Farewell, Matrix!
09.11.2003
Pro:
Solide Action, schnell inszeniert .
Kontra:
Das Ende stellt nicht wirklich zufrieden .
Empfehlenswert:
Ja
 Michi78
Über sich:
Kulturwissenschaftler, Bücherwurm, Vampirbesessen, Tätowiert, Kurzsichtig und leicht verrückt.
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Farewell, Matrix! Wer die „Matrix“ nicht kennt, muss in den letzten Jahren unter einem Stein gelebt haben. Sätze wie „folge dem weißen Kaninchen“ oder „nur ein Agent“ sind in die Popkultur eingegangen und das nicht ohne Grund. Die Wachowski Brüder haben mit ihrer waffenstrotzenden Dystopie in Lack und Leder einen Meilenstein des anspruchsvollen Actionkinos geschaffen, das sich reichlich bei anderen Filmen, Philosophien und nicht zuletzt Religionen bedient. Im November kam nun der langersehnte dritte und abschließende Teil in die Kinos, der nach einem schwächelnden Sequel „Matrix: Reloaded“ beweisen sollte, dass den Wachowskis mit dem genialen Erstling „Matrix“ nicht doch nur ein Zufallstreffer gelungen war. „Matrix: Revolutions“ knüpft nahtlos an „Reloaded“ an und bringt in 129 Minuten die Geschichte um den Erlöser Neo und seine Mannen zu einem guten (?) Ende.
Dabei ist es recht schwer, nach dem Kinobesuch die Handlung des Films zu rekonstruieren und das obwohl „Revolutions“ mehr davon besitzt als der durchgestylte jedoch handlungsarme „Reloaded“. Am Ende des zweiten Teils hatten wir Neo (Keanu Reeves) verlassen, als dieser gerade ins Koma gefallen war, nachdem er einige Wächter durch pure Geisteskraft aufgehalten hatte. Diese heldenmütige Aktion hat Neos Geist an einen Bahnhof (wie passend) verfrachtet, an dem er nun festsitzt. Morpheus (Laurence Fishburne) und Trinity (Carrie-Anne Moss) erhalten den Tipp, dass der Merowinger (Lambert Wilson) für Neos Zustand verantwortlich zeichnet und stürmen dessen Sado-Maso Etablissement, um einen Deal auszuhandeln. Nachdem Neo befreit und aus dem Koma erwacht ist, beschließt er, mit einem Schiff direkt in die Stadt der Maschinen zu fliegen. Trinity, ganz die treue Dame an seiner Seite, wird ihn natürlich auf diese gefährliche Mission begleiten, während die restlichen Rebellen um Morpheus und Niobe (Jada Pinkett-Smith) mit ihren Schiffen nach Zion zurückkehren. Daraufhin verlassen wir Neo zunächst für eine Weile und werden Zeuge des Kampfes um Zion, der im letzten Moment von Niobe per elektromagnetischem Puls beendet werden kann. Doch währenddessen handelt Neo mit den Maschinen einen Frieden aus und muss sich in der Matrix dem alles entscheidenden Kampf gegen die millionenfach vervielfältigten Agent Smith (Hugo Weaving) stellen. „Revolutions“ kommt recht langsam in Fahrt, sodass man zunächst fürchten muss, dieser Teil wäre insgesamt noch schwächer als „Reloaded“. Und tatsächlich wird man zunächst wieder mit vollkommen sinnfreien Dialogen genervt – diesmal von einer indischen Programm-Familie (wie pflanzt sich eigentlich ein Programm fort, fragt man sich zwangsläufig), die Neo darüber aufklärt, dass „Karma“ und „Liebe“ ja nur Worte seien. Das trifft natürlich auch auf den Rest des Wortschatzes zu, aber man kann von Bits und Bytes ja kaum verlangen, dass sie tiefere Einblicke in die Probleme von Signifikanten und Signifikaten haben. „Revolutions“ wartet noch mit anderen Dialogen und Onelinern auf, die im Kontext vollkommen fehl am Platze sind. So kommentiert Neo die Tatsache, dass man ihm eben die Augen weggeätzt hat mit den lapidaren Worten: „Es wird schon gehen. Aber ich glaube, du musst fliegen“, was beim Großteil des Publikums einen entnervten Seufzer hervorrief. Comic Relief kann etwas sehr Schönes sein, aber es kann eben auch sehr schnell out of character wirken – so wie in diesem Fall.
„Revolutions“ unterscheidet sich in der Bildästhetik stark von den Vorgängern, wohl vor allem aus dem Grunde, dass nur kleine Teile der Handlung in der Matrix spielen. So werden die Lack-und-Leder Fetischisten diesmal nur in einer Szene wirklich bedient – nämlich als Morpheus und Trinity in den Sexclub des Merowingers einfallen, der leider auch in diesem Film wieder vorkommen durfte. Selbst als Neo am Ende gegen Mr. Smith kämpft – und dies geschieht innerhalb der Matrix – ist von der gewohnten Ästhetik kaum noch etwas übrig. Es schüttet wie aus Kannen, blitzt an allen Ecken, Neo windet sich im dreckigen Schlamm und im ganzen wirkt der Endkampf wie ein besserer Bitch-Fight. Die beiden Kontrahenten fliegen durch die Gegend als hätten wir hier zwei Marvel-Comic-Helden vor uns und zerren mehr aneinander als dass sie im gewohnten Martial Arts Stil aufeinander einprügelten. Die Action ist in „Revolutions“ demnach bodenständiger als in den Vorgängern. Keine durchchoreographierten Kämpfe mehr, hier gibt es richtig auf die Zwölf. Als die Maschinen sich bis zu Zion durchgegraben haben und unzähligen Tintenfisch-Wächter auf die Stadt einstürmen, ballert die Verteidigung endlos aus allen Rohren. Hier wird alles gnadenlos niedergeschossen, was sich vor die Linse verirrt. Spätestens in diesen Szenen kann man die abstrusen und mäßig spannenden Handlungsfäden der anfänglichen halben Stunde getrost vergessen, sich im Kinosessel zurücklehnen und einfach brachiale Action genießen.
Von da ab gibt es kaum noch Verschnaufpausen in dem Film. Es ist zu merken, wie sich die Trilogie dem Ende nähert und damit an rasanter Fahrt gewinnt. Doch der eigentliche Spannungshöhepunkt – der finale Kampf Mensch gegen Agent – macht seltsam wenig Eindruck auf den Zuschauer. Ist man sich schon so sicher, wie es ausgehen wird? Hätte man den Kampf anders inszenieren sollen? Oder wirken diese Szenen einfach „zu abgehoben“? Doch auch wenn Neo den Frieden gewinnt (Man erinnere sich, dass die Figur an einen christlichen Erlöser angelehnt ist, wer das nicht aus den Augen verliert, der wird wenige Überraschungen erleben.), bleibt ein schaler Beigeschmack beim Zuschauer. Die Befreiung der Menschheit aus der Sklaverei der Maschinen, von der noch im ersten Teil die Rede war, wird hier nicht einmal mehr erwähnt. Die Bevölkerung Zions ist alles was zählt; die Stadt vor der Zerstörung zu retten, das war Neos Plan als er zur Stadt der Maschinen flog. In der letzten Szene des Film lernen wir dann, dass er den Frieden zwischen Mensch und Maschine begründet hat, doch bleibt im Prinzip alles beim Alten. Ach ja, gesteht der Architekt zu, wer sich aus der Matrix ausgliedern lassen möchte, bitte sehr. Allerdings bedeutet dies gleichzeitig, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen weiterhin als Batterie dahinvegetiert.
Und das ist es jetzt gewesen, fragt man sich anhand dieses zweifelhaften Endes. Ja, definitiv, denn einen vierten Teil würde die Trilogie kaum vertragen. „Revolutions“ ist sehr unterschiedlich bewertet worden. Die einen fanden ihn noch schlechter als „Reloaded“, die anderen hielten ihn für einen würdigen Abschluss. Tatsächlich, die Wachowskis scheinen sich noch einmal aufgerafft und einen abschließenden Actionreißer produziert zu haben. „Revolutions“ macht die Matrix rund, auch wenn man das Gefühl nicht los wird, dass wird nun eigentlich wieder am Anfang stehen. Als Film sieht der dritte Teil ganz anders aus als der Vorgänger „Reloaded“, was einen Vergleich erschwert. Es gibt definitiv weniger pseudophilosphischen Palawer und mehr klassische Haudrauf-Action. Dafür muss man weitestgehend auf die durchgestylte Matrix verzichten und sich mit einem arg entstellten Erlöser im letzten Drittel des Films zufriedengeben. Es ist halt auch nicht alles Gold, was glänzt. ------------------------------------------------------ Allgemeine Infos: „Matrix: Revolutions“ USA, 2003 Regie: Andy und Larry Wachowski Darsteller: Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie-Anne Moss, Monica Bellucci, Gloria Foster, Hugo Weaving, Jada Pinkett-Smith u.a. FSK 16 Offizielle Seite: thematrix.com
Carpe Noctem! © Michi, November 2003
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15.01.2004 19:04
teil1 ist meiner meinung nach mit abstand der beste teil - die anderen hab ich mir nat. auch angesehen ... gute effekte, aber leider kommen sie an teil1 nicht mehr ran ... grüsse MOFFt
21.11.2003 13:41
wie wahr. anbei meine finale meinung: neo ist ein programm in der matrix, welches glaubt ein mensch zu sein. als smith das orakel assimiliert sieht er die wahrheit. da das orakel die einzige menschliche entsprechung in der matrix ist (interface) und nur dazu dient das aufbegehren der maschinen niederzuhalten (smith' ausbreitung) versucht es natürlich, dass der krieg beendent wird und unterstützt das neo-programm. alles klar? nimm nie einen menschen, wenn du dafür eine maschine nehmen kannst ;-) vlg frank
14.11.2003 13:02
Langsam hab ich echt keine Lust mehr, den Film anzuschauen. Hätte man den ersten Teil einfach so gelassen, wie er war, dann hätte es gepasst - der war noch richtig gut. Aber Matrix Reloaded war schon durchgestylter Schwachsinn. Danke für das Ende, jetzt hab ich wenigstens Geld gespart. Liebe Grüße Matthi