garland nur den Strand.Wusste gar nicht, das es noch weitere von dem gibt. Gruss Reiner PS: auch ne Art ne Definition zu verstehen.....

e_keule

e_keule

23.06.2002 23:00

Lese das Buch auch gerade, darum habe ich mir nicht deinen ganzen Bericht durchgelesen. Bin gerade auf Seite 50 und finde das Buch bisher noch nicht so toll, ich hoffe das wird noch, so wie du es beschreibst. Greetz keule

kleineswoelkchen

kleineswoelkchen

30.08.2001 19:41

das ist schön beschrieben... jedenfalls stehts jetzt auch auf meiner Wunschliste, ich mein das Buch:) gruss andy

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