Das klassische Drama schlechthin
12. Nov 2000
(2. Okt 2001)
Pro:
sehr geschickt durchdacht
Kontra:
Tod Marias wird schon zu Beginn deutlich
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau:
Unterhaltungswert:
Spannung:
Humor:
Aufmachung:
mehr
 Emerald
Über sich:
Mitglied seit:23.04.2000
Erfahrungsberichte:93
Vertrauende:30
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 226 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Das Drama MARIA STUART von Friedrich Schiller ist sicherlich eines der bestgelungensten, wenn nicht sogar das beste, historische Drama. Es ist ein sehr pathetisches Drama, da Maria ihr Leid annimmt und sich ihrem Schicksal stellt.
Zum Inhalt des Dramas: Im 1. Akt spielt sich alles im Schloß zu Fotheringhay ab. Dort wird Maria gefangengehalten. Burleigh, der Großschatzmeister, verkündet Maria ihr Todesurteil. Sie soll an der Ermordung ihres Ehemannes Darnley beteiligt gewesen sein. Hier erkennt man schon, dass Maria allem sehr ruhig und gelassen entgegenkommen sieht. Gegen ihr Todesurteil protestiert sie jedoch, da der Hauptzeuge ihr nicht gegenüber gestellt wurde, und dies muss nach englischem Recht so sein, wenn Maria es wünscht. Sie vermutet also eine Falschaussage.
Der 2. Akt findet in Westminster statt. Dies stellt dann natürlich eine Gegenwelt zu Marias Gefängnis dar. Nachdem sich alles im 1. Akt um Maria drehte, steht jetzt Elisabeth im Vordergrund. Hier erkennt man, dass Burleigh den Tod Marias bevorzugt, während Shrewsbury Maria sehr mild gesonnen ist und sie vor dem Tod verschonen möchte. Elisabeth erhält einen Brief, in welchem Maria eine Unterredung mit ihr wünscht. Maria hegt also eindeutig den Wunsch, sich mit Elisabeth mehr oder minder zu versöhnen. Elisabeth möchte aber auch Maria aus dem Weg geräumt wissen. Deshalb gibt sie Mortimer den Auftrag, Maria heimlich umzubringen. Doch Mortimer ist ein Freund Marias (er ist wie Maria Katholik), täuscht also Elisabeth. Im 3. Akt kommt es zum Aufeinandertreffen der beiden Königinnnen. Dies ist die Spiegelachse
des gesamten Dramas. Hier kulminiert der Streit zwischen beiden Königinnen. Sie beleidigen sich so stark, dass der Tod Marias unausweichlich ist. Maria unterwirft sich zwar anfangs, doch Elisabeth geht darauf nicht ein. Sie will Maria noch mehr demütigen, was aber dazu führt, dass Maria sich das nicht mehr bieten lässt. Maria tritt als Siegerin aus der "Unterredung" hervor, da sie Elisabeth regelrecht demütigt. Später wird ein Attentat auf Elisabeth verübt, und zwar von Mortimer und seinen Freunden. Doch dieses scheitert.
Den 4. Akt könnte man als "Vernichtung Marias" bezeichnen, denn in diesem triumphiert Elisabeth auf physischer Ebene. Da man in Marias Privatzimmer einen angefangenen Brief an Leicester gefunden hat, fürchtet dieser, durchschaut zu sein. Denn er liebt eigentlich immer noch Maria. Mortimer will ihn warnen, doch bekommt zum Dank die ganze Schuld von Mortimer. Leicester befiehlt der Wache, Mortimer gefangenzunehmen, doch dieser bringt sich vorher schnell um. Leicester versucht das Vertrauen Elisabeths wiederzugewinnen, indem er sich rühmt, die Täuschung durch Mortimer aufgedeckt zu haben und den Verräter beseitigt zu haben. Deswegen stimmt jetzt auch Leicester dem Todesurteil Marias zu. Da ihm Elisabeth aber noch nicht vollständig vertraut, soll Leicester der Vollstreckung des Todesurteils beiwohnen. Der Hinrichtungsbefehl wird gebracht. Elisabeth zögert, den Befehl zu unterschreiben. Da sie sich aber daran entsinnt, dass Maria sie auch als Frau gedemütigt hat (Sie hat ihr zum Beispiel den Bräutigam entrissen.), nicht nur als Königin, unterschreibt sie das Urteil. (Der Tod Marias ist unausweichlich, da er "Freiheit" für Elisabeth bedeutet.) Elisabeth überreicht Davison, dem Staatssekretär, den Befehl, gibt dabei jedoch keinen genauen Befehl, was dieser damit machen solle und überläßt damit ihm die Verantwortung. Burleigh entreißt Davison den Hinrichtungsbefehl, um diesen vollstrecken zu lassen. Im 5. Akt wird Maria zum Tode verurteilt. Sie sieht noch einmal alle ihre Freunde. Sie beichtet (versöhnt sich mit ihrem Gott), empfängt die Hostie und den Kelch. Maria möchte, dass ihr Testament erfüllt wird und das es ihren Dienern freisteht, dahin zu gehen, wo diese nur möchten. Sie sieht noch einmal Leicester, der sie ja letztendlich "umgebracht" hat und verzeiht ihm. Daraufhin geht Maria zu ihrer Hinrichtungsstätte. Leicester bleibt zurück. Der Tod Marias wird von ihm geschildert (Teichoskopie). Elisabeth erfährt, dass das Todesurteil vollstreckt wurde. Eigentlich wollte sie den Hinrichtungsbefehl zurück, da Shrewsbury sie davon überzeugen konnte. Sie lässt Davison deshalb in den Tower werfen. Es wird außerdem klar, dass Maria unschuldig war. Denn derjenige, der gegen sie ausgesagt hat, gibt zu falsch ausgesagt zu haben. Am Schluss steht Elisabeth alleine da: Shrewsbury verlässt sie, da er sich für ein Amt an der Seite der Königin zu alt fühlt und Leicester ist nach Frankreich geflohen.
Obwohl also Elisabeth ihre größte Feindin aus dem Weg geräumt hat, steht sie jetzt mit leeren Händen da und ist der Verlierer dieses Dramas. Aufbau und Sprache:
Das gesamte Drama ist äußerst geschickt aufgebaut, auch aus sprachlicher Sicht. So wird z.B. der Rhythmus an bestimmten Stellen bewusst unterbrochen. Einige Male ist auch ein Reimschema deutlich zu erkennen. Desweiteren ist das gesamte Drama von Gegensätzen geprägt. Vor allem zwischen den beiden Protagonisten besteht ein deutlicher Kontrast. Maria muss (im ersten Akt) in einem kargen Gefängnis leben und ist nur von wenigen Vertrauten umgeben. Sie liebt Leicester, wobei die Liebe Mortimers zu ihr nur als triebhaft bezeichnet werden kann. Dagegen befindet sich Elisabeth (im zweiten Akt) in ihrem prunkvollen Schloss, umgeben von ihrem Hofstaat. Für sie geht es nicht um Liebe und es gibt sie für Elisabeth auch nicht. Die Staatsraison steht bei ihr an höchster Stelle.
Das Trauerspiel ist außerdem streng tektonisch aufgebaut: 1. Akt: Exposition; Maria als Gefangene (von einflussreichen Freunden verlassen) 2. Akt: Klimax; Elisabeth als strahlende Herrscherin 3. Akt: SPIEGELACHSE, Peripetie; Treffen der beiden Rivalinnen 4. Akt: Retardierendes Moment; Physischer Triumpf Elisabeths 5. Akt: Katastrophe; Moralischer Triumpf Marias (Elisabeth allein, von allen verlassen) Alle Figuren des Dramas MARIA STUART sprechen im hohen Stil. Sie sollen durch ihre Individualität hindurch den Menschen als Gattung repräsentieren, d.h. die Möglichkeit der Willensfreiheit, die ihn vom Tier unterscheidet.
Heute existieren wahrscheinlich beinahe schon unzählig viele Ausgaben von MARIA STUART (Reclam, etc.), wobei hier dann natürlich auch die Preise ziemlich stark abweichen können. Jedoch kann man sagen, dass eine nicht-gebundene Ausgabe so ungefähr 4DM kostet.
Das Drama ist auf jeden Fall lesenswert und auch nicht übermäßig schwer geschrieben. Für ein Drama ist dieses Buch mit einer kleinen Nachbesprechung sehr gut zu verstehen.
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03.12.2005 17:51
Super Bericht.
02.01.2002 14:21
Klasse Bericht über ein klasse Drama!
23.12.2001 12:13
Das Buch ist wirklich gut. Nur ein wenig anstrengend zu lesen wegen der Sprache. Schönen Gruß, Manuel