die folgenden Zeilen sind eher für Matrix-Kenner und solche, die "Matrix Revolutions" bereits gesehen haben, gedacht - sie dienen der Beantwortung einiger ungeklärter Fragen ebenso wie sie neue Fragen aufwerfen werden
Filmdetails bitte ich also bei den unzähligen anderen Rezensionen in Erfahrung zu bringen.
Eins vorweg: "Matrix" (die erste) ist vermutlich der Film, den ich am öftesten gesehen habe, für mich in sich absolut schlüssig und genial, wenn man von einigen logischen Fehlern absieht, die aber immer weniger werden, wenn man die Maschinen als das sieht was sie sind - nämlich als nächste Evolutionsstufe, die den Menschen lediglich dulden (weil er ihr Schöpfer ist) und in der Matrix bestenfalls studieren. Okay, als Antivirus ist der Mensch auch noch zu gebrauchen.
"Reloaded" war für mich eine der größten Kinoenttäuschungen überhaupt. Selten hat man in einem Film den Computer stärken wirken sehen, die Action-Sequenzen viel zu lang, ohne jeden Sinn und nur des Effects wegen durchgeführt, inhaltlich trotz vieler Spekulationsmöglichkeiten was den weiteren Handlungsverlauf betrifft größtenteils belanglos, wie sich speziell nach "Revolutions" zeigt. Um die Dialoge vollständig zu verstehen, quälte ich mich mehrmals mit Skiptaste durch den Film. Im Nachhinein ist er als überflüssig zu werten und könnte als Überleitung für das Finale auf wenige Minuten gekürzt werden. Das ist auch schon der einzig wirkliche Vorwurf den man „Revolutions“ machen kann.
„Revolutions“ wird allein durch Niobe und den apokalyptische Angriff auf Zion sehenswert - daran können die zum Teil schwachen Dialoge, die begrenzten schauspielerischen Fähigkeiten des Hauptdarstellers und manch andere lächerliche Kampfeinlage nichts ändern. Der Schlusskampf, den ich eigentlich ganz in Ordnung finde, führt uns lediglich vor Augen, dass es nach wie vor nicht möglich ist, die gedankliche Vorstellung, wenn zwei Supermänner aufeinander prallen, auf die Leinwand zu bringen.
Dass in der Realität;-) der Showdown in "Zion" um einiges brutaler, kürzer und für den Menschen vollkommen aussichtsloser über die Bühne gehen würde als im Film, kann man den Wachowskis nicht vorwerfen, denn dann würden 90% des Publikums heulend aus dem Kino laufen.
Die Fähigkeiten von Neo in der realen Welt lassen sich leicht erklären. Nachdem er erblindet, und „Dare Devil“ ist so simple es auch sein mag das beste Beispiel, versteht er es seine anderen Sinne besser zu nutzen. Hey, er ist "the One", ein Supertalent sozusagen und zudem gedanklich (wireless) mit den Maschinen verbunden und weiß somit genau wo sich seine "Mitspieler" aufhalten. Und last but not least, es ist ein Film.
Wobei Begriffe wie "real" in einem solchen Film immer relativ zu sehen sind, da man es nie so genau sagen kann.
Ob die Welt um "Zion" nun die tatsächliche Realität ist, lässt sich nicht verifizieren, aber sie ist das, was vermutlich alle vorkommenden Charaktere, Menschen, Programme und Maschinen im Film, als Realität ansehen.
Gründe, die für eine Simulation sprächen:
Der Mensch kann den Himmel nicht verdunkeln, weil ohne Sonnenlicht keine Photosynthese stattfindet und er ohne Sauerstoff nicht leben kann. Künstliche Sauerstoffversorgung im benötigten Ausmaß ist nicht realistisch, wenn doch müsste er binnen kürzester Zeit verhungern, weil ohne Sonnenlicht auch nichts mehr angebaut werden kann. Mit künstlichem Licht könnte man wiederum nur eine handvoll Menschen am Leben erhalten. Die Verdunkelung des Himmels wäre also der Menschheit Untergang.
Überspringt man den ersten Punkt trotzdem, stellt sich die Frage, warum eine Intelligenz, die imstande ist, ein komplexes Gebilde, wie die Matrix zu konstruieren und zudem auf alle Daten der Menschheitsgeschichte Zugriff hat, nicht auf die Idee kommt, auf Energiegewinnung die kein Sonnenlicht bedarf zurückgreift, wie zum Beispiel Kernenergie, die zudem viel ergiebiger wäre.
Die Realität schaut bitter aus. Der Mensch ist ohne jede Chance gegen seinen Nachkommen und kann nur auf deren Barmherzigkeit hoffen.
Diese beiden Tatsachen und nicht zuletzt der taktisch äußerst unkluge Angriff der Maschinen auf Zion, lassen nichts anderes als den Schluss zu, dass es sich um eine einzige Simulation handelt. Wer diese Simulation leitet, ob Maschinen oder Menschen, bleibt allerdings ein Geheimnis.
Jeder der Logik im Film sucht, muss also an eine Simulation glauben, an eine Matrix in der Matrix sozusagen, alle anderen dürfen meinen, dass es ein erstklassiges, aber hanebüchenes Action-Science-Fiction-Märchen mit mythologischem und religiösem Touch ist und werden wohl recht damit haben.
"Revolutions" degradiert "Reloaded" zu einem Hirngespinstphantasiefilm für Pseudointellektuelle und macht aus Matrix was es schon immer war, viele aber nicht wahrhaben wollen - Nachhilfeunterricht in Philosophie für den Ottonormalverbraucher.
Trotzdem ein sehr unterhaltsam Film und viereinhalb Ciao-Sterne wert!
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Interessantes Detail am Rande und vermutlich nur für echte Matrix-Freaks verständlich:
Sieht man sich im ersten Teil die beiden Datumsangaben zu Beginn (Trinity telefoniert mit Cypher) und am Ende des Films (Neo kurz vor seiner Superman-Nummer) an, wird man feststellen, dass diese 19 Monate auseinander liegen. Eine Menge Zeit könnte man meinen.
Noch dazu sagt Neo im Telefonat am Ende des ersten Films „I can feel you now“ und meint vermutlich die Maschinen (denkbar wäre natürlich auch, dass er zu den Menschen spricht, was aber nicht anzunehmen ist). Spüren kann er die Maschinen aber erst am Ende des zweiten Teils, wie wir wissen. Zudem erwähnt Morpheus im zweiten Teil gleich zu Beginn die Tatsache, dass in den letzten 6 Monaten mehr Menschen befreit wurden als in den 6 Jahren zuvor. Zweifellos tätigt er diese Aussage ohne bestimmten Ausgangszeitpunkt, aber warum sollten wir nicht annehmen, dass die Befreiungsaktionen laufen, nachdem Neo seine Fähigkeiten, ja geradezu seine Unsterblichkeit, in der Matrix entdeckt. Weiters auffällig ist die Tatsache, dass in der Schluss-Szene von Teil 1 der Grünstich in der Matrix fehlt. Dies wiederum sehen wir sonst ausschließlich am Ende von „Revolutions“, als der Architekt mit dem Orakel sinniert.
Alles Indizien dafür, dass sowohl „Reloaded“ als auch „Revolutions“ vor dem Ende des ersten Teils spielen und die Telefonsequenz mit anschließender Superman-Nummer von Neo das eigentliche Ende der Trilogie markiert.
Es hätte auch insofern Sinn, dass im Falle eines Misserfolgs an den Kassen, der keine weiteren Teile ermöglicht hätte, der Erstling in sich abgeschlossen wäre.
Aber wie gesagt, nur eine wage Hypothese, die in manchen Foren diskutiert wird und zweifellos für die Trilogie von geringer Bedeutung ist, außer natürlich dass der gute Neo tatsächlich noch lebt und alle Kinder wieder schlafen können.
Aber sind wir uns ehrlich, es täte der Dramaturgie einen Abbruch, wenn Neo nicht tot wäre. Echte Helden sterben nun mal.
14.11.2003 17:53
Falls jemand sich mit Matrix noch nicht so sehr auskennt, wird er vielleicht mit deinem Bericht Probleme haben.. Für mich ist er aber sehr hilfreich!