Matrix (1999)

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Was Descartes nicht wissen konnte...

5  27.02.2002 (28.02.2002)

Pro:
ein sehr guter Film mit einer tollen Idee, birgt eine interessante Frage in sich

Kontra:
evtl .  irriger Glauben kann den Realitätsbezug mindern .

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor

Spannung

Action:

Romantik:

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Lt.Hawk

Über sich: Äch bin wieder aktiv - na ja, zumindest nicht mehr ganz so tot. Erstmal etwas für die Radsportkatego...

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Erfahrungsberichte:81

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 79 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Einleitung ins Thema
***********************

Gleich vorweg: Hier wird kein langweiliger und überflüssiger Erfahrungsbericht geschrieben, sondern ich möchte mich einmal etwas über den philosophischen Inhalt des Filmes auslassen (sorry, aber für sowas gibts keine spezielle Kategorie, die unten abgegebene Bewertung bezieht sich auf den Film !!)
Mich interessiert vielmehr die Frage, die der Film aufgibt:

Leben wir in der Realität - und was ist die Realität.

Trotzdem will ich jetzt nicht irgendwelche abstrakten Thesen konstruieren sondern der Frage nachgehen : Was ist die Matrix - und viel wichtiger : hat uns die Matrix ?

(WICHTIG: hier sei daraufhingewiesen, dass der Leser diese Schrift bitte sorgfältig lesen und mit Bedacht bewerten sollte. Trotzdem akzeptiere ich natürlich auch eine schlechte Bewertung - wenn sie begründet ist ;-) ! )


Was ist die Matrix
********************

Im Film wird ein Szenario dargestellt, das in naher Zukunft, genauergesagt im 21. Jahrhundert spielt. Die Menschheit hatte die Entwicklung der Künstlichen Intelligen bei Maschinen so auf die Höhe getrieben, das es zum Konflikt zwischen Mensch und Maschinen kam. Die Menschen beschlossen, den Maschinen ihre Energiequelle zu enthalten, also "verdunkelten" sie den Himmel.

Auf jede Aktion folgt eine Reaktion und so waren es die Maschinen, die fortan die Menschen als ihre Energiequelle benutzten. Dabei wurde fast die gesamte Menschheit versklavt und als "Batterien" in riesigen Kraftwerken benutzt. Diese Menschen liegen in einem Aufbewahrungsfach und sind mit der Matrix verbunden - eine Computersimulation, die dem Menschen den Glauben verleiht, er befände sich auf der Erde des 20. Jahrhunderts, und nicht in einem Ablagefach als Batterie. Diese Matrix wurde von den Maschinen konstruiert, um der Menschheit eine Art "Abfindung" zu geben.

Gleichzeitig ist sie aber auch eine perfekte Ablenkung von der bitteren Realität. Fast perfekt - denn es gibt eine Handvoll Menschen, die von der Existenz der Matrix wissen und einen hoffnungslosen Widerstandskampf gegen die Maschinen führen. Unter ihnen ist auch Morpheus (Lawrence Fishborne), der sich berufen glaubt, den "Auserwählten" zu finden, welcher die Menschheit von der Skalverei erlösen kann.

Diesen Auserwählten glaubt er in Neo (Keanu Reeves) gefunden zu haben, einem ganz normalen New Yorker der ein Doppelleben führt. Tagsüber arbeitet er in einem IT Konzern, doch die Nächte verbringt er vor seinem Computer. Er ist auf der Suche nach etwas Unbeschreiblichem, von dessen Existenz er weiß, aber nicht ihr Wesen erfassen kann. Letztendlich gibt es für ihn nur eine Frage : Was ist die Matrix ???


Matrix (lat.) : Muttertier, Zuchttier ; aus dem Zweige kommen

Diese Beschreibung hat durchaus einen gewissen Zusammenhang mit der Matrix, wie sie im gleichnamigen Film dargestellt wird. In der cineastischen Fiktion geht es um die Zukunft der Menschheit, die in dieser Zeit den Maschinen als Batterie dienen, ohne es zu wissen. Ihr Gehirn ist an eine riesige Computersimulation gebunden, die bis ins kleinste Detail die Welt des 20. Jahrhunderts wiederspiegelt.
Alle Menschen denken also in dieser Zeit zu leben und zu sterben, aber in der realen Welt verbringen sie ihr ganzes Leben in einem batterieähnlichen Käfig.


Bezug zur Realität
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Die Faszination dieses Phänomens ist es doch, dass man unmöglich sagen kann, ob sie nun existiert und wir alle in einer Scheinwelt leben, oder ob sie pure Fiktion ist.

Der Gedanke zu glauben sie sei real, mag vielen Menschen vielleicht helfen besser mit sich selbst klar zu kommen - ein ähnliches Phänomen wie der Glaube an Gott. Auf der anderen Seite bietet sie einen verlockenden Vorwand um einer rationellen Handlungsweise zu entsagen und so ihr Tun rechtfertigen zu können. Ein vergleichbares Phänomen wäre der nationalsozialistische Glaube des 3. Reiches an die "Herrenrasse" - verlockend und verblüffend einfach, außerdem eine Rechtfertigung für ansonsten als unmoralisch und grausam abgestempeltes Handeln.

Also kann der Glaube, es gäbe eine Matrix, sowohl Hoffnung für die Einen, als auch Rechtfertigung des Bösen für die anderen sein (vgl. Amoklauf an amerikanischen Schulen).


Wahrscheinlichkeit einer solchen Existenz
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Dies ist wohl eines der schwierigsten Fragen, die ein Mensch mit seinem wissenschaftlichen Wissen bzw. Unwissen unmöglich beantworten kann. In diesem Falle tritt an die Stelle der Wissenschaft eine andere der 3 großen Untersuchungskriterien (Wissenschaft, Religion, Philosophie - nach Max Scheler : Die Stellung des Menschen im Kosmos) :

Zum einen wäre da der Aspekt Religion. Den lasse ich aber vorne weg, da ich davon keine Ahnung habe. Optional steht mir noch die Philosophie zur Verfügung.

Betrachtet unter dem Aspekt der Philosophie ist eine Existenz der "Matrix" nicht gerade unwahrscheinlich. Doch das Problem diese These zu widerlegen oder sie zu beweisen geht in die tiefsten Dimensionen der Philosophie:

Einst entwarf einer der größten Philosophen überhaupt, Rene Descartes, ein "fundamentum incussum", also eine Grundlage, auf die er all sein Existenzdenken aufbauen konnte : " ergo cogito, ergo sum" (ich denke, also bin ich).

Descartes Ziel war es damals, zu beweisen das er sein Leben nicht träume, sondern in der Realität lebe. Damals hieß es bei ihm TRAUM, heute wollen wir es mal MATRIX nennen. Man sieht also: am Grundgedanken hat sich nichts geändert !!

Das Problem ist offensichtlich. Vor über 300 Jahren war für diese Hypothese für die Allgemeinheit unwiderlegbar, eine standfeste Aussage, die Descartes half, eine Revolution des philosophischen Denkens druchzuführen. Doch genau da liegt der Knackpunkt:

In einer evtl. existierenden Matrix findet dieses Axiom keine Anwendung. Man kann denken soviel man will, aber trotzdem existiert jemandes Geist in einer Traumwelt. Eine Matrix funktioniert nicht nach den Regeln des Vor - Industriezeitalters.

Ich kann mich also bei meiner Behauptung "eine Matrix wie sie im Film dargestellt wurde, kann existieren" nicht auf irgendwelche klugen Sätze der Geschichte berufen, doch kann man meine These auch nicht anhand der Gleichen widerlegen.

Letztendlich ist es der kluge Menschenverstand der die Möglichkeiten für sich abwägt und danach sein Urteil fällt. Denn was spricht dagegen ? Doch was spricht dafür ? In unserer Welt wäre es doch ein Heil zu wissen, dass dies alles nur Irreal ist. All dies Unrecht nie wirklich passiert ? All diese wundervollen, historischen Erungenschaften nie wirklich passiert ?

Die Frage die so alt ist wie die Menschheit selbst - und ihre Erklärungsversuche
**************************************************

Damals wie heute quälen den menschlichen Verstand diese Frage, die er mit seinem konventionellen Denken nicht beantworten kann. Nur damals bzw. heute ruft man vergleichbare anders:

z.B.: Gibt es einen Gott ?

Hier konnte die Wissenschaft, genauergesagt eine plausible Erklärung zu geben. Ein gewisser Herr Sigmund Freud hat damals die These aufgestellt, dass Gott lediglich eine Schöpfung des menschlichen Verstandes sei, um Trost und Schutz, wie auch Hoffnung zu bekommen. Gebildet wird dieses psychische Phänomen wenn die schützenden Eltern-Figuren aus dem Leben eines Menschen treten - sein Verstand sucht einen Ersatz für diese wichtigen Figuren: Gott

Und so könnte man doch auch einen Glauben an die Matrix rechtferigen, oder ? Ich selber bin eher skeptisch, da ein Glaube an die Existenz der Matrix doch wohl eher Depressionen als Glücksgefühle hervorruft. Nur belastete Personen erfahren durch diesen Glauben an die Unwirklichkeit eine Entlastung - eine gefährliche, denn sie verlieren den Bezug zu "unserer Realität".


Meine Bilanz
***************

Ich bin, wie ich es selbst erwartet habe, an dieser Frage gescheitert. Doch eines weiß ich sicher:

Die Frage, ob wir in einer irrealen Welt (nicht) existieren, wird in den nächsten Jahren noch zu einer ähnlich viel diskutierten und umstrittenen Frage wie die von der Existenz eines Gottes werden.

Und damit überlasse ich es den klügeren und gebildeteteren Köpfen der Menschheit, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen - und euch auch !!!
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
virtus

virtus

13.06.2002 23:21

Hallo, habe den Film auch einmal von dieser Seite betrachtet, aber wurde in der Schule deshalb ausgelacht. Ich denke es ist wichtig, welche Funktion die "Matrix" übernimmt. Der Gottesglaube hat wenn er nicht findamentalistisch ist durchweg gute Eigenschaften im Gegensatz zu "Herrenrasse". Ich sehe dies aus der Perspektive der platonischen Erkenntnistheorie in Verbindung mit dem Höhlengleichnis. Die Welt mag zwar existieren, doch sie ist eine Scheinwelt aus Schatten und Projektionen, die wir jedoch auf dem Wege der Erkenntnis hinterfragen und erkennen können. Mehr kann ich dazu auch nicht sagen. gruß, Peter

genius-e

genius-e

09.05.2002 22:15

Also zunächst finde ich es sehr richtig, daß Leute hier nicht einfach nur wiedergeben, was in einem Film offensichtlich geschieht, sondern sich auch mal die Sinnfrage stellen, welche Absichten dahinter stecken könnten und vor allem, wie er uns selbst berührt, in unserem Denken und Handeln. Und das man an einer solchen Stelle keine Antworten auf seine Fragen findet, ist da nur zwangsläufig. Von den Kritiken (falsche Platzierung von philosophischen Bemerkungen?!) war ich dann allerdings schockiert. Bin hier noch etwas neu, aber anscheinend wollen die Leute doch nur unterhalten werden. Also Dein Bericht war sehr angenehm, vielleicht etwas wirr, aber so ist es wohl mit unseren Gedanken auch! Empfehle Dir "Contact", nicht jedoch die Berichte bei ciao. Eventuell mal ein Bericht von mir dazu. C U

Vampiria

Vampiria

12.03.2002 13:52

Ich verzichte hier mal auf eine Bewertung, da ich den Bericht hier in der falschen Kategorie sehe und es ansonsten wieder heißt Rachebewertung! Die offene Kategorie wäre für solchen Philosophiekram wohl passender gewesen.

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