Gelungene Mischung aus Action- und Rollenspiel
03.02.2010
Pro:
spannende und wendungsreiche Geschichte, tolle Charaktere, lebendige Dialoge, moderne Grafik
Kontra:
einige Einschnitte im Rollenspiel - Bereich (Kampfsystem, Talente, Inventar), kleinere Bugs
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Grafik
Sound
Multiplayer:
Bedienung
mehr
 radinho
Über sich:
Nach langer Zeit endlich mal wieder ein Bericht von mir. lg Hendrik ...
Mitglied seit:18.06.2006
Erfahrungsberichte:148
Vertrauende:59
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 183 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hallo! In diesem Bericht möchte ich euch den vor kurzen erschienenen zweiten Teil der Mass Effect Rollenspiel-Trilogie vorstellen, welches für den PC und die Xbox 360 zu haben ist und von der USK ab 16 Jahren freigegeben wurde. Der Bericht bezieht sich dabei auf die PC-Version, welche ab etwa 40€ im Handel erhältlich ist. Spielwelt und Hintergrund Die Spielwelt von Mass Effect unterscheidet sich grundlegend von den meisten anderen Science Fiction-Erzählungen: Denn während die Menschen oftmals eine zentrale Stellung in der galaktischen Politik einnehmen, hat die Menschheit in Mass Effect erst seit kurzer Zeit Kontakt zu außerirdischen Spezies, welche die Regierung über die bekannten Gebiete im Weltall übernommen haben. Als politische Zentrale dient die riesige und uralte „Citadel“-Raumstation, die, wie fast alle moderne Technologie, von den längst ausgestorbenen Protheanern stammt. Der galaktische Rat, der auf der Citadel-Station tagt, besteht aus den Angehörigen aus drei verschiedenen Spezies: Zuerst einmal das matriachische Volk der Asari, dann die wissenschaftlich begabten Salarianer und zu guter Letzt die nach Ehre strebenden Turianer. Daneben gibt es aber noch eine Menge anderer Völker, die einen Sitz im galaktischen Rat anstreben. Dazu gehören natürlich auch die Menschen, welche, zumindest meistens, in friedlicher Koexistenz mit den anderen Spezies existieren. Im ersten Teil der Mass Effect-Saga wurde die Citadel-Raumstation von einer uralten synthetischen Lebensform mit dem Namen Sovereign angegriffen und konnte in letzter Sekunde von dem Helden, Commander Shepard, vernichtet werden.
Story Nach der Vereitelung von Sovereigns Plänen wird Commander Shepard mit seinem Raumschiff, der Normandy, auf eine Patrouillen-Mission geschickt. Dabei taucht ein riesiges Raumschiff unbekannten Typs auf und zerstört die Normandy, Shepard kommt bei dem Versucht einem verletzten Crewmitglied in eine Rettungskapsel zu helfen ums Leben. Kurz darauf wird die Leiche von Shepard von der im ersten Mass Effect-Spiel nur am Rande behandelten, geheimen Organisation „Cerberus“ gefunden, welche in den folgenden zwei Jahren versucht Commander Shepard mittels kybernetischer Implantate wieder Leben einzuhauchen. Dies gelingt, so dass der Commander von dem geheimnisvollen Chef der Organisation, „dem Unbekannten“, von einer neuen Gefahr für die Menschheit erfährt: Auf den abgelegenen Planeten-Kolonien werden Menschen von einer fremden Spezies, den Kollektoren, entführt. Jetzt liegt es natürlich wieder in der Hand von Commander Shepard, die Menschheit (und alle anderen Spezies in der Galaxie) vor dieser Gefahr zu bewahren. Für die Mission erhält Shepard von Cerberus eine vergrößerte und verbesserte Version der alten Normandy: Die Normandy SR-2. Die Geschichte von Mass Effect ist als Trilogie angelegt, wer Teil 1 nicht gespielt hat bekommt im Nachfolger dementsprechend erst mal einige Verständnisprobleme. Zwar kann der Spieler die wichtigsten Fakten (etwa Rassen, Technik, etc.) in Kodexeinträgen nachlesen, allerdings ist das Mass Effect-Universum sehr komplex, so dass wohl trotzdem einige Verständnisfragen auftreten. Das ein bestimmtes Grundwissen aus dem ersten Teil verlangt wird kreide ich dem Spiel allerdings nicht an: In anderen Medien, welche mehrteilig ausfallen, wird dies ja ebenso vorausgesetzt, man denke nur an die „Herr der Ringe“-Trilogie. Ein anderer Grund, weshalb man den ersten Teil gespielt haben sollte, ist die Importier-Funktion für Speicherstände. Zu Beginn der Kampagne lassen sich die Speicherdateien aus dem Vorgänger importieren, so dass die darin getroffenen Entscheidungen Auswirkungen auf Mass Effect 2 haben. Diese Funktion ist meiner Meinung nach vorbildlich, erhöht sie doch das Gefühl, dass der Spieler das Universum von Mass Effect tatsächlich beeinflussen kann. Dabei werden nicht nur die Hauptentscheidungen des Spielers aus Mass Effect 1 übernommen (etwa die Position von Shepard gegenüber dem Citadel-Rat), sondern auch viele Personen aus den Nebenquests treten noch einmal in Erscheinung, um sich beispielsweise für eine Rettungsaktion aus dem ersten Teil zu bedanken. Wer keinen Speicherstand parat hat kann auch zu Beginn einen neuen männlichen oder weiblichen Commander Shepard erstellen und eine der sechs Klassen auswählen. Das Programm erstellt daraufhin, mit Hilfe einiger moralischer Fragen, einen bisherigen Werdegang von dem neuerstellten Commander Shepard.
Das Team Da das alte Team von Commander Shepard sich nach seinem Tod in alle Winde verstreut hat muss er zuerst einmal neue Gefährten für den Kampf gegen die aggressiven Kollektoren rekrutieren. Der geheimnisvolle Unbekannte übergibt Shepard deshalb eine Liste mit potenziellen Kampfgefährten. Dabei handelt es sich um eine sehr bunte Truppe, die verschiedensten Persönlichkeiten (z.B. Massenmörder, Forscher und Attentäter) sollen rekrutiert werden, welche fast allesamt von unterschiedlichen Spezies stammen. Wie gehabt steuert man dazu mit der Normandy über die schicke galaktische Karte einzelne Planeten an. Das Universum ist dabei frei erkundbar und recht groß, es gibt also viel für den Spieler zu entdecken. Direkt zu Beginn der Kampagne stößt Commander Shepard auf die bei Cerberus arbeitenden Menschen Miranda Lawson und Jacob Taylor, welche auch für Shepards „Auferstehung“ gesorgt haben. Beide sind biotisch begabt, eine Art telekinetische Kraft, welche gegen die Feinde gerichtet werden kann. Im Laufe der Geschichte trifft man dann ebenso auf den salarianischen Arzt Modin Solus, welcher früher aber, entgegen seiner Verpflichtung als Arzt, an einem aggressiven genetischen Krankheitserreger gearbeitet hat. In einem Hochsicherheitsgefängnis wird hingegen die Psychopathin Jack gefangen gehalten, an der als Kind schreckliche Experimente aufgrund ihrer starken biotischen Fähigkeiten durchgeführt wurden. Der Kroganer Grunt wurde hingegen in einem Tank herangezüchtet, da er die besten Eigenschaften seiner Spezies in sich
Bilder von Mass Effect 2 (PC-DVD)
vereinen soll. Bei einem Attentatsversuch lernt Shepard den echsenartigen Drell Thane Krios kennen, welcher unheilbar krank ist. Die Asari-Justikarin Samara kennt hingegen nur eine schwarz-weiß Unterscheidung zwischen Gut und Böse, Mord wird von ihr ebenso schwer bestraft wie ein einfacher Diebstahl. Sogar ein Geth lässt sich in das Team aufnehmen, obwohl jene synthetische Spezies im ersten Teil noch als Hauptfeind auftrat. Zwei alte Bekannte aus Shepards früherem Team sind ebenso wieder mit von der Partie: Das wären zum einen die technisch bewanderte Quarianerin Tali, dessen Spezies durch ihr geschwächtes Immunsystem immer einen Isolationsanzug tragen muss, sowie der Turianer Garrus, welcher früher für die Citadel-Sicherheit gearbeitet hat und nun gegen Verbrechersyndikate kämpft. Zwar gibt es auch ein Wiedersehen mit den anderen früheren Teamkameraden, diese spielen aber für den Verlauf der Geschichte nur eine untergeordnete Rolle und treten beispielsweise als Questgeber auf. Ähnlich wie bei Dragon Age: Origins bitten alle Teammitglieder den Helden nach einigen Gesprächen früher oder später um einen mehr oder weniger großen Gefallen. Dabei wird eine persönliche Quest gestartet, durch dessen Erfüllung das Vertrauen des Gefährten in Commander Shepard gesteigert wird. Als Belohnung können alle Gefährten dann ein spezielles Bonustalent erlernen. Schade: Anders als in Dragon Age gibt es kein dynamisches Vertrauens-System, welches sich je nach Entscheidung des Spielers anpasst. Zwar geben die Gefährten ab und zu ihre Meinung zu einer Entscheidung des Spielers ab, es erfolgt allerdings kein Vertrauens-Verlust, wenn man die Teammitglieder verärgert. Die Art der Teamrekrutierung unterscheidet sich stark vom ersten Teil. War es in Mass Effect noch so, dass die Teammitglieder quasi „nebenher“ in einer Hauptmission gegen den Gegner eingesammelt wurden, gibt es im Nachfolger spezielle Quests, in denen die Mitstreiter rekrutiert werden müssen. Meistens treten sie nach Erfüllung der Aufgabe automatisch der Gruppe bei, nur bei einigen Gefährten hat der Spieler die Wahl, beispielsweise kann man den Kroganer Grunt auch in seinem Tank belassen, in dem er herangewachsen ist. Der Nachteil dieser langwierigen Team-Rekrutierungen (immerhin gibt es fast doppelt so viele potenzielle Teammitglieder wie im ersten Teil) liegt darin, dass der rote Faden zu der eigentlichen Handlung gegen die feindliche Spezies, den Kollektoren, teilweise verloren geht. Während der Teamrekrutierung und in den Gefährten-Missionen kommen die Kollektoren nämlich nie vor, so dass die Geschichte schleppender als im ersten Teil weitererzählt wird. Die wenigen Missionen, in denen man direkt gegen die Kollektoren vorgehen muss haben es dann aber auch in sich. Beispielsweise muss das Team auf ein Kollektorenschiff Daten sammeln, welche zur Lokalisierung der entführten Kolonisten dienen sollen. Die großen, dunklen Gänge an Bord des Schiffes erzeugen dabei eine sehr bedrohliche und düstere Horror-Atmosphäre, was sehr stimmungsvoll ist. Auch die zahlreichen gerenderten Zwischensequenzen intensivieren die Spannung. Zudem gibt es, obwohl der rote Faden teilweise fehlt, immer wieder überraschenden Wendungen in der Geschichte. Trotzdem wäre es schöner gewesen, wenn der Hauptgegner besser in die Gefährten-Suche mit eingebunden gewesen wäre, immerhin machen diese Quests einen Großteil der Spielzeit aus, welche übrigens bei rund 40 Stunden liegt.
Kämpfe Bereits Mass Effect hat sich während der Kämpfe eher wie ein Actionspiel angefühlt, in Teil 2 hat sich daran nichts geändert. Noch immer schießt man sich mit der Maus durch die Levels, wobei das Spiel aber trotzdem nicht als Shooter durchgeht. Dafür sind die Kämpfe zu simpel aufgebaut, meistens genügt es schon in Deckung zu gehen und dann im richtigen Moment den Gegner zu beharken. Außerdem durchschaut man recht schnell das Leveldesign, wenn sich Deckungsmöglichkeiten auftun erscheinen in der Regel auch Feinde. Die Gegner sind noch dazu nicht die cleversten: Zwar suchen sie meistens Deckung, allerdings stürmen sie manchmal auch einfach auf die Kampftruppe zu um sich dann umschießen zu lassen. Der „Taktik“-Modus, welcher noch immer über die Leertaste aufrufbar ist und das Spiel pausiert, um in Ruhe Befehle erteilen zu können, wurde zudem abgespeckt: So konnte man den Begleitern im ersten Teil beispielsweise noch manuell einen spezieller Waffentyp zuweisen oder einen Verteidigungs-Befehl geben. Im zweiten Teil beschränkt sich die Befehlsgewalt auf das Markieren von Wegzielen und das manuelle Aktivieren von den Talenten. Da man beides aber auch im laufenden Spiel über einen Tastendruck erreichen kann wird der Taktikmodus, zumindest auf den unteren drei Schwierigkeitsgraden, so gut wie nie benötigt. Auf den höheren Schwierigkeitsgraden halten die Gegner hingegen deutlich mehr aus und teilen stärker aus, so dass das Pausieren dann ab und zu notwendig ist. Während der Levels finden man hin und wieder auch verschlossene Kisten oder Türen, die geöffnet werden müssen. Dazu gibt es zwei kleine Hacking-Minispiele, bei denen man entweder ein simples Memory lösen oder Datensätze miteinander vergleichen muss. Beides wird schon nach kurzer Zeit langweilig, da die Minispiele im Verlaufe der Handlung auch nicht schwieriger werden. Bei den Waffenarten gibt es ebenfalls nur kleine Unterschiede zum Vorgänger: Zwar gibt es immer noch die grundsätzliche Einteilung zwischen Pistole, Sturmgewehr, Schrotflinte und Scharfschützengewehr, allerdings gibt es noch eine neue Waffengattung, die schweren Waffen. Diese sind vor allem gegen stark gepanzerte Gegner vorteilhaft und reichen vom einfachen Granatwerfer bis zu einer Mini-Nuklearwaffe, inklusive Atompilz. Positiv hervorzuheben ist, dass alle Waffengattungen im Spiel nützlich sind, anders als in Mass Effect 1, wo beispielsweise das Scharfschützengewehr nur sehr selten zum Einsatz kam. Zwar gibt es nicht mehr ganz so viele Waffenmodelle wie im ersten Teil, dafür aber spürbare Unterschiede im Waffenverhalten, während sich die einzelnen Knarren im ersten Teil dagegen nur optisch und im angerichteten Schaden unterschieden. Während die Waffen im Vorgänger noch ohne Munition auskamen und dafür nach einem Dauerfeuer überhitzten, muss man sich in Mass Effect 2 in den Levels Munitionsnachschub suchen, dafür überhitzen die Waffen nicht mehr. Sparsam muss man mit den Wummen aber trotzdem nicht umgehen, ich habe während des Durchspielens immer mehr als genug Munition entdeckt. Wie gehabt können zwei Mitstreiter auf die verschiedenen Missionen mitgenommen werden. Da alle Crewmitglieder unterschiedliche Fähigkeiten besitzen ist es hier natürlich ratsam, eine möglichst ausgewogene Truppe zusammenzustellen. Die künstliche Intelligenz der zwei Teammitglieder geht dabei relativ clever vor, sie setzen beispielsweise selbstständig die Talente ein und suchen Deckung. Hin und wieder kommt es allerdings auch vor, dass sie mitten ins Feindfeuer stürmen und dann innerhalb von Sekunden besiegt werden.
Gespräche Während sich in Punkto Kampfsystem kaum noch Gemeinsamkeiten zu klassischen Rollenspielen finden lassen, gewinnen die Rollenspiel-typischen Gespräche in Vergleich zum Vorgänger deutlich an Tiefe. Sie sind immer noch ähnlich hervorragend inszeniert wie in Teil 1, allerdings gibt es nun Schnitte und Kamerafahrten, so dass Mass Effect 2 in diesem Bereich noch stärker wie ein Film wirkt. Im Vordergrund stehen dabei vor allem die Gespräche mit den Teammitgliedern auf der Normandy. Der Spieler erfährt dabei sowohl etwas über die einzelnen Individuen, als auch über die Kultur der einzelnen Spezies. Die Teammitglieder wirken sehr lebensecht, die Charaktereigenschaften wurden vom Entwickler Bioware bis ins kleinste Detail ausgearbeitet. Teilweise tragen die Charaktere auch Streitigkeiten untereinander aus. In Punkto Gesprächsdynamik wird deshalb sogar das hervorragende Dragon Age: Origins geschlagen. Durch das Auswahlsystem für eine Antwort kann die spätere Handlung zudem mehr oder weniger stark beeinflusst werden, wobei viele moralische Entscheidungen epische Ausmaße annehmen. Da es keine simple gut/böse-Unterscheidung in Mass Effect 2 gibt, hadert der Spieler sogar mit manchen seinen Entscheidungen. Durch das Entscheidungssystem macht es auch Spaß, das Spiel ein zweites Mal durchzuspielen und sich beim neuen Anlauf dann beispielsweise komplett anders zu verhalten. Der Entwickler Bioware hat zudem bereits angekündigt, dass sich die Speicherstände aus Mass Effect 2 auch wieder im Nachfolger importieren lassen. Die in Teil 1 eingeführten und dabei noch recht sinnlosen Gesinnungspunkte gewinnen in Mass Effect 2 zum Glück an Bedeutung. Dabei bekommt der Spieler für eine gesetzestreue und rechtschaffende Verhaltensweise „Vorbildlichkeits“-Punkte, verbrecherisch und egoistisch handelnde Spieler erhalten hingegen „Abtrünnigkeits“-Punkte. Diese Punkte sind zum einen wichtig, um andere Charaktere überzeugen zu können, in einer bestimmten Art und Weise zu handeln, sei es nun durch charismatisches Auftreten (bei Vorbildlichkeit) oder simple Bedrohung (bei Abtrünnigkeit). Klasse: Das Verhalten hat sogar Auswirkungen auf das Aussehen von Commander Shepard: Bei einem bösartigen Verhalten stößt sein Körper die Implantate, die zu seiner Wiederbelebung führten, ab, so dass sein Gesicht von Rot-glühenden Narben gezeichnet wird. Neu ist auch, dass man durch die Punkte dynamisch ein Gespräch beeinflussen kann: Wenn beispielsweise der Gesprächspartner gerade etwas sagt, passiert es ab und zu, dass am unteren Bildschirmrand eine blinkende Maus erscheint. Wer jetzt schnell die richtige Maustaste drückt, unterbricht den Gesprächspartner und lenkt das Gespräch in die richtige Richtung weiter. Dadurch fühlen sich die Gespräche noch lebendiger an.
Talente Wie im Vorgänger erhält das Team sowohl für besiegte Gegner als auch für erfüllte Haupt- und Nebenquests Erfahrungspunkte. Sobald der Spieler eine gewisse Punktezahl überschritten hat steigt das Team im Level auf, so dass neue Talente ausgewählt oder bestehende verbessert werden können. Ebenso steigen auch die Charaktereigenschaften, etwa die Lebensenergie und der Waffenschaden. Auffällig ist hier allerdings, dass der Entwickler Bioware die auswählbaren Talente stark reduziert hat, die Teammitglieder können gerade mal eine Handvoll Talente erlernen, welche dann viermal ausgebaut werden können. Wenn ein Talent bis zur höchsten Stufe gelernt wurde hat der Spieler dann die Auswahl zwischen zwei Varianten. Commander Shepard besitzt zwar ein paar mehr Talente, allerdings fehlt hier ein wirklicher Entscheidungszwang: Gegen Ende des Spiels hat der Spieler beinahe alle Talente auf Maximum ausgebaut. Dieser Einschränkungen werden die meisten Rollenspielern wohl ärgern, bewegt sich der Genreschwerpunkt von Mass Effect 2 doch stark in Richtung Action.
Nebenquests In Punkto Nebenquests musste Mass Effect 1 große Kritik einstecken, waren die unzähligen Missionen doch allesamt gleich aufgebaut. Zuerst landete der Spieler auf einem Planeten und fuhr mit einem Geländefahrzeug zum Einsatzort. Dort angekommen musste noch ein Gebäude infiltriert und manchmal noch Daten gesammelt werden. Im Nachfolger gibt es hingegen deutlich weniger Missionen, diese sind aber sehr unterschiedlich gestaltet und meistens abwechslungsreich. Außerdem sind die kleinen Geschichten rund um diese Missionen gut in der Hauptstory verankert, man kann die Aufgaben quasi nebenher lösen. Das Geländefahrzeug entfällt zudem völlig, was meiner Meinung nach sogar positiv ist, war die Fahrphysik doch lächerlich und das herumfahren nach einiger Zeit ermüdend. Manche der Missionen bauen auch aufeinander auf, beispielsweise eine Quest, in der eine Gruppe Mech-Roboter außer Kontrolle geraten ist. Hier müssen die Maschinenkrieger zuerst einmal aufgehalten und dann, in einem anderen System, der virenverseuchte Produktionsstandort zerstört werden.
Bedienung Bei der direkten Eingabe hat sich im Vergleich zum ersten Teil nicht viel getan: Auch Mass Effect 2 steuert sich sehr stark wie ein Shooter, wobei hier vor allem das PC-exklusive Schnellwahlmenü am oberen Bildschirmrand nützlich ist, mit dem die Talente auch ohne Kampfunterbrechung eingesetzt werden können. Somit werden wohl auch Einsteiger keinerlei Probleme haben, sich durch das Mass Effect-Universum zu bewegen. Die Bedienung der Menüs wurde beim Vorgänger hingegen bemängelt, war doch gerade das Ausrüsten der vielen Kampfgefährten nur sehr umständlich möglich. Im zweiten Teil hat der Entwickler Bioware deshalb das Motto „weniger ist mehr“ beherzigt und das Inventar kurzerhand beinahe vollständig gestrichen. Das manuelle Anlegen von Waffen für alle Teammitglieder ist zwar noch möglich, aber eigentlich nicht notwendig, da die besten Waffen automatisch ausgewählt werden. Auch das Neuanlegen von Rüstungsteilen ist bei den anderen Kampfgefährten nicht mehr vorgesehen, Verbesserungen werden hier über Upgrades realisiert, welche man käuflich erwerben oder selbst erforschen kann. Zur Erforschung sind dabei Mineralien notwendig, die von Planeten abgebaut werden müssen. Das dazugehörige Minispiel langweilt leider aber schon nach kurzer Zeit und ist zudem noch recht zeitaufwendig. Einzig Commander Shepards Rüstung ist rudimentär erweiterbar, beispielsweise lassen sich einige Einzelteile austauschen oder die Farbe ändern. Auch in diesem Bereich werden Rollenspieler wohl von Mass Effect 2 enttäuscht sein, bleibt das Spiel doch unter dem Niveau vom Vorgänger.
Download-Content Ähnlich wie bei vielen neuen Spielen möchte der Entwickler Bioware den Spielwert von Mass Effect 2 über Zusatzinhalte (DLC) erhöhen. Die beiden bisher erschienenen Mini Add-ons sind allerdings, anders als bei vielen anderen Spielen, völlig kostenlos. Das erste DLC erweitert das Spiel um ein weiteres Teamitglied, den Söldner Zaeed. Dieser hat ebenso wie alle anderen Gefährten eine interessante persönliche Quest, welche auch an die Qualität der sonstigen Gefährtenmissionen heranreicht. Bei der zweiten Erweiterung untersucht Commander Shepard hingegen die Absturzstelle der alten Normandy und sammelt die Dienstmarken der verstorbenen Besatzungsmitglieder. Wie man sich unschwer vorstellen kann ist das nicht besonders interessant, eine Mission um die abgestürzte Normandy hätte der Entwickler auch besser inszenieren können. Aber wie gesagt: Die beiden Erweiterungen sind kostenlos, deshalb halte ich mich hier an die Redewendung: Einem geschenkten Gaul…
Technisches Bereits der erste Teil von Mass Effect konnte mit der Grafik überzeugen. Der zweite Teil setzt hier noch einen drauf. Vor allem die Gestik und Mimik wurden noch einmal stark überarbeitet, die Gesichter der Personen wirken durch den hohen Detailgrad fast fotorealistisch. Dadurch kommen die Emotionen der Charaktere hervorragend zur Geltung. Die zahlreichen Effekte (wie etwa Explosionen oder Biotik-Talente) sind ebenfalls gelungen. Bei der Texturqualität gibt es ebenfalls einen positiven Trend, meistens sind die Pixeltapeten sehr scharf ausgefallen, nur noch selten stolpert der Spieler über niedrig aufgelöste Texturen. Hervorzuheben ist auch noch, dass die Ladezeiten beim Übergang von einem Gebiet in ein anderes stark reduziert werden konnten. Ein kleiner Minuspunkt liegt allerdings in der Kahlheit von manchen Planeten, welche vor allem bei den Nebenquests öfters auftauchen. Die Hardwareanforderungen gestalten sich, trotz der tollen Optik, als recht moderat: Bereits ein Prozessor vom Schlage eines Core2Duo mit 1,8 GHz und 1 GB (Windows XP) bzw. 2 GB (Windows Vista/7) Arbeitsspeicher reichen aus, um Mass Effect 2 mit minimalen Details auszuführen. Dazu kommen noch etwa 15 GB Festplattenspeicher. Die Grafikkarte muss mindestens das Shader Modell 3 von DirectX9 beherrschen und die Leistungsfähigkeit einer Geforce 6800 oder Radeon X1600 besitzen. Mein PC (Core2Quad, 4GB RAM, Geforce 8800) hat dementsprechend auch keinerlei Probleme, das Spiel in 1920x1200 mit maximalen Details aufzuführen. Die Klangkulisse ist ebenso eindrucksvoll wie die Optik, während der Kämpfe ertönen beispielsweise eindrucksvolle Schlachtgeräusche aus den Boxen. Auch die sonstigen Soundeffekte können überzeugen, etwa die Geräusche an Bord der Normandy. Der atmosphärische Soundtrack wurde zwar größtenteils aus dem ersten Teil übernommen, allerdings gibt es auch einige neue Stücke. Die deutschen Synchronsprecher leisten ebenso gute Arbeit, fast alle Personen wurden passend besetzt. Einige Hauptcharaktere, die schon im alten Spiel auftraten, haben allerdings eine neue Synchronstimme bekommen, wie etwa Commander Shepard. Ungewöhnlich für den Entwickler Bioware stören im Spielverlauf allerdings hin und wieder einige kleine Bugs. Das beginnt bei einfachen Animationsfehlern während der Gespräche, in denen Personen plötzlich an einer anderen Stelle stehen und endet bei Clippingfehlern, bei denen die Heldentruppe plötzlich in der Luft schwebt. Als Kopierschutz hat sich der Publisher Electronic Arts für eine einfache DVD-Abfrage entschieden, das bei Spielern verhasste Securom kommt nicht zum Einsatz, ebenso wenig eine Online-Aktivierung.
Fazit Wenn man nur nach den Rollenspiel-Eigenschaften schaut scheint Mass Effect 2 gegenüber dem Vorgänger erst mal ein Rückschritt zu sein: Das taktische Kampfsystem wurde vereinfacht, so dass die Kämpfe actionlastiger als je zuvor ausfallen. Noch dazu hat der Entwickler das Talentesystem stark zusammengestaucht und das Inventar, mit dem jedes Teammitglied im Vorgänger einzeln ausgerüstet werden konnte, sogar beinahe komplett gestrichen. Ist Mass Effect 2 deshalb direkt ein schlechtes Rollenspiel? Mit Sicherheit nicht! Denn bei einem Rollenspiel kommt es für mich vor allem auf eine spannende Geschichte sowie interessante Charaktere an. Hier weiß Mass Effect 2 wahrlich zu überzeugen, die Geschichten um die Rekrutierung der einzelnen Teammitglieder sind hervorragend inszeniert worden, noch dazu wirken die Charaktere mit ihren Eigenschaften und Macken sehr lebensecht und realistisch. Die Dialoge zwischen Commander Shepard und seinen Teammitgliedern könnten zudem direkt einem Hollywood-Film entsprungen sein, durch die Schnitte und Kameraschwenks fühlen sie sich noch intensiver an als im ersten Teil. Aber auch das dynamische Beeinflussungssystem mit den Vorbild- und Abtrünnigkeitspunkten kann überzeugen, man hat wirklich das Gefühl, das Universum in Mass Effect beeinflussen zu können. Die Hauptgeschichte rund um die geheimnisvollen Kollektoren kann erzählerisch zwar nicht ganz mit der dramatischen Geschichte aus Mass Effect 1 mithalten und benötigt etwas Zeit, um richtig in Fahrt zu kommen. Trotzdem ist es dem Entwickler Bioware auch hier wieder gelungen, eine packende und wendungsreiche Story mit vielen Überraschungen auf die Beine zu stellen. Sehr positiv hervorzuheben sind auch noch die Nebenquests, welche anders als im Vorgänger beinahe durchgängig ein hohes Niveau erreichen und gut in die Hauptstory integriert sind. Dazu kommt noch eine ansprechende technische Gestaltung, gerade durch die Gestik und Mimik wirken die Charaktere deutlich lebendiger. Aber auch die Texturen sowie die Effekte sind gelungen. Soundtechnisch habe ich ebenfalls nichts zu bemängeln, der Soundtrack ist atmosphärisch und die Sprecher haben gute Arbeit geleistet. Insgesamt bekommt Mass Effect 2 alle fünf Sterne sowie die Kaufempfehlung von mir, trotz der Defizite im Rollenspiel-Bereich ist das Spiel für 40€ ein Kauftipp.
Vielen Dank für das Lesen meines Berichtes, über Bewertungen und Kommentare würde ich mich freuen. Viele Grüße Hendrik
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08.04.2011 15:14
Hammerbericht zu einem ebensolchen Hammerspiel. Und hier ist das BH. Gruß
12.01.2011 11:37
Einer meiner Schüler hat mir ganz begeistert von dem ersten Teil erzählt. Damit fange ich dann mal an. Besonders hilfreich.
24.12.2010 11:38
super bericht