kein Fehler
29.11.2005
Pro:
angenehm zu lesen, leicht verständlich
Kontra:
ziemlich teuer
Empfehlenswert:
Ja
 bluesunkat
Über sich:
Mitglied seit:25.10.2005
Erfahrungsberichte:6
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 28 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als hilfreich bewertet
Ich schicke es gleich voraus: Ich war schon vor der Lektüre des Buches kein Fan von Marcel Reich-Ranicki, daran hat auch seine Autobiografie nichts geändert. Gelesen habe ich sie trotzdem, aus Neugierde, und um mein Bild des umstrittenen Literaturkritikers gegebenfalls zu differenzieren und zu revidieren. Das Buch ist in - chronologisch geordnete - mehrere Abschnitte seines Lebens eingeteilt.Im ersten Abschnitt, die Zeit bis 1933, beschreibt er seine Jugend und Kindheit. Schon früh spürte er seine enge Verbundenheit zur Literatur und zum Theater. Hier schwelgt MRR in Erinnerungen an Theaterdarsteller der 20er und 30er Jahre - man fühlt sich recht hilflos, da diese heute alle unbekannt und vergessen sind. In dem Abschnitt, in dem seine Zeit im Warschauer Ghetto beschrieben wird, lässt er sich wenig Emotionalität anmerken, meiner Meinung nach ist die Beschreibung der Zustände in Warschau dennoch, oder vielmehr aufgrund des sachlich-nüchternen Schreibstils, die am besten gelungenste Passage dieses Buches. Gerade sein ernüchternder Schreibstil lässt die Grausamkeiten und Unmenschlichkeiten im Judenghetto besonders duetlich erscheinen.Im weiteren Verlauf des Buches sind besonders die Stellen interessant, wo MRR über seine Begegnungen mit und Eindrücke von bekannten Autoren wie Grass, Koeppen, Frisch... erzählt. Im weiteren Verlauf blitzt jedoch immer öfter die schon aus seinen Fernsehauftritten und Zeitungskritiken zu genüge bekannte Arroganz gegenüber anderen Autoren auf. Seine Selbstüberzeugung lässt sich nicht verbergen, wenn er z.B. schreibt, dass er stets umgänglich und versöhnungsbereit ist, nur "die anderen" nicht.Fazit: Stilistisch ist das Buch angenehm zu lesen, sprachlich konservativ, jedoch leicht verständlich. Wer schon genervt von MRR Fernsehauftritten ist, der wird nach diesem Buch noch genervter sein, jedoch ist es zumindest kein Fehler, dieses Buch zu lesen, damit man sich selbst eine fundiertere Meinung über den einflussreichsten Literaturkritiker unser Zeit bilden kann.
Preisvergleich
sortiert nach Preis
|
Mein Leben - Reich-Ranicki, Marcel
Taschenbuch, 336 S., Erschienen: 2005
|
€ 7,90
Händler kann Preis erhöht haben |
21 Bewertungen
|
Versandkosten: versandkostenf...
Verfügbarkeit: sofort lieferbar
|
zum Shop
Buch24
|
|
Mein Leben. - Marcel. Reich-Ranicki
Pappbilderbuch, Lizenzuasgabe,
|
€ 9,95
Händler kann Preis erhöht haben |
157 Bewertungen
|
Versandkosten: EUR 3,21
Verfügbarkeit: Versandfertig in 1 - 2 Werktagen...
|
zum Shop
Amazon.de Marketplace Bücher
|
|
Mein Leben - Marcel Reich-Ranicki
Marcel Reich-Ranicki wird viel bewundert und viel gescholten, ist bekannt und ...
|
€ 14,99
Händler kann Preis erhöht haben |
11 Bewertungen
|
Versandkosten: EUR 0,00
Verfügbarkeit: Sofort lieferbar
|
zum Shop
thalia.de
|
* Alle Preise inkl. gesetzlicher MwSt und ggf. zzgl. Versandkosten. Preise, Verfügbarkeit und Versandkosten können im jeweiligen Shop zwischenzeitlich geändert worden sein, da eine Echtzeit-Aktualisierung technisch nicht möglich ist. Maßgeblich sind immer die Preise und Angaben auf der Händlerseite. Alle Angaben ohne Gewähr.
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
Das könnte Sie interessieren
Verwandte Tags für Mein Leben / Marcel Reich-Ranicki
|
|
07.12.2005 15:26
Ich vergebe ein "hilfreich" in erster Linie für Idee, eine Rezension über eine Biographie abzuliefern, denn das gibt meist nichts. Das Leben eines anderen kann man ja schlecht beurteilen, ohne auch anhand anderer Quellen in die materie einzusteigen und über die Form des Ganzen kann man sich ja auch nicht stundenlang auslassen. Was MRR angeht, sehe ich ihn schon mit gemischten Gefühlen. Klar habe ich seine Ausbrüche beim Lit. Quartett genossen, jedoch muß man fairerweise auch sagen, daß eigentlich nur Karasek und Löffler zu einer halbwegs ausgewogenen Beurteilung fähig waren und die arrogante und tendenziöse Doziererei von MRR doch - in MRR-Sprech - "unertrrräglich" anmuteten. Irgendwann driftete das Ganze bei ihm doch auch ins Lächerliche ab. Ein Verlag hat auf dem Buchrücken von Cees Notebooms "Rituale" MRR zitiert mit den Worten, daß dies ein Roman sei,d er hauptsächlich von Erotik handele und das ist ganz großer Blödsinn. MRR steht ja sehr auf schwitzige Altherrenphantasien in der Literatur und da wird ein Buch gern mal auf seinen pornographischen Unterhaltungswert reduziert. Sein bizarrer Angriff auf die Löffler damals, als "Gefährliche Geliebte" abgehandelt wurde, stellte wirklich den Tiefpunkt seiner Karriere dar, finde ich. Löffler hat schon irgendwie recht, wenn sie ihm "mediale Inkontinenz" unterstellt, wie mich auch seine großkotzige Kanon-Feldherren-Attitüde irgendwie abstößt.
30.11.2005 10:40
Ich denke, ein an sich guter Bericht, den man aber auch noch ausbauen könnte (siehe Meinung Miss Piper) fränzy
29.11.2005 19:49
Als Einstieg sehr brauchbar, ich werde hier informiert - und zwar ausreichend. Mehr braucht es eigentlich, als Kurzrezension ist dies angemessen, Erweiterungen liegen im Ermessensbereich, sprachlich sehr überzeugend. Ceterum censeo: Peter Handke ist wirklich unlesbar.