Shinkansen für die Strasse
27.09.2006 (24.02.2010)
Pro:
Fahrspaß, Preis, Design, neue Technologie
Kontra:
Verbrauch, Führerscheingefahr, neue Technologie
Empfehlenswert:
Ja
 HeinzTomato
Über sich:
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Mitglied seit:21.02.2006
Erfahrungsberichte:7
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So ganz taufrisch ist er ja nicht mehr, der RX8, doch ich denke eine Erfahrung als Gebrauchtwagenkäufer könnte durchaus hilfreich sein. Zunächst jedoch die Eckdaten des kleinen Flitzers: Als erstes ist da natürlich das Kammervolumen: (Hubraum gibts nicht, da kein Hub :) ): 1300ccm. Entspricht also in etwa dem eines Lupos der höheren Ausstattungsvariante. Eine lahme Ente also?
Mitnichten. Hier beginnt das "Wankel-Erlebnis". Vieles von dem was man bisher kannte ist bei diesem Wagen zunächst einmal komplett zu vergessen. Das fängt damit an, daß der "kleine" RX8 192PS aus den 1,3 Litern holt. Es gibt auch eine große Variante mit 241 PS (bei gleichem Volumen).
Auch auf die Gefahr hin, mich gegenüber anderen BErichten zu wiederholen: Das Geheimnis hinter der Leistung (und einigen anderen Sachen des RX8) ist Kreiskolbenmotor. Erfunden wurde der Kreiskolbenmotor vom deutschen Felix Wankel. Er arbeitet ebenso nach dem Viertaktprinzip, wie der "normale" Otto-Motor oder Dieselmotor, der im Rest der automobilen Welt verbaut ist. Er besitzt keine Zylinder, sondern einzig und allein der Drehkolben bewegt sich. Technisch ist das Ganze illustriert recht simpel zu vestehen, die Wikipedia weiß da vieles.
Ich gehöre seit jeher zu den Leuten, die sich nur schwer zusammenreißen können, wenn es um neue Technologien geht. Im Computerbereich habe ich schon oft viel Geld für innovative Produkte ausgegeben, die dann doch voller Bugs waren. Der RX8 ist bisher die einzige "technische Spielerei", die mich nicht enttäuscht hat. Eine andere Technologie als "der Rest der Welt" zu besitzen ist die eine Sache, aber richtig merkt man es erst, wenn man hinter dem Steuer sitzt:
Der Wankel ist anders! Vergleiche mit anderen Autos fallen schwer, ohne es selbst zu erleben. Ich will es dennoch versuchen: Erstens hat der RX8 auf dem Papier deutlich weniger Drehmoment als andere Autos dieser PS-Klasse. Zweitens jedoch bedeutet dies, daß der Wankel in fast jedem Drehzahlbereich gleichmässig durchzieht; erst bei 8000 Umdrehungen warnt ein dezentes "piep" davor, daß der Begrenzer brutal zuschlägt, wenn man nicht schleunigst hochschaltet. Anfangs muß man sich wirklich umgewöhnen. Daß man den zweiten Gang von 10 bis 100 km durchziehen kann erfreut mich immer wieder aufs Neue. Die erste Probefahrt kann man getrost vergessen: Ein Blick auf evtl. vorhandene Probleme fällt aus...
Beim zweiten Mal sollte man sich dann doch die Zeit nehmen und das Wägelchen genauer zu betrachten. Mir hat das Design auf Anhieb gefallen; runde, fließende Formen, dezente Wankel-Symbole an fast allen Stellen fallen sofort ins Auge. Dabei wirkt der RX8 relativ "männlich", im Gegensatz etwa zum MX5 aus gleichem Hause. Öffnet man die Tür blickt man auf ein ziemlich durchgestyltes Cockpit. Die Mittelkonsole trennt Fahrer- und Beifahrerseite wie ein Keil; die Sportsitze mit Wankelsymbol in der Kopfspitze sehen klasse aus. Der Wagen wirkt somit wie ein klassischer Zweisitzer. Doch auch hinten gibt es Türen, wenn auch "falsch herum". Ich habe bisher noch keinen Tag beim Saugen bei der Waschstrasse erlebt, an denen nicht überraschte Blicke auf das Auto geworfen wurde wenn die hinteren "Selbstmördertüren" geöffnet waren und man durch den Wagen hindurschaut ohne dass eine B-Säule den Blick trübt.
Hinten gibt es überraschenderweise noch gut Platz. Natürlich gibt es dort keine S-Klassen Beinfreiheit, aber es ist deutlich mehr als bei vielen Pseudo 2+2 - Autos. Auch längere Autobahnfahrten sind dort für nicht allzu lange Menschen angenehm zu bewältigen. Zumindest was den Platz angeht; Allerdings ist klaustrophobie fast vorprogrammiert. Nur kleine Ausstellfenster. (ja, wie damals bei der Ente ;) )sind für die hinteren Passagiere vorhanden. Dazu das Wissen, daß die hinteren Türen von innen nicht geöffnet werden können, da sie von den Vordertüren festgehalten werden. Ein wenig beklemmend ist das schon. Dann bleiben wir doch auch gleich bei einem weiteren Ärgernis: Eine echte Designsünde ist die Handbremse. Das gute Stück sieht aus wie Exkalibur im Fels. Die Designer haben an dieser Stelle zuviel Mut bewiesen, meiner Meinung nach. Leider ist auch die Soundanlage sehr schick, allerdings befinden sich in einer Einheit neben der Musikanlage auch die Klimaanlage und der Knopf für den Warnblinker. Sehr schick und vor allem passend zum weiteren Interieur, aber man ist halt gezwungen dabei zu bleiben. DIN-Autoradios lassen sich nicht ohne weiteres einbauen.
Über die erste Fahrt habe ich bereits berichtet, dennoch möchte ich hier noch einmal Platz auf dem Fahrersitz nehmen. Die analogen Anzeigen sind mit Leds beleuchtet, die Anzeige dimmt wie die Innenbeleuchtung dezent an, wenn der Wagen geöffnet wird. Überhaupt wirkt der Wagen an vielen Kleinen Dingen als wenn vor allem Designer ein mitspracherecht gehabt haben. Der Tacho - ist keiner. Zumindest ist die große Anzeige in der Mitte des Blickfeldes ein Drehzahlmesser. Die Geschwindigkeit wird fast nebensächlich in einer kleinen Anzeige digital dargestellt. RIchtig so: Drehzahl = Spaß bei diesem Auto. Die linke Spritanzeige bewegt sich leider genausoschnell gegen den Uhrzeigersinn, wie es die Drehzahlanzeige im Uhrzeigersinn tut. Will sagen: Ein realistischer Verbrauch ist bei einer "auch mal Spaß haben" - Fahrweise irgendwo um die 13 Liter. Wen das nicht abschreckt, der kann auch gleich etwas Motoröl kaufen. Denn konstruktionsbedingt jagt der Wankel auch etwas Öl durch den Kolben. Nicht soviel, daß man dadurch Arm wird, aber man sollte schon regelmäßig kontrollieren. Mazda empfiehlt, bei jedem zweiten Tankstopp nachzuschauen. Und was tut man dann als intelligenter Automobilhersteller? Genau. Man platziert den Ölmeßstab an eine möglichst schwer erreichbare Stelle... Im Motorraum war offensichtlich Schluß mit intelligentem Design.
Es ist aus diesem genannten Grund auch dringend zu empfehlen die Gasdruckdämpfer für die Motorhaube aus dem Zubehörkatalog zu wählen. Zu sehen ist von dem Triebwerk leider nicht viel; um eine gleichmäßige Gewichtsverteilung zu erreichen sitzt der Motor fast unter den Sitzen der Passagiere.
Motorhaube also zu und zu guter Letzt nach hinten geschaut. Ja: Es gibt einen Kofferraum! Laut Werksangabe 290 Liter. Mein Lupo hatte da deutlich weniger. Theorethisch gibt es sogar eine Skidurchreiche, aber wer möchte das seinen Polstern bei so einem Auto antun? Apropos antun: Wer will kann sogar eine Anhängerkupplung bestellen... Aber zum Fahren: Das gute Stück ist ein Kurvenfresser! Ich habe noch keinen Hecktriebler gesehen, der dermaßen gutmütig zu handlen ist. Zumindest auf trockener Straße kann jede Kurve juchzend genommen werden. Anders sieht es allerdings auf nasser Fahrbahn aus. Dies mag an den Reifen liegen, aber DSC (so nennt sich das Anti-Elch-System bei Mazda) sollte man auf nasser Fahrbahn also tunlichst an lassen. Warum mans abschalten kann? Weil dieser Wagen eigentlich auf die Nordschleife gehört.
Die Beschleunigung ist auf dem Papier um die 7 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Subjektiv auf jeden Fall: Rattenschnell :) Die maximale Geschwindigkeit liegt bei knapp 230 km/h. Also kein Porsche-Killer aber mal ehrlich: Porsche ist für Männer in der Midlife-Crisis. Die Bremsen verzögern ebenfalls gut, allerdings fahr ich keine Rennen auf der Landstraße, extrem gefordert wurden sie bisher noch nie. Dabei komm ich doch direkt wieder auf ein Manko: Sie qietschen wie der Teufel bei vorsichtigem Bremsen. Bei beherztem Tritt aufs Pedal ist die Geräuschkulisse vorbei. Dies scheint ein typisches Problem beim RX8 zu sein, ebenso wie der etwas schwache Anlasser (was aber anstandslos gewechselt wird).
Wo ich denn schon am Meckern bin: An einigen Stellen, wo der Lack etwas dünner ist und Kontakt existiert (an einigen Punkten im Motorraum und auch gut versteckt im Kofferraum) bildet sich bereits beim jungen Gebrauchten leichter Rost. Sollte eigentlich nicht sein bei einem fast-Neuwagen. Kommen wir nochmal zu Pro- und Kontra. Beidesmal habe ich "neue Technologie" eingetragen. Beim Kontra nicht, weil ich jemals Probleme mit dem Motor hatte, sondern weil sich fast kein Mechaniker mit der Technik auskennt.
Zu guter Letzt noch ein paar Besonderheiten zum Gebrauchtwagenkauf. Nicht wohl zuletzt aufgrund der aktuellen Spritpreise scheint der RX8 schwer zu verkaufen zu sein. Hinzukommt, daß jeder den "Großen" will, aber der Kleine ist fast ebenso flott, bei 200 noch einen Gang hochschalten zu können reicht mir völlig aus. Ich habe für meinen gut erhaltenen zwei Jahre alten RX8 18.000 Euro auf den Tisch legen müssen und das bei exakt einem Euro je bisher gefahrenen Kilometer. Ein Jahr Garantie ist noch drauf und der Kauf erfolgte natürlich beim Vertragshändler. Die Ausstattung ist generell bei den Japanern nicht die schlechteste, in meiner Variante war unter anderem eine Klima-Automatik und ein Bose-Soundsystem an board mit 9 Lautsprechern, Wechsler und ordentlichen Sound. In Sachen anschaffung also ein Schnäppchen. In Sachen Unterhalt weniger, auch wenn die Steuern ein Witz sind (Da der Fiskus keinen Wankelmotor kennt, wird der RX8 halt wie ein LKW nach Gewicht besteuert).
Versicherung ist erwartungsgemäß hoch, aber auch nicht höher als bei anderen "Flitzern". Ich würde niemals einen RX8 als vorführwagen kaufen, dazu wird so ein Wagen einfach zu sehr "verheizt". Aufgrund des höheren Ölverbrauchs: Vor dem Kauf den Ölstand checken. Wenn der Händler nicht aufpasst und der Wagen verheizt wird kanns da schnell zu wenig werden. Der erste Winter steht noch aus, aber bisher überwiegen doch die positiven Aspekte deutlich. Mein nächster Wagen wird sicherlich wieder ein RX8 sein. Dann reicht das Geld aber hoffentlich für einen Neuwagen.
Die kleinen Macken halten mich von 5 Sternen ab, prinzipiell kann ich aber nur sagen, es mag abgedroschen klingen, aber diesen Wagen muß man wirklich probefahren um die Unvernunft zu verstehen, solch einen Schlucker zu fahren. (Seltsames Fazit für so einen langen Text...) :) Falls nur noch die Frage offen ist: "Was zum Teufel ist ein Shinkansen?". DAS steht in der Wikipedia :)
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24.02.2010 17:22
Besser spät als nie :) Ja, ich habe den Wagen noch. Die Steuer war bis letztes Jahr extrem günstig (<100 Euro), da der Fiskus den Wankel nicht richtig einzuordnen vermochte und der deshalb wie ein LKW besteuert wurde. (nach Gewicht). Das hat sich leider geändert, mittlerweile ist die Steuer deutlich gestiegen. Der Verbrauch ist extrem unterschiedlich. Landstrasse so um die 8 Liter, Autobahn (inkl 200+ Tubedrücken) gute 10 und Stadtverkehr 13 Liter. (Ja. Stadtverkehr deutlich höher als auf der BAB)
06.07.2009 16:25
Sehr guter Bericht... es stört mich nur ein kleines Wörtchen: "HUBraum" hat ein Wankel keinen, sondern "BRENNraum", es ist ja kein Hubkolbenmotor sondern ein Kreiskolbenmotor. Deswegen werden nach neuem Steuergesetz (seit 01.07.09) auch die 1.3l Brennraum x2 gerechnet, um ihn mit dem Hubraum eines HKM gleichzusetzen. Und, der Motor verschwindet nicht wegen der Gewichtsverteilung unter den Sitzen der Pasagiere... das was man von ihm sehen kann ist alles was da ist, mehr ist da nicht, der ist wirklich so klein!!! ;)
11.09.2008 14:43
Hast du den Wagen noch? Was verbraucht er so bei dir i.d. Stadt und bei normalen Fahren 130-170 und richtig AB-Rasen mit 200+?