Maria Stuart / Schiller, Friedrich

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Maria Stuart / Schiller, Friedrich

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Über eine Märtyrerin!?

5 21. Mar 2004 (22. Mar 2004)

Pro:
Basiert auf historischen Begebenheiten, interessante Persönlichkeitsprofile

Kontra:
nichts

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau:

Unterhaltungswert:

Spannung:

Humor:

Aufmachung:

mehr


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Mitglied seit:21.01.2004

Erfahrungsberichte:24

Vertrauende:3

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 44 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Friedrich von Schiller - Maria Stuart

Gelesen hatte ich das Stück schon häufig, bis ich im Deutsch LK die Aufgabe bekam, eine Hausarbeit darüber zu schreiben. Also hab ich mich mit dem historischen Hintergund der Maria Stuart beschäftigt, ebenso wie mit der politischen Situation zu Maria Stuarts Lebenszeit. Einen Teil meiner Erkenntnisse, möchte ich hier wiedergeben, um anderen eine Vorstellung von dem Stück zu vermitteln.

INHALTSANGABE:
Maria Stuart, Königin von Schottland, hat sich auf der Flucht vor einem Aufstand nach England begeben, da sie von Königin Elisabeth Schutz und Hilfe erhofft. Die protestantische Elisabeth lässt sie jedoch inhaftieren, weil sie Maria als Nebenbuhlerin um den englischen Thron und als Stütze der katholischen Partei fürchtet.
Maria wird wegen Mordes an ihren Gatten angeklagt und zum Tode verurteilt. Vorerst unterschreibt Elisabeth das ungerechte Urteil jedoch nicht, um ihren guten Ruf zu schützen, versucht aber Marias Bewacher Paulet über Baron Burleigh zu einen Meuchelmord an Maria zu überreden. Dieser Versuch scheitert jedoch an dem strengen Gerechtigkeitsempfinden Paulets.
Maria hat zwei Günstlinge am englischen Hofe: Graf Leicester, der angebliche Anbeter Elisabeths und heimliche Geliebte Marias, und Mortimer, der Neffe Paulets. Der junge, leidenschaftliche Mortimer wurde aus Rom geschickt, und tritt scheinbar in Elisabeths Dienste ein, um Maria aus ihrer Gefangenschaft zu befreien. Und auch in Mortimer versucht Elisabeth einen Mörder für Maria zu finden. Dieser nimmt den blutigen Auftrag zum
Schein an und vertraut sich Graf Leicester an. Enttäuscht von der Grausamkeit Elisabeths wechselt Leicester nun endgültig die Seiten zu Gunsten Marias. Er versteht es, Elisabeth für die von Maria gewünschte Begegnung zu gewinnen, bei der Maria um Gnade bitten will. Doch bei der entscheidenden Unterredung kommt es zum Streit, als Maria auf den
Hochmut Elisabeths mit Hohn reagiert. Mortimer überzeugt nun Ma ria, dass von dem opportunistischen Leicester keine Hilfe mehr zu erwarten sei und dass sie nach dem Streit keine Gnade von Elisabeth zu erwarten habe. Er schlägt einen neuen gewalttätigen und blutigen Rettungsplan vor. Maria jedoch lehnt dieses Vorhaben entschieden ab. Als kurz darauf ein Attentat auf Elisabeth fehlschlägt, wird sofort Maria hinter dem Komplott verdächtigt. Elisabeth nimmt dies als Begründung, das Todesurteil nun doch noch zu unterschreiben. Den Zeitpunkt der Vollstreckung setzt sie in einem Mangel an Entscheidungswille jedoch noch nicht fest. Der feige Leicester stimmt dem Urteil zu, um sich vom Verdacht zu befreien, in den Anschlag auf Elisabeth involviert gewesen zu sein. Doch damit nicht genug, er verrät in diesem Zuge auch Mortimer, der sich der Verhaftung widersetzt und sich selbst tötet.
Das unterzeichnete Todesurteil übergibt Elisabeth ohne weitere Anweisungen dem deshalb verzweifelten Staatssekretär Davison. Baron Burleigh nimmt es diesem ab, um die Vollstreckung sofort zu veranlassen, da er Maria endlich ausgeschaltet und tot wissen will.
Angesichts des Todes zeigt Maria wahrhaft königliche Größe. Sie verabschiedet sich von ihren Gefolgsleuten und geht ruhig, würdevoll und ohne Groll gegen ihre Feinde in den Tod.
Burleigh meldet die vollzogene Hinrichtung, woraufhin Elisabeth die Schuld von sich weist und Burleigh verbannt und Davison vor Gericht stellen lässt. Leicester, der letzte ihrer Getreuen, flieht von Gewissensbissen gepeinigt nach Frankreich.


ÜBER DAS DRAMA, HINTERGRÜNDE:
Mit "Maria Stuart" hatte Schiller weniger die Absicht, ein historisches Drama zu schreiben, das einen Teil der Geschichte genau wiedergibt. Er wollte vielmehr einen menschlichen Charakter im Kampf um innere und äußere Befreiung als das politische Geschehen darstellen. Aus diesem Grund unterlässt Schiller es auch, auf die eher zweifelhaften früheren Lebensjahre der Maria Stuart einzugehen. Statt dessen macht er nur Andeutungen über Marias bisheriges Leben und wahrt so das Bild der unschuldigen Verfolgten, der Heldin, die er zur Umsetzung seines Dramas benötigt. Ein weiterer Grund, warum Schiller sein Drama am Ende Marias Leben beginnen lässt, ist, dass man die Katastrophe selbst auf diese Weise bereits im ersten Akt erkennen kann und im Verlauf der Steigerung mit Spannung darauf wartet, wann und wie die Katastrophe losbricht. Der Leser wird näher und näher an sie herangeführt, während die Handlung selbst sich zunächst zu beruhigen scheint. Im ersten Akt wird bereits klar, dass Maria der Tod erwartet. Im Laufe der Handlung jedoch, wird dem Leser die Hoffnung auf Rettung vermittelt bis es im dritten Akt zur Katastrophe kommt und alle Hoffnung erlischt. Die Begegnung der beiden Königinnen im dritten Akt ist Schillers freie Erfindung und rein fiktiv, ebenso wie das Verhältnis zu Leicester und die Gestalt Mortimers. Es war Schillers Anliegen, ein menschliches und leidenschaftliches und teilweise phantasiertes Werk zu schaffen. Und dazu schien ihm der historische Hintergrund Maria Stuarts hervorragend geeignet. Gleichzeitig war Schiller bemüht, Maria als physisches Wesen zu halten. Sie sollte keine Zärtlichkeit empfinden oder erregen. Die einzige, die eine gewisse Zärtlichkeit für Maria empfindet, ist ihre Amme Kennedy, die auch eine Art Mutterersatz darstellt. Mortimer der sich zwar in Maria verliebt, empfindet keine Zärtlichkeit für sie. Er ist mit einem Groupie vergleichbar, der lediglich die äußere Gestalt des begehrten Menschen wahrnimmt. Das Schicksal Marias soll den Leser fesseln, aber kein Mitleid hervorrufen.
Mit Absicht nimmt Schiller nur das Wesentliche aus dem „Maria-Stoff“, nämlich die Zeit, die allgemeine Situation und die Personen. Einen Teil der Umwelt und der Personen erfindet er und begeht somit den Mittelweg zwischen poetischer Erfindung und historischer Wahrheit.
Schiller lässt die katholische Maria zur Märtyrerin ihre Glaubens werden, indem er sie am Ende sterben lässt? Ehrenhaft, heldenhaft und mit reinem Gewissen gegenüber sich selbst, der Welt und Gott. Dies wird auch durch ihre Kleidung symbolisiert: Sie trägt ein weißes Kleid und einen schwarzen Schleier, eine Kette aus Perlen mit einem Agnus Dei, am Gürtel einen Rosenkrank und in den Händen hält sie ein Kruzifix

FAZIT:
Bei meinen Recherchen über das Stück "Maria Stuart", habe ich einige Kritiken gelesen, deren Autoren den Anfang des Dramas bemängeln. Für Schillers Zwecke jedoch ist der Zeitpunkt als Maria von ihrem Todesurteil erfährt für den Beginn des Dramas ideal. Wüsste man Genaues über ihr bisheriges Leben, wäre ihr Tod weniger dramatisch und Marias Märtyrertum nicht länger überzeugend. Zudem würde das Drama zu umfangreich, wollte man Marias Vorgeschichte auch noch erzählen. Alleine Marias Kindheit in Schottland und ihre Jugendzeit in Frankreich geben genug Inhalt für ein Drama oder einen Roman. Das gleiche lässt sich über ihre Zeit als schottische Königin bis zu ihrer Flucht nach England sagen. Nichts desto Trotz sind die Andeutungen über Marias Vergangenheit die Schiller immer wieder in die Dialoge einfließen lässt meines Erachtens nach ein Gerede um den heißen Brei. Hat man sich nämlich nicht mit dem historischen Stoff auseinander gesetzt, fragt man sich an manchen Stellen durchaus, worauf Schiller hinweisen möchte. Die Anmerkungen zum Text sind dabei auch nicht immer hilfreich, so dass ich von Glück sagen konnte, den historischen Hintergrund gut zu kennen.
Was mir positiv aufgefallen ist, ist die Ausgeglichenheit zwischen Marias Freunden und Feinden. Keine der Parteien hat eine wirkliche Überzahl, was das Lesen angenehmer macht, da man nicht dauernd mit einer Meinung konfrontiert wird und man sich mehr oder weniger ein unparteiisches Bild machen kann. ? Sofern dies möglich ist, da der Autor selbst ja versucht, den Leser zu einer bestimmten positiven Stellungnahme zu Maria drängen.
Die Erfindung des Zusammentreffens von Maria und Elisabeth gibt dem Drama noch die nötige Würze, da man allein aus dem historischen Hintergrund über die letzten Wochen vor Marias Tod nicht die nötige Dramatik hätte schaffen können. Bzw. käme der Konflikt zwischen den Frauen, der Konflikt zwischen politischem und emotionalem Denken weniger zur Geltung. Auch die fiktive Gestalt Mortimers trägt viel dazu bei, die Geschichte aufzulockern und interessant zu gestalten. Neben Maria ist er der zweite dramatische Held: Er kämpft für seine Überzeugung und seine Liebe und stirbt dabei. Mortimer bringt in das politische und rhetorische Hin und Her eine emotionale, jugendliche Frische die auflockert und von den ablaufenden Intrigen ablenkt.
Maria Stuart ist tatsächlich keine Person, die Mitleid oder Mitgefühl erregt. Vielmehr bringt sie einen dazu, sich zu ereifern und sich selbst in ihre Situation hineinzudenken. Ihr unermüdlicher Kampfgeist greift auf den Leser selbst über und verhindert so Mitleid.
Einen feministischen Hauch erhält das Drama durch die Autorität der beiden Frauen Elisabeth und Maria. Beide üben auf ihre Weise Macht über Männer in einer von Männern dominierten Welt aus. Maria setzt dabei ihre rhetorischen Fähigkeiten und ihr charismatisches Wesen ein. Elisabeth nutzt ihren Herrschaftstitel aus und zeigt sich ihrer Macht entsprechend selbstbewusst. Die beiden Charaktere zeigen, welche unterschiedlichen „Waffen“ Frauen einsetzen, um ihre Machtposition sichern zu können. Auffällig ist hierbei, dass beide Frauen nicht bereit sind Gewalt anzuwenden. Elisabeth möchte nicht die Verantwortung dafür tragen, dass Maria Gewalt angetan wird. Maria hingegen lehnt es ab, die Verantwortung für eine gewaltsame Befreiungsaktion zu tragen. Vielleicht soll auf diese Weise der sanftmütige Charakter verdeutlicht werden, den man Frauen zu Schillers Zeiten zugesprochen hat.
Alles in allem war „Maria Stuart“ wirklich „schön“ zu lesen. Schiller hat auch im Alter nichts von seiner fesselnden Schreibweise, die er schon in seinem ersten erfolgreichen Werk „Die Räuber“ inne hatte, eingebüßt.
 

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Teufelsengelchen.de

Teufelsengelchen.de

22.03.2004 10:53

Ja, ich werde auch hier die Fragezeichen entfernen!

redel99

redel99

22.03.2004 10:17

Komisch, bei Märtyrerin habe ich oft ein schlechtes Gefühl, muss wohl daran liegen, dass Terrorakte auch von solchen " Märtyrern" begangen werden.

freestyler987

freestyler987

22.03.2004 00:51

Absolut perfekt, muss ich sagen! mfg Free

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