Mein Ciao-Jubiläum

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7 Jahre ließ Thomas Mann im „Zauberberg“ Hans Castorp in einer Schweizer Klinik verbringen, 7 Jahre spielte uns Brad Pitt als Heinrich Harrer in Tibet vor. 3 Jahre Ciao sind wohl eher nichts dagegen. Gestern war es bei mir soweit. Bislang habe ich nie Lust oder den Drang verspürt, anlässlich ... Bericht lesen





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Erfahrungsbericht von LosGatos über Mein Ciao-Jubiläum
23.10.2004


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Das Positive überwiegt
Kontra: am Negativen wird sich wohl nie etwas ändern

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

7 Jahre ließ Thomas Mann im „Zauberberg“ Hans Castorp in einer Schweizer Klinik verbringen, 7 Jahre spielte uns Brad Pitt als Heinrich Harrer in Tibet vor. 3 Jahre Ciao sind wohl eher nichts dagegen. Gestern war es bei mir soweit. Bislang habe ich nie Lust oder den Drang verspürt, anlässlich solcher Jubiläen (100. Bericht, 2 Jahre Ciao etc.) etwas zum besten geben zu müssen. Aber vielleicht ist es dieses Mal der geeignete Moment.


MEINE CIAO-BERICHTE

Sehen wir erst einmal das Positive. Durch Ciao habe ich <LosGatos> die Lust zum Schreiben entdeckt und sicher auch erst nach und nach entwickelt. Ich habe hier meinen Stil gefunden, ohne dabei so festgefahren zu sein, dass ich nicht hin und wieder neue Ideen und Perspektiven gefunden habe. So habe ich mir nicht nur die Stimmen von Robert Redford oder Jack Nicholson ausgeliehen, zuletzt spielte ich gar eine Katze, was natürlich bei LosGatos auch irgendwie nahe liegt. Ein früherer Journalist sagte mir einmal, meine Beiträge hätten durchaus journalistische Qualität, derart, dass ein gelernter Journalist darauf schon neidisch sein müsste. Solches Lob spornt natürlich zum Weitermachen an.

Über 200 Beiträge habe ich in 3 Jahren Ciao geschrieben. Dabei habe ich die Leser an vielen meiner Reisen teilnehmen lassen, obwohl ich nicht verhehlen will, dass ich diese Reiseberichte in erster Linie für mich selbst schreibe, so dass Ciao hier eher die Rolle des Zweitverwerters zukommt. Denn wenn man seine eigenen Reiseerlebnisse nach 2-3 Jahre mal wieder liest, wird man feststellen, wie viel man inzwischen vergessen hat. Und darum wäre es doch schade. Wen es interessiert, bei den Reisethemen habe ich folgende Reiseziele behandelt:

USA, Australien, Seychellen, Kanarische Inseln, Mallorca, Schottland, Rhodos, die Azoren, Peking und Rügen. Kann durchaus sein, dass ich bei der Aufzählung was vergessen habe.

Vor allem jedoch habe ich sehr viele Besprechungen zu CDs geschrieben, von den Bee Gees bis hin zu Joan Baez, von Melina Merkouri bis zu Insterburg&Co. Und mein CD-Schrank gibt noch einiges an Material her. Neben musikalischen Rezensionen gab es auch hin und wieder, wenn auch vergleichsweise seltener, meine Eindrücke zu Büchern und Filmen.

Aber ich habe auch weniger emotionale, sondern nüchterne und rein informative Berichte zu Finanzthemen (Versicherungen und Banken) geschrieben. Und manchmal habe ich mich sogar Ciao-typischen Produktthemen gewidmet, wenn auch auf Ciao-untypische Art. So waren weder Pizze in Pappschachteln, ein Joghurt noch Currywurst als Fertiggericht vor mir sicher (hier lieh mir der Kanzler seine Stimme).

Und da Ciao eine riesige virtuelle Theaterveranstaltung ist, durften auch Glossen (über Fußball) und Satiren zum Thema Ciao nicht fehlen. Hier erfand ich den Ciao-Helden Tschauwald Schreibermanns, zu dem mich mehrere User (nur einer von ihnen ist noch aktiv) unfreiwillig inspirierten. Ein anderes Mal brachte ich meine Ciao-Version von „Wer wird Millionär?“, nach einer vorübergehenden Löschung durfte ich den Beitrag wieder einstellen. So blieb in 3 Jahren nur einer meiner Beiträge dauerhaft auf der Strecke, vor allem deshalb, weil er von einigen Ciao-Usern nicht verstanden wurde. Aber auch dieses Werk mit dem Titel „Der 3-Cent-Mord“ lebt auf anderen Internet-Seiten außerhalb von Ciao noch weiter.

Und natürlich gibt es Artikel, die mir selbst sehr am Herzen liegen. Dabei handelt es sich um alles, was mit meiner Heimatstadt Braunschweig zu tun hat, aber auch z.B. um meine „Magical Mistery Tour“ durch den Englischen Garten in München.


DIE USER

Das zweite Positive an Ciao sind natürlich seine User. Gewiss nicht alle User, aber sehr viele (mein NdV vermittelt nur ein sehr ungenaues Bild darüber), Namen brauche ich nicht zu erwähnen. Wer gemeint ist, wird es schon wissen. Dabei ist es wie im richtigen Leben, es kommen immer neue Bekannte dazu, andere verliert man aus den Augen. Denn so etwas wie Ciao, das ist für die wenigsten etwas auf die Dauer, obwohl es bei Ciao tatsächlich einen User gibt, der neulich von sich gab, er möchte mit Ciao alt werden. Hoffentlich ist er mir nicht böse, wenn ich das jetzt schreibe, denn er war schon mal eine Zeit lang nicht gut auf mich zu sprechen. Ich denke aber, dass sich das inzwischen gelegt hat, halte ich ihn doch im Grunde für einen netten Kerl (soweit man das rein virtuell beurteilen kann).

In so einer Community kann man feststellen, dass es immer wieder Zoff zwischen Usern gibt. Auch ich selbst bin schon oft Zielscheibe solcher Attacken gewesen. Dabei versuche ich stets, relaxed zu bleiben und Ciao nicht unnötig ernst zu nehmen. Das gelingt manch anderen Usern offenbar ganz und gar nicht. Erst kürzlich las ich im GB eines anderen Users folgenden Eintrag:
„......Das einzige, was Sympathie oder Antipathie bei mir ausmachen ist, dass ein Mensch, den ich nicht ab kann, garantiert kein BH von mir bekommen würde. Habe eben erst von einem mir sehr unliebsamen Zeitgenossen (den ich auf den Tod nicht ab kann) einen Bericht über "Spiel mir das Lied vom Tod" mit SH bewertet. Würde ich es den anderen hier gleich tun, hätte ich den Bericht mit H abwerten müssen (was auch seine bevorzugte Bewertung bei mir ist).....“.
Aus dem Kontext geht eindeutig hervor, dass mit dem Meistgehassten LosGatos gemeint war. Ich hatte mit meinem letzten Beitrag nicht beabsichtigt, dass man mir gleich das Lied vom Tod singt. Noch Fragen? Da, wo Ciao Hass „bis auf den Tod“ auslöst, muss man sich fragen, ob dieser User nicht besser auf die Couch eines Psychiaters als in eine Internet-Community gehört. Es ist klar, dass so jemand von mir in Zukunft „nicht einmal mehr ignoriert“ wird. Bleibt noch festzustellen, dass ich es diesem User natürlich nicht gleich getan und ihn beim QM „gemeldet“ habe. Schließlich hat das arme QM aufgrund dieses Users genug Arbeit. Denkbar wäre aber auch, dass Ciao aus Gründen der Kosteneinsparung dem Betreffenden bereits Administratorrechte eingeräumt hat, damit er die Löschungen von ihm nicht akzeptierter Bewertungen und das Sperren ungeliebter User gleich selbst vornehmen kann.

Die Hilfreich-Bewertungen scheinen in der Tat immer noch das allergrößte Problem bei Ciao zu sein. Obwohl seit Einführung der BHs ein „Hilfreich“ längst nicht mehr die Abschuss-ins-Nirvana-Wirkung hat wie früher, sind viele User mit der drittbesten von 6 Bewertungsstufen nicht zufrieden. Ob das in der Schule bei denen früher auch so war? Wahrscheinlich haben gerade solche User, die meinen, ein Recht auf mindestens „sehr hilfreich“ gepachtet zu haben, hinsichtlich guter Bewertungen einen großen Nachholbedarf, weil Ciao vielleicht der einzige Platz in ihrem Leben geworden ist, wo sie Anerkennung finden konnten. Ciao erscheint mir somit manchmal wie eine Art Bahnhofsmission für die, die den Zug (des Lebens) verpasst haben. Es gibt da unter den Usern jedoch noch ganz andere kuriose Ausprägungen. Jeder von uns kennt bestimmt irgendeinen Akademiker, der mangels geeignetem Job irgendwann mal Taxi gefahren ist oder es vielleicht noch immer tut. Früher war das typisch für Geisteswissenschaftler, die sogenannten „...logen“, heute kann das natürlich jeden treffen, vom Pfarrer bis zum Ingenieur. Somit bietet Ciao zumindest eine Möglichkeit des Zeitvertreibs, vor der selbst promovierte Akademikerinnen nicht zurückschrecken. Woher ich das weiß? Nun, bis zu 400 meist sinnlose, oberflächliche und im Minutentakt abgegebene Kommentare pro Tag sprechen doch wohl eindeutig dafür, dass hier ein Fall von Klicksucht vorliegt.

Soviel zu einigen besonders „schwerwiegenden“ Fällen. Dabei gibt es bei Ciao durchaus viele sehr gute und lesenswerte User. Viele von ihnen beschränken sich jedoch auf Spezialthemen wie Literatur, Film oder Musik-Rezensionen oder haben sich fast ganz in die Ecke des Ciao-Cafés zurückgezogen, weil sie hier ihresgleichen finden oder weil sie vielleicht nur hier von Ciao geduldet werden. Denn die Hauptzielgruppe unter den Usern scheinen aus Ciao-Sicht die Dümmsten der Dummen zu sein. Wer brav und kritiklos das nachplappert, was die Werbung verbreitet, ist hier gern gesehen. Denn Ciao bietet eine kostengünstige Möglichkeit der Produktwerbung, das Märchen von der Verbraucherplattform dient nur als Vorwand. Wenn einzelne User die Berichte einiger selbsternannter Plattformgötter kritisch und auch unter Angabe stichhaltiger Begründungen schon mal mit „hilfreich“ oder schlechter bewerten, ist das QM in der Regel sehr schnell dabei behilflich, die ungeliebten Bewertungen zu löschen. Hier wird sehr deutlich, dass der Gedanke der Verbraucherplattform klar im Hintergrund steht. Berichte, die aufgrund der berechtigten Kritik weniger weit vorne in der Platzierung innerhalb der Kategorie stehen sollten, werden mit Hilfe von Zensur gefördert. Auf der anderen Seite habe ich es schon einige Male erlebt, dass kritische Berichte von mir zu Produkten oder Dienstleistungen von „unbekannt“ mit „nicht hilfreich“ bewertet wurden. Hier dürfte es sich nicht um sogenannte Zweitaccounts handeln, sondern um Kontrollaccounts der betroffenen Firmen. Ich sehe jedoch keinen Grund, warum solche Bewertungen nicht trotzdem stehen bleiben sollten.

Ansonsten ist mir aufgefallen, dass sich in der anonymen Welt des Internet ausgesprochen viele „outen“, sei es, dass sehr Intimes verraten wird, was ich eher peinlich finde, oder sei es, dass viele kein Hehl daraus machen, anders gepolt zu sein. Im realen Leben kenne ich kaum Schwule oder Lesben. Wahrscheinlich kenne ich schon genügend, aber ich weiß es nicht. Die scheinbare Anonymität lässt jedoch alle Hüllen fallen. Und das finde ich sehr positiv. Außerdem ist Ciao ein großer Single-Markt. Schon mancher Topf hat hier seinen Deckel gefunden. Da soll noch jemand sagen, dass Ciao zu nichts gut sei.

Ich selbst rechne mich auch zu den eher kritischen Usern, von einigen gefürchtet, von vielen geachtet, in Anlehnung an einen meiner Ciao-Beiträge nannte mich einst ein User den „Günter Netzer von Ciao“. Aber ich kann alle beruhigen, ich habe einen besseren Friseur. Letztlich geht es mir aber in erster Linie um den Spaß. Ciao ist ein netter Ausgleich, wo schon mal kritische Worte fallen können, wo aber das Positive Denken bei mir stets überwogen hat.


UND WAS SAGT CIAO DAZU?

Gestern, an meinem Jubiläumstag, bekam ich in der Tat eine Mail von Ciao. Anstatt mir jedoch zu gratulieren, drohte man mir an, meinen Account zu sperren. Im übrigen, das erste und einzige Mal in 3 Jahren. Der Grund ist eine „Meisterleistung“ des QM, eine Bestätigung für manches bislang Gesagte und so lächerlich, dass er hier nicht weiter Erwähnung finden sollte.

Ich sage hiermit nicht, dass mir die Lust am Schreiben abhanden gekommen ist, aber wenn jedoch Ciao sein „Versprechen“ wahr macht, dann:


....war das hier mein letzter Beitrag für Ciao.

....kann ich sehr gut damit weiterleben.

....war Ciao eine durchaus nennenswerte Episode meines Lebens.

....hat Ciao LosGatos einfach nicht verdient.

.....sage ich „adios“ zu allen, die ich hier liebgewonnen habe.

Nachtrag:
Mittlerweile hat das auch das QM eingesehen, dass mein Verhalten, das zu der ausgesprochenen Verwarnung geführt hat, völlig korrekt war. Freispruch für LosGatos! (auch wenn das vielleicht nicht jede(n) freut.

Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 23.10.2004
   
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