Interessante Figurenzeichnung
15.05.2012
Pro:
Perfekte Gratwanderung zwischen Action, Dramaturgie und Charakterentwicklung
Kontra:
Gegen Ende ein klein wenig zu übertrieben mit Action und Special Effects
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Humor
Spannung
Action:
Romantik:
mehr
 Kubrick
Über sich:
Freundschaften und das Schreiben sind für mich die wichtigsten Dinge in meinem Leben, die mir Stärke...
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Hallo! Vor einigen Tagen sah ich mir im Kino die Zusammenführung einiger Superhelden an, die unter dem Namen „The Avengers“ (deutsch „Die Rächer“) agiert. Sie bestehen aus Iron Man/Tony Stark, Captain America/Steve Rogers, Hulk/Bruce Banner, Black Widow/Natasha Romanoff, Hawkeye/Clint Barton, Thor, sowie dem Anführer der Truppe, Nick Fury.
Eines gleich vorweg: Ich kenne die unzähligen Comics leider nicht komplett, ich kann mich daher nur auf die Einzelfilme beziehen (habe alle gesehen, bis auf Captain America, was ich aber sicher noch nachholen werde), aber die haben leider nicht die ganze emotionale Geschichte und Weiterentwicklung der jeweiligen Figuren zu bieten, wie die bunten gezeichneten Bilder. Ich habe nicht einmal die Post-Credit-Szene verstanden, weil ich diese Figur, welche der neue Bösewicht im Sequel sein soll, nicht kenne. Diese Wissenslücke habe ich bereits gefüllt übrigens. Ich ging eigentlich mit dem Vorurteil ins Kino, dass es sich hierbei um eine typische Comicverfilmung handelt, die eine kaum vorhandene Story bietet, stattdessen nur eine überbordene Special Effects-Orgie. Zudem wollte ich mich selbst davon überzeugen, ob die Kritiken diverser Zeitschriften und (Online-)Magazine nicht zu übertrieben positiv bewertet wurden.
Als ich nach dem Film aus dem Kino ging, war ich dermaßen erstaunt, sodass ich Stunden später immer noch offene Augen, sowie einen offenen Mund hatte, weil der so ein Hammer war. Die Kritiker haben kein einziges Mal übertrieben. Ein paar kleine Mankos gibt es aber dennoch.
Zuerst einmal gibt es wohldosierte Action, das bedeutet, es gibt nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel, was alleine schon einen großen Pluspunkt bedeutet, denn bei Comicverfilmungen gibt es ja sehr gerne zu viel des Guten. Ein kleiner Abzug vielleicht doch in der B-Note gibt es gegen Ende, da hätte man mit Special Effects und Action eventuell doch ein klein wenig auf die Bremse treten können, ist aber nicht sonderlich schlimm.
Die Story ist nicht sonderlich neu, Thor's Bruder landet auf der Erde und will mit der Hilfe von Wesen aus einer anderen Dimension die Weltherrschaft an sich reißen. Besonders ist hierbei aber, wie der Bösewicht aufgehalten wird, denn dieser Weg führt nicht wie gewohnt über die unrealistische übertriebene Action, sondern über sehr schön präsentierte Charakterentwicklungen, sowohl bei gut, als auch teilweise bei böse. Die Dramaturgie in diesem filmischen Werk ist herrlich von Anfang bis Ende konstruiert, ist in Bezug auf das Weiterkommen der erzählten Geschichte glaubwürdig, und die sehr dialoglastigen ruhigen Szenen nehmen kein einziges Mal Tempo weg, und zudem besteht bei ihnen nie die Gefahr, dass sie in Langatmigkeit, geführt von Langeweile, geraten. Nein, die Dialoge sind sehr informativ, und erweisen sich als ideale Ruhephase, sowie Erklärung für die nächste kommende Bedrohung.
Und jetzt kommt aber das Faszinierende an diesem Film: Der Regisseur Joss Whedon hat doch tatsächlich das Kunststück geschafft, eine Comicverfilmung zu generieren, bei der aufgerundet gut 10 Hauptcharaktere jeder jeweils seinen eigenen Freiraum hat für die persönliche Entwicklung und Erkenntnis.
Interessanter Minuspunkt in Bezug auf die Freiräume: Obwohl wie bereits erwähnt jeder einzelne Hauptcharakter eigentlich seinen Freiraum hat, haben meiner Meinung nach die Helden Captain America und Thor, allen voran letzterer, immer noch zu wenig hiervon, was sehr faszinierend ist, denn ohne genau diese beiden Personen hätte es die Geschichte, sowie den Grund für die schlimmen passierten Dinge dieses Films nicht gegeben. Gerade von Thor hätte ich mir mehr Präsenz erhofft, denn schließlich ist der Feind der Rächer sein Bruder. Obwohl bereits im Einzelfilm, welcher sehr stark an Shakespeare erinnert (kein Wunder, wurde dieser doch von einem Regisseur verfilmt, der sich sehr gerne filmisch mit den literarischen Werken von William befasst), auf die Familiengeschichte des starken Hammerschwingers äußerst detailliert eingegangen wurde, wäre auch hier ein kleiner verbaler und emotionaler Bruderzwist schön gewesen.
Um mehr von der Story Captain America’s und dessen Person überhaupt zu erfahren, muss man sich leider den Einzelfilm ansehen, auch hier wären kleinere Erwähnungen über dessen Vergangenheit inklusive einiger kleiner Rückblenden schön gewesen. Zu den anderen Helden in dieser Formation (Iron Man, Hulk) braucht man eigentlich nicht sonderlich viel Hintergrundinformation, denn diese kennt man auch bei uns zu Lande bestens. Hulk sowieso, und obwohl die Figur des Iron Man/Tony Stark teilweise bei uns Bekanntheit genoss, immer noch mehr als Thor und Captain America, hat man es dank der gut gemachten beiden Filme und natürlich dem Schauspieler Robert Downey jr. zu verdanken, dass er ab sofort in aller unbekannter Gehirne sich eingebrannt hat.
Was mir bei den Superhelden in dieser Zusammenführung sehr gut gefallen hat waren die beiden Unbekannten, und zwar Black Widow und Hawkeye. Man erfährt in „The Avengers“ alles über die jeweilige Vergangenheit, und sie haben dennoch nicht zu viel Screen Time erhalten. Ein tolles Beispiel für in kleinen Päckchen viel verraten. Perfekt passt, dass Iron Man alias Tony Stark die meiste Zeit am Bildschirm bekommt. Da diese Persönlichkeit extrem egozentrisch und arrogant ist, eine sehr gute Wahl, liefert sie beinahe in jeder Dialogzeile die Vorlage für zündende Wortwitze.
Bei so viel Dasein könnte man meinen, dass Iron Man der eigentliche Anführer der Superheldentruppe ist, was aber nicht stimmt. Wer jetzt meint, es wäre Nick Fury, der irrt sich meiner Meinung nach auch hier. Nick Fury ist ein typischer Boss einer Geheimorganisation. Genau wie eine Führungskraft bei der CIA oder dem FBI zum Beispiel erfährt man nicht sonderlich viel über sein Leben und dessen wirklicher Meinung zu dieser oder jener Person, oder zu seinem politischen Statement, seine moralischen Bedenken usw. Die vorhin erwähnten Aspekte machen aus ihm den perfekten Geheimniskrämer, bei dem man nie weiß, ob das Erzählte jetzt stimmt oder doch nicht oder nur zum Teil, und ohne Skrupel belügt er die Helden, um durch sie an das gewünschte Ziel zu kommen. Skrupellos bis zum geht nicht mehr, auch wenn man ihm tief in die Augen blickt wenn er spricht, verrät er sich niemals durch seine nicht vorhandene starre Mimik, und so was musst du mal spielen, ohne dass die Kritiker dein Schauspiel als hölzern bezeichnen. Schauspieler Samuel L. Jackson hat diese Rolle wie gekonnt verkörpert, seine Darstellung des Nick Fury erinnert stark an seine Rolle aus Triple XXX. Solche Rollen liegen ihm einfach meiner Meinung nach. Auch wenn der Film deutlich zeigen möchte, dass es unter den Superhelden, egomanische Einzelkämpfer und einige Teamplayer, die anfangs nicht wahrhaben möchten, dass auch sie Hilfe benötigen, eigentlich keinen konkreten Anführer gibt, hat sich wenn es nach mir geht doch einer für diese Funktion heraus kristallisiert, und zwar Captain America. Besonders bei den Kommandos am Schlusskampf zeigt sich der geborene Soldat und Anführer in ihm.
Kommen wir nun zu unserem grünen Monster, dem Hulk, oder besser bekannt als Bruce Banner in seiner menschlichen Gestalt. In der letztjährigen Filmgeschichte bis heute konnten wir drei Schauspieler in der Rolle des Wissenschaftlers sehen. Banner Nummer 1, Eric Bana, machte eine gute Figur, konnte aber nicht gegen eine langweilige Hulk-Verfilmung anspielen. Bei Banner Nummer 2, Edward Norton, war man sich damals sicher, so sah ich es jedenfalls, dies ist die richtige Hulk-Verfilmung. Dann kam aber Banner Nummer 3, Mark Ruffalo. Dieser Bruce ist menschlich der beste, und von der Hulk-Figur her hält er sich aber die Stange mit dem von Edward Norton.
Mark Ruffalo präsentiert den besten Bruce Banner, mit Ausnahme des Fernseh-Banners, weil dieser ist so wie man ihn sich eigentlich vorstellt: schüchtern, zurückhaltend, und immer Angst habend, dass er eines Tages die Kontrolle über sich verlieren könnte, was er natürlich keinesfalls möchte. Echt geil fand ich bei „The Avengers“, wenn er während des großen Endkampfes sein Geheimnis über sich verrät, wieso er sich so toll unter Kontrolle hat. Loki, Thor’s Bruder, der in diesem Film den Bösewicht gibt, gegen Ende findet man aber heraus, dass er von den Wesen aus der anderen Dimension eigentlich nur benutzt wird, er merkt dies aber nicht, weil er viel zu einfältig ist, ist das Diabolische in Person. Diesem Herrn möchte man nicht nachts auf der Straße begegnen. Aber so furchterregend er ist, so verletzlich zeigt er sich aber auch des Öfteren.
Positiv erwähnen möchte ich noch kurz die Erwähnung und das Wiedersehen mit sympathischen Figuren aus den Einzelfilmen.
Fazit: Regisseur Joss Whedon schafft wirklich, wie die meisten Kritiker schrieben, eine tänzelnde, ausbalancierte Gratwanderung zwischen Action, Dramaturgie und dem emotionalen Charakter jeder einzelnen wichtigen Person.
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29.05.2012 21:42
PS: grandioser nickname übrigens. ich glaube, ich höre gleich mal ein bisschen ludwig van mit meinen droogs.
29.05.2012 21:41
muss zustimmen: obwohl ich eric bana mag, konnte der den ersten film nicht retten. und auf den solo-film mit mark ruffalo freue ich mich auch schon. gruss hans
17.05.2012 16:00
Schade, dass du bzgl. Loki so viel verrätst ;) Gibt ja auch welche, die den Film noch nicht gesehen haben und da greifst du bisschen vorweg. Trotzdem gut überarbeitet, daher umbewertung! Lg