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Liebe Leserinnen, lieber Leser,
Im Bereich des Filmes geschieht es immer mal wieder das auch ein Schauspieler auf den Regiestuhl rutscht. Bei wenigen kommt dann etwas brauchbares herraus. Eine absolute Ausnahmeerscheinung ist hier jedoch Mel Gibson. Die meisten werden jetzt wohl an den Film Bravehart denken, doch weit gefehlt. Schon einige Jahre früher, genauer gesagt, 1993 schuf Mel Gibson ein sehr einfühlsames Meisterwerk. Die Rede ist von „ Der Mann ohne Gesicht“
Kommen wir zum Inhalt:
Der 12 Jahre alte Chuck (gespielt von Nick Stahl) hat es nicht gerade einfach im Leben. Seine Mutter beachtet ihn kaum, seine Schwester hasst ihn sogar und wirkliche Freunde hat er auch keine. Er ist ein typischer Aussenseiter. Doch er hat einen Traum, er möchte so gerne auf die Militärakademie. Dort war auch schon sein verstorbener Vater. An diesen hat er leider nur wenig Erinnerungen. Doch diese Erinnerungen sind immer noch bei weitem besser als das jetzt mit seinen „neuen“ Vätern. Leider ist er aber schon einmal durch die Aufnahmeprüfung für die Akademie gefallen, und so müsste er eigentlich lernen, doch er weiss nicht genau was. Eine Person die ihm Hilfestellung gibt hat er auch nicht.
Und so begibt er sich mit einigen „Freunden“ auf eine Fahrt zum „Monster“. Das „Monster“ allerdings ist ein ganz normaler Mann, dieser wohnt allerdings seit einem schlimmen Unfall, welcher sein halbes Gesicht zerstörte, zurückgezogen in einem abgelegenen Haus. Und natürlich geht dieser Ausflug von Chuck schief, er verliert seine Bücher, als er vor dem Hund des „Monsters“ fliehen muss.
Bei dem Versuch die Bücher am nächsten Tag zurückzubekommen gerät er allerdings in grosse Gefahr. Doch glücklicherweise kommt das „Monster“ und rettet den Jungen. Und so erfährt Chuck das dieser Mensch einen Namen hat. Er heißt Justin McLeod (gespielt von Mel Gibson). Und dieser war früher selbst Lehrer, bis eben der grauenhafte Unfall passierte. Da er die ganzen Gerüchte der Leute des Ortes nicht mehr ertragen konnte zog er sich eben in ein abgelegenes Haus zurück.
Chuck versteht ein wenig, das dieser Mann eine ganz normale Person ist, eigentlich ein Aussenseiter wie er selbst auch, dazu noch ein Lehrer. Und so bittet er Mr. McLeod um Nachhilfe. Doch der lehnt erst einmal ab. Erst nach weiteren bitten stimmt er schließlich zu. Und er kann Chuck wirklich eine Menge beibringen. Er geniesst die Zeit bei seinem neuen Mentor, die schrecklichen Narben im Gesicht spielen überhaupt keine Rolle mehr, und auch der Begriff des „Monsters“ ist schnell vergessen. Und so entsteht zwischen diesen ungleichen Personen eine sehr gute freundschaftliche Beziehung. Der Lehrer hat endlich wieder einen Schüler, und einen guten dazu.
Natürlich bleiben diese ganzen Geschehnisse von der übrigen Dorfbevölkerung nicht unbemerkt. Und schon kommt es zu neuen Verdächtigungen. Von sexuellem Mißbrauch ist auf einem Mal die Rede, und McLeod wird noch mehr geschnitten als vorher. Chuck kann dieses Verhalten natürlich nicht verstehen. Und er verteidigt seinen Lehrer, doch wer hört schon auf einen 12-jährigen Jungen?
So, mehr gibt es mal wieder nicht, hier endet die Inhaltsangabe.
Meine Meinung:
Ein wirklich wunderschöner und anrührender Film über zwei Aussenseiter und die Begrenztheit der Toleranz. Was Mel Gibson hier in seinem Regiedebut aufzeigt ist ein trauriges Kapitel der Vorverurteilung von Menschen. Jeder der anders ist, jeder der nicht in die Norm passt, wirkt sofort verdächtig. Das ganze Thema dann noch von zwei Ebenen her anzupacken halte ich für schlichtweg genial. Und auch wenn Mr. Gibson natürlich der Star des Filmes ist, so läßt er das den Zuschauer in keinster Weise spüren. Im Film ist Nick Stahl der eigentlich herausragende, auch ein wunderbarer Zug des Regiesseurs.
Entgegen meiner sonstigen Ausschweifungen gehe ich auch bewußt nicht auf weitere Darsteller ein, sie sind makulatur in diesem Film. Mel Gibson spielt komplett gegen sein damaliges Image an. Er ist der verletzte, sich zurückziehende, der hässliche. 1993 waren wohl viele Frauen enttäuscht, die nur wegen Mel in diesen Film gegangen sind, lol. Und er überzeugt wirklich durch seine Schauspielkunst. Man glaubt ihm den gebrochenen Menschen den er darstellt. Und man erlebt wirkliche Freude als er durch den kleinen Jungen endlich wieder etwas aufblühen kann.
Und dann natürlich Nick Stahl. Ich frage mich ja immer wieder wie es so junge Menschen schaffen eine solche Leistung zu erbringen. Er leistet sich im ganzen Film nicht eine einzige Schwäche. Auch er bringt den Aussenseiter hervorragend auf die Leinwand. Und auch seine Entwicklung durch den Filmverlauf ist einfach überzeugend. Ein grosses Talent, leider habe ich bisher nichts weiter von dieser Person gehört. Insgesamt auf jeden Fall ein überragendes Regiedebüt von Mel Gibson. Sicherlich kein Popcorn-Kino, kein Action-Film, auch keine Komödie, also nicht das was man von Gibson erwartet. Aber ein wunderbarer Film mit viel Herz. Wer also auch mal einen anderen Mel Gibson sehen möchte liegt hier genau richtig.
Mein Fazit:
Ein ganz besonderer Film der wirklich Aufmerksamkeit verdient. Ein grossartiges Regiedebüt von einem noch besseren Schauspieler. Ein Film den eigentlich jeder mal gesehen haben sollte. Es muss nicht immer Action sein, auch gefühlvolle Filme können einen mitreissen. Mehr zu bewegen vermögen sie allemal.
Es gibt diesen Film sowohl auf Video und auch auf DVD.
Ich spreche eine Empfehlung aus und vergebe alle 5 Sterne.
Wer Tippfehler findet darf sich damit das halbe Gesicht zukleben.
Absolut genialer Bericht, den hoffentlich viele Ciaoler lesen werden - ein herausragender Film - Hast du "Wir waren Helden" schon gesehen? Tip an alle: ANSEHEN -- filmische Grüsse - Sepp-das-Wiesel
22.01.2003 11:10
Super Bericht, kann deinen Aussagen nur zustimmen! Der Film ist wirklich bewegend ... . MFG Benny
10.08.2002 18:29
Habe den Film eben gerade gesehen. Er ist wirklich genial. Grüße Curly
09.07.2002 00:06
Absolut genialer Bericht, den hoffentlich viele Ciaoler lesen werden - ein herausragender Film - Hast du "Wir waren Helden" schon gesehen? Tip an alle: ANSEHEN -- filmische Grüsse - Sepp-das-Wiesel