Ein Mazda fürs Grobe?
9. Nov 2001
Pro:
elegant, sehr guter Fahrkomfort, geräumig
Kontra:
kein Diesel verfügbar, einige Ausstattungsdetails nur im Topmodell
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Zuverlässigkeit:
Fahreigenschaften:
Bedienung:
Platzangebot:
mehr
 Bookmaker
Über sich:
Mitglied seit:26.07.2000
Erfahrungsberichte:76
Vertrauende:6
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 25 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ja, glaubt man es denn? Mazda baut einen Geländewagen? Wo doch Mazda bisher eher für biedere Familienkutschen, rassige Roadster oder kompromißlose Wankel-Sportwagen bekannt war... Und nun kommt der Tribute daher! Die Verwunder legt sich etwas wenn man sich zwei Dinge vor Augen führt. Erstens: ein richtiger Geländewagen ist der Tribute nicht, er wird auch von Mazda selbst als SUV (Sports Utility Vehicle) angeboten. Und der Tribute profitiert von der Zusammenarbeit mit dem alten Geländewagen-Spezi Ford - das Zwillingsmodell des Tribute läuft als Ford Escape vom Band. Also bitte einmal tief durchatmen: ganz so verrückt scheint Mazda also doch nicht geworden zu sein ;-)
Kommen wir jetzt direkt zum Objekt der Begierde - und dieses Objekt kann tatsächlich so manche Begierde wecken! Vor uns steht ein bullig wirkender, hoher Wagen der trotzdem eine leicht tiefstapelnde Eleganz ausstrahlt. Die hohen Radkästen zeigen, daß wir es hier mit einem Fahrzeug mit recht großer Bodenfreiheit zu tun haben und nicht nur mit einem Boulevard-Allradler. Obwohl der Tribute auch auf nämlichem eine gute Figur macht. Weil wir gerade beim Thema Allrad sind: Bis auf das Einstiegsmodell kommen alle Tributes mit einem permanent verfügbaren, elektronisch geregelten Allradantrieb daher, genannt Select 4WDrive. Hierbei werden die Drehzahlen von Vorder- und Hinterachse ständig überwacht und die Antriebskraft je nach Bedarf auf die Achsen verteilt. Diese Automatik läßt sich auch abschalten, dann werden Vorder- und Hinterachse jeweils 50 Prozent der Antriebsleistung zugeteilt. Eine Geländereduktion gibt es nicht - der Tribute ist halt kein "echter" Geländewagen. Trotzdem kommt er problemlos mit Geländeformen zurecht die einen PKW schon beim Anblick
kapitulieren lassen.
Geschaltet wird entweder von Hand oder im Topmodell automatisch. Die Schaltung ist mazdatypisch knackig und treffsicher, die Automatik arbeitet sanft und liefert beim Kickdown problemlos notwendigen Vortrieb. Daß der Automatik-Wählhebel nicht in der Mittelkonsole sondern am Lenkrad sitzt dürfte alte Amerika-Fahrer oder Trabbi-Schalter vor keine großen Hürden stellen - aber auch der eine Normalschaltung gewöhnte Fahrer wird sich schnell darauf einstellen. Am Lenkrad sitzt übrigens auch die Tempomatkontrolle - aber nützt die einem auf den hektischen deutschen Straßen besonders viel? Kommen wir vom Antrieb zum Triebwerk. Mazda bietet momentan zwei Motoren zur Auswahl an: einen 2-Liter-Benziner mit 91 kw (124 PS) und einen 3-Liter-V6-Benziner mit 145 kw (197 PS). Für ein Fahrzeug mit einem Leergewicht von anderthalb Tonnen ist rein theoretisch die 3-Liter-Maschine die beste Wahl - allerdings wird diese natürlich nur im Topmodell angeboten und muß mit einem happigen Aufpreis bezahlt werden. Die 2-Liter-Maschine ist aber auch so schlecht nicht, verlangt allerdings einen etwas schaltfreudigeren Fahrer. Oder eben einen, dem der totale Sprint nicht so ganz wichtig ist. Interessanterweise begnügt sich die 3-Liter-Version mit Normalbenzin, während der kleine Bruder das teure Super verlangt.
Der Verbrauch ist annehmbar, wenn auch nicht herausragend. In keiner Richtung. Beide Versionen *kann* man bei zurückhaltender Fahrweise außerorts mit unter zehn Litern bewegen, schnelle Autobahnfahrten oder auch Stadtverkehr quittieren sie jedoch mit Verbräuchen bis zu 15 Litern auf 100 Kilometer. Was dem Tribute fehlt (und sehr gut zu Gesicht stünde) wäre ein sparsamer Diesel. Angeblich soll der irgendwann noch kommen... Hierhin gehört auch noch ein weiterer Kritikpunkt: der 62-Liter-Tank ist doch etwas klein geraten, 80-90 Liter dürften es schon sein. Die Reifen sind breit (215/70 bzw. 235/70 beim 3-Liter-Modell), die Karosserieüberhänge kurz, das Fahrzeug ist insgesamt sehr handlich und sogar der Wendekreis ist erfreulich klein geraten: 10,8 bzw. 11,2 Meter werden benötigt. Durch die drehzahlabhängige Servolenkung hat man mit dem schweren Fahrzeug leichtes Spiel.
Stichwort schwer: die erlaubte Zuladung beträgt beim 2-Liter-Allradler 490 kg, beim 3-Liter-Modell 485 kg, die Anhängelast 745/1500 kg (ungebremst/gebremst) bzw. 750/1700 kg, die Dachlast 100 kg. Eine Dachreling gibt es leider nur in den beiden Topmodellen serienmäßig, bei den anderen nicht einmal gegen Aufpreis. Das Kofferraumvolumen für das 2-Liter-Modell ist mit 368/793 Litern, das des 3-Liter-Modells mit 457/842 Litern angegeben. Durch eine hoch öffnende Heckklappe ist das Gepäckabteil sehr gut zugänglich, die Heckscheibe läßt sich gesondert öffnen und läßt Kreinkram schnell im Kofferraum verschwinden. Großzügig bemessen ist der Fahrgastraum. Vier Personen finden sehr bequem Platz auf den straff gepolsterten Sitzen. Eine fünfte Person paßt auch noch rein, allerdings muß diese dann mit einem Beckengurt vorlieb nehmen und hat auch keine Kopfstütze zur Verfügung. Aber drei Personen nebeneinander finde ich eigentlich in jedem Auto nur eine Notlösung. Weil wir gerade bei der Rückbank sind: dies läßt sich im Format 60:40 umklappen. Links und rechts sind Isofix-Halterungen für entsprechende Kindersitze verfügbar.
Der Fahrersitz ist serienmäßig höhenverstellbar, in der Topversion gegen Aufpreis im Lederpaket sogar elektrisch. Ablagefächer gibt es einige, unverständlicherweise gibt es die große Mittelkonsole inklusive Mittelarmlehne und Kartenhalter nur in der Topversion serienmäßig, in den anderen Versionen nicht einmal gegen Aufpreis. Ebenfalls serienmäßig höhenverstellbar ist das Lenkrad, die beiden teuersten Ausstattungsvarianten kommen sogar mit einem extrem griffigen Lederlenkrad daher (gleiches gilt für den Tempomat). Eine Klimaanlage ist (außer im zweiradgetriebenen Basismodell) überall serienmäßig, in allen Modellen fahren die Fenster vorne und hinten elektrisch hoch und runter. Die Tankklappe wird fernentriegelt, für gute Orientierung sorgen Kartenleselampen, zwei 12-V-Steckdosen (in der Mittelkonsole sowie im Gepäckabteil) sorgen für die Stromversorgung von Zubehör.
Kommen wir zum Schluß zu den beiden Punkten welche den meisten Spaß machen: das Fahren und die Preise. Das Fahrverhalten ist äußerst angenehm und gutmütig. Zwar wird im "Cockpit" vor dem Verlust der Bodenhaftung in Extremsituationen gewarnt, aber diese Situationen müssen wohl wirklich sehr extrem ausfallen um den Tribute aus der Fassung zu bringen. Daß Mazdas Geländesprößling im Gelände eine ganz annehmbare Figur macht hatte ich ja schon angesprochen, aber auch (oder besonders) auf den Straßen ist er zuhause. Und zwar sehr gut zuhause. Das hervorragend abgestimmte Fahrwerk bügelt Fahrbahnunebenheiten mit größter Gelassenheit aus, man fühlt sich immer angenehm und sicher aufgehoben. Ein Fakt, zu dem natürlich auch die hohe Sitzposition ihren Beitrag leistet. Sanftes Dahingleiten ist ebenso möglich wie (beim 2-Liter-Modell mit Einschränkungen) zügiges Vorankommen. Der Tribute ist ein treuer Begleiter auf allen Untergründen, egal ob man ihn nun aus Spaß an der Freude oder aus rein praktischen Gründen bewegt. Die Preise sind angemessen, fast schon günstig zu nennen. Das zweiradgetriebene Einstiegsmodell ist für rund 38.600 DM zu haben, die Allradler beginnen bei rund 42.200 DM (2-Liter-Comfort) und kommen über rund 44.800 DM (2-Liter-Exclusive) bis zu rund 55.000 DM (3-Liter-Exclusive). Die ökonomischste Entscheidung dürfte für den kleinsten Allradler fallen, wer Wert auf Lederlenkrad, Funkfernbedienung mit Wechselcode und optischer Rückmeldung, Dachreling und Tempomat legt muß auf die Exclusive-Versionen ausweichen. Den fünfstelligen Aufpreis für das 3-Liter-Modell würde ich persönlich nicht ausgeben - das Mehr an Leistung und einige wenige Ausstattungsvorteile wären mir das nicht wert.
Alles in allem ist Mazda mit dem Tribute auf Anhieb ein guter Wurf gelungen. Wie sich dies allerdings auf dem hart umkämpften Geländewagen- und SUV-Markt in Verkaufszahlen niederschlagen wird bleibt abzuwarten. Ich selbst würde wohl momentan eher noch zum 626er Kombi greifen, wenn Mazda aber endlich einen Diesel-Tribute nachschieben täte würde dies meine Kaufentscheidung deutlich in Richtung Tribute beeinflussen.
Preisvergleich
sortiert nach Preis
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
Das könnte Sie interessieren
Verwandte Tags für Mazda Tribute 2.0 Comfort 2WD
|
|
28.04.2006 23:42
Ich kann dem Bericht nur zustimmen. Ich fahre den Mazda Tribute Allrad seit zwei Jahren und bin immernoch begeistert. Er hat mich ohne Pannen bis Kiev und Süditalien gebracht. Wir sind über Steinige Pisten in der Tatra gefahren und selbst in Rumänien wo ab und an keine Strasse mehr war kahmen wir mit kleinem Wohnwagen bis zum Donaudelta. An Reparaturen lediglich ein Satz neuer Reifen, ein Satz Zündkerzen, dazu kleinere Reparaturen der Verschleißteile an den Bremsen. Ab der polnischen Grenze ist auch der Tempomat sehr angenehm.