Mein wertvollstes Buch

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... Mein Vater entging dem Inferno durch Glück, passiere er Dresden doch auf Fronturlaub einen Tag zuvor. Von 1976- 1979 studierte ich in der Stadt und hatte die Gelegenheit mich mit der Vergangenheit vertraut zu machen. Geschlossen war die Lücke zwischen Bahnhof und Elbe, der Zwinger, die ... Bericht lesen





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Schicksale deutscher Baudenkmale im 2. Weltkrieg
Erfahrungsbericht von straus07 über Mein wertvollstes Buch
26.02.2007


Produktbewertung des Autors:   


Pro: einmalige Dokumentation
Kontra: sicher wenig bekannt

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht


Das Buch passt zu meinen 400. Bericht handelt es sich doch um ein Gebiet das fast platt gebombt wurde und deshalb hole ich den Bericht wieder einmal nach vorn.

Sonntag sichtete ich wieder einmal meine Schätze und erfreute mich an einem einmaligen Werk, obwohl erst knapp 30 Jahre alt . Ich bot Ciao " mein wertvollstes Buch" an und hier ist es.

Seit frühester Kindheit haben es mir Bücher angetan und solang ich das nötige Kleingeld hatte, sammelte und kaufte ich wertvolle Bücher.
Mehrere Tausende Bücher und andere Dokumente haben sich dabei angesammelt und es ist schon schwer zusagen, was das wertvollste davon ist.
Jahrzehntelang arbeitete ich als ehrenamtlicher Vertriebsmitarbeiter im Volksbuchhandel der DDR mit Erfolg. Sicher gab es 10 % Provision für jedes in Arbeitskollektiv verkaufte Buch, aber das war nicht das Entschiedenste, wichtiger war, das man in der Regel all das bekam, was man auch wollte und ich wollte so allerhand.
Eine Besonderheit war, das die Publikationen des Dietz- Verlages Berlin, des Verlages der SED eine besondere Rolle bei der Planerfüllung und damit Prämienauszahlung der Volksbuchhandlungen spielte und Prämien in Großenordnungen gab es nur, wenn Dietz erfüllt war, was bei den subventionierten Preisen und den oft nicht gerade "populären "Themen des Verlages gar nicht so einfach war.
Dort wo ich wirkte, gehörte aber diese Literatur zum gesellschaftlichen Alltag und so verhalf ich meinen Stammbuchhandlungen zur Erfüllung ihres Dietz- Planes.
Als Gegenleistung bekam ich dafür all das geliefert, was es eigentlich gar nicht gab und dazu gehörten die nachfolgenden beiden Bände.

Schicksale deutscher Baudenkmäler im zweiten Weltkrieg. Eine Dokumentation der Schäden und Totalverluste auf dem Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik. Mit 2040 Abbildungen.

Band 1

In Wort und Bild werden Bauten aus Berlin- Hauptstadt der DDR, der Bezirke Rostock, Schwerin, Neubrandenburg, Potsdam, Frankfurt/Oder, Cottbus und Magdeburg vorgestellt.

Berlin erlitt zwischen dem 07/8. Juli 1940 und 20./21. April 1945 310 Fliegerangriffe, darunter 40 schwere und 29 Großangriffe. 45517 Tonnen Bomben verwandelten 28,5 qkm bebauter Fläche in eine Ruinenlandschaft.
Was übrig blieb wurde dann durch die Kämpfe um die " Festung Berlin" durch die Rote Armee durch Artillerie und andere Kampfhandlungen zerstört.
Vieles wurde zu DDR- Zeiten, insbesondere "Unter den Linden" und angrenzendem Terrain wieder aufgebaut, anderes ging für immer verloren.
Imposant sind die vielen Bilder, innen und außen, des Stadtschlosses, das bei einem Großangriff am 2./3. Dezember 1943 getroffen, wurde und mit all seinen Schätzen bis auf die Umfassungsmauern ausbrannte.
Was übrig blieb wurde in Ost- und Westberlin eingelagert bzw. aufgestellt, die Ruine der Spreetrakte wurden 1957, die Reste der Ungerschen Torgebäude 1960 beseitigt.
Die Mär von der Sprengung des Stadtschlosses der Hohenzollern durch Ulbricht hält sicher einer objektiven Bewertung nicht stand.

Bezirk Rostock:

Auch die alten Hansestädte an der Küste fielen den Bomben zum Opfer.
Auch hier wurde vieles wieder aufgebaut, anderes ging für immer verloren.
Leider gibt es auch Verluste, die hier nicht aufgezeichnet sind wie das Putbuser Schloss oder Teile der mittelalterlichen Wohnsubstanz der Städte, weil man das Geld in Plattenbauten am Rande der Städte und weniger zur Altstadtsanierung nutzte. Stralsund , ich studierte 4 Jahre dort, hat mir persönlich immer weh getan, einerseits große Anstrengungen zur Restaurierung der alten Patrizierhäuser und Kirchen, andererseits grausige Zustände in der Altstadt.

Bezirk Schwerin:

Hier traten Verluste insbesondere durch Brände bei den Kämpfen der letzten Kriegstage auf und betraf Schlösser und Gutshäuser, anders - hier nicht verzeichnet ging den Bach runter durch Dummheit, Uninteressiertheit und politischen Fanatismus der Akteure der Zeit danach.

Bezirk Neubrandenburg:

Ähnliches kann man über diese Gegend sagen, obwohl hier oft heute unbekannt, die Tatsache eine Rolle spielte, das bedeutende Rüstungsfabriken hier bestanden hatten und man von Seiten der Amerikaner und Engländer durch Bombardierungen solcher Städte wie Anklam, Prenzlau, Pasewalk, Demmin, Neustrelitz, Neubrandenburg die Infrastruktur treffen wollte und dabei die bauliche Substanz der Innenstädte schwer traf.
Andererseits war der Widerstand gegen die vorrückende Rote Armee stärker als in anderen Gebieten des Nordens.

Bezirk Potsdam:

Hier traten die meistens Verluste in Potsdam durch Luftangriffe auf, Verluste gab es aber auch bei den Kämpfen um Berlin im April/Anfang Mai 1945.
Auch hier wurde manches getan, es hat aber lange gedauert, bis man hier verstärkte Anstrengungen unternahm galt durch Potsdam als die Metropole des Preußentums und des deutschen Militarismus und Imperialismus.

Bezirk Frankfurt/Oder:

Dieses Gebiet war Hauptkampfgebiet beim Sturm auf Berlin 1945 durch die Rote Armee.
Einerseits fiel manches russischen Artillerieangriffen zum Opfer anderes wurde von zurückgehenden deutschen Einheiten gesprengt oder in Brand gesetzt und natürlich fielen viele der Kleinstädte, mit einer umfangreichen Rüstungsindustrie in der Umgebung, mit ihren Zentren angloamerikanischen Luftangriffen zum Opfer.
Besonders hart traf es Frankfurt/Oder und leider investierte man auch hier mehr in die Neubauten an den Stadträndern als in die Innenstadt.

Ähnliches kann man über den Bezirk Cottbus berichten.

Bezirk Magdeburg:

Große Verluste gab es auch in diesem Gebiet war es doch ein wichtiges Industrie- und Rüstungsgebiet in Mitteldeutschland und oft Ziel der Briten und Amerikaner.
Viele der Bauten des frühen Mittelalters in Magdeburg, Halberstadt wurden in Schutt und Achse gelegt und leider konnten viele der Verluste nicht wiederhergestellt werden. Sicher fehlten hierzu die materiellen und finanziellen Mittel, aber mit Entsetzen besichtigte ich die 1986 Altstadt und Dom und konnte es nicht fassen, das manche der Bilder mich stark an die Aufnahmen von 1945 in dem Buch erinnerte.


Band 2
beschäftigt sich mit den Bezirken Halle, Leipzig, Dresden, Karl-Marx-Stadt ( Chemnitz), Erfurt, Gera und Suhl.

Alle diese Gebiete in Sachsen, Sachsen- Anhalt und Thüringen waren wichtige Ballungsgebiete, Zentren der Rüstungsindustrie, Verkehrsknotenpunkte u.a. und oft Ziel angloamerikanischer Luftangriffe.
Städte wie Leipzig, Chemnitz, Zwickau, Dessau, Halle, Zeitz, Erfurt, Jena, Suhl traf es besonders hart aber auch Dresden, war nicht die friedliche offene Kunstmetropole, wie man es oft seit 1945 in Ost und West gern darstellt, sondern Stadt der Rüstungsindustrie, der Wissenschaft und Forschung, eine wichtige Verkehrs- und Kommunikationsmetropole und natürlich spielte sie bei der Demoralisierung der Deutschen sowie im Kräftepoker der Westmächte und der vorrückenden Roten Armee eine Rolle.
Ich selbst habe 1952 das erste Mal Dresden gesehen und war erschüttert über das fast freie Feld zwischen Hauptbahnhof und Elbufer und irgendwie stieg mir noch ein Brandgeruch in die Nase.
Mein Vater entging dem Inferno durch Glück, passiere er Dresden doch auf Fronturlaub einen Tag zuvor.
Von 1976- 1979 studierte ich in der Stadt und hatte die Gelegenheit mich mit der Vergangenheit vertraut zu machen. Geschlossen war die Lücke zwischen Bahnhof und Elbe, der Zwinger, die Hofkirche und Umgebung, die Semperoper neu entstanden und die Ruine der Frauenkirche mahnte zum Frieden.
Am Schloss handwerkelte man sicher nur pro forma auf Druck der Dresdener - es lag immer ein Haufen Sand vor einem Eingang und irgend jemand schlug ab und an mit einem Hammer an eine Holztür und das über 3 Jahre.
Das die Frauenkirche und das Schloss wiedererstehen werden, glaubten nur weltfremde Spinner.
Irgendwann ist auch bei mir wieder einmal Dresden dran.


Allgemeines:

Beide Bände erschienen 1978 im Henschelverlag Kunst und Gesellschaft Berlin.
Beide Bände haben knapp 1000 Seiten mit vielen hochwertigen schwarz- weiß Fotos.
Sie haben einen Leineneinband, gedruckt auf Hochglanzpapier mit einem umfangreichen Anhang- und Quellenverzeichnis. Dazu gibt es einen Schubber, was bei DDR Büchern allgemein nicht üblich war.
Das Ganze kostet zu DDR- Zeiten den stolzen Preis von 140 DM -DDR, im wiedervereinten Deutschland heute sicher einige Tausend Euro, wenn so was überhaupt gedruckt wird.
Interessant ist noch zu wissen, das man dieses Werk nur selten in öffentlichen großen Bibliotheken fand und wenn, konnte es nur im Lesesaal eingesehen werden.
Alles was Rang und Namen hatte in den beiden deutschen Staaten und Westberlin, gehörte zu den Autoren und interessant ist was man im Impressum lesen kann:

" 1. Auflage. Verlagsrechte bei Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1978, Lizenz-Nr. 414.235/50/78. Kartengenehmigung- Nr. P 391/76, P247/77. LSV-Nr. 8122. Lektorin: Dorette Eckardt, Gestaltung: Henry Götzelmann. Printet in Berlin (West). Satz, Reproduktion und Druck: Druckhaus Norden GmbH, Berlin ( West). Buchbinderische Verarbeitung: VOB Kunst- und Verlagsbuchbinderei Leipzig..."
Über die Auflagenhöhe ist nichts bekannt, sie dürfte sehr niedrig sein und damit es sich rechnete, hat man sie sicher gegen die andere Währung im Westen verkauft.

Fazit:
Beide Bücher sind eine wertvolle Bestandsaufnahme und zeigen den ganzen Wahnsinn und Irrsinn des Krieges. Wiederaufbau und Beseitigung der Schäden erforderte gewaltige Anstrengungen und materielle und finanzielle Voraussetzungen, die in der DDR nur beschränkt dafür vorhanden waren bzw. dafür eingesetzt werden konnten. Private Anstrengungen und private Investitionen in Denkmalspflege und Wiederaufbau wertvoller Bausubstanz hatte keine Grundlage und wurde auch nicht durch Steuererleichterungen, staatliche Zuschüsse u.a. gefördert. Volkseigene Betriebe , Volksgüter und andere waren mit anderen , oft nicht ihrer Wirtschaftlichkeit dienenden Aufgaben , überfordert und kaum an solchen Vorhaben aus eigenen Antrieb interessiert.
Trotzdem wurde Großartiges durch die stattliche Denkmalspflege und der Kirchen- oft auch mit Westgeld- sowie bestimmter Vereine geleistet obwohl insgesamt die DDR damit überfordert war.
Dir Orientierung auf das "Wohnungsbauprogramm in der Honeckerzeit", gleichzeitig verstärkte Forderungen an die Landesverteidigung durch den Warschauer Vertrag sowie sich verschlechternde Außenwirtschaftsbedingungen ließen Denkmalsschutz, Baudenkmalswiederherstellung u.a. nur noch
in geringem Maße zu.
Aber das wäre ein neues Thema, mit dem sich Fachleute herumschlagen müßten.

Das hat aber wenig mit den beiden Büchern zu tun, die , wie wir sehen, eine seltene echte deutsch- deutsche wertvolle Gemeinschaftsarbeit sind und ich bin stolz, sie zu besitzen.    


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01.01.1970
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Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich

sehr hilfreich
01.01.1970


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Haupteigenschaften

Kategorie: Kunst / Architektur

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