yes we can

5  10.02.2011

Pro:
geschmack

Kontra:
preis

Empfehlenswert: Ja 

supergurkenos

Über sich:

Mitglied seit:09.02.2011

Erfahrungsberichte:1

Diesen Bericht teilen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 28 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Lange hielt meine Begeisterung für McDonalds allerdings nicht an, warum, weiß ich nicht mehr so recht, aber Umzug nach Köln und Studienbeginn eröffneten einfach andere Welten. Mag sein, dass mir McDonalds dann einfach zu prollig war, außerdem begann man in Deutschland spätestens nach dem Amtsantritt von Ronald Reagan als Präsident der Vereinigten Staaten alles Amerikanische deutlich kritischer zu betrachten.
Dann kam auch noch Günter Wallraff mit seinem "Ganz Unten", einem Buch, in dem er seine Erfahrungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt schildert, dem er sich inkognito verkleidet als der ungelernte türkische Arbeiter Ali stellte. Dieser vermeintliche Ali jobbte zwischendurch auch für ein lächerliches Ausbeuterentgelt bei McDonalds, und die Mitteilung Alis, die mir für alle Zeiten in Erinnerung bleiben sollte, war, dass bei McDonalds mit dem gleichen Lappen die Tische und die Toilettenbrillen abgewischt wurden.

Das mag nun so gewesen sein oder auch nicht, sich geändert haben oder auch nicht, meine Abneigung wurde dadurch jedenfalls nicht gerade geringer.
Eine Kommilitonin, die zu dieser Zeit Anfang der 80ger für sage und schreibe 4,50 DM pro Stunde bei McDonalds jobbte, bestätigte damals die irritierenden hygienischen Verhältnisse. Insbesondere beklagte sie den Zustand der damals modernen Orangenfruchtsaftbehälter, das waren riesige Plastikdinger, in denen sich immer etwas drehte. Nach ihrer Aussage wurde die nicht oder nur sehr oberflächlich gereinigt, sie warnte entschieden vor dem Konsum des Inhalts.

Hinzu kam, dass ich bei den vereinzelt doch noch stattfindenden Besuchen immer wieder die Erfahrung gemacht habe: Von McDonalds wird mir schlecht. Ehrlich. Ganz besonders vom Cheeseburger. Dabei ist der eigentlich gar nicht so übel.
Über die Jahre hin habe ich es immer wieder mal versucht, aber leider jedes Mal mit dem gleichen Erfolg. Dann habe ich es lange Zeit einfach sein lassen.

Nun ist es aber so, dass ich mittlerweile zwei kleine Kinder habe, und als Mutter fühle ich mich denen gegenüber verpflichtet, ihnen das weite Spektrum unserer Kultur möglichst vielfältig aufzuzeigen. Und was könnte für Kinder reizvoller sein als die Bekanntschaft mit der wunderbaren Welt von McDonalds, zumal doch die anderen im Kindergarten immer diese tollen Dinger mitbringen, die sie in ihren Juniortüten gefunden haben? Mami, wann gehen wir denn mal zu McDonalds? Diese wiederholte Frage konnte mein Muttergewissen einfach nicht mehr kalt lassen.
Es kam der große Tag. Wir hatten ein Kindertheater besucht und anschließend war ein Besuch bei McDonalds avisiert. Meine Güte, war das eine Vorfreude!! Und ehrlich, ich hatte mich auf meinen Cheeseburger gefreut. Und mein erwachsener Sohn hatte gleich zwei davon als Mitbringsel bestellt.

Tja, was soll ich sagen. Kaum hatte ich die Türe geöffnet, jaulte mein vierjähriger Valentin, ihm sei schlecht und mit knapper Not erreichten wir die Toilette, wo er seinen Mageninhalt von sich gab. Sollte das heißen, er fand McDonalds zum Kotzen? Es gab dann die heiß ersehnte Juniortüte. Sehr nett fand ich, dass die Kinder sich die darin enthaltene Beigabe aussuchen durften. Und ich war auch angenehm überrascht über die Freundlichkeit des Personals.

Gut, seine Fritten und Chicken McNuggets mochte Valentin nicht mehr essen. Und mir wurde erwartungsgemäß vom Cheeseburger schlecht. Mein großer Sohn hat seine übrigens gar nicht erst gegessen, die bekam dann der Hund.
Meine Erfahrung mit Hamburgern ist, dass mir davon zwar schlecht wird, aber richtig satt werde ich auch nicht. Deshalb hatte ich mir noch einen Salat bestellt, weil der auf der im Restaurant hängenden Abbildung so appetitlich aussah. Leider entspricht hier das Bild nicht der Wirklichkeit, der Salat, der ausgegeben wird, sieht doch reichlich müder aus als der auf dem Bild und schmeck auch nicht so gut, wie man sich das vielleicht vorgestellt hat. Der schmeckt eher nach Plastik. Das gilt aber für alles, was hier auf Bildern gezeigt wird, die Wirklichkeit ist immer profaner.

Mir persönlich schmeckt alles, was McDonalds anbietet, nicht wirklich. Einzig die Pommes Frites finde ich akzeptabel, sie sind deutlich besser, als ihr blässliches Aussehen befürchten lässt. Grundsätzlich finde ich es auch appetithemmend, das ganze Tablett voll mit Verpackungsmüll zu haben und aus diversen Papp- und Styroporbehältern zu speisen. Das ist sicherlich ein grundsätzliches Fast-Food-Problem.
Außerdem finde ich McDonalds für das, was geboten wird, relativ teuer.

Selbstverständlich gewinnt McDonalds gegenüber Besuchern mit kleinen Kindern durch die hohe Kinderfreundlichkeit. In der Spielecke haben sie immer was zu tun und wenn sie nörgeln und quäken und mit dem Essen um sich werfen, guckt niemand irritiert. Das ist für Eltern sehr entspannend und zeugt von einem genialen Konzept. Letztendlich prägt man so ja auch die nachrückende Generation frühzeitig auf den unumgänglichen McDonalds-Konsum.
Dieses geniale Konzept hat McDonalds natürlich auch zum Durchbruch und anhaltenden Erfolg verholfen und es liegt mir fern, hieran herumzukritisieren. Ob man das Ganze mag oder nicht, vor der erfolgreichen Strategie kann man nur den Hut ziehen.

Nach dem Erscheinen des Streifens "Super Size Me", einer Dokumentation über einen Amerikaner, der sich versuchsweise vier Wochen lang ausschließlich bei McDonalds ernährte, die ich mir natürlich genüsslich angesehen habe, begannen für McDonalds gewisse Imageprobleme.
Der Konzern stellte daraufhin seine Strategie um und warb mit gesundheitsfördernden Produkten auch in so McDonalds untypischen Medien wie dem SPIEGEL. Die Werbung war gut gemacht und alles erschien sehr appetitlich. Offensichtlich wurde hier versucht, ein ganz neues Zielpublikum zu rekrutieren, eines, dass nach dem Nordic Walking und vor dem Besuch des Spa-Bereichs eines Wellness-Etablissements noch eine gesundheitsfördernde Mahlzeit zu sich nehmen möchte. Ob dieses Publikum sich jemals wirklich von McDonalds angesprochen fühlt, darf bezweifelt werden. Letztendlich wirken die Kalorien- und Nährstoffangaben, die zeitweise auf die Papieraufleger für die Tabletts gedruckt wurden, auch eher abschreckend.

Wieder passt die Realität nicht so ganz so dem, was in der Werbung dargestellt wurde. Immerhin gibt es eine (ziemlich einfallslos befüllte) Obsttüte für 1 € und ich bezweifle außerdem, dass der Protagonist aus Super Size Me wirklich keine andere Wahl hatte, als nach vierwöchiger McDonalds-Diät 30 kg mehr zu wiegen und schwere gesundheitliche Probleme zu haben. Menge und Art der zugeführten Speisen kann man sich schließlich selbst bei McDonalds im Rahmen des Angebotes auswählen. Und voll fressen kann man sich auch mit Gourmetkost.
Mit den Kindern habe ich dann noch ein paar Mal verschiedene McDonalds Restaurants besucht. Von all diesen Besuchen kann ich - ehrlich gesagt zu meinem Erstaunen - durchweg sagen, dass das Personal ausgesprochen freundlich war. Verblüffend finde ich das deshalb, weil die gezahlten Löhne sicherlich nicht wesentlich besser sind als zu "Ali" Günter Wallraffs Zeiten. (Allerdings wird gemunkelt, dass das Personal mit ziemlich unangenehmem Druck auf diese Freundlichkeit getrimmt wird.)

Außerdem fällt positiv auf, dass die Sauberkeit recht erfreulich ist.
Einmal hatte ich zur Winterszeit einen Termin in der Bonner Innenstadt. Ich war zu früh und es war furchtbar kalt, da kam mir ein McDonalds sehr gelegen. Ich nahm nur einen Cappuccino, der übrigens sehr gut war, und verbrachte die Wartezeit an einem Fensterthekenplatz. Es war geradezu erstaunlich, zu beobachten, wer alles in das Restaurant kam, nur um die Toilette aufzusuchen: Von älteren, gepflegt gekleideten Damen über Handwerker im Blaumann bis hin zu japanischen Touristen war eigentlich alles dabei. In den zwanzig Minuten, die ich da saß, kamen bestimmt 10 Leute nur zu diesem einen Zweck.

Als ich dann selbst vor Verlassen des Restaurants dem Drang der Natur folgte, war ich umso verblüffter, dass dessen ungeachtet die Toilettenräume sehr gepflegt und sauber waren. Es ist also offensichtlich, dass die Konzernspitze großen Wert darauf legt, ein Schmuddelimage zu vermeiden und das entsprechend nach unten in die einzelnen Restaurants weiter fließen lässt. Vielleicht ein kleiner Erfolg, der nicht zuletzt Günter Wallraffs Enthüllungsbericht zuzuschreiben ist. Ich will natürlich auch nicht ausschließen, dass die zufällig gerade geputzt hatten...
Aber wie das nun mit den Lappen ist, weiß ich immer noch nicht.
..
Diesen Bericht teilen auf Google+
Sponsoren-Links
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Katzimoto

Katzimoto

26.11.2011 17:01

Die Styroporverpackungen gab es mal vor rund 30 Jahren *lach* und wenn mir jedesmal vom Cheeseburger schlecht würde, käme der mir bestimmt nicht mehr aufs Tablett (kommt er wegen massenhafter Fettkalorien ohnehin nicht, Hamburger und Salat sind bekanntermaßen noch die gesundesten Lebensmittel bei McD.)

Wolle0509

Wolle0509

18.02.2011 08:09

hört sich gut an... ..aber wo Du Styroporverpackungen gesehen haben willst, ist mir ein Rätsel

Queen500

Queen500

11.02.2011 12:43

guter Einstand! LG Michael

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 276 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"besonders hilfreich" von (4%):
  1. jaros

"sehr hilfreich" von (96%):
  1. Katzimoto
  2. t.schlumpf
  3. Wolle0509
und weiteren 24 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.
Verwandte Tags für McDonald's allgemein