Ne, kann er doch nicht

1  11.08.2010

Pro:
Unterhaltung für Arme

Kontra:
der ganze Rest

Empfehlenswert: Nein 

Details:

Kultstatus:

Durchhaltevermögen:

mehr


KleenerApfel

Über sich: Ich bin schwierig. Ich bin schüchtern. Ich bin arrogant. Ich bin anders. Ich bin chaotisch. Ich bin ...

Mitglied seit:07.08.2001

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 154 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Was tun, wenn man einem die nachmittägliche Talkshow genommen und sämtliche Sendeformate im momentanen Fernsehen noch nicht bekloppt genug sind? Genau, man wird Moderatorin seiner eigenen tollen Spielshow. Das muss sich auch Britt Hagedorn gedacht haben, der seit der Absetzung sämtlicher Talkshows wohl ein wenig zu langweilig zu Hause geworden ist. Schon Wochen vorher wurde die neue Show im Fernsehen angeheizt, dass das Format aber noch ärmer als Big Brother, Solitary & Co ist, hat mich dann teilweise aber doch nicht überrascht. Wobei schon eine gehörige Portition an Kreativität dazugehört, um diese Sendeformate noch zu unterbieten. Nun, auf Britt und Sat1 ist eben doch Verlass.


Das Konzept


Klingt einfach? Ist es auch. 4 Pärchen treten in der Show an, um am Ende 50.000 Euro zu kassieren. Die Männer werden wie die Affen in Glasvitrinen hinter ihren holden Weibern abgeladen und die Frauen pokern mit Britt darüber, was ihr Mann so drauf hat. Wer sich ein bisschen mit Poker auskennt, weiß ja, wie das geht. Die Damen bekommen zu Beginn die gleiche Anzahl an Pokerchips. Vor jeder Runde muss jede den Grundeinsatz bringen, der sich mit jeder weiteren Runde auch erhöht. Damit Britt auch was zu tun bekommt und nicht nur debil in die Kamera grinst, liegt es nun an ihr, die jeweiligen Aufgaben aufzudecken und zu erklären. Das macht sie dann auch so gut, dass man noch Harro Füllgrabe braucht, der bis dahin auch nutzlos in einer Ecke abgestellt wurde, damit die Zuschauer bzw. das Publikum die Durchführung bzw. Aufgabe überhaupt schnallen. Denn der Harro führt trotz ellenlanger Erklärung jede Aufgabe selbst vorher durch.
Was nun kommt, ist die erste Runde noch interessant, danach bauen sich mehr und mehr Aggressionen auf. In insgesamt 6 Vorrunden müssen die Biester am Pokertisch die meisten Chips erbeuten. Gewinnt der jeweilige Mann die Aufgabe, bekommt die Frau den Pott. Lost er völlig ab, wird der Pott auf die anderen Damen verteilt. Nach 4 Runden fliegt ein Paar raus. Nach weiteren 2 noch eines, sodass in der Finalrunde nur noch... na? Richtig! 2 Paare übrig sind und gegeneinander spielen. Das Konzept ist nun absolut nicht der Brüller, wahrscheinlich traut man Britt nix Tiefgründigeres zu.


Die Moderation


Schlecht. Schlechter. Grottig. Welche Qualifikationen nun Britt und Harro mitbringen, ist mir absolut schleierhaft. Ich tendiere ja sacht zu: gar keine. 1 1/2 gesehene Folgen habe ich durchgehalten und auch die nächsten Folgen werden sich wohl nicht wirklich von den schon gezeigten unterscheiden. Britts einzige Motivation und Aufgabe scheint die zu sein, gut ausszusehen und mit den Frauen über die Sinnlosigkeiten des Lebens zu plaudern. Der Pokertisch mutiert zum Kaffeekränzen und die kleine Frauenrunde erinnert an Kaffeeklatsch mit Ralph Morgenstern. Dieses furchtbar langweilige Szenario wird sich nun über 2h hin ziehen, denn sowohl Britt als auch die Ehedrachen am Tisch schwafeln immer wieder sinnlos daher, überlegen und erzählen Storys aus der Ehe, die nun nicht mal ein grunzendes Schwein interessieren. Britt scheint sich in dieser Rolle sehr zu gefallen, erinnern sie einen doch an die unzähligen Talkshowstunden.
Harro, der laut offizieller Homepage noch nicht einmal zur Moderation gezählt wird, steht derweil brav im Eckchen und wartet auf seine kurzen Einsätze. Irgendwie ein bizarres Bild: Die Ehemänner sitzen dumm in Glasvitrinen, Harro steht teilnahmslos daneben und in der Mitte der Bühne vergnügen sich die Frauen und setzen ihre Männer für absolut bescheuerte Aufgaben.


Die Aufgaben


Während das bisherige Konzept schon absolut traurig ist, ist hier beinahe schon der Tiefpunkt erreicht. Zwiebeln schneiden in einer bestimmten Zeit, Blumen erkennen, Hau den Lukas, auf dem Trampolin rumhüpfen um Würste in der Luft mit dem Mund zu schnappen, Marshmallows in den Mund stopfen, nur um eine Auswahl der Aufgaben der letzten Sendung zu geben. Wer schafft mehr? Wer kann mehr? Nach diesen Kriterien müssen die Furien nun mit ihren Chips den Einsatz bringen, frei nach dem Motto: 4 Chips = 4 Marshmallows, Würste, Zwiebeln usw. Wäre es nicht schon traurig genug, dass die Frauen ihre Männer so dermaßen in der Öffentlichkeit für solche blöden Sendungen bloßstellen, bekommt man nach einer kurzen Zeit das Gefühl, dass die eingepferchten Männer das auch noch toll finden. In den Glasvitrinen benehmen sie sich wie die Affen im Zoo. Sobald die Kamera drauf hält, drehen die Kerle durch und beginnen alberne Grimassen, Figuggchen etc. zu machen. Zu wenig Sauerstoff in dem Kasten oder woran liegts? Es ist weder witzig, noch zeugt es von Intelligenz, ganz im Gegenteil: Es nervt! Man bekommt das Gefühl, als wären da Kinder drin und keine erwachsenen Menschen. Und damit die Kamera, das Publikum und der Zuschauer die albernen Grimassen und Zuckungen auch wirklich sieht, scheuen sie sich nicht, minutenlang ihre Show abzuziehen. Gut, fahrende Schausteller vor 200/300 Jahren hätten sich über solche Koryphäen gefreut. Die wurden eingesackt und zogen als Freakshow durchs Land.
Interessant war auch die Dame der letzten Show, deren Mann Vegetarier war. Ich weiß nicht, was die für eine Ehe führen, aber wenn ich wüßte, dass mein Mann kein Fleisch isst, hätte ich ihn nicht zur Würstchenwette auf dem Trampolin hochgepokert. Das war Nena-Double Uschi völlig egal. Ihr Mann Torsten musste in die saure Wurst beißen und hat von 7 gepokerten Würsten in 2:30 Min immerhin ....... eine geschafft. Da kann man nur spekulieren, ob der arme Torsten da wirklich mit Leib und Seele gesprungen ist.


Fazit


Eine Sendung zum Fremdschämen. Frauen, die ihre Emanzipation feiern und ihre Kerle vor allen Leuten zu Ei machen. Hätte man die Weiber in die Glasvitrinen gesetzt und sie diverse Aufgaben erledigen lassen, was wäre da wohl passiert? Ein Schrei aller Emanzen wäre laut geworden. Das Format wäre als unzumutbar eingestuft wurden. Die Kritik an die Macher wäre enorm gewesen, stellt diese Sendung doch alle emanzipatorischen Bestrebungen und alles bisher für die Frauen Erkämpftes in Frage und wirft diese um Jahrhunderte zurück.
Was aber ist das hier bitte? Ehemänner werden als pure Einsätze gehandelt, in Glasvitrinen ausgestellt und haben keinerlei Mitspracherecht bei dem, was ihre holden Burgfräulein da verzapfen. Die über 2h sind für die lahmarschige Moderation ohne Spannung, Witz und Verstand um einiges zu lang, vor allem, da überhaupt keine Highlights geboten werden. Eine Aufgabe ist dämlicher als die andere. Die Männer machen sich selbst zum Affen. Ein Hilfeschrei? Die Damen hocken nur auf ihren 5 Buchstaben, quasseln sinnlos in die Runde und lassen ihre Kerle mal machen. Dabei scheut sich die eine oder andere auch nicht, private Dinge zu enthüllen. Wann bekommt man schon mal die Möglichkeit auf 1-2h zweifelhaften Ruhm?
Ich bin immer wieder erstaunt, dass sich nach all den Jahren der menschenunwürdigen TV-Formate immer wieder Dumme finden lassen, die ihre Seele und ihr Leben an einen Sender verhökern. Das Schamgefühl scheint in den letzten 10 Jahren freiwillig die Koffer gepackt zu haben. Ich kann es ihm nicht verübeln.

.... und wer solche Frauen hat, der braucht keine Feinde mehr.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Blagger

Blagger

21.05.2011 12:36

Jawollja, die Show geht gar nicht.

reggie1

reggie1

20.03.2011 21:07

ich hab mir das einmal angetan - die Stimmlage von Tante Grit ging gar nicht

PeGra

PeGra

06.01.2011 00:09

Jetzt habe ich extra mit dem Bewerten auf 24 Uhr gewartet (nachdem ich vor 24h einen Beitrag mit "besonders hilfreich" bewertete, wurde mir mitgeteilt, ich dürfe max. EINEN Beitrag so bewerten - und da kommt dann JETZT die Nachricht, ich darf 3x pro Kalendertag. Aber DAS nur am Rande!) Dein Beitrag spricht mir aus der Seele und ist zudem HÖCHST köstlich geschrieben und wirklich zum Dauerschmunzeln! Meine Frau und ich haben uns jeweils ca. eine halbe Stunde der Sendung "reingezogen", schwankten aber auch zw. Fremdschämen, Diskussion und heftigem Kichern. Unglaublich - eigentlich - was dem Bürger vorgesetzt wird, aber offensichtlich braucht er's (zumindest eine gewisse "Masse"), sonst würden sich Sendeanstalten nicht einen solchen Unsinn ausdenken und ihn vorm Publikum ausprobieren. Sollen wir uns nun auf die Schulter klopfen, dass die Sendung eingestampft wurde - oder schämen, dass sie ausprobiert wurde?

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  1. PeGra
  2. dagmar2
  3. elaysa1994
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  1. Barbara01
  2. Trisa
  3. Blagger
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