Marienbad

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Erfahrungsbericht über "Marienbad"

veröffentlicht 29.06.2006 | SabineG1959
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Über sich :
Ihr Lieben, ich wünsche Euch allen eine scholne Adventszeit frohe Weihnachten und einen guten Rutsch :)
Ausgezeichnet
Pro schöne Stadt, schöner Kurpark, Heilquellen, schöne Lage ...
Kontra Achtung vor beginnendem Touristennepp und Taschendieben (habe dazu nix geschrieben)
sehr hilfreich
Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Sehenswürdigkeiten
Sicherheit
Gastfreundlichkeit

"~ Malerisches Marienbad ~"

Blick auf Tepl/Tepla und Kurpark

Blick auf Tepl/Tepla und Kurpark

Schon im 13. Jahrhundert waren die heilsamen Quellen im Moor, wo heute Marienbad steht, bekannt und genutzt. 1528 wurden sie bereits auf den Befehl von König Ferdinand I auf ihren Salzgehalt hin überprüft. Aus der Speisesalzgewinnung wurde dann allerdings nichts, da die Marienbader Quelle zwar salzhaltig sind, aber statt Speisesalz Glaubersalz enthalten, dessen durchschlagende Wirkung dem König damals wohl nicht so vorgeschwebt hatte.

Die Marienbader Quellen sind kalte Quellen aus mehreren Hunderten von Metern Tiefe. Die verschiedenen Quellen haben auch verschiedene Inhaltsstoffe und werden für entsprechend unterschiedliche Heilzwecke verwendet.

Erst 1805 entstand das erste gemauerte Haus für die Kurgäste an der Stelle, wo früher ein hölzerner Bau stand. Den Namen Marienbad erhielt der Ort aufgrund einer Marienstatue in der Nähe dieser Kreuzquelle.

Das Ganze ging zurück auf die Forschertätigkeit von Dr. Joseph Nehr, Ordinarius des Klosters Tepl, das hier stand. Dieser Arzt untersuchte die Heilwirkungen der verschiedenen Quellen und beendete die ursprüngliche Anwendung, bei der man sich stundenlang in ein Bad aus dem entsprechenden Quellwasser legen musste. Er "erfand" die jetzige Kurbehandlung, die u.a. das Trinken das Wassers beinhaltet.

Ebenfalls vom Kloster Tepl stammte der Abt Karl Kaspar Reitenberger, der als Gründer der Stadt Marienbad gilt. Er holte die besten Baumeister hierher, die das Moor trocken legten und anstelle des Moores einen wunderschönen Kurpark schufen, durch den die Tepl fließt, die in Karlsbad in die Eger mündet.

Am Rande des Kurparks entstanden dann die ersten Häuser, die Ende des 19. Jahrhunderts zum großen Teil modernisiert wurde. Heute sieht man fast nur noch Jugendstilhäuser. Da Marienbad noch eine sehr junge Stadt ist, gehört sie leider nicht zum Weltkulturerbe der UNESCO und hat deshalb mehr Probleme, den Reiz der alten Badestadt zu erhalten als andere Orte, die aufgrund ihrer Stellung als UNESCO-Weltkulturerbe mehr Fördergelder erhalten. Dies sieht man u.a. daran, dass immer wieder wunderschöne Häuser dem Verfall preisgegeben wurden oder nur zum Teil gestrichen worden sind und ähnliches.

Einen Riesenschandfleck hat die Wende gerade noch verhindern können. Mitten im malerischen Teil der Stadt sollte ein Rieseneinkaufszentrum erbaut werden, was nicht mehr verwirklicht werde konnte. Einige Häuser waren schon abgerissen worden, und nachdem jahrelang ein gewaltiger Bauzaun die Stadt verschandelt hatte, wurde nun der Kurpark um diese Stelle erweitert und aus den bereits errichteten Betonwällen das Beste gemacht, was noch zu machen war, so dass diese sich wieder ins Stadtbild einfügen.

Zurück zum Abt Reitenberger: durch seine horrenden Ausgaben für die Stadtgründung fiel er nach Änderung der politischen Verhältnisse in Ungnade und wurde nach Italien verbannt, wo er Jahrzehnte später starb, ohne je seine so wunderschöne gewordenen Stadt wiedergesehen zu haben.

Reitenberger war aber nicht der erste des Klosters Tepl/Tepla im Quellgebiet der Tepl/Tepla, der verbannt worden war. Dem Gründer des Klosters erging es ähnlich. Er war ein reicher Kaufmann, der nach Italien zum Papst geschickt worden war, aber in Venedig so überwältigt von all dem vielen Wasser war, dass er in Rom nie ankam, woraufhin er zunächst eingesperrt oder verbannt wurde, später aber wieder frei kam mit der Auflage, von dem ihm noch verbliebenen Gelde ein Kloster zu gründen, was ihm dann wohl auch leicht fiel, da inzwischen seine Frau in der alten Heimat gestorben war. Nachdem er nun eine Weile friedlich in seinem neuen Kloster gelebt hatte, wurde er von Räubern entführt und in einen Kerker geworfen und in Ketten gelegt. Auch er starb in der Fremde, ohne Marienbad je wiedergesehen zu haben. Allerdings wurde er selig gesprochen, und seine Statue steht in der katholischen Kirche, zu erkennen an den Ketten an seinen Armen.

Nun aber zu meinen Ausflügen nach Marienbad. Ich war in diesem Jahr zweimal hier, einmal mit der Gästeführerausbildungsgruppe mit dem Bus, das zweite Mal gestern mit der Frauengruppe des Fichtelgebirgsvereins (FGV) per Zug. Als ich mit dem Bus unterwegs war, wurden wir zunächst zum Hotel Bohemia gebracht, wo wir zu Mittag aßen, danach fuhren wir ins Metternich-Schloss nach Bad Königswart/Lazne Kynzwart und wurden dann in der Nähe der katholischen Kirche abgesetzt, dazu später.

Als wir mit dem Zug unterwegs waren, wurden wir von unserer Reiseleiterin am Bahnhof abgeholt und fuhren dann mit dem Linienbus Nr. 5 in die Stadt. Die Linie 3 fährt wohl ebenfalls da hin aber anschienend einen Umweg. Zu beachten ist, dass man privat überall mit Euro bezahlen kann, im Bus und auf der Post allerdings nicht, da der Euro keine offizielle Währung in Tschechien ist. Offizielle Stellen nehmen also nur tschechische Kronen! Die Busfahrt kostete pro Person 8 Kronen, also ca. 30 Cent.

Wir stiegen aus gegenüber vom Hotel Bohemia auf einer Straße mit vielen Hotels, Geschäften, Cafés auf der einen Seite und dem malerischen Kurpark auf der anderen Seite. Von hier konnte man auch schon die Pferdekutschen sehen, mit denen man eine Stadtrundfahrt machen kann, was wir aber u.a. wegen des Regens nicht gemacht haben.

Wir gingen außen am Kurpark entlang, wo wir die Jugendstilhäuser bewundern konnten, kamen an dem verhinderten Einkaufszentrum vorbei und standen dann an einem Platz mit schönem Zierbrunnen. Uns fiel eine kleine Kirche auf, die einen Turm hatte, der fast wie ein normaler Schornstein eines Wohnhauses aussah. Die ganze Kirche war unscheinbar zwischen die Häuser gesetzt. Und genau so sollte es auch sein: nachdem nun viele erlauchte Herrschaften und bedeutende Männer wie z.B. auch Goethe zur Kur nach Marienbad fuhren, fuhr auch der Preußenkönig hierher in diese erzkatholische Region und brauchte natürlich ein evangelisches Gotteshaus, was die reiche Katholiken nun überhaupt nicht gerne sahen - abgesehen noch von solchen Geschichten wie "Saupreißn" usw. …. Verhindern konnten sie es nun also nicht, aber zumindest zur Auflage konnten sie machen, dass dieses evangelische Gotteshaus auf keinen Fall als solche von außen zu erkennen sein durfte. So wurde es also wie ein gewöhnliches Wohnhaus zwischen die anderen Häuser gebaut und erhielt auch den Schornsteinturm erst wesentlich später, als diese Feindschaft wohl nicht mehr so wichtig war.

Weiter ging es bergauf zum modernen Pavillon, wo man das Wasser von drei verschiedenen Quellen trinken kann: Karolinenquelle, Rudolfquelle und Marienquelle (glaube ich war die letzte). Das Gebäude hat eine Kuppel mit einem Kreuz mit zwei Balken, das fast orthodox wirkt, aber mit de orthodoxen Kirche nichts zu tun hat. Es ist das Kreuz des Prämonstrantenordens des Teplaer Klosters. In dem Pavillon befinden sich nicht nur die Quellen, aus denen man das teilweise recht eklig schmeckende Wasser (Glaubersalz! "brrrrrrr!") trinken sondern auch die Statue des Arztes Nehr bewundern kann.

Die Toiletten - für die Wirkung des Glaubersalzes *g* - sind auch nicht weit. Gleich daneben steht die alte Kolonnade mit WC, Café, Souvenir- und anderen Läden etc. Hier gibt es auch eine Bühne für Kurkonzerte und überall wunderschöne Deckengemälde. Diese sind in einer eher modernen Zeit aber im alten Malstil entstanden. Moderne Details wie z.B. das Thema Raumfahrt wurden versteckt. Die neuen Gemälde ersetzten die früheren, nachdem diese verblasst waren.
Gegenüber den Quellen am anderen Ende des langen Platzes steht der singende Brunnen. Zu jeder ungeraden Stunde gibt es hier computergesteuerte Musik, zu der die Fontänen des Brunnens tanzen. Wir waren da, als Tschaikowskys 1. Klavierkonzert gespielt wurde, bzw. der Anfang davon. Leider war die Aufführung viel zu schnell zu Ende! Es gibt aber wohl außer klassischer auch an der Musik und einen Plan bei der Touristinfo, dem man entnehmen kann, was wann gespielt wird.

Neben dem Brunnen steht ein Denkmal, das den Stadtgründer Reitenberger zeigt und am Fuße des Denkmals dessen Geschichte erzählt. Von hier aus, der gegenüberliegenden Seite der Kolonnade, hat man einen tollen Blick über die Stadt. Bis hier oben hin geht auch der Kurpark.

Vom Brunnen aus in die andere Richtung sieht man eine weitere Kolonnade, die Kolonada, die von hier fast wie ein Tempel aussieht und ebenfalls Trinkquellen enthält. Links davon geht es wieder ein Stück bergauf zu der achteckigen katholischen Kirche mit der Statue des geraubten Klostergründers Hroznata. Die Kirche hat aufgrund ihrer achteckigen Form eine wunderschöne Akustik und wird deshalb gerne für Konzerte genutzt.

Von der Kolonada aus muss man 33 Stufen hinauf steigen, die die 33 Lebensjahre Jesu symbolisieren. Auf der anderen Seite kann man die Kirche, die am Berghang liegt, ebenerdig verlassen.

Marienbad liegt in einem engen Tal an der Tepla. Auf der Kurparkseite befinden sich die vielen Hotels, Kolonnaden etc, auf der Häuserseite der Straße, die am Kurpark entlang führt, befinden sich eher die Wohngebiete, Schule etc. Die großen Häuser und Hotels stehen gleich am steil abfallenden Berghang. Viele kleine Gassen führen neben den großen Häusern bis zum Steilhang, der oftmals wie eine Wand dahinter aufragt, und führen zu kleinen Läden und anderem. An einigen Stellen gibt es steile Pfade bergauf.

Einen dieser Pfade nahmen wir, um zur russisch-orthodoxen Kirche zu gelangen. Hier bezahlt man 1 Euro Eintritt und kann dann die einmalige Trennwand zwischen Kirche und Allerheiligstem bewundern, die aus Porzellan hergestellt und reich mit Gold und symbolischen und Heiligenbildern geschmückt wurde. Leider darf man darin nicht fotografieren, so dass ich kein Foto davon habe. Die Kirche ist auch sehr klein, wirkt fast wie ein Wohnzimmer und wird von einer Dame "bewacht", die das Eintrittsgeld entgegen nimmt und Souvenirs verkauft.

Etwas weiter bergauf schimmert ein keltisches kreuz durch die Bäume, das zu einem anglikanischen Klostel gehört, wie uns das dazugehörige Schild mitteilt. Da wir nichts in der Nähe sehen, was wie ein Kloster aussieht, gehen wir davon aus, Klostel wohl Kapelle bedeutet.

Ich erinnere mich, dass wir hier auf dieser Straße gefahren sind, als wir mit dem Busausflug von Bad Königswart/Lazne Kynswart zurück nach Marienbad gefahren sind. Ich kann das Metternich-Schloss dort nur für einen Ausflug empfehlen, ebenso das Ausflugsgebiet Glatzen/Glatzko, ein wunderschönes Naturschutzgebiet, das immer noch eine Moorlandschaft ist und wo es auch ein kleines Lokal gibt und durch das wir auf dem Rückweg nach Marienbad eine malerische kleine und oftmals ziemlich steile Straße gefahren sind, bei Eis und Schnee absolut NICHT empfehlenswert! Ein Skigebiet gibt es wohl auch dort, mir sind entsprechende Schilder in der Stadt aufgefallen, weiter kann ich aber nichts dazu sagen.

Ich hoffe, ich habe nichts Wichtiges vergessen, und freue mich auf Eure Kommentare, Meinungen und Bewertungen.

Alles Liebe von Sabine :)

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • Zilina veröffentlicht 30.09.2014
    Da war ich auch schon aber ich fand das Wasser an der Trinkquelle sehr ekelhaft. LG Zilina
  • Zilina veröffentlicht 30.09.2014
    Da war ich auch schon aber ich fand das Wasser an der Trinkquelle sehr ekelhaft. LG Zilina
  • elguwi veröffentlicht 20.10.2011
    Noch einmal Reitenberger. Bis zum Montag dieser Woche habe ich im gleichnamigen Hotel (gleich oberhalb der Trinkhalle) eine wohltuende Kurzkur genossen. Vielleicht auch für dich neu: Um 21 Uhr und zusätzlich 22.00 Uhr erklingen die Fontänen nicht nur mit Musikbegleitung, sondern zusätzlich mit beeindruckenden Farbspielen.
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