Leben nach der Barchetta, Teil 1: Mazda MX-5
13.08.2004
Pro:
Preis, Fahrverhalten, Interieur
Kontra:
Platzangebot, Persenning, Motor
Empfehlenswert:
Ja
 Disastamasta
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:14
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 19 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hallo ihr lieben Leut, hier ist euer dipl. Schlüsselbrettquäler, der Disastamasta ;-) Vielleicht habt Ihr ja bereits meinen Testbericht über den Fiat Barchetta gelesen (vom 5.8.), dessen stolzer Besitzer ich 6 Jahre lang wahr. Nun, aber keine (Auto)Liebe währt ewig, erst recht nicht zu einem Sensibelchen wie dem italienischen Spider, und so musste ich mich denn auch schweren Herzens von dem Wägelchen trennen. Da ich aber ohne Frischluft um die Nase nicht lange sein kann, schaute ich mich einige Male nach Alternativen um, die ich jetzt peu a peu in den kommenden Wochen bei Ciao in einem 5-Gänge-Menü anrichten werde.
Nach folgenden Kriterien erbeutete ich meine Testfahrten umtriebig bei den diversen Freundlichen: - zweisitzig, mit geschwindigkeitsabhängiger Klimatisierung (sprich: Verdeck) - mit mindestens genauso viel Saft und Kraft wie meine verflossene Diva - diesmal bitteschön mit Heckantrieb - sportlich, mit etwas Restkomfort (auch im Platzverhältnis)
Und da liegt schon das erste Problem. Meinen Oberklasse-Körper (wohlgeformte 94 kg treffen auf 1,87m) in die erste Alternative unter den erschwinglichen Roadstern, den MAZDA MX-5 1,6
zu zwängen, ist trotz guter Beweglichkeit und fehlender Rückenbeschwerden bereits eine Herausforderung. Die maximal mögliche Entfernung von verlängertem Rücken bis zum Gaspedal ist dann auch für meinereiner Kaliber etwas dürftig bemessen, sprich: einmal in dem adretten Wägelchen sitzend, ist die Bewegungsfreiheit auf Bewegungen der Füße und der Schalthand begrenzt, der Aufbau ist zu schmal und zu kurz, man reibt sich mit Knien an Mittelkonsole, Türablage und stößt, wenn man sich ungeschickt anstellt, mit ihnen auch noch an das lederbekränzte Lenkrad. Aber wir wollen ja nicht meckern, sondern Spaß haben, und den macht bereits das INTERIEUR
Das, sofern man sich mit den knappen Raumverhältnissen arrangiert hat, mit seiner gekonnten Reduktion auf das Wesentliche erst einmal das Auge beruhigt. Alles am rechten Platz, Kunststoff mit sauberer Verarbeitung, Armaturen, die - mit weißen Zifferblättern - nichts wesentliches vorenthalten. Alles auf das Prinzip "Form follows function" hin konstruiert. Indes, der neckisch kleine Stummel rechts des Knies lädt zum unternehmungslustigen Rühren im Getriebe ein, womit wir auch schon beim FAHREN
wären. Der Start am Zündschlüssel offenbart zunächst einmal nichts Aufregendes, was den an Saft, Kraft und Herrlichkeit gewöhnten 6-Zylinder / Turbodieselfahrer auch nicht verwundert, denn schließlich stehen hier gerade mal magere 1,6 Liter Hubraum zur Disposition, die mit 110 PS und 145 putzigen Newtonmeterchen Drehmoment nicht gerade für wacklige Knie sorgen (könnten ja auch gar nicht wackeln wegen der eingeschränkten Platzverhältnisse, s.o.). Das dürftige Drehmoment des Motörchens wird allerdings, wie man schon auf den ersten Metern nach dem Anfahren feststellen kann, durch das bissige Ansprechverhalten zumindest teilweise kompensiert. Die Maschine scheint Gaspedalstöße vorausahnen zu können, ruckelt nicht in der Warmfahrphase und setzt Beschleunigungswünsche sehr feinfühlig um. Dazu gesellt sich - wie bei einem so kleinen Triebsatz nicht anders zu erwarten - ausgeprägte Drehfreude. Das Gesamtpaket vermag bei ausgiebiger Betätigung des Schalthebels durchaus zufrieden zu stellen, wenn man nicht vorhat, sich mit Nachbars 100-PS-Diesel-Golf anzulegen, der einem nämlich so was von um die Ohren fährt, daß man einen Moment daran zweifelt, in einem veritablen Sportwagen zu sitzen. Doch: der MX-5 IST einer. Nicht nur das flugs nach hinten geworfene Verdeck bürgt dafür, auch das FAHRWERK
macht auf Haarnadelkurven vieles wieder wett, was man auf Geraden an den Vertreter der oben erwähnten Heizöl-Fraktion verschenkt. Hart und trocken, dabei aber nicht knochig, werden kurze Stöße leidlich absorbiert, mit langen Wellen gibt's Probleme. Dafür agiert der Zweisitzer unbeirrbar neutral und Seitenneigung scheint ein Fremdwort zu sein, und Untersteuern wird im hoch angesiedelten Grenzbereich nur angedeutet, sprich: auf dem kurvigen Mittelgebirgssträßchen kann man den Nachbar mit dem schnellen Golf auch mal an seiner Abgasfahne schnüffeln lassen. Übersteuern, also fetzige Heckschwenks, sind nur theoretisch möglich, in der Praxis hat der kleine MX-5 für einen gepflegten Drift aber zu wenig an den Rädern. Aber vielleicht klappt's ja bei Regen. Beherrschbar ist der Kleine jedenfalls auch für Ungeübte. Wäre der Wagen ein Mann, könnte man ihn auch als "Frauenversteher" bezeichnen ;-) (an dieser Stelle bitte ich die bei CIAO versammelten Profi-RennfahrerINNEN schon mal vorsorglich um Entschuldigung ;-)) ANSONSTEN...
...dürften vor allem die Unterhaltskosten zu überzeugen wissen. Relativ günstig in der Versicherung und sehr günstig in der Wartung, Pflege und bei den sonstigen Festkosten, ist der kleine Zweisitzer vor allem bei preisbewussten Sportfahrern interessant. Der Verbrauch dürfte sich bei ambitionierter, d.h. dreh- und schaltfreudiger Fahrweise (die bei halt nur 1,6 l Hubraum nicht ausbleibt) im 8 bis 10 l-Bereich bewegen, die Alltagstauglichkeit ist aufgrund der o.e. Kriterien gut bis sehr gut, sieht man vom Platzangebot mal ab. Auch der Kofferraum ist vorhanden, aber nicht berauschend. Die Lösung mit der festen, beheizbaren Heckscheibe ist gut, die Persenning nervig. Das haben andere Roadster dieser Preisklasse besser gelöst (Barchetta, MR-2). Wer die angesagten ca. 20.000 Euronen Basispreis investiert hat, den erwarten voraussichtlich überschaubare weitere Kosten. Auch als Gebrauchter ist der MX-5 wegen der sprichwörtlichen japanischen Zuverlässigkeit interessant. TIPP:
...den 1,9 er (146 PS) mit Sechsganggetriebe nehmen. Das Potential dieser Motor-Getriebe-Kombination dürfte den Fahrspass verdoppeln, und man hat auch auf Geraden eine Chance gegen den ...aber wer will schon einen Golf??? FAZIT:
Für mich persönlich kommt der Zweisitzer wegen des mageren Platzangebotes und der bescheidenen Motorleistung nicht in Frage, was aber nicht grundsätzlich gegen den Wagen spricht. Es haben ja auch nur eher wenige Leute meine körperlichen Dimensionen, und mit der Leistung kann man sich arrangieren. Und wir wollen ja schliesslich objektiv sein ;-) So, das war's mal wieder für dieses Wochenende von der Schlüsselbrettfront. Und, wie immer ...ich freu' mich natürlich über Comments.
Bis demnächst in diesem Theater, euer Disastamasta
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03.09.2004 12:42
Obwohl mir das halbierte Ei nicht geffällt ist es der beste Erfahrungsbericht über dieses Auto ( ?? )...Auch ein Quckie ist eine Erfahrung...also ist auch eine Probefahrt eine ERFAHRUNG....ODER..??
24.08.2004 14:04
Knapp h, denn mehr als ein kurzer Eindruck nach einer Testfahrt ist der Bericht leider nicht, auch wenn er gut zu lesen ist, und ich den gemachten Aussagen zustimmen kann. Ich habe auch vor Kurzem eine Probefahrt mit dem MX5 gemacht, käme aber trotzdem nicht auf die Idee nach den kurzen Eindrücken davon einen Bericht zu schreiben. Jegliche Erfahrung mit dem Auto muß zwangsläufig fehlen. Gruß Reiner
16.08.2004 21:28
Schöner Bericht, auch wenn es nicht Dein Wagen war. Ciao Marco