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Die Loser

4  04.03.2002 (09.03.2002)

Pro:
(ein komplett neues Auto), talentierte Fahrer

Kontra:
Unzuverlässigkeit, ein zu trockener Ron Dennis, (Michelin - Reifen)

Empfehlenswert: Ja 

SmileAngel

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 122 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet


Nachdem ich euch gestern schon meine Meinung über das Team Ferrari mitgeteilt habe, ist heute mal McLaren-Mercedes – das „Loserteam“? – dran:


ENTWICKLUNGSGANG
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Keine Frage, McLaren-Mercedes gehört zu den absoluten Top-Teams in der Formel 1. Mit elf Fahrer- und acht Konstrukteursweltmeisterschaften und 132 Siegen ist das Team in den Statistiken weit oben zu finden. Der Weg nach dort war und ist aber von Höhen und Tiefen gezeichnet und es war nicht immer einfach...
Die Zeiten als noch Niki Lauda, Alain Prost und Ayrton Senna für McLaren fuhren, sind schon längst überholt und auch deren eingefahrene Weltmeistertitel, die in den Achtzigern geholt wurden. Es ging abwärts und das Verlassen des Teams 1993 von Senna trug auch nicht gerade dazu bei, die Probleme zu lösen. Es wurde immer schwieriger zu siegen, bis man sich dann nur noch mit dem Mittelfeld duellierte und die Spitze davonfuhr...
So etwas lässt so ein Perfektionist wie Ron Dennis aber nicht auf sich sitzen und er versuchte krampfhaft, an dieser Tatsache etwas zu ändern. Vergebens. Bis McLaren dann 1997 von Peugeot- auf Mercedes-Motoren wechselte und von nun ab McLaren-Mercedes hieß und 40% des Teams Mercedes gehörten. Und der Plan schien aufzugehen: Schon ein Jahr holte Mika Häkkinen den heißersehnten WM-Titel wieder zurück zu den Silbernen und auch die Konstrukteursweltmeisterschaft ging in die eigenen Reihen. Der Höhenflug hielt aber nicht lange an, denn schon im Jahr 1999 schnappte Ferrari McLaren-Mercedes den Konstrukteursweltmeistertitel ab und dies ließ auf nichts gutes schließen... Und so kam es auch: Ein Jahr später gingen die Silbernen wieder leer aus und Ferrari sicherte sich beide heißumworbenen Titel, welche sie bis jetzt immer noch nicht wieder rausgerückt haben.
Ob es McLaren-Mercedes diese Saison gelingt, Ferrari die Titel streitig zu machen, ist fraglich, gönnen würde ich es ihnen sicherlich. Harte Arbeit wartet...


TEAM
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Das Team McLaren wurde 1963 von dem gleichnamigen, legendären Cooper-Piloten Bruce McLaren gegründet. Mittlerweile hat es seinen Sitz in England, genauer genommen in Woking/Surrey. Der wirklich todernste Teamchef Ron Dennis entscheidet über das Wohl der Fahrer und die Rennstrategie, die meist jedoch nicht richtig aufgeht... *g* Meiner Meinung nach ist dieser Mann hier fehl am Platze, denn seine Sympathien beschränken sich wirklich nur auf eine minimalen Gruppe und auch sein Umgang mit dem gesamten Team lässt zu wünschen übrig. Tut mir leid, aber der Mann kann mich in seiner Arbeit nicht überzeugen. Mercedes-Sportchef Norbert Haug ist hier dann schon von einem ganz anderen Kaliber: Er ist immer für Kompromisse offen und wirkt in Interviews immer recht aufgeschlossen und nett. Mario Illien, Motorenchef, fertig den Motor für den McLaren-Mercedes an, welcher in der letzten Saison oft gezeigt hat, dass er nicht sehr standfest ist. Neben dem erfahrenden David Coulthard ist der junge Finne Kimi Räikkönen nun Nummer 2 im Fahrerduo, da Mika Häkkinen ja beschlossen hat, eine Babypause einzulegen. Zudem ist Testfahrer Alexander Wurz dafür zuständig, neue Teile für den Boliden zu testen und ihn kontinuierlich weiterzuentwickeln. Die rund 800 Mechaniker dürfen natürlich auch nicht vergessen werden, denn ohne sie würde in der McLaren-Mercedes-Box ja gar nichts laufen.


FAHRER
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DAVID COULTHARD
Der 30jährige Schotte hat schon viel Erfahrung in der Formel 1 gesammelt und ist so schon ein „alter Hase“ dieses Businesses. Er fährt seit 1994 in der „Königsklasse des Rennsports“ und begann sein Debüt im Williams-Renault. Seit 1996 fährt er schließlich für McLaren-Mercedes. Zwar ist er im Vergleich zu Mika Häkkinen der schwächere Fahrer, aber sicherlich wird er seinen neuen, noch sehr unerfahrenen, Teamkollegen Kimi Räikkönen wohl mächtig in die Schranken weisen. Mittlerweile hat er nach dem Australien-Grand-Prix schon 125 Starts auf dem Buckel und konnte bisher 11 davon als erster beenden. Im Grunde genommen ist Coulthard ein sehr guter und talentierter Rennfahrer, jedoch ist er meiner Meinung nach nicht dazu fähig, dass aller letzte aus seinem Wagen herauszuholen.
• |||| / |||||

KIMI RÄIKKÖNEN
Der Finne ist die Ablöse seines Landsmannes Mika Häkkinen und mit seinen jungen 22 Jahren schon in einem Top-Team zu sitzen, übt sicherlich einen großen Druck auf ihn aus. Er geht nun in seine zweite Formel-1-Saison, nachdem er sein Debüt im Sauber-Petronas als WM-Zehnter mit neun WM-Punkten würdevoll abschloss. Sicherlich wird er das Loch, welches Häkkinen hinterlassen hat, nicht sofort schließen können, aber ich würde einmal behaupten, dass Räikkönen ein sehr talentierter Fahrer ist und die Erfahrungen, die er sammeln wird, umsetzen kann. So stark wie Teamkollege Coulthard ist er in der ersten Saison mit Sicherheit nicht, aber er wird sich hocharbeiten und sich beweisen.
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McLAREN-MERCEDES MP4-17
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Wie schon gesagt, hat das Team ein vollkommen neues Auto für die Saison 2002 gebaut: Chassis neu, Motor neu und Reifen neu. Der Bolide soll nun aerodynamisch Vorteile und einen besseren Anpressdruck an die Strecke haben. Zudem hat Mario Illien einen komplett neuen Motor konstruiert: Den FO110M, welcher ungefähr 860 PS stark sein und unter 90 kg wiegen soll. Dann ist McLaren-Mercedes ab dieser Saison mit Michelin-Reifen unterwegs, genauso wie BMW-Williams, aber anders als Ferrari, die weiterhin auf Bridgestone setzen. Durch diesen Wechsel erhofft sich das Team einen Vorteil gegenüber Ferrari.


SAISON 2001
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Wie haben die Medien sie genannt? - „Die Seuchensaison“, „Die Silberpfeiffen“ und „Das Tal der Tränen“ für McLaren-Mercedes. Es war wirklich erbärmlich, zu was McLaren-Mercedes im Stande gewesen ist im letzten Jahr. Ausfälle um Ausfälle, Pannen um Pannen und niedergeschmetterte Fahrer. Vor allen Dingen Mika Häkkinen wurde vom Defektteufel geplagt und beendete kaum ein Rennen und wenn es dann einmal so aussah, platzte ihm in der letzten Runde, drei Meter vor dem Ziel, der Motor – und aus der Traum. Kein Wunder, dass er das Handtuch geworden hat; bei solch einem Team will doch kein Mensch mehr bleiben. Dabei sollte diese Saison doch alles wieder besser werden: Nachdem Schumacher Häkkinen den WM-Titel 2000 vor der Nase weggeschnappt hat, hat sich das Team nur eines vorgenommen, die Weltmeisterschaft wieder in den eigenen Stall zurückholen. Daraus wurde aber nichts... Die Silberpfeile zeigten eine noch schwächere Vorstellung als im Vorjahr. Schon am Anfang mussten sich die Fahrer mit technischen Defekten herumschlagen, welche sich durch die ganze Saison schlichen. Am Ende blieb dann nichts mehr als die knappe Vizeweltmeisterschaft für David Coulthard übrig und magere drei Siege durften verbucht werden. Wirklich eine „Seuchensaison“...


PERSPEKTIVE 2002
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Mit dem schon angesprochenen komplett neuen Auto soll die Fahrer- und Konstrukteursweltmeisterschaft endlich wieder zu den Silbernen gelangen, das haben sich Ron Dennis und die ganze McLaren-Mercedes-Crew jedenfalls vorgenommen. Der Teamchef ist der Meinung, einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht zu haben und dass der Bolide viele Neuheiten hat, die ihn schneller machen. Naja, ob das mal so der Fall ist, wage ich zu bezweifeln. Nach dem Desaster in der letzten Saison fällt es mir schwer, das zu glauben und auch die Tatsache, dass ein silberner Fahrer den WM-Titel holt, erscheint mir recht unwahrscheinlich. Zwar erhofft sich McLaren einen Vorteil gegenüber Ferrari mit den Michelin-Reifen und auch der frische Wind im Team mit dem jungen Finnen Räikkönen soll dazu beitragen, sich an die Spitze des Tableaus zu setzen. Meiner Meinung nach wirkt sich der Fahrerwechsel aber keinesfalls positiv auf die Leistung des Teams aus, denn so stark wie Häkkinen ist Räikkönen mit Sicherheit noch nicht.


BILANZ IN MELBOURNE
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Nach den Plätzen vier und fünf im Qualifying beendeten die beiden Fahrer mehr und weniger erfolgreich den ersten Grand Prix der Saison 2002. Mit seinem dritten Platz im Albert Park hat Kimi Räikkönen sein McLaren-Debüt doch angemessen begonnen. Hinter dem Ferrari-Piloten Michael Schumacher und Juan-Pablo Montoya im BMW-Williams beendete der Finne das Rennen mit rund 25 Sekunden Rückstand auf die Spitze. Sein Teamkollege David Coulthard schied im letzten Drittel des Rennens wegen technischer Probleme aus und konnte so keine Punkte einfahren. Mit den vier WM-Punkten von Räikkönen kann man die Silberpfeile nun auf Platz drei der Gesamtwertung wiederfinden, was doch auch schon etwas ist. Ob sie wirklich schon wieder in der Lage sind, Ferrari zu schlagen und um die Weltmeisterschaft mitzufahren, wage ich jedoch etwas zu bezweifeln. Zwar war die Performance, die der junge Finne hingelegt hat, durchaus ergebnisreich, jedoch keinesfalls spektakulär. Er war nicht dazu in der Lage, den vor ihm fahrenden Montoya im BMW-Williams anzugreifen, geschweige denn Schumacher. Zu was Coulthard im Stande gewesen wäre, kann man jetzt nur spekulieren... Wir müssen die nächsten Rennen abwarten.


MEINE MEINUNG
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Naja, so richtig überzeugen können mich die silbernen Renner und das Team darum nicht... Momentan weist der Bolide einfach zu viele Schwächen auf und auch die Crew scheint mir unkonzentrierter zu wirken. Mit Sicherheit liegt dies an dem steigenden Erfolgsdruck, denn schon zwei Jahre ist McLaren-Mercedes nun schon ohne Titel. Trotzdem sollten solche Profis wie Ron Dennis & Co solche Situationen doch kennen und wissen, wie man damit umgeht. Wenn sie wirklich den Weltmeistertitel haben wollen, dann darf das Auto nicht solche technischen Makel haben. Keine Diskussion, sie haben den Speed, um zu siegen, aber wo ist die Zuverlässigkeit? Gerade in der letzten Saison kam selten einer der beiden Wagen ins Ziel – und wenn, dann selten als erster. Hiervon bin ich wirklich sehr enttäuscht, da nicht zuletzt die Fahrer auch darunter leiden. Sie arbeiten am Rennwochenende hart, um dann vielleicht 20 Runden zu fahren und ihr Auto dann rechts am Straßenrand abzustellen und zu sehen, wie ihr Gegner wieder gewinnt?
Ein weiterer Minuspunkt ist meines Erachtens eindeutig Ron Dennis. Er mag vielleicht ein herzensguter Mensch sein, lässt aber doch immer wieder seine Großkotzigkeit und seine Übermacht am Team aus. Mir kommt es so vor, als spiele er wie mit Marionettenpüppchen mit den Mitarbeitern und was er sagt und tut, ist immer richtig. Er ist sozusagen der, der die Fäden in der Hand hat, der, der über Sieg und Niederlage entscheidet, der König, der alles bestimmt; wie im Absolutismus. Aber leider ist die Formel 1 keine absolutistische Herrschaft, hier muss zusammengearbeitet werden, und das kommt bei mir irgendwie nicht so richtig an.
Was mir im Gegenteil gut gefällt, ist dass die Fehler meist in Interviews von Norbert Haug eingestanden werden und er die Geschehnisse oft aus mehreren Perspektiven sieht. Meist sagt dieser dann aber auch, dass sie ja ein konkurrenzfähiges Auto haben und mit ihnen zu rechnen ist, und was passiert im Rennen dann? – Motorschaden, Hydraulikprobleme oder sonst ein technischer Defekt. Falsche Versprechungen gehören auch zu seinem Spezialgebiet und da bin ich der Meinung, dass er doch gleich die Karten auf den Tische legen kann und sich eingesteht, dass McLaren-Mercedes momentan in einer (kleinen) Tiefphase ist.

MEIN FAZIT
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Also als wirkliche „Loser“, wirkliche Verlieren, würde ich die Silberpfeile im Großen und Ganzen nun nicht abstempeln, aber ihr müsst wirklich sagen, dass sie sich in der letzten Zeit wirklich nicht mit Ruhm bekleckert haben... Auch wenn ich sie jetzt nicht als Loser abstemple, die letzte Saison war für mich eine absolute „Losersaison“... Nun gut, ich habe ja wirklich lange hin- und herüberlegt, ob ich McLaren-Mercedes nun drei oder vier Sterne geben soll... Wie ihr sicherlich mitbekommen habt, habe ich ziemlich viele negative Aspekte aufgezählt und nur wenig positive. Ich gebe den Silberpfeilen aber trotz aller Kritik vier Sterne, da sie sich immer wieder aus den tiefsten Löchern hochgearbeitet und nie aufgegeben haben und zudem merkt man ja, dass sie hart daran arbeiten, wieder an die Spitze zu kommen. Am liebsten würde ich ja 3½ Sternchen vergeben, aber das geht leider nicht.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Mikafan

Mikafan

14.08.2002 16:57

Ich würde McLaren Mercedes nie ein Loser-Team nennen. Im Moment kommt niemand an die Ferraris dran, also sind alle Teams jetzt Loser? Auf ihren Erfolg mussten die Ferraris allerdings auch 21 Jahre warten, waren sie da auch Loser?

Schluench

Schluench

18.03.2002 16:20

Ich bin nicht gerade so der McLaren - Fan. Und die Leistung in Malaysia war auch nicht gerade berauschend, naja, beide ausgefallen. Sehr zuverlässig sind die Wagen aber auch nicht! Tolle Meinung. Schluench

Placebo81

Placebo81

17.03.2002 17:10

Interessanter Bericht, ich denke, dass McLaren diese Saison auf rang 3 zurückfallen wird, dazu haben sie zu wenig Arbeit geleistet, im Vergleich mit Ferrari und Williams... Gruß Placebo

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